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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-03-21 · Heft 9 (21.3.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 9 (21.3.1893)
Date
1893-03-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gesterreichisch-unyarische Läntorcn-Zeituny. Nr: 9. rede gehalten hatte, gelangte der Mendelsohn'sche Psalm ״Was betrübst Du Dich meine Seele" zur Aufführung, wobei Obercantor Schlesinger das Tenorsolo wirkungsvoll zur Geltung brachte. Der Feier wohnten der Bezirksvorstand, die Beamten, der Lehrkörper nnd ein zahlreiches Publicum bei. Liestrrg bei Wien. Gerade am Sabbat UosLb-cbodoscb und ^arsebes-baebaudesLb, wo die Andacht durch das Ausheben von drei Thorarollen erhöht wird, wurde dem Vorstände des hiesigen CulLusvereines jede weitere Abhaltung von öffentlichen Gottesdiensten untersagt. Folgende Thatsache hat sich hier dieser Tage zugetragen. Der Vorstand des hiesigen Cultusvereines sah sich veranlasst, die 33jährigen Statuten aufzulassen und sich auf Grund der neuen Organisation zu constituiren, zu welchem Behufe er die neuen Statuten der hohen k. k. niederösterreichischen Statthalterei zur Genehmigung unterbreitete. Da nun die hohe Instanz von dem Mödlinger Cultusvorstand kein zustimmendes Gutachten über diese Statuten erhielt, so langte dieser Tage der unerwartete Statthaltereibescheid herab, wonach der hiesige Cultusverein völlig als aufgelöst zu betrachten ist. (Vor Schluß des Blattes erhalten wir die Nachricht, dass die Mödlinger Cultusgemeinde die Zustimmung nachträglich ertheilte und somit der Cultusverein in Liesing fortbestehen kann. Die Red.) BrÜNN. Wie uns von befreundeter Seite mitgetheilt wird, feiert Herr L. Stößler, Obercantor und Secretär der israelitischen Cullusgemeinde Neuraußnitz am 8. April d. I. sein 25jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar, der als ein würdiger Vertreter des Cantorenstandes und als ein tüchtiger Beamter allgemein bekannt ist, erfreut sich nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch in den Collegenkreisen außerordentlicher Beliebtheit. Herr Obercantor Heller in Brünn hat die mährischen Collegen zu zahlreicher Betheiligung an diesem Jubiläum aufgefordert, und wir hoffen, dass gewiss auch von vielen Seiten dieser Aufforderung Folge geleistet werden wird. Prag. In Anbetracht der herannahenden Ostern ist es um so bedauerlicher, dass sich die Prager ״Politik" zur Verbreitung eines neuen Ammenmärchens hergiebt. In der Nr. vom 9. d. M. ist folgende Mittheilung zu lesen: ״R ä t h s e l h a f t e s Verschwinden. In Kolin ist am 1. März ein 1?jähriges Mädchen, A. Kysilka aus Ovcar, bedienstet bei einer jüdischen Familie in der Kuttenberger Vorstadt in Kolin, verschwunden und es ist bis zu dieser Zeit kein einziges Zeichen, keine Spur zu ihrem Auffinden vorhanden. Die Verwandten ließen schon Sonntag öffentlich ausrufen, dass sie einem jeden, der die kleinste Spur andeuten könnte, 30 Gulden auszahlen werden, es hat sich aber Niemand gemeldet". Budapest. Der Unterrichtsminister hat verordnet, dass in den Mittelschulen israelitische Schüler an Samstagen und jüdischen Feiertagen durch den betreffenden Schuldirector vom Schreiben und Zeichnen befreit werden können, und zwar ohne jegliche locale Beschränkung, wie bisher, und ohne jede Bedingung, lediglich auf Grund eines hinsichtlich der Unterschrift behördlich beglaubigten Ansuchens der Eltern. Daneben bleibt jedoch die frühere Verordnung aufrecht, wonach der befreite Schüler in den betreffenden Stunden, trotz der Befreiung, anwesend zu sein hat und wenn möglich, z. B. aus der Matüematik, zu mündlicher Verantwortung, ja beim Zeichnen zu mündlicher Erklärung aufgerufen werden kann. Wenn die Classe ausschließlich mit Aufgabenschreiben oder Zeichnen beschäftigt ist und Erklärungen nicht Vorkommen, ist der befreite Schüler aus demselben Lehrgegenstande zu eraminiren oder zur Repetition anzuhalten. Nachdem Schönschreiben wöchentlich nur einmal vorkommt, ist die Anordnung so zu treffen, dass diese Stunde nicht auf den Samstag falle. Die befreiten Schüler sind in den übrigen Stunden umso eingehender zu examiniren. Breslarr. Da Obercantor Cerini die behördliche Bestätigung als Ausländer nicht erhalten hat, hat die hiesige Gemeinde neuerdings Prvbeeinladungen ergehen lassen. Vorletzten Samstag het Herr Obercantor B a ch r a ch aus Gleiwitz, Sohn des Obercantor Bachrach in Prag, einen Probevortrag abgehalten. Für nächstens soll Herr Cantor Ziegelroth aus Brandenburg a. H. berufen werden. Berlin, 12. März. Die streitige Frage, ob den Juden Straflosigkeit für eine durch die Landesgesetze verbotene Handlung! zustehe, wenn dieselbe ihnen durch eine C'cktusvorschrift geboten war,! ist kürzlich durch Urtheil eines Schöffengerichts in verneinendem Sinne entschieden worden. Die Inden hatten aus ihrem Friedhof am Sonntag ein Grab gemacht und gegen die deshalb erhobene Klage mit der Einrede sich zu schützen gesucht, dass es ihnen verboten sei, am Sabbath auf ihrem Friedhofe zu arbeiten, sowie ein Grab über Nacht offen stehen zu lassen. Die Verwesung der Leiche sei bereits stark vorgeschritten und letztere nicht langer im Hause aufzubewahren gewesen; demnach müssten auch die Anfertiger des Grabes straflos bleiben. Das Gericht erkannte jedoch einen die Strafe ausschließenden Nothstand (§ 34 des Neichsstrafgesetzbuchs) nicht an und bestrafte den Angeklagten mit der Begründung, dass da, wo eine Cultusvorschrift mit den Staatsgesetzen in Widerspruch stehe, jene den letzteren nachzustehen habe. Magdeburg. lieber die Amtseinführung des C h a ch a m Baschi in Jerusalem wird nach einem Berichte des ״Habazeleth" der hiesigen Wochenschrift geschrieben: Nachdem die Rabbiner und Gelehrten der portugiesischen Gemeinde beschlossen hatten, Rabbi Ja kobSaul Eljaschar mit der Krone des Oberrabbinats zu schmücken, brachten sie diesen Entschluß am 15. Schebat, nachdem die 30 Trauertage um den verstorbenen Chacham Baschi Panizel zn Ende waren, zur Ausführung. — Nach einem alten, zu Jerusalem bestehenden Gebrauche pflegt die Amtseinführung in der sogenannten Jeschibah ״Baale Battim" stattzufinden. Da aber dieses Institut der Wohnung des verstorbenen Chacham gerade gegenüber liegt, nahmen die Häupter der portugiesichen Gemeinde ans Rücksicht für die trauernde Familie von dieser Gepflogenheit Abstand und beschlossen, den neuen Chacham Baschi in der Großen Synagoge (Kahal gadol) zu installiren. Am Tage vor der Ceremonie durchschritten die Bediensteten der Gemeinde die Straßen der Stadt, um im Namen des Erecutiv-Comitss alle hervorragenden Persönlichkeiten zu dieser Feier einzuladen. — Lange vor der angesetzten Stunde hatte sich eine große Menschenmenge in der Synagoge angesammelt, darunter Vertreter aller Secten der jüdischen Bevölkerung — Sephardim, Aschkenasim, Maghrebim, Jemeniten und Perser —und auch einige Bekenner anderer Religionen unter Führung des Basharah Effendi, Dolmetschers des Gouverneurs von Jerusalem. Nach dem Eintritt in die Synagoge wurde Rabbi Jakob Saul Eljaschar auf seinen Ehrenplatz geleitet, wo ihm der Deputirte Rabbi N i ss i m B a r u ch die neuen Amtsgewänder anlegte, welche nach dem Gebrauche der Sephardim in Jerusalem jedem Oberrabbinev bei seiner Ernennung aus der Gemeindekasse zum Geschenk gemacht werden, und setzte ihm das Baret auf das Haupt. Der Chacham Baschi sprach alsdann das Schehechejanu über die neuen Gewänder, worauf die ganze Gemeinde mit ״Amen" antwortete. Hierauf hielt derselbe eine Anrede, welche auf alle Anwesenden einen sehr günstigen Eindruck machte. Nach dieser sprach der Vorbeter das Gebet für den Sultan Abdul Hamid II. und einen Mischeberach für den Gouverneur von Jerusalem, Ibrahim Hacki Pascha und den Chacham Baschi. Die Zöglinge der Sämel'schen Schule sangen hierauf den24 ׳. Psalm und Jigdal, womit die feierliche Ceremonie schloß. — Die Häupter der Gemeinde geleiteten dann den neuen Chacham nach seiner Wohnung, wo sie demselben ihre Glückwünsche darbrachten. Der frühere abergläubische Brauch, bevor der neue Oberabbiner seine Wohnung betritt, an der Schwelle derselben ein Lamm zu schlachten und mit dessen Blut an die Pfosten der Hausthür ein Handzeichen zu machen, unterblieb diesmal wohlweislich auf den Rath des Herrn P i n e s. Pose». Die bekannte Sängerin, Frl. Jettka Finkenstein, Tochter des hiesigen Obercantors, hat sich mit Herrn Benno Pulvermacher, Kapellmeister in Breslau, verlobt. Kassel. In einem Orte des Regierungsbezirks Kassel war die evangelische Schulstelle erledigt, und der dortige israelitische Lehrer erhielt nach der ״Hess. Schulzeitung" vom Lokalschulinspector den Auftrag, in Gemeinschaft mit den Nachbarkollegen die Stelle, während der Dauer der Vakanz in der Weise zu versehen, 'dass. Elfterer den Unterricht in den Realien ertheilen sollte,. Gegeü.die Mitwirkung des israelitischen Lehrer bei der Vertretung erhob ledoch der Landrath, als Mitglied des Schulvorstandes, Einsprache, da nach seiner Auffassung ein israelitischer Lehrer an einer christlichen .

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