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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-03-01 · Heft 7 (1.3.1893) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 7 (1.3.1893)
Date
1893-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7. . Desterreichrsch-ungarifche Lantoren-Zeitung. Seite 7. mehrfach Gelegenheit gehabt, seine dort erhaltenen Kenntniße in der rituellen Cirkumcission praktisch zu verwerthen, und soll derselbe sich als ausgezeichneter ״Mohel" bewährt haben. Saldi N,Negbez. Frankfurt a. O. Unsere Stadt, die abgerechnet von dem halben Dutzend anerkannten Antisemiten, den eigentlichen Antisemitismus nur dem Namen nach kannte, hat vor einigen Tagen Gelegenheit gehabt, denselben in seiner ganzen Größe kennen zu lernen. Der bekannte Abgeordnete und Antisemiten- Häuptling Werner aus Cassel berief am 25. v. M. eine Persammlung ein und besprach unter gehässigen Ausfällen gegen die Juden das Thema: ״Das Judenthum und der deutsche Mittelstand." In der Discussion versuchte ein socialdemokratischer Redner den Nachweis, dass die Christen des Mittelalters die Juden in den Wucher Hineintrieben. Hierauf ergriff Herr Cantor Gold mann das Wort zu einer kurzen, aber kernigen Rede: ״Meine Herren! Es war nicht meine Absicht, in dieser Versammlung als Redner aufzutreten; allein die Art und Weise, mit welcher Gehässigkeit und Feindseligkeit der erste Redner hier auftrat, nöthigt mich, das Wort zu ergreifen. Seit Jahrhunderten lebten die hiesigen Juden mit ihren christlichen Mitbürgern in bester Eintracht und Einmüthigkeit, bis ein Mann aus weiter, weiter Ferne in unsere Mark drang, um die bisherige Ruhe und den Frieden zu stören und zu vernichten und die friedliebenden Bürger gegen einander aufzuhetzen. Nicht nur als Jude protestire ich dagegen, sondern als Mensch, und mit mir dürfte auch ein großer Theil rechtdenkender Christen sein, der das Treiben der Antisemiten verwirft und verurtheilt. Wir leben in einem großen Staate mit einem mächtigen Kaiser und einer Negierung, die stark genug ist, die Rechte des Volkes allein, ohne Einmischung der Antisemiten, wahrzunehmen und aufrecht zu halten. Der. Herr Abgeordnete Werner hat im Verlaufe seines Vortrages gewagt, über den Talmud herzugehen und ihn in gerade nicht zarter Weise anzugreifen. Wie kann aber ein Mann, der den Talmud nur vom Hörensagen kennt, auf dessen Gebiet er ein vollständiger Ignorant ist, in solcher schnöden Weise behandeln? Als Talmudkundiger kann ich Ihnen betheuern, dass das von frommenauf. der höchsten Stufe der Tugend gestandenen -Männern verfasste Riesenwerk von Gottesfurcht und Nächstenliebe vollständig durchdrungen ist. Die Devise des Talmuds ist: ״Recht, Wahrheit und Frieden!" Und ein solches Werk suchen die Antisemiten zu verpönen und in den Schmutz zu werfen? Ich glaube mit Bestimmtheit behaupten zu dürfen, dass Herr Werner nicht einmal im Stande ist, ein Wort aus dem Talmud lesen zu können. Unter den vielen in diesem Saale ausgebreiteten antisemitischen Zeitungen und Flugblättern befindet sich auch ein Flugblatt betitelt: ״Talmud-Auszug Schulchan-Aruch". Dieses Blatt habe ich mir gleich nach seinem Erscheinen zu verschaffen gesucht, ich verglich die angeführten Paragraphen mit denen des ״Schulchan-Aruch", und, wie ich voraussetzte, so war es: die meisten Paragraphen waren erfunden, erlogen, aus der Luft gegriffen, während die übrigen entstellt, dem eigentlichen Sinn des ״Schulchan-Äruch" nicht entsprechend. Das sind die Mittel, das die Waffen, mit denen die Herren Antiseniiten gegen uns zu Felde ziehen. Sie dürfen nicht glauben, meine Herren, dass die Führer der Antisemiten es auch so aufrichtig mit dem Volke meinen, wenn sie auch durch schöne'Worte betheuern, das Wohldes Volkes läge ihnen am Herzen; thatsächlich wollen sie nur ihren eigenen Nutzen daraus ziehen und Capital für sich schlagen. Der Eine, dessen Verhältniße zerüttet, ein Anderer, der nach Namen und Ruf geizt, alle Diese werfen sich den Antisemiten in die Arme. Zum Schlüsse rufe ich Ihnen die Worte des Propheten Maleachi 2.10 zu: Haben wir nicht Alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen? Warum ist Einer wider den Andern treulos?" — Die Erwiderung des Herrn Werner auf die Rede des Herrn Goldmann war eine unwesentlich schwache. R0M. Ueber den Brand der. Synagoge wird noch Folgendes mitgetheilt: Der aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende, seitdem öfter erneuerte Bau, einer der wenigen Reste des seit 10 Jahren niedergelegten Ghetto, enthält außer den eigentlichen Tempelräümen auch die verschiedenen jüdischen Schulen, eine werthvolle Bibliothek und Schatzkammer der Gemeinde, dazu die Wohnungen von Hausdienern. Das Feuer brach in einem Saale des ersten Stockes aus, wie es scheint, durch Unvorsichtigkeit eines Dieners. Die mit kostbaren Teppichen bedecÜen Wände boten dem Feuer reichliche Nahrung, und im Laufe .weniger Stunden war ein Werth von etwa 400.000 Lire durch die Flammen verzehrt. Alte Bibelhandschriften mit Miniaturen, kunstvolle Gewebe, Gold- und Silberstickereien sind zerstört worden, unter Anderem ein berühmter Brokatvorhang aus dem 16. Jahrhundert, der durch seinen künstlerischen Werth zur Zeit seiner Stiftung sogar die Aufmerksamkeit des damaligen Papstes auf sich zog, so dass derselbe ibn zu besichtigen verlangte. Die Hauptschätze der Gemeinde in heiligen Schriften, Gesetzrollen, Gold- und Silbergeräthen, sowie die Bibliothek selbst sind glücklich gerettet worden, aber der Verlust der in den ausgebrannten Räumen befindlichen Gegenstände ist; schon schmerzlich genug, weil zum großen Theil des künstlerischen Wertes wegen unersetzlich. — Es fand bereits eine Generalversammlung der Gemeinde wegen Neubau's einer Synagoge statt. Salisbury (Mauschonaland, Afrika). Gegenwärtig befinden sich hier ungefähr 20 Juden, meist Hausirer. Es ist auffallend, dass nicht aus dem höheren Kaufmanns- oder gebildeten Stande sich mehrere hier niedergelassen haben. Wahrscheinlich aber werden nächstes Jahr noch mehrere kommen, denn unser Land hat bedeutende Vorzüge; Krankheiten sind fast unbekannt, das Klima ist herrlich, die Vegetation sehr reich und Gold gibt es im Überfluß. Unserem Lande kann mit Recht eine baldige große Zukunft vorhergesagt werden, besonders wenn der Bau ddr Eisenbahn von der Küste aus vollendet sein wird. Für junge Handwerker als: Zimmerleute, Schuster, Schneider re. ist hier Raum genug, nur dürfen sie nicht mit dem Gedanken hieherkommen, dass sie das Gold auf den Straßen werden auflesen können. Es muß hier ebensogut gearbeitet werden, wie in der alten Welt. Man sollte dieses vielverheißende Land daher nicht aus den Augen lassen, da es Arbeit in Hülle und Fülle bietet und je schneller speculative Einwanderer hier zum Ziele gelangen, desto besser für sie. Obschon für die nächsten zwei oder drei Jahre das Bedürfnis einer Synagoge sich noch nicht Herausstellen wird, wird die Verwaltung doch schon ein Grundstück zum Bau eiuer solchen erwerben. Es wird jedenfalls nicht schaden, sich ein solches zu sichern, da der Preis für Grundstücke sich mit jedem Tage steigert und erworbenes Grundeigenthum zu jeder Zeit vortheilhast wieder veräußert werden kann. An die geehrten U. T. Abonnenten! Mit Rücksicht auf die in dem jetzigen Quartale besonders lästigen Einzahlungen, ersuchen Mir jene geehrten Abonnenten, welche den Abonnementsbetrag noch nicht geleistet haben, denselben umgehend an uns einzusenden. Im gegenwärtigen Momente können sie unsere Bitte um so gewisier erfüllen, als Jedermann den kleinen Betrag jetzt leichter als sonst entbehren kann. Wir suchen ans alle mögliche Weise die geschützten Abonnenten zu befriedigen und haben gerade diesmal durch die Herausgabe der Musikbeilage bewiesen, dass wir hiebei keine Kosten scheuen. Aber darum ersuchen wir um mehr Entgegenkommen und Pünktlichkeit von Seite der geehrten Abonnenten. Mit dem Wunsche שפחת פורים Die Redaktion Die heutige Nlusikbeilage erhalten nur jene Abonnenten, weiche das Abonnement pro I. Quartal bereits beglichen haben. Denjenigen, welche den Pränumerationsbetrag in den nächsten Tagen nachholen, wird dieselbe mit Nr. 8 nachgesendet. Die Redaktion.

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