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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-04-01 · Heft 10 (1.4.1893) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 10 (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Mesterreichisch-ungarifche Lantoren-Zeitung. Nr. 10. zu geläuterterter Gesinnung, zu Humanität und Menschenliebe, als wodurch allein die Freiheit innerhalb der Menschheit sich verwirklicht. In diesem Sinne ist Fischhof ein Hohepriester der Freiheit ge- ן wesen, wie wenige. Sein Leben ist seine Lehre, denn nie hat ein Mensch das, was er für wahr und recht erkannt, was er gewollt und erstrebt hat, deutlicher, schöner und nachahmungswürdiger in seinem Leben ausgeprägt, als er gethan. Darum sind Beide, seine Lehre, wie sein Leben unsterblich. Die Frühlingszeit, in welcher wir uns befinden, und die Befreiung Israels aus Egypten, an welche bas nahe Fest erinnert, sie predigen beide die große Wahrheit der Auferstehung. So wird auch das Bild Fischhof's auferstehen, wenn nach den Tagen der Berdunkelung, in welcher wir uns jetzt befinden, ein neuer Frühling anbrechen wird für das, wofür er gelebt und gestritten, für Recht und Freiheit. Amen!" Die Anwesenden waren durch Dr. Güdemann's Worte tief ergriffen und die Rührung rang im Schluchzen nach Ausdruck. Hierauf wurde der Sarg unter Absingung der üblichen Psalmen gehoben und von Professor Dr. Eduard Such, Dr. Kronawetter, Baurath Stiaßny und dem Obmann des demokratischen Vereines am Neubau Kreuzig auf der einen, von den Obmännern demokratischer Vereine Flamm, Schotola, Neustadtl und Schmidt, dem Picepräsidenten des demokratischen Centralvereines auf der anderen Seite zur letzten Ruhestätte getragen. Diese ist ein Ehrengrab in der ersten Hauptallee nächst der Ceremonienhalle in unmittelbarer Nähe der Ehrengräber Salomon Sulzer's und des Dichters Leopold Kompert. 'Nachdem der Sarg niedergestellt worden war, trat Professor Eduard Sueß auf eine erhöhte Stelle und sprach Folgendes: ״Adolf Fischhof! An den Rand Deines Grabes tritt ein Student der academischen Legion, um Dir zu danken. Die Feder wallt nicht'mehr vom Hute; seine Haare sind grau und schütter, aber es gibt ׳Erinnerungen, welche verjüngen. An dem Tage, an welchem Tausende die Sprache eines, mündig gewordenen Volkes suchten, da war es Dir vergönnt, jene ersten Worte zu finden, welche glühend in unsere junge Brust sich ergossen. Du sprachst 'zu uns von Mannes würde, und wir loderten auf. Du sprachst zu uns von Menschenliebe, und die Begeisterung trug uns in Sphären, in welchen die letzten Ziele aller Jahrtausende menschlichen Ringens uns greifbar' nahe schienen. Dein eigenes Herz aber ist ein Altar dieser Menschenliebe geblieben, bis cs brach. Du sprachst zu uns von Freiheit; wir jubelten und wir sahen, wie Du selbst, nur den Kampf der. Ideen und den Widerstreit der Interessen. Wie verschiedene Wege auch heute die Vertreter freiheitlicher Gedanken gehen. Alle vereinigen sich in der rückhaltlosen Verehrung Deines Namens. Du sprachst uns schon damals von der brüderlichen Einigung all' unserer vielartigen Völkerschaften, und auch heute glauben wir, dass der innere Friede nur auf den Pfaden des Fortschrittes zu finden ist. Du' sprachst uns von wahrer tiefer Vaterlandsliebe, nicht voii jener passiven Hingebuiig, welche allein wir bis dahin kennen gelernt hatten, und eine innigere wärmere Empfindung gegen dieses schöne Österreich durchzog uns, inniger und wärmer als je zuvor wir sie geahnt hatten, und alle Mitglieder der darnaligen academischen Legion, soweit ich sie gekannt habe, sie sind.alle treue gute Oesterrcicher geworden und geblieben, so wie Du selbst. Was uns damals beseelte, war das Gefühl, dass unser Volk in uiiverdicnter Weise zurückgehalten wurde hinter den ׳Nachbar- Völkern. ׳ Wir scbämteu uns; wir fühlten unsere geistigen Talente unterdrückt und fühlten uns zu gut für solche Knechtschaft. Es ivar ein stolzer echt patriotischer Ehrgeiz, der uns wie mit einem heiligen Feuer vorwärts trieb. Die Bewegung war aber zu neu, zu unerwartet und man verstand si e n i ch t. Heute trennt uns voii jenen Tagen ein Meer von Wechselfällen und'von Enttäuschungen. In langen bitteren Jahren Mussten .wir lernen, wie schwer es ist, dauernde Grundlagen der Freiheit zu legen, und wie langsam die politische Erziehung eines Volkes sich vollbringt. Neben das Streben nach . politischer Freiheit ist mächtig das Streben nach Linderung der socialen Gegensätze getreten und eine neue Generation ist um uns herangewachsen. Möge diese jüngere Generation niemals vergessen, dass ein Volk ohne gemeinsame Ziele eines edleren Ehrgeizes ärmer ist, als ein Herz ohne Liebe und ärmer als ein Garten chne Sonnenschein. Denn das allein sind die glänzendeii, die ehrenvollen Tage in der wogenden Geschichte eines Volkes, in welchen Millionen sich vereinigen zu irgend einer großen und edlen Aufgabe, und das sind die Tage der Erniedrigung, in welchen das Volk gespalten ist und die Theile ihre besonderen Ziele oder gar ihren besonderen Vortheil verfolgen, das ist der Weg zu neuer Knechtschaft. In solche trübe Zeit leuchte dann wie mildes und entferntes Abendroth das Andenken an Dich, Adolf Fisch Hof, und ein abgeklärtes Andenken an jene weihevollen ersten Stunden des Erwachens. Auf Dir hat die Weihe jener ersten Stunden geruht bis an Dein Ende und fleckenlos hinterließest Du uns den 'Namen, an welchem so theure Erinnerungen haften. Ueber uns wölbt sich der hlaitc Himmel, unter uns blicken wir in ein offenes Grab, und an der schmalen Grenze beider vollzieht sich auf der Oberfläche der Erde aller Kampf menschlicher Leidenschaft, menschlichen Glücks und menschlichen Elends. Und jeder von uns ist ein Kämpfer nach seiner Art. Hier aber sehet her, Ihr Alle, das ist der höchste Preis, welcher in diesem Lebenskämpfe zu erlangen ist, das ist der wahre Adel der Menschheit, welcher errungen wird durch schlichte Treue zu sich selbst. Und nun lasset dem alten Studenten das Abschiedswort. Du hast über dieses Feld der Mühsal unsere jungen Herzen emporgehoben in einen Himmel von lichten Idealen nnb hast unverlöschliche Empfindungen uns eingeprägt. Jetzt, wo Du selbst hinabsinkest unter den Boden des Kampfes, beuge ich tiefbewegt mich über Dein Grab. Nimm hin den Dank all' der zerstreut noch überlebenden Reste der academischen Legion. Er folge Dir in die Zone des ewigen Friedens. Ruhe sanft, Adolf Fisch Hy f, unvergessen und beneidenswerth!" Hierauf nahm Abgeordneter Dr. K r o n a w e t t e r das Wort. Er pries die Verdienste Fischhof's um die Völkerversöhnung. Ein positiver Erfolg wurde zwar nicht erreicht. Nach 1848 mussten schwere Unglücksfälle über den Staat Hereinbrechen, dainit uns ein kleines Maß von Freiheit zu Theil werde. Unsere Zeit lehrt, wie tief ein Volk sinken kann, wenn seine Ideale verloren gegangen sind. Das Volk wird eine Beute ehrgeiziger Streber, Unbildung und Neaction erregen die Habsucht breiter Massen. Ein großer Theil unserer Mitbürger wird verfolgt, angeblich, weil er anderer Race angehört, und angeblich, weil er das höchste Wesen in anderer Form verehrt. Auch dem Juden Fischhof blstb manche Kränkung nicht erspart. Doch Fischhof hat sich Aller angenommen, die bei ihm Rath suchten, getreu der Lehre Christi: Liebe deine Nächsten wie dich selbst. Der Redner schloß mit folgenden Worten: ״Deine Ideale, für die Du gekämpft, sie sind in einem großen Theile unserer Bevölkerung lebendig. Wir, die Mitglieder der demokratischen Partei, wollen für Deine Ideale kämpfen, wenn wir Dich auch der Erde übergeben müssen. Bei uns Allen wird Dein Andenken sortleben und uns wird allezeit beseelen der Geist der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Adolf Fischhof ruhe sanft!" Der Präsident der ״Concordia", Professor Warhanek, feierte Fischhos als Journalisten und Freund, an dessen Seite er schon 1848 für die Freiheit gefochten habe. Mit vor Rührung erzitternder Stimme schloß Professor Warhanek, dass er, der Greis noch heute bereit sei, wenn ihn ein ähnlicher Tag rufen werde, wie jener Märztag, dem leuchtenden Vorbilde .F i s chh o f's nachzustreben.

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