Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-03-11 · Heft 8 (11.3.1893) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 8 (11.3.1893)
Date
1893-03-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/1304829-3453273-3453281--3688-3458070
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seile 3. Mesierreichifch ungarische CantorewAeitnng. Ja. 8. die Forschung der Thora ihre Gcnze bis ins Unendliche erweiterte. Uni zu verschließen den Mund ihrer Gegner, mussten die Pharisäcr die Berechtigung der Erschwerung der Gesetze und der Umzäunuugen in der schriftlichen Lehre suchen. Jeder überflüssig scheinende Satz oder Buchstabe musste als Beweis herhalten für die neuen Institutionen und religiösen Anforderungen. Wie die Sadducäer einen hervorragenden Einfluss auf die pharisäischen Lehrer übten, ebenso wirkte die Partei der Essäer auf dieselben und cs entstand eine Menge Satzungen und Vorschriften, deren Spitze nur gegen cssäische Gesinnungen gerichtet war. (Schluss folgt.) Das Moschol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen uub nachbiblischen Schriften. XXXI. Der Fuchs und der Adler. Der Fuchs gicng in einem der Gärten, mit seinen Sproßliugcn, kleinen Gefährten. Da kam Plötzlich ein Adler hergeflogen, raubte ein kleines Füchslein und trug cs davon. Der Fuchs merkte den Abgang seines Lieblings und wusste Anfangs nicht, wurde cs gestohlen, oder hatte es sich versteckt, ist es todt, oder ist es gefangen. Da erhob er seine Augen und sah, wie der Adler es auf seinen Flügeln davontrug. Klagend erhob er seine Stimme und rief dem Räuber zu: Gehe schonend mit meinem Söhnchen um, und gib cs mir zurück. Gibst du dasselbe frei, dann prohezeihe ich dir langes Leben. Warum reißt du es los von seiner Familie?! Du hast dich damit nicht bemüht, hast cs nicht großgezogen; nimm doch Vernunft an und habe Einsicht, warum beschmutzest du dich mit solchem, Frevel? Da antwortete der Adler: Wer bist du, der Du es wagst, mich zu verfolgen? was soll dieser Lärm? Er gab dem Fuchse kein Gehör. Aber der Fuchs ließ den Räuber nicht aus den Augen, bis sie in einen dichten Wald kamen mit hohen Bäumen. Voll Ingrimm musste der Fuchs scheu, wie der Adler sein gesiebtes Kind in seinem Neste den Jungen vorwarf. Nachdem der Fuchs einsah, dass er den hohen Baum nicht erreichen kann, da rief er schmerzerfüllt aus, so werde ich mich wenigstens rächen, indem ich diese hohe Eypresse in Brand stecke. Der Fuchs verschaffte sich Feuer, sammelte Wolle, Flachsstengel, trockene Hölzer nnd Blättermassen, thürmte alles um den Baum auf und das Feuer loderte in Hellen Flammen. Da rief der Fuchs wie einst Simson aus: ״So sterbe ich mit den Philistern"! Soll mein Kind verbrennen sammt Adler und seiner Brut. Als der Adler diese Gefahr bemerkte, schrie er bitter und jämmerlich: Nimm dein Kind, das du so lieb hast, lösche nur das Feuer, das du in deinem Zorne angefacht hast; warum sollen wir allcsammt vor deinen Augen so schmählich umkemmcn? Die Moral: Wer den Frieden stört — von seiner Schuld sich nährt — nimmt durch Raub und List — was ihm zur Hand nur ist;.— er reich und stark — raubt des Armen Mark, — wenn er auch bitter weint — ihn nicht zu hören scheint — — am End' wird er bedroht — und verfällt in solche Noth. — Unb mein Gedicht.— spricht: — Stolz spricht der Mann — frevelt, was er kann, — doch wird übermannt — heuchelt gar galant — ich bereue — verzeihe: — Groß wird sein dein Lohn — sei mir Vater, ich Dein Sohn. Der Nabe und der Fuchs. Eitelket raubt unbewusst Eig'ner Vortheil, eig'ne Lust. Ein Nabe flog auf einen Baum, ruhig zu verzehren ein Stück Käse, das er gestohlen. Unter׳ dem Baum stand ein Fuchs, nachsinnend, wie er dem Raben das Stück Käse entlocken könnte, dass er es zur Erde fallen lasse. Listig rief er dem Raben zu: O, du schöner lieblicher Vogel; jeder der Sinn für Schönheit hat, muß dich bewundern. Doch was bei den Vögeln zur Vollkommenheit gehört, ist der liebliche Gesang. Könntest du auch fingen Lieder — dann wärest du Herr über alles Gefieder — dann wäre deine Schönheit ohne Tadel — dann schmückt dich, was viel sagen will, der höchste Adel. Schöne Federn, schöne Gestalt — bewundert von Jung und Alt. — Der Rabe konnte sich vor Freud' nicht fassen — ich will ihn meine Stimme hören lassen. — Aufgestachelt von dem Lob — sein Gekrächze sobald erhob. — Er öffnete den Mund graziös — zur Erde fiel der Käs. — Der Fuchs er kann gut loben, — die Speise kam von oben. — Er sprach: genug Hab ich gehört — jetzt machte er kehrt — sein Wunsch war gewährt. — Die Moral: Die Stolzen — die Heuchler — Betrüger und Schmeichler — mit Wort' sich zieren — durch List überführen. — Lass dich durch Eitelkeiten — von ihnen nicht verleiten. Mein Gedicht — spricht: — Mein Freund hat mich bethört — Thor bin ich, dass ich auf ihn gehört, — der größte der Thoren, — der für solche Reden hat Ohren. — Traue dem Schmeichler nicht — wende ab von ihm dein Angesicht. Der Löwe, die Maus und das Netz. Zur Gefälligkeit sei geneigt, Wenn Gelegenheit sich dir zeigt. Ein Löwe schlummerte in der Wüste in seiner Höhle, da trippelte eine Maus über ihn hin und störte seinen Schlummer. Er erhob sich, um zu sehen, wer es denn wagte, den Gewaltigen, den König der Thiere, in seiner Ruhe zu stören, den will er mit seinen, Tatzen zertreten. Als er Umschau hielt, bemekte er die Maus an - seiner Seite, sonst war Niemand da, und er sprach zornentbrannt: Dein Ende ist beschlossen, du verächtliches Ding, dein Todesurtheil ist gefällt. Du hast mich vom Schlafe gestört, hast mich nicht beachtet, dein Ucbermuth hat dich dazu verleitet, ich weiß es, täusche inich nicht, nun sollst du es mit dem Leben büßen. Da rief die Maus jammernd und weheklagend: Ich flehe dich an aus der Tiefe meines Herzens, mögen meine Worte Eingang finden in den Ohren meines Herrn, zürne nicht deiner Magd, lass in deiner großen Gnade ab von deinen Grimm. Hast du ein Mitleidvolles Herz, so lindere dem Reuevollen den Schmerz, ich habe thöricht, aber nicht übermüthig gehandelt. Fern sei es von dem Großen und Mächtigen Hand zu legen an eine verächtliche Maus. Da regte sich Barmherzigkeit in des Löwen großmüthiges Herz, er wurde friedlicher gesinnt und besänftiget rief er ihr zu: Ziehe jetzt in Frieden fort, ich verzeihe. Da war es nun Mitternacht, zur Zeit, wo die Löwen auf Raub ausgchen und mit ihrem Brüllen — den Wald erfüllen, — da fiel der Löwe in ein ihm gelegtes Netz, er ward gefangen. Vergebens suchte er sich frei zu machen, er schrie bitterlich und jämnrerlich um Hilfe, so dass er die Maus aus ihrer Ruhe störte. Sie lief auf ihn zu und fand ihn verwickelt von Kopf bis Fuß, sie rief ihm zu: Wer bist du, dass du mich aus meiner nächtlichen Ruhe gestört? Da antwortete der Löwe: Ich bin es, da liege ich wehrlos. Da erwiderte die Maus: Du bist es, der du mich verachtet hast, komm jetzt und streite mit mir. Doch nein, die Zeit ist gekommen, deine Treue dir zu vergelten. Es steht in meiner Macht — dich zu befreien aus der Schlinge Tracht, — wie du es mir gemacht. — Ich will mir mehrere Gefährten l׳ol.׳n und zernagen die Stricke des Netzes. Da sprach der Löwe, sc v'cl Weisheit gilt mehr als Stärke, — so eile zum Rettungswerlc —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.