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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-03-01 · Heft 7 (1.3.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.3.1893)
Date
1893-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Vesterreichifch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 7. Theil dieser aufgeklebten Fragmente gehört dem als Handschrift äußerst seltenen talmudischen Ritualwerke ״Hatteruma" von Baruch ben Isaak aus Worms (um 1200 n. Chr.) sowie einem Machsor nach dem französischen Ritus an. Die übrigen Bruchstücke sind Theile zweier verschiedener Handschriften des babylonischen Talmuds. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die schon jetzt sehr werthvollen Funde noch bedeutend ergänzt werden, da bisher nur ein geringer Theil der Jncunabelu darauf hin untersucht worden ist. Dr. Baßfreund beabsichtigt, die Handschriften zu bearbeiten und durch Drucklegung zu veröffentlichen. Berlin, 20. Februar. Der geheime Commerzieurath Gerson von Bleichröder, der. Chefsenior des Bankhauses S. Bleichröde-r in Berlin, ist gestern Nachmittags im Alter von 70 Jahren gestorben. Das Bankhaus S. Bleichröder wurde im Jahre 1803 von dem Vater des jetzt Verstorbenen, Samuel Bleichröder, als Wechsel- und Lotteriecollection gegründet. Samuel Bleichröder stand schon seit dem Jahre 1828 in regen Beziehungen zu den Nothschild'schen Bankhäusern, die sein Sohn Gerson nach dem im Jahre 1850 erfolgten Tode seines Vaters noch fester knüpfte. Zu seiner donrinirenden Stellung aber gelangte das Haus Bleichröder erst durch die regen und intimen Beziehungen, die sich zwischen Gerson Bleichröder und dem früheren Reichskanzler Fürsten Bismarck heraus gebildet hatten, dessen finanzieller Nathgeber G. B. war. Eine Nolle in der Geschichte der preußischen Finanzen begann das Bankhaus Bleichröder im Anfang der fünfziger Jahre zu spielen durch Unterbringung großer Beträge von Prioritätsobligationen zur Erbauung der preußischen Eisenbahnen. 1865 wurde auf Anrathen Gerson Bleichröder's, der zu dem Zweck von König Wilhelm nach Karlsbud berufen wurde, statt einer beabsichtigten Anleihe die Ablösung des Antheils des preußischen Staates an der Köln- Mindener Eisenbahn vorgenommen, wodurch die Regierung in den Besitz einer bedeutenden Geldsumme (zur Kriegführung gegen Oesterreich) gelangte, die in der Conflictszeit vom Abgeordnetenhause verweigert worden war. Eine zweite Berufung B.'s erfolgte im Jänner 1871 durch den Fürsten Bismarck ins Hauptquartier der deutschen Armee in Versailles,, wo er an den Verhandlungen über die von Frankreich zu zahlende Kriegsentschädigung Theil nahm. Gerson B. wurde 1867 zum Geh. Commerzienrath -ernanntÄind 1872 in den Adelsstand erhoben. Seine Nobilitirung verdankte er namentlich seiner Mitwirkung an der Durchführung der verwickelten Finanzoperation mit Rumänien, an denen eine Reihe hervorragender Mitglieder der preußischen Aristokratie betheiligt gewesen war. Das Haus B. hat in den letzten Jahrzehnten fast an allen größeren Finanzgeschäften des In- und Auslandes theilgenommen. Theilhaber ees Hauses sind: ein Vetter des Verstorbenen, Geh. Commerzienrath Julius Leopold Schwabach, (ein getaufter Jude) und seine Söhne Hans v. B. und vr. jur. Georg von B. Ein dritter Sohn James hat sich schon früher für die Landwirthschaft entschieden. — Die Trauerfeier Gerson v. Bleichröder hat Mittwoch Nachmittag 24/נ Uhr unter ehrendster Theilnahme im Sterbehause stattgefunden. Die Aufbahrung war in würdigster Weise erfolgt. Zu Füßen des Sarges lagen vier Ordenskissen. Auf dem Sarg selbst hatten mit den Kränzen der trauernden Familie nur jener mit weißem Blumentuff gezierte Palmenwedel des Fürsten Bismarck und die Kränze Platz gesunden, die aus dem englischen Botsckafts- Hotel.eingegangen:waren. Zu Seiten des Sarges halten die Kränze der Familie Rothschild den Ehrenplatz erhalten. Baron Alfons Rothschild hatte aus Paris einen besonderen Curier mit einem riesigen Kranz abgeschickt. Baron Albert. Rothschild sandte aus Wien einen prächtigen weißen Kranz. Aus London war. eine ganze Fülle der herrlichsten Blumenspenden eingegangen, ebenso aus Frankfurt. Zunächst dem Eingang sah nian ein herrliches Palmenarrangement, die Ehrengabe des Staatsministers v. Bötticher. Auch Graf und Gräfin Lehndorff widmeten Palmen. Andere schöne Arrangements trugen die Karten des österreichischen Botschafters, des belgischen Gesandten rc. Zahlreiche Kränze waren aus Petersbürg, Constantinopel rc. eingegangen. Alle Berliner Banken waren mit Erzeugnißen herrlichster Bindereien erschienen. Auch viele auswärtige Banken, das Centralcomitä des Rothen Kreuzes, viele Zeitungen u. A. bezeugten ihre Theilnahme. Schon gegen zwei Uhr begannen sich die Trauerräume zu füllen, mit hohen Würdenträgern, den Mitgliedern des diplomatischen Corps und den Vertretern der Finanzwelt. Die Feier selbst gestaltete sich überaus weihevoll. Den Glanzpunkt derselben bildete׳ die Rede des Rabbiners Dr. Maybaum. Nach der Feier ordnete sich der imposaute Trauerzug, der sich über die Kaiser Wilhelmbrücke und an dem jetzt allerdings neu aufgeführten Geburtshaus' des Verewigten in der Nosenthalerstraße vorbei nach dem Friedhofe in der Schön- Hauser Allee bewegte, wo mach einem Schlussgebet' des Rabbiners Dr. Ungerleider die Beisetzung im Erbbegräbnis erfolgte. Burrzlau. Der Bunzlauer Zweig-Pestalozzi-Verein hielt am Sonnabend im Saale des ״Odeon" seinen diesjährigen öffentlichen Gesellschaftsabend ab. Sorgfältig vorbereitet, bot derselbe im gewohnten Arrangement dem Publikum wieder einen sehr schätzettswerthen Genuss. Sämmtliche Piecen des Programms wurden, wie nicht anders zu .erwarten, in tadelloser Weise ausgeführt. Der erste Theil desselben bot Chorgesänge und Solovorträge in reicher. Ab- Wechslung. Mit dem Seiffert'schen ״Gruß an Kaiser Wilhelm II." wurde der Abend eröffnet. Hierauf folgte der dem dortigen Publicum noch von dem im Sommer 1891 hier abgehaltenen niederschlesischen Sängertage vortheilhaft bekannte Podbertsky'sche Männerchor ״Friedrich Nothbart", eine vortreffliche musikalische Interpretation des Geibel'schen Gedichtes gleichen Namens. Frl. Tintner hatte freundlichst den Vortrag dreier Lieder übernommen, nämlich: ״Gute Nacht, fahr' wohl!" von Kücken, ״Herbstnacht" von F. Gumbert und ״Das Fensterle" von Erik Meyer Helmut. Reicher und wohlverdienter Beifall wurde derselben seitens des Auditoriums für die mit vortrefflicher, guter Technik, großer Innigkeit und mit gutem musikalischen Verständnis vorgetragcnen Gesänge zu Theil. Zwei Compositionen für Männerquartett, zunächst Dreperts ״Zieh hinaus!" und sodann das immer wieder gern gehörte ״Spinn! Spinn!" von Jüngst bewiesen, welchen nachhal- Ligen Eindruck solche Tondichtungen, wenn sie in so guter Ausführung dargeboten werden, hervorzurufen im Stande sind. Ganz originell aber war die letzte Piece dieses ersten und gesanglichen Theiles des Programms: ein altniederländisches Volkslied für Männerchor mit Clavierbegleitung, betitelt ״Dankgebet", Componist E. Kremser. Es ist in seinen drei ersten Theilen nur für eine Stimme gesetzt, etwa in tiefer Baritonlage und selbstverständlich auch beschränkt im Tonumfange. Choralmäßig gehalten, ein Gebet des Dankes an den Schlachtenlenker für Verleihung des Sieges, ruft es mit dem einfachen aber überraschenden Mittel des einstimmigen Satzes unfehlbar eine ernste Stimmung im Zuhörer bervor und hält ihn bis zum Schluffe, der in einem vollen einstimmigen Akkord ausklingt, gefesselt. Der zweite Theil des Programmes bot einen Einakter: ״Mama muß heirathen", Lustspiel von Marie Günther. Das kleine anspruchslose Merkchen enthält viele recht drollige Situationen, welche den Darstellern Gelegenheit gaben, ibr Können im günstigsten Lichte zu zeigen. Sämmtliche Rollen befanden sich in den Händen bereits früher bewährter Kräfte, die sich bereitwilligst und in liebenswürdigster Weise dem Verein zur Verfügung gestellt hatten. Für die aufgewendete Mühe und das Vergnügen, welches sie mit ihrem gewandten Spiel den Zuschauern gewährten, gebührt ihnen allseitiger Dank, der sich auch'während und nach der Vorstellung in rauschendem Beifall bekundete.׳ Hannover22 ,׳. Februar. 11. Das Ehepaar Rüben, bierselbst, feierte am heutigen Tage das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Von Nah und Fern wurden demselben Beweisender Liebe und Verehrung zu Theil. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann hielt in der Wohnung des Jubelpaares eine Ansprache an dasselbe und überreichte die ihm vom Kaiser verliehene goldene Ehejubiläums- Medaille nebst einem Handschreiben.. Möge es dem verehrten Paare vergönnt sein, noch viele Jahre im Kreise ihrer Lieben unter dem Schutze des Höchsten in Gesundbcit und Glück sich seines Daseins zu erfreuen!-Das am 23 d. M. von Frau Landrabbiner Dr. Gronemann veranstaltete Concert ״zum Besten eines Fonds zur Errichtung eines Altersversorgungshauses" hat einen Reinertrag von über 1200 Mk. gebracht. Es ist dies um so erfreulicher, als von gewisser Seite gegen das lobenswerthe und uneigennützige Unternehmen der genannten Dame, die Wohlthätigkeit zu fördern, gearbeitet worden ist. Es ist sogar der Wunsch rege geworden, das Concert möge wiederholt werden. — — Herr Obercantor Linhardt, welcher vor einigen Wochen von Prag zurückgekehrt'ist, bat bereits

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