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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-03-21 · Heft 9 (21.3.1893) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 9 (21.3.1893)
Date
1893-03-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Serie 2. Desterreichssch-ungarische Lantoren-§eKmr§. Nr. 9. Anbahnung eines regelmäßigen, persönlichen Verkehres der Berufsgenossen untereinander, der durch die Einberufung eines periodisch wiederkehrenden,allgemeinen Cantorentages angeregt und gefördert werden muß. Nicht nur die Mitglieder der einzelnen Vereine sollen in lebendigeren Connex zu einander gebracht werden, sondern sämmtliche Cantoren Oesterreich-Ungarns, Deutschlands und aller übrigen Länder mögen ßch von Zeit zu Zeit, bald in der einen bald in der anderen Metropole, zusammenfinden und zu collegialem Ideenaustausche vereinigen. Die Vereine und sachlichen Organe haben bisher in gegenseitiger Abgeschlossenheit verharrt, der allgemeine Cantorentag sei aber von nun ab das Band, welches die gesammte Berufsgenossenschaft fest und brüderlich umschlinge. Was find die scheidenden Landesgrenzen gegen die Gemeinsamkcit unserer Interessen' Gemeinsam ist uns der jüdische Glaube, gemeinsam der jüdische Gottesdienst, gemeinsam unsere Stellung in demselben und gemeinsam unser Streben, diese Stellung mit der Bedeutung unseres Amtes in Einklang zu bringen. Der allgemeine Cantorentag sei nun das Forum, auf welchem alle hierauf bezüglichen Fragen zur Discussion gelangen und zum Wole und Heile des Cantorenstandes gelöst werden sollen. Als ersten Versammlungsort möchten wir Wien ins Auge fassen und, abgesehen von anderen fürsprechcndcn Momenten, auf seine besonders günstige geographische Lage Hinweisen. Zudem wird hier im heurigen Sommer ohnehin von Seite des österr.-ungar. Cantoren-Vereines ein Cantorentag einberufcn, der leicht zu einem allgemeinen Cantoreniage umgestaltc: werden könnte. Soll jedoch derselbe seinen Zweck erfüllen, so ist es geboten, die vorbereitenden Schritte schon jetzt einzuleiten und namentlich die zu behandelnden Fragen vorher in den Fachblättern zu diecutiren, damit am Tage selbst nur ausgereifte und abgeklärte Anschauungen zun( Ausdruck kommen. Nun denn, Collegen und Brüder, benützet diese Anregung und sprechet Euch über dieselbe frei und unbehindert aus, eines Jeden Meinung wird in unserem Blatte gerne gehört werden! Mn Kild des israelitischen Staates vor deltktt Auslösung. Nach talmudischen Quellen bearbeitet von Dr. Abraham Löwy, Rabbiner und Prediger in Neu - Bidschow (Böhmen). (Schluss.) Die Pharisäer machten fich oft lustig über die Essäer; (Lota 22) in einer Lehrerversammlung erlitt der Essäer und Gesetzeslehrer Menachem von pharisäischen Weisen eine öffentliche Verhöhnung. (Tosefta, Edjoth K. 2. 8.) Rabbi Akiba lehrte, man möge in einer Stadt, deren Oberhaupt ein Essäer ist, nicht wohnen. (?68sachini 18.) Sein Zeitgenosse Ben Asai lehrte, es sei leichter die Welt zu regieren, als zwei Männer in weißen Gewändern. (Abot de R: Nathan Rp. 28.) Gegen die Scheu der Essäer, den Gottesnamen ohne vorangcgangcne Waschung auszrlsprecheu, äußerten die Pharisäer, dass Ersten fich überhaupt enthalten müssten, den Gottesnamen auszusprechen, da der menschliche Körper ein Gefäß voller Unreinheit ist. Der eingeweihte Essäer kannte drei Gottesnamen, den üblichen vierbuchstabigen, einen andern von zwölf Buchstaben und einen dritten von zweiundvierzig Buchstaben. Mit Energie bekämpften die Pharisäer das Treiben der Essäer mit der Anwendung von Bibelvcrsen für Beschwörungen, Lechischab, Exorliiiiios und Geisteraustrcibungcn und sahen ficb genötbigt, den Grundsatz aufzustellen, dass derjenige, der sich mit derartigen Dingen bebefasse, keinen Antheil an der zukünftigen Welt habe. Im- Gegensätze zur mosaischen Lehre hatten die Essäer eine. Scheu vor der Ehe, sie verheirateten sich nicht, entäußerten sich aller irdischer Güter, lebten gemeinschaftlich in ascetischer Weise,׳ enthielten sich des Fleisches und Weines und gelobten ״Nasire Olani" zu bleiben. Der Zweck dieser mannigfachen Entsagungen war, die Leidenschaft abzutödten, um ein Leben, das nur dem Dienste Gottes gewidmet ist, führen zu können. Sie kleideten sich weiß und wechselten nur dann .ihre Kleider, bis sie völlig zerrissen waren. Zumeist hielten sie sich in Dörfern auf und mieden große Städte, weil in diesen viel Gelegenheit zu irdischen Vergnügungen sich darbietet. Lange Zeit war der Essäerorden ein geheimer, denn kein Mitglied durste ihren Handel und Wandel mittheilen, oder ihre Ideen verbreiten. Als aber, aus dem Schoße der Essäervereinigung eine Secte, die der Judenchristen, hervorgieng, erfuhr man von den Letzteren Ausführliches über die Essäer, und so kamen auch ihre esoterischen Lehren und Gnomen ans Licht. (S. Jellinek's Lek biamidra8cb Theil III. XXI.) Die Bezeichnung des Wortes ״Essäer" ist wahrscheinlich chaldäisch von dem Worte ״Asa oder Asja" Heilkundige, da die griechische Uebersetzung dieses Wortes bei Philo ״Tberapeutai" lautet; denn ihre Beschäftigung war das Aufsuchen heilbringender Pflanzen und mancher Steine von vermeintlich magischer Kraft. In Folge dessen wurden sie vom Volke als Heilige verehrt und als Wunderthäter angestaunt. Auch wurden sie ״Toble Schacharis" ״Hemerobaptisten" Morgcntauchende genannt; Andere nannten sie Chaschoim, die Mysteriösen, die ihre Geheimniße Niemandem anvertrauten. (Schekalini V. 6.) Ihre Grundsätze lassen sich in Kürze dahin fassen: Gesetzesstudium, körperliche Reinheit und Errthaltsamkeib führen zur Demut, Sündenscheu und zur Empfänglichkeit des Ruach Hakodesch. Aus dieser Darstellung entnehnren wir, dass drei Parteien, Sadducäer, Pharisäer und Essäer, sich im Innern der Judenheit heftig befehdeten und die verschiedensten Ansichten über Religion und Politik verbreiteten. Diese führten die Auflösung des israelitischen Staates herbei und die somit dargestellte Geschichte ermahnt uns, das Wort unserer Weisen zu beherzigen ״AI taa8u azmchem gdudim gdudim", dass wir uns nie in Parteien spalten sollen, sondern stets bestrebt sein mögen, den Frieden unter uns nach Kräften zu fördern. Wer de« Hmnor in der jüdischen Kitteratnr. (Portrag, gebalten von Dr. M. Grünwald, Rabbiner in Jungbnnzlan, im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums, Prag.) In ebenso geistreicher wie fesselnder und anziehender Weise behandelte unter geschätzter Mitarbeiter, der bekannte Sprach- und Geschichtsforscher Dr. M. Grünwald, Samstag Abends im Vereine ״Asike Jehuda" das obgenannte, überaus ergiebige Thema. Dr. Grünwald leitete seinen Vortrag mit einer Definition des Begriffes ״Humor" ein und erläuterte sodann den Unterschied zwischen Humor und Komik, indem er meinte, des Komikers Bemühen müsse es bleiben, durch plastische Darstellung nicht nur die Thorhcit, sondern mich den Thoren selbst dem Gelächter preiszugeben, während der Humorist die menschliche Thorheit verlacht, den Thoren hingegen bemitleidet. Beim Humor ist es also das Gemüth, das zum Ausdruck kommt, und da ist es klar, dass die Religion, die ja die erste Bildnerin von Sitte und Sittlichkeit gewesen, einen

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