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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-03-11 · Heft 8 (11.3.1893) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 8 (11.3.1893)
Date
1893-03-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Desterreichlsch-unzarlsche Lantocen-Zsrtung. Nr. 8. befreie mich aus diesem Netze — und vereitle die Menschenhetze. — Die Mäuse kamen in Menge — zernagten bald die Stränge — der Löwe war frei, seine Großmuth war belohnt — da er die Maus verschont. Die Mäuse giengen ihres Weges — und der Löwe seines Steges. — Die Moral: Arme Leute ohne Tadel — geschmückt mit Seelenadel — haben reiche Leute — als Nachbarn zur Seite — gestört in ihrem Behagen — ohne Schuld daran zu tragen, — ohne Absicht sie zu Plagen, — großmüthig verziehen sie ihnen, — wenn's die Armen auch nicht verdienen. — Nun wendet sich das Geschick — die Neichen kommen ins Unglück — der Arme sich zusammenrafft — und Hilst aus aller Kraft — so weit es möglich nur ■— zu lindern des Unglücks Spur. — Auch der Niese noch so stark — eine Fliege zehrt an seinem Mark. —; So wurde ein Weiser einst gefragt, — ob ein Bruder mehr als ein Freund besagt, — der Weise antwortete: nur dann, —wenn der Bruder auch ein Feund sein kann. — Und mein Gedicht — es spricht: — Wenn der Freund dir Gutes thut, — vergelte es mit frohem Muth.— Suche ihn zu schonen, — er lohnen; den Unschuldigen verzeih':! — heißt nur W (Fortsetzung folgt.) Zinsen leih'n. kann dir's Geld auf . . . r. Manaffe den Israel. Von Ä. Stein, Wodnian.*) (Fortsetzung.) Bei diesem allgemeinen und lebhaften Interesse für hebräische Studien ist es kein Wunder, dass Manasse eine vielumworbene Persönlichkeit war. Ein junger Mann aus hochachtbarer Familie, Dionisius sBossius, ein Wunder der Gelehrsamkeit, leider im Alter von 18 Jahren vom Tode hingerafft, unterzog sich sogar der Mühe, ein Werk Manaffes ״Conciliador" — der Versöhner - in welchem die Widersprüche der heiligen Schrift gelöst und versöhnt werden sollten, ins Lateinische zu übersetzen. Noch mehr aber als die Gelehrten drängten sich christliche Schwärmer an ihn heran, welche von dem Eintreffen des fünften Reiches — ״der Herrschaft der Heiligen" nach der Sprache Daniels träumten. Alle diese schwärmten für die Juden und schrieben Werke zur Verherrlichung des Judenthums. Abraham von Frankenberg, ein christlicher Mystiker, schrieb an Manaffe: ״Das wahre Licht wird von den Juden kommen; ihre Zeit ist nicht mehr fern. Von Tag zu Tage wird aus verschiedenen Gegenden Wunderbares gehört werden, das für sie eintreffen wird und alle Inseln werden mit ihnen jauchzen." Noch wärmere Verehrer des Gottesvolkes gab es damals in England. Die Puritaner schrieben vollständige Religionsfreiheit für Alle auf ihre Fahne. Oliver Cromwell wusste, was er wollte und wofür er kämpfte. Auch seine Anhänger und Offiziere hatten ein zielbewusstes Streben. Diese nahmen sich die Richter als Vorbild, welche das Volk Israel vom Joche der Fremdherrschaft befreiten; — ferner Saul, David und Joab, welche die Feinde ihres Landes bcldcnmüthig niederwarfen, endlich John, der einem götzendienerischen und lasterhaften Königshause ein Ende machte. Oliver Cromvell kam sich selbst wie der Richter Gideon vor, oder wie Juda Makabi, die mit einer handvoll ungeübter Streiter siegesgemohnte Armeen niederwarfen. Cromwell träumte von einer Verbindung des Gottes- Volkes mit der englischen puritanischen Gemeinde. Eine leere Träumerei wol, die jedoch sehr geeignet war, den heldenmüthigen Protector für. die Juden günstig zu stimmen. Ein Schriftsteller ::י) Mit Benützung des Werkes ]תולדות אנשי £[־£(־ von M. Ehrcnrheil und David Friedländer, Budapest 1888. machte in einem Werke den Vorschlag, in England den Sabbat statt des Sonntags als Ruhetag einzuführcn. Das Parlament ließ wohl diese Schrift verbrennen׳ und verurtheilte den Verfasser und den Drucker zu einer Strafe. Trotzdem wurden Stimmen laut, die da forderten, dass die Thora als Staatsgrundgesetz für England anerkannt werde. Manasse war von dieser judenfreundlichen Stimmung höchst erfreut und hielt den Moment für gekommen, den entscheidenden Schritt zu Gunsten der Ansiedelung ׳der Juden in England zu versuchen. Er wurde in seinem Vorhaben ferner durch eine von dem ehemaligen Secretäre im Parlamente, Edvard Nikolas, veröffentlichte Schrift: ״Für die edle Nation der Juden und die Söhne Israels" mehr bestärkt. In dieser Schrift hebt der christliche Verfasser hervor, dass über England nur deshalb die Drangsale heftiger Bürger- und Religionskriege hrreingebrochen, weil die Engländer die Lieblinge Gottes — die Juden — aus dem Lande vertrieben und verfolgt hatten. Er betrachtete es daher als Pflicht, den Juden Genugthuung zu verschaffen für ihr vergossenes unschuldiges Blut, das auf englischem Boden geflossen. Manasse, der Anfänger der Kabala, der sich mit messianischen Gedanken befasste, glaubte fest und unerschütterlich die Erlösung zu fördern, wenn es ihm gelingt die Ansiedelung der Judeu in England durchzusetzen, — denn nach seiner Ansicht könnte der Messias nur dann kommen, wenn die Juden über die ganze Erde zerstreut leben würden. Noch ein Umstand bestärkte Manasse in seiner Idee, dass der Moment der Erlösung Israels nahe sei, nachdem ein jüdischer Reisender von den zehn Stämmen fabelte. Er verfasste nun eine Schrift in lateinischer Sprache: ״Die Hoffnung Israels" in der er die Leiden, die Israel zu erduloen hatte, sowie ein Beweis dafür, dass die verloren geglaubten zehn Stämmen sich vorfinden und die daran geknüpfte Hoffnung auf eine baldige Lösung Israels schilderte. Diese Abhandlung überreichte er 1650 einer hochgestellten Person in England, damit sie dieselbe Cromvell, dem Parlament, das unter seinem Einflüße stand, sowie im Staatsrathe überreiche. Er fügte dieser Abhandlung ein Gesuch bei, in welchem er unter Anderem sagte: ״Nach den Worten der heiligen Schrift müssen die Juden von einem Ende der Erde zum anderen zerstreut sein, wenn für sie die Stunde der Erlösung schlagen solle. Der Staatsrath und das Parlament mögen daher den Juden unter Garantie der Religionsfreiheit die Ansiedlung in England gewähren — um die Wiederkehr in ihre Urheimath zu fördern. Welche Stimmung ein derartig motivirteS Gesuch in einem unserer modernen Parlamente und insbesondere in der Gegenwart Hervorrufen würde, ist leicht zu errathen. Im englischen Parlamente, das von den biblisch-gesinnten Puritanern beherrscht wurde, fand dasselbe eine sehr günstige Aufnahme. Lord Middelsex sandte sogar dem Bittsteller ein Dankschreiben mit der Überschrift: ״Meinem theueren Bruder, dem hebräischen Philosophen Manasse ben Israel!" Auch ein Pass zur 'Reise nach England wurde dem Prediger der Amsterdamer Gemeinde geschickt. Der englische Gesandte in Holland, Lord Oliver Saint-John, ein Verwandter Cromwells, besuchte sogar im Sommer des Jahres 1651 die Synagoge in Amsterdam, was gewiss als der beste Beweis gelten durfte von den freundlichen Gesinnungen, die der heldenmüthige Protektor Englands für die Juden hegte. Manasse sorgte dafür, dass der hochgestellte und einflußreiche Staatsmann im jüdischen Bethause würdig empfangen wurde. (Schluss folgt.)

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