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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-02-11 · Heft 5 (11.2.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (11.2.1893)
Date
1893-02-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gefterreichisch-ungarische Lantoren-Aeituntz. Nr. 5. Gmgesendet. W i sch a u, am 7. Februar 1893. Lob lich e Nedaction! Wohlwiffend, dass durch Ihr geschätztes Blatt schon oftmals für das Wohl der Cultuöbeamten ein gutes Wort gesprochen wurde, erlaube ich mir an die 1561. Nedaction die ergebenste Bitte zu stellen, mir durch Aufnahme nachstehender Frage zur näheren Discussion oder durch Beantwortmig Ihrerseits in diesem Punkte vollkommene Gewissheit zu verschaffen. Ich bin Hierselbst als Cantor und Schochet angcstellt, wohne aber, da die Gemeinde kein eigenes Gemeindehaus besitzt, im Hause eines Christen, der mir nun mit der Begründung gekündigt hat. dass er es absolut nicht erlauben kann, dass das Geflügel für die ganze Gemeinde in seinem Hause geschlachtet wird. Durch den hier herrschenden Wohnungsmangel bin ich faktisch nicht im Stande, eine Wohnung mit der Erlaubnis zu schlachten zu finden, und da ich doch nicht auf der Gasse wohnen und schlachten kann, wandte ich mich an den Vorsteher mit der Bitte, mir einen Platz, wo ich das Geflügel unbehelligt schlachten kann, anzuweisen. Derselbe wies mich einfach mit der Motivirung ab, dass, es nicht Sache der Gemeinde ist, dem Schächter einen Platz zum Schlachten der Geflügel anzuweisen, das ist Sache des Schochet. Nun erlaube ich mir die Frage aufzuwerfen: Ist es nicht Pflicht der Cultusgemeinde, wenn selbe kein eigenes Gemeindehaus besitzt, dafür zu sorgen, dem Schächter, der im Hause seiner Wohnung nicht schlachten darf, einen Platz anzuwcisen, wo derselbe unbehelligt schlachten kann? Für die gefällige Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend zeichnet hochachtungsvoll S. P i s k a t y. Kleine Chronik. Huirrpoletz, 3. Februar. Am 1. d. M. wurde in unserer Gemeinde die statutenmäßige dreijährige Generalversammlung des hiesigen Chewra-Kädischah-Vereines, eines der ältesten dieser Vereine in Böhmen, verbunden mit einem Brudermahle abgehalten. Der vom Geschäftsführer Herrn Jacob Posamentir verlesene Cassabericht weist einen Vermögensstand von mehr als 1300 fl. aus, nebst einigen Grundstücken, die einen Reinertrag von 60 fl. jährlich geben, und bietet ein Bild des Humanitären und ersprießlichen Wirkens des Vereines. Sodann gedachte derselbe in warmen Worten der verstorbenen Vereinsmitglieder, deren Andenken durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde, lieber Antrag des Herrn Adolf Brock wurde beschlossen, eine Statutenreoision vorzunehnken. Dem Tempelgesangsverein ״Schir Zijon“ wurde über Antrag des Herrn Moriz Bondi ein jährlicher Beitrag von 30 fl. bewilligt. Von Wichtigkeit ist endlich ein Antrag des Herrn Moriz Weil, welcher die Anschaffung einer neuen Thorarolle begründete und um einen Beitrag ersuchte. Der religiöse Sinn unserer Gemeinde documentirte sich denn auch in würdiger Weise. Es wurde ein Beitrag von 150 fl. bewilligt, und überdies eine vom Antrag - steller zu diesem Behufe vorgenommene Sammlung ergab einen Betrag von 69 fl. Hierauf wurde die Neuwahl vollzogen. Gewählt wurden die Herren Abraham Bondi zum Vorsteher, Adolf Bauer zu dessen Stellvertreter,Dr. Alexander Frank, Ignaz Neumann, Jakob Brock, Emanuel Mandler, Emanuel Zelenka, Adalbert Kraus, Jakob Klein als Ansschussmitglieder und Hermann Schneider und Sigmund Seidler als Ersatzmänner. Das nun folgende Festmahl verlief in der animirtesten Weise. Möge unsere Chewrah-Kadischah auch weiterhin blühen und gedeihen zum Wohle der Armen und Kranken und zur Ehre der Dahingeschiedenen! Marie Weil. Damb05itz, 5. Februar. Heute wurde hier unter Betheiligung der gesammten Bevölkerung, ohne Unterschied der Eonfession, der langjährige Cantor und Secretär unserer Cultusgemeinde, Herr Leopold Fleischmann zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verewigte, ein durch Gelehrsamkeit und musterhaften Lebenswandel gleich ausgezeichneter Functionär, wirkte hier als Cantor und Secretär der Cultusgemeinde durch volle 32 Jahre in mustergiltiger und uvederholt belobter Weise. Herr Leopold Fleischmann, welcher das 74. Lebensjahr erreichte, hinterlässt eine tiefgebeugte Witwe und neun Kinder, darunter fünf Söhne, von denen der älteste Herr Jaques Fleisch mann als Begründer und hochverdienter Cultus- Vorstand der Gemeinde Belovar (Croatien) rühmlichst bekannt ist; ein zweiter Sohn, Herr Moriz Fleisch mann, ist langjähriger Mitarbeiter der ״Wr. Allgemeinen Zeitung"; ein dritter Sohn, Herr Heinrich Fleischmann, wirkt als Professor am Staats- Ob.rgyinnasinm in Weidenau (Oberschlesien). Zwei Söhne haben sich in hervorragender Weise der commerziellen Thätigkeit gewidmet. Sämmtliche Söhne waren zur Bestattung ihres Vaters herbeigecilt und Herr Professor Dr. Heinrich Fleischinanu hielt an der Bahre des Vaters eine ergreifende Leichenrede, welche auf alle Anwesenden einen tieferschütternden Eindruck machte. Die Leiche wurde vom Trauerhause durch die Repräsentanz der Gemeinde in den Tempel getragen, woselbst Seiner Ehrwürden Rabbiner Samuel H a h n die eigentliche Trauerrede hielt. Er hob die Gelehrsamkeit, die leuchtenden Tugenden, die Frömmigkeit und die Verdienste des Verblichenen in wahrhaft formvollendeter und eindruckvoller Weise hervor, wobei kein Auge trocken blieb. Die Trauergesänge beim Leichenbegängniße intonirte in würdiger Weise Herr Cantor S ch m i tz aus Gaya. Das Andenken des Gerechten ist gesegnet. ת׳נ׳צ׳ב׳ה• Bntschowitz. Vorige Woche starb hier im 87. Lebensjahre Herr Kramp liczek, der 42 Jahre in Austerlitz Schames war und unter Schwarz und David Kohn in Arad als zweiter Cantor fungirte. Die Leiche wurde nach Austerlitz überführt) woselbst unser Cantor, Herr Landau, dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt und auch bei der cantoralen Trauerfunction im Ornate assistirte. ת״נ״צ״ב״ה Grosz-Kttttizsa, 5. Februar. Ein sehr erhebendes Fest feierte am heutigen Tage der hiesige Frauenverein, das Fest seines 50jährigen Bestandes. Schon vor Monaten ließ die für gemeinnützige Zwecke eifrig beseelte Präsidentin dieses Vereines, Frau Hedwig Vidor, geb. Gutmann de Gelse, das Gemeindearchiv durchstöbern, um Daten für dieses Fest zu sammeln, aber leider fanden sich über die Gründung, nur sehr schwache.Spuren, und. obwohl die Gemeinde hier seit dem Jahre 1793 vollständig geregelte Protocolle über ihre Verwaltung besitzt, verliert sich dennoch nur sagen- Haft die Entstehung des Frauenvereines in eine für archivarische Ordnung wenig Sinn habende, ferne Zeit. Der Verein taucht in den Protocollen vom Jahre 1846 plötzlich als schon bestehend auf. Wer die Urgründer waren, hat uns die.Zeit nicht überliefert. In der sicheren Annahme aber, dass dieser mindestens 60 Jahre besteht, wurde heute sein Jubiläumsfest in solenner Weise nach folgender Festordnung gefeiert: Um 10 Uhr versammelten sich die Mitglieder im Sitzungssaale der Gemeinde und erschienen in corpore um halb 11 Uhr in dein-mit Blumen decorirten, voll beleuchteten und von jüdischen und christlichen Honoratioren voll besetzten'Tempel. Hier begann die Feier mit einem ungarischen Liede, worauf der Prediger Dr. Neumann die Kanzel betrat und in schwungvoller Rede über Sanftmuth und Liebe der Frauen die segensreiche Wirksamkeit des verdienstvollen Vereines würdigte. Nach dem Gottesdienste versammelten sich die Anwesenden wieder im Sitzungssaale. Die Frau Präsidentin begrüßte mit herzlichen Worten die erschienenen Mitglieder und Gäste und ließ den vom Secretär L. Nosenfeld abgefassten, in allen seinen Theilen gelungenen geschäftlichen Bericht verlesen. ‘ Diesem entnehmen wir, dass bereits die Mutter der jetzigen Präsidentin, weiland Frau Nanette Gutmann . de Gelse diesen Verein 25 Jahre als Präsidentin geleitet, dass der Verein außer seiner zwecklichen Tendenz, der Armenuntersiützung, einen Heiratsausstattungsfond aus den Sammlungen bei Trauungen verwaltet und eine stark frequentirte Volksküche erhält — beides Errungenschäften der heutigen Präsidentin. Weiters wurden nebst Gratulationen seitens der israel. Ortsgemeinde, Clle^vra Kadischa. des Lehrkörpers, des städtischen chxistl. Frauenvereincs, der Frauenvereine Pest, Ofen, Arad, Szcgedin, Zala-Egerßeg, Steinamanger u. s. w. die Philantropen Sir Moses Montesiore und Baron Hirsch, die den Verein mit namhaften Gaben bedachten, in dankbarer Anerkennung. erwähnt. Das Vermögen des Vereines beträgt heute nahe an 8000 fl. Von dem Abends statlgefundcnen Banguette kann ich leider nur vom . Hörensagen berichten; reichlich besucht, mit einem wohlschmeckenden Menu, gewürzt von geist-

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