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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-03-11 · Heft 8 (11.3.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 8 (11.3.1893)
Date
1893-03-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Vcsterreichisch-ungarische tLantoron-Zeilunn. Nr. 8. Seite 6. Kleine Chronik, Wien. Montage den 6. d. M. fand anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Sultan Abdul Hamid II. im Tempel der türkisch-israel. Gemeinde ein offizieller Festgottesdicnst statt, welchen! Se. Excellenz der türkische Botschafter Zia Bey, der erste und zweite Botschaftsrath Nasri Bey und Nussred Bey, der Militär- Attache Prinz Fouad Bey, der gesammte Borstand, Neichsraths- Abgeordneter Dr. Bloch, Gemeinderath Seiler, der Vorsteher der Wiener Cultusgemeinde Salo Cohn, kaiserlicher Nath Wilhelm und viele bekannte Persönlichkeiten beiwohnten. Se. Excellenz wurde vom Präses Marcus Diuffo und den Vorstehern G. H. Adutt und N. M. Mazliach im Ceremoniensaale empfangen und unter Orgel- und Harfenklang in die festlich geschmückte Synagoge geleitet, woselbst ein 16gliederiges Comite, gebildet aus jungen Herren der Gemeinde, Spalier bildete. Nach der Einleitungsnummer ״Matowu“ gelangte eine von Herrn Heinrich Elias dem Sultan gewidmete Composition (Psalm 21, adonaj beos’scho) mit Orgel- und Harsenbegleitung zur Aufführung, welche von Cantor und Chor unter Leitung des Chordirigeuten Löwit äußerst wirksan! und exact wiedergegeben wurde. Die Festrede hielt Chacham Papo, die gesangliche Function versah Obercantor Bauer. Se. Ercellenz und sämmtliche anwesende Gäste sprachen ihre besondere Anerkennung über die äußerst erhebende und musikalisch gelungene Feier aus. Wien. Auf dem für den Bau einer Synagoge nach polnischisraelitischem Ritus bestimmten Bauplätze in der Leopoldstadt, Leopoldsgasse 29, wurde Sonntag den 5. d. M. die Ceremonie der Grundsteinlegung vorgenommen. Der Eingang zu den! weiten Platze war mit Öleisiggewinden und Fahnen in den Farben des Kronlandes und der Stadt Wien geschmückt. Außer den Mitgliedern des Bethausvereines waren erschienen: Vice-Bürgermeister; Dr. Grübl, Stadtrath Theodor Ritter von Goldschmidi, Reichsrathsabgeordneter Dr. Block, die Gemeinderäthe Robert Geitlcr, - K. M. Mayer, Carl Meißl, Carl I. Müller, Dr. August Ne- ׳ chansky, Baurath Wilhelm Stiaßny, Carl ׳Tagleicht und Heinrich Waegner, der Polizeibezirksleiter der Leopoldstadt Pokizeirath Wächter) Oberbaurath Haberkorn, Baurath Taußig, Architect Fleischer, Bezirke-! Vorsteher-Stellvertreter Schwab, Cultusvorstand Hicldburgbäusser, BczirksschulinspectorKaschl u. A. Obmann Mei sel s des Bethausi Comites eröffnete um 10 Uhr die Feier mit-einer passenden An- : spräche. Hierauf gab der Vorstand des Bankomites Ignaz Zolles eine Geschichte der Verwirklichung des Baues und betonte, dass sich die Juden stets als opferwillige Söhne des Staates betrachten, dass sie dem Landesherr!! innig danken, der die Staatsgrnndgesetze gegeben hat, die es ihnen ermöglichen, ihrem Glauben nach ihren Gebräuchen anzuhängen. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, dass der mächtige Arm des gütigen Regenten. auch fernerhin über den Glaubensgenossen walten werde und schloss init den Worten: ״Stimmen Sie mit mir in den freudigen Nus ein: Unser allgeliebter, allergnädigster Herr, Se. Majestät Kaiser Franz Josef I. lebe hoch!" Begeistert wiederholte die Versammlung den Ruf. Nun verlas Gemeinderalh Bauratb Stiaßny die Grundsteinurkunde und hob hervor, dass Se. Majestät der Kaiser den ersten Treffer gespendet habe; damit habe Se. Majestät documentirt, dass ihm alle Staatsbürger, welcher Nation oder Confession auch immer sie angebören, gleich werth sind. (Brausende Hochrufe.) Nun forderte Baurath Stiaßny die Honoratioren auf, an der Ceremonie der Grundsteinlegung und Ürkundeneinmauerung theilzunehmen. Nach dem feierlichen Acte stellte Banrath Stiaßny das Werk in den Schutz des Allmächtigen, dem alles Beginnen, besonders das, das seinem Cultus diene, anvertraut werden muffe; aber auch der Schutz der ftaatlickcn und städtischen Behörden müsse angcrusen werden; ״Wir leben unter dem Scepter eines weisen und gütigen Monarchen, rvelcher alle Bürger ohne Unterschied der Confession und Nation«- lität beschirmt, müssen aber auck anerkennen, dass der Bürgermeister, unbeirrt durch Partcitampfe, mit fester Hand die Zügel der Stadt zum Wöhle derselben lenkt." Redner dankte abermals der Munisicenz des Kaisers, dem Entgegenkommen des Finanzministers Dr. Steinbach und des Statthalters Grafen Kielmansegg, die das religiöse Unternehmen unterstützt und gefördert haben, begrüßte die anwesenden Dclegirten der Gemeinde, der staatlichen Behörde und der Körperschaften. — Hieraus machte Dr. Grübl die üblichen drei Hammerschläge, indem er Namens der Commune dankt und den Wunsch aussprach, das in! Bau begriffene Werk möge zu gedeihlichem Abschlüsse kommen. Bezirksvorsteher-Stellvertreter Schwab wünschte bei seinen Hamnierschlägen dein Werke bestes Gedeihen, und nun nahmen auch die übrigen Gäste die Ceremonie vor. Wien. Unsäglich tiefe Trauer ist in die Familie des Vice- Präses der türkisch-sephardischen Gemeinde, Herrn Licco I. Adutt eingekehrt. Dessen ältester Sohn Leon, Beamter der Creditanstalt, ein hoffnungsvoller und strebsamer junger Mann ist im Alter von 23 Jahren einem tückischen Leiden nach kurzer Krankheit erlegen. Es ist kaum zu schildern, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit die Eltern und alle Angehörigen an dem rcichbegabten Sohne hiengen, und wie dieser die Aufopferung des Vaters und die Zärtlichkeit der Mutter mit dem Aufgebote aller Kindesliebe zu erwidern suchte; um so größer ist der Schnierz der Eltern, deren Glück und Hoffnung durch Gottes unabänderlichen Nathschluss so jäh zerstört wurde. Herr Adutt erfreut sich in Folge seiner mannigfachen Verdienste einer außerordentlichen Beliebtheit in der türkischen Gemeinde, welche sammt den Beamten aufrichtigen Antheil nahm an dem Schmerze ihres Vorstehers. Auch die Theilnahme an dem Leichenbegängniße war eine besonders.zahlreiche. Es waren erschienen: Der Sekretär der türkischen Botschaft in Vertretung des Botschasters, die Direktoren der Creditanstalt nebst vielen Beamten und Dienern in Parade, der Gesammtvorstand der türkischen Gemeinde mit dem Präses Marcus M. Nusso, der Vorstand der Ekowra Kadischa mit dem Präses Licco M. Nusso, fast sämmtliche Gemcindemitglieder und viele andere Trauergäste. Nach Absingung eines Trauerpsalmes durch Obercantor Bauer und das Männerquartett hielt Chachan! Papo eine ergreifende Grabrede. Dem Verblichenen sei die Erde leicht, die tiefgebeugten Eltern aber mögen einen Trost finden in dem Glücke, das ihnen noch von den übrigen Kindern bevorsteht. ,תנציבד• Wien, 1 März. Unbekannte Thäter öffneten heute Nachts die Vorhalle des israelitischen Tenipels in Floridsdorf, Schindlergäffe-dir. -3, mittelst Nachschlüssels. ..In. der Halle sprengten die Gauner zwei Opserstöcke auf und entwendeten aus denselben etwa 15 st. in Silber- und Kupfermünzen. Der Diebstahl wurde heute Früh entdeckt, als der Diener das Gotteshaus öffnen wollte. Das Polizei-Commissariat in Floridsdorf hat die Nachforschungen nach den Thätern eingeleitet. Wie». Eine hiesige antisemitische Buchhandlung hat sich einen köstlichen Spass gemacht. Da paradirt im Auslagekasten unter Anderem ein Buch, welches folgenden Titel hat: ״Aus den! Tagebuche eines Vagabunden". Dicht neben dem Buche, dasselbe zun! Theile fast bedeckend, befand sich die — Photographie des Rectors Ahlwardt! Wäre cs ein Wunder, wenn ein naiver Betrachter auf die Vermuthung gekommen rväre, dass ein enger Zusammenhang zwischen Buch und Bild bestehe, so dass das letztere eine Illustration zu dem v'elversprechenden Titel bilde? Ob sich die antiseinitiscke Buchhandlung durch diese Zusammenstellung ״ein Bild" beim Rector Ahlwardt einlegen wollte, weiß ich nicht. Graz. In! Hinblicke ans den in! Geineinderathe von antisemitischer Seite eingebrachten Antrag, das rituelle Schächten im Stadtgebiete zu verbieten, hat sich nunniehr der Stadtrath in! Wege der Statthalterei an das Ministerium des Innern mit der Anfrage gewendet, ob die Negierung der Ansicht sei, dass, ein derartiges Verbot gegen das Staatsgrundgesctz verstoßen würde und ob die Geineinde zu einen! derartigen Verbot competcnt sei. Budapest, 9. März. Das Amtsblatt veröffentlicht nachstehendes Schreiben des Cultus- und Unter! ichtsministers Grasen Csaky an den Baron Mori; Hirsch in -Paris: Durch die Freundlichkeit der Frau Bischitz konnte ich neucstens einen riefen Einblick gewinnen in jene von Wohlthätigkeit und Nächstenliebe geleitete Thätigkeit, welche Euer Hochwohlgeboren in Budapest durch Ihr eigens hiezu errichtetes Bureau und auch schon vor der Entstehung desselben für die cnlturelle Entwicklung Ungarns, für die Linderung der Noth und des Elends schon seit Jahren zu entfalten die Güte hätten. Aus dieser zuverlässigen Quelle weiß ich, dass Euer Hochwohlgeborcn für die culturellen Zwecke Ungarns, für die Armen und für die durch Elementärschäden Betroffenen,

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