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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-02-11 · Heft 5 (11.2.1893) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (11.2.1893)
Date
1893-02-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 . Desterreichisch-ungurische (Lantoren-Zeitung. :1 •:1 I /. f Seite 7. reichen Toasten, folgte demselben ein unterhaltender Tanz. Das j ausliegende, für Einzeichnung von Spenden bestimmte ״goldene I Buch" erzielte ein nahe an fl. 2000 reichendes Resultat. So sah Frau Hedwig Vidor auch da ihre Humanitären Bestrebungen von den schönsten Erfolgen gekrönt und dürfte in dieser seligen Befriedigung den sie ewignagenden Schmerz des leider frühen Nerlustes ihrer beiden Kinder für einige Augenblicke vergessen haben. G. Fürrfkirchen. Der Fünfkirchner Rabbiner, Dr. Armin Perls, hat in einem hiesigen Blatte einen längeren Artikel verössentlicht, in welchem er hervorhebt, dass es undenkbar erscheine, dass man die Ehe aus dem Verband der Kirche los lösen und zu einem Acte gegenseitigen geschäftlichen Uebereinkommens stempeln wolle. Die Einführung der obligatorischen Civilehe entspreche bei uns keinem allgemeinen Wunsche und sei vielmehr nur die ״verzweifelte Idee" einiger, eine Führerrolle innehabender Politiker. ׳ Die katholische Kirche rüste mit aller Macht' gegen die Civilehe, der Protestantismus wolle von derselben nichts wissen und auch das Judenthum verhalte sich kühl ablehnend. Denn letzteres wisse, dass auf diesem Wege die Verschnielzung der gesellschaftlichen Schichten nicht zu erreichen sei. Die Civilehe wünsche Niemand, sondern bilde dieselbe vielmehr den Schrecken aller Confessionen. Siklos, 30. Jänner. Am 20. d. hat sich der hiesige, seiner vorzüglichen Leistungen halber hochgeachtete Herr Oberkantor Moriz Schorr in einem Concerte mit einem gemischten Chor in Gegenwart einer distinguirten Versammlung produzirt und sammt dem gutgeschulten Chor einen stürmischen Beifall geerntet. Herr Schorr hat in eminenter Weise bekundet, dass er nicht nur in der Synagoge durch Herz und Gemüth erhebenden Vortrag auf die Zuhörer eine mächtige Wirkung ausübt, sondern auch die profanen Gesänge in künstlerischer Vollendung wiedergibt und als tüchtiger Dirigent und Chormeister ganz aus seinem Platze ist. Er hat sich und der Gemeinde durch dieses sehr gelungene Eoncert eine große Ehre verschafft. Man freut sich sehr, autl dem Munde der Nichtjudeu zu hören, wie schön der Prediger gepredigt und wie entzückend der Cantor gesungen hat, ein solches Lob macht auf die Gemeinde einen erhebenden Eindruck und erhöht das Ansehen des Predigers und Cantors in den Augen der Gemeinde. Daher ist es nicht nur rathsam sondern auch nothwendig, dass die Prediger und Cantoren zu ihren öffentlichen Vorträgen sich gehörig vorbereiten, wenn sie in ihrem Ansehen verbleiben wollen; der.salomonische Spruch: ״Finde Gunst und Wolgefallen in den Augen Gottes und der Menschen" sei stets ihr Wahlspruch. — Das Erträgnis des Concertes war einem wolthätigen Zwecke gewidmet. ׳• N o t h. Frankfurt a. M. Der Vorstand der israelitischen Neligionsgemeinde in Frankfurt a. M. ist auf seinen Antrag - seitens des Polizeipräsidiums ermächtigt worden, die gelegentlich der letzten Ausschusswahlen ins Auge gefasste Ausdehnung des bisher auf Preußische Staatsangehörige beschränkt gewesenen activen und passiven Wahlrechts auf alle daselbst wohnenden, die Cultussteuer entrichtenden Gemeindemitglieder durchzuführen..— Aus Cassel theilt man der ״Frkf. Ztg." Folgendes mit: Dr. H., ein' sehr bekannter Thierarzt, vermiethete jüngst ein möblirtes Zimmer an einen jungen Referendar. Nach einigen Tagen erhält Dr. H. von seinem Miether einen Brief, worin ihm der junge Herr eröffnet, dass er bei einem Juden nicht wohnen könne, und bittet, man möge ihn doch auf der Stelle ausziehen lassen, er wolle den Betrag der Miethe für den laufenden Monat vergüten. Dr. H. erwiderte wörtlich: ״Im Besitze Ihrer Zeilen, gestatte ich Ihnen sofort auszuziehen; Sie brauchen mir nichts zu vergüten. Ich will jedoch nicht verfehlen, Ihnen zu bemerken, dass mir derartiges Benehmen in meiner Praxis noch nicht vorgekommen. Ergebenst Dr. H- Thierarzt." Hamburg. Anlässlich der Wahl des Herrn Hinrichsen zum ersten Präsidenten der Bürgerschaft in Hamburg wird daran erinnert, dass derselbe nicht der erste Jsraelite sei, welcher die hohe Würde bekleidet, da schon vor ihm Dr. Jsaac Wolfsohn und noch früher der unvergessliche Gabriel Nießer dazu berufen worden waren. Diese Wahl zeugt aber, auch bei der heutigen Strömung von dem gesunden׳ und toleranten Sinne der Hamburger intelligenten Bevölkerung und gilt gleichsam als ein Protest gegen das wüste Treiben der Ahlwardt, Stöcker, Liebermann und Consorten. Rom, 1. Februar. Eine entsetzliche Feuersbrunst zerstörte in der gestrigen Nacht das israelitische Tempelgebäude. Das Feuer brach im dritten Stockwerke aus und hatte in wenigen Minuten das Dach erfasst. Trotz sofortiger Hilfeleistung brannte das Haus total nieder. Die im Parterre befindlichen drei Synagogen wurden zerstört, ebenso die Tempelbiblivthek, eine der kostbarsten in ganz Europa, welche große Kunstschätze und Antiquitäten enthielt. Der Schaden ist unberechenbar. Das Gebäude war auf 4 Millionen Lire versichert. Verlust eines Menschenlebens ist nicht zu beklagen, da aus den bedrohten nachbarlichen Wohnhäusern über 200 Personen rechtzeitig gerettet werden konnten. öücherschan. Geschichte der Juden und ihrer Literatur. Für Schule und Haus bearbeitet von Dr. M. Brann. Theil I. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zum Abschluss des Talmud. — Verlag Will). Jacobsohn & Co., Breslau, 1893. Auf falschen Pfaden. Erzählungen aus dem jüdischen Leben von I. Herzberg. — Verlag von I. Kaussmann, Frankfurt a. M.,!893. Hanna. Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen, von Jacob Freund, Religionslehrer in Breslau. Mit Beiträgen von D. A. Geiger, Dr. M. Güdemann, Dr. M. Joel und Professor Dr. M. A. Levv. Siebente Ausl. — Verlag Will). Jacobsohn sc Co., Breslau 1893. Das reine Menschentum im Lichte des Indentnms, von Dr. Mendel Hirscb, Director der Realschule der israelitischen Religionsgenoffenschast zu Frankfurt am Main. — Verlag von I. Kaufsmann, Frankfurt a. M., 1893. Madchen-Conftrmationsnnterricht, von Dr. M. G r ü n w a l d, ׳Bezirksrabbiner in Jungbunzlau. Separatabdruck aus der Zeitschrift Selbstverlag des Verfassers, 18-93. Alluph tephilläh, hebräisches Lehr- und Lesebuch mit auszugsweise den Inhalt, die O.uellen sammt Autoren der einzelnen Gebetstücke bezeichnenden Noten und zugleich mit bibliographischen und chronologischen Anmerkungen versehen, von S. Königsberg, öffentl. Neligionslehrer. Prag, Verlag Jacob B. Brandeis. Preis in Lnwd. gbd. 50 kr. - 1 Mk. 2. Auflage. Reschith und Thorarh dath morascha. Anfangsunterricht und Lehrbuch der mosaischen Religion, biblischen und israelitischen Geschichte in vier Stufen von Rabbiner Dr. Nathan Grün, Prag. 1. Bd. 20 kr. (cart.), 2. Bd. 32 kr., 3. und 4. Bd. je 50 kr. — Verlag von Jacob B. Brandeis, Prag. Für den Schulgebrauch besonders empfehlenswerth. . Die fünf Buchen Moses. Schulausgabe, mit hohem Ministerialerlass für zulässig erklärt. Durchgesehener Text nebst einem Wörterverzeichniße, einer kruden hebr. Grammatik und Conjugationstabellen. Von Dr. M. Kaiserling. 1. Bd. 55 kr. (in Leinwand), 2. und 3. Bd. je 42 kr., 3. und 4. Bd. je 45 kr. — Verlag von Jacob B. Brandeis, Prag. (Besprechung obiger Werke folgt gelegentlich.) HiMkaiiomir öes öjkerr.-rmgar. Hanioren-KereineS. An Jahresspenden sind eingelausen: Aus der Gemeinde Strakonitz durch Obercantor Menkes: Cultusgemeinde 5 fl., Chewra Kadischah 5 fl., Frauenverein 5 fl., in Summa 15 fl. Aus der Gemeinde T o b i t s ch a u durch Cantor Weiß: Gemeindecaffe 3 fl., Armencaffe 2 fl., Chewra-Kadischa 2 fl., Frauenverein 2 fl., Vorsteher Steinschneider 1 fl., Salomon Steinschneider 1 fl., in Summa 11 fl. Den hochverehrten Spendern, wie den werthen Collegen, welche die Einsendung der Spenden veranlasst haben, sei hiemit öffentlicher Dank abgestattet. (Das Verzeichnis der Mitgliederbeiträge in nächster stummer.) Der Vorstand des österreich.-ungar. Eantoren-Vereines.

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