Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 4 Desterreichisch-ungarisch׳ gere gar sehr, daran würde ich mich ergötzen — das kann der Juwel mir nicht ersetzen. Die Moral: So ist der Sinn des Menschen oft verkehrt — der das Verächtliche verehrt — Geachteten den Nucken dreht — wie der Hahn den Juwel verschmäht. — Sein Herz ist öde, leer, geheim ist sein Begehr — für Höheres hat er keinen Sinn — nur das Niedrige reißt ihn hin. W.r. (Fortsetzung folgt.) Aufruf u« die geehrten College» des In- und Auslandes. Der gefertigte Vorstand des österreichisch-ungarischen Cantoren-Vereinfes fühlt sich veranlasst, für ein demnächst zu erscheinendes Werk auf synagogal-gesanglichem Gebiete thatkräftigst einzutreten. Herr College Wodak arbeitet seit vielen Jahren an der Zusammenstellung des Gesammtstosfes des eantoralen Synagogenvortrages (Chasonos und Recitativc) mit möglichster Nutzanwendung der in den letzten Jahren zum Durchbruche gelangten traditionell-musikalischen Gesichtspunkte. Das uns vorgelegte Buch ist, was Inhalt und Durchführung betrifft, vorzüglich geeignet, sowohl dem Anfänger als Lehrbuch, wie dem älteren Cantor als treuer Nathgeber in strittigen Fällen ersprießliche Dienste zu leisten. Das Gesammtwerk ־ונצצה!, welches den cantoralen Vortrag des Wochentag- und Sabbath-Gottesdienstes, sowie den der Scholosch rgolim, Rosch haschonoh, Jom kippur. Purim, tischeo beow, sowie die verschiedenen Gesangscantilationen des Thoravorlesens, wie der Declamation der Megillah und Echa umfasst, soll in 12 Heften, zum Subscriptivnspreise von 1 fl. (Ladenpreis 1 fl. 50 kr.) erscheinen, so dass das Gesammtwerk für die Herren Subscribenten auf 12 fl. zu stehen kömmt, während der Ladenpreis auf 18 fl. sich belaufen wird. Jndenl wir nun die vortreffliche Arbeit des Herrn Wodak als eine nach jeder Richtung bedeutsame Erscheinung wärmstenö empfehlen, laden wir zur baldmöglichen Pränumeration ein, und bitten, Briefe und Geldsendungen an unfern Vereinscassier, Herrn Moriz Blatt, Cantor in Wien, II. Tempelgasse Nr. 3, gelangen lassen zu wollen. Wien, im Februar 1893. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereiues Jacob Bauer, Josef Singer, Vicepräses. Präses. Kleine Chronik. Wien, 28. Jänner. Bei der Verhandlung über den Voranschlag der Centralleitung des Unterrichtsministeriums sprach Abgeordneter Dr. Byk Worte kräftiger Abwehr gegen die gestrige Hep! Hep!-Nede des Prinzen Lichtenstein und knüpfte daran den gewiss nicht grundlosen Vorwurf, dass die Negierung der Partei gegenüber, welche die wichtigsten Sätze des SLaatsgrundgesetzes bekämpft und Hass gegen Andersgläubige ausstreut, Lässigkeit und Passivität an den Tag gelegt habe. Der Redner besprach zunächst die Frage der Reform der Mittelschulen und plaidirte dann für die Errichtung eines israelitischen Seminars mit dem Sitze in Galizien. Derzeit müssen qualificirte Rabbiner aus Preußen noch immer herübergeholt werden, und das entspricht gewiss nicht der Würde des österreichischen Staates. Die Negierung beabsichtige, im nächsten Jahre eine solche Anstalt in Wien zu errichten. Redner hätte jedoch gewünscht, dass eine solche Anstalt in Galizien selbst errichtet werde, damit die künftigen Seelsorger Galiziens in ihrem Heimatlande und inmitten dergalizischen Bevölkerung aufwachsen und die nötige e Lantoren-Zeitung. Seite 5. Kenntnis der nationalen Sprache erwerben. (Zustimmung aus den Polenbänken.) Weiters wünscht er auch die Errichtung eines Proseminars zur Heranbildung israelitischer Religionslehrer — Dr. Byk wendet sich sodann gegen den Prinzen Lichtenstein, der gestern von der Präponderanz und von der Herrschaft der Juden erzählt hat, und sagt: ״Der fürstliche Redner hält sich gewiss an das Wort noblesse oblige, und er könnte die Popularität gewisser Vororte, nach der er buhlt, viel rascher erlangen, wenn er gegen die wirklich Bevorrechteten im Staate und in der Gesellschaft zu Felde ziehen würde. Aber er spricht nicht von jener Classe, welche historische Vorrechte hat und welche heute noch im staatlichen Leben politische und sociale Vorrechte genießt (Abg. Dr. Kronawetter: Leider!), er spricht von Juden, die bis vor kurzer Zeit eine Pariasstellung im Staate eingenommen haben und die heute noch mühsam kämpfen um die Erwirkung des gleichen Rechtes. Von den Vorrechten dieser Classe zu sprechen, ist eine taktische Spitzfindigkeit, das ist ein Kunstgriff, denn diese Herren gebrauchen, um das Kind nicht beim wahren Namen zu nennen. Ich bitte, diese Vorrechte anzuführen. Schauen Sie die Aemter an, die noch immer den Juden verschlossen sind!..." Nach mehrfachen Unterbrechungen durch Dr. Paltai fährt der Redner fort: ״Wir tragen das mit großer Geduld und haben uns an die Maxime gehalten, aus diese Dinge selten zu antworten, aber weß das Herz voll ist, muss einmal der Mund überfließen. Ich bedaure das um des Parlaments willen, und ich habe wahrlich nicht geglaubt, dass, wenn man in die Neichsvertretung kommt, man so oft von der Frage: Hie Jude und hie Christ sprechen soll." (Lachen bei den Antisemiten.) Dr. Byk spricht zum Schlüße seine Befriedigung über die geplante Errichtung einer israelitischen theologischen Anstalt aus. Es werde dort der Religions-Unterricht unter staatlicher Controle ertheilt werden, und damit werde manche Bosheit und manche Niedertracht im Keime erstickt werden, denn man wird finden, dass die ethischen Grundlagen des Judenthums so krystallhell sind, wie die jeder anderen Religion. Redner dankt deßhalb der Negierung nochmals, dass sie in diesem gewissermaßen kritischen Zeitpunkte zur Activirung einer solchen Anstalt schreite. Daran müsse er jedoch noch einige bescheidene Fragen an die Regierung knüpfen. Warum legt sie eine gewisse Lässigkeit und Passivität einer Partei gegenüber an den Tag, welche gegen die Eultur und die Staatsgrundgesetze loszieht? Warum kann es in gewissen Versammlungen Rednern gestattet sein, zu Hass und Verachtung gegen Andersgläubige aufzusordern, warum kann es gestattet sein, aufzufordern, dass rnan bei Steuerzahlern, welche auch unter dem Schutze der Gesetze stehen, nicht kaufen soll, und warum endlich vergisst die Negierung selbst aus das Staatsgrundgesetz bei manchen Anstellungen und Beförderungen? Wir bitten auf diesem Gebiete um mehr Conseguenz. Olmntz. Auf eine Anfrage beim Fürsterzbischof von Olmütz Dr. Theodor Kohn unter Beilage eines Zeitungsausschnittes — os handelte sich um eine Behauptung der ״Germania", abgedruckt in der Kreuzzeitung, wonach Dr. Kohn als Professor sich sehr antisemitisch geäußert haben sollte — kam nachfolgende Antwort: ״Euer Wohlgeboren! Auf das geschätzte Schreiben ddto. 31. December 1892 beehre ich mich die ergebenste Bitte vorzutragen: Hochdieselben wollen die Handlungen der in Dero geschätztem Schreiben bezeichneten Persönlichkeit, bis selbe thatsächtich wird die Leitung übernommen haben, beurtheilen und auf uncontrolierbare Zeitungsberichte, sowie es die oben berührte Persönlichkeit immer thut, gütigst nicht achten." Olmütz, am 2. Jännsr. Prag. Fräulein Laura Löwensohn, Tochter des Ober- Cantor Löwensohn, hier, hat sich mit Herrn Professor Soßler aus Neuhäusel verlobt. Lemberg. Die Nachricht von der bevorstehenden Eröffnung eines Seminars Hieselbst, sowie die Vertheilung der Lehrfächer an demselben (in einem zu Krakau erscheinenden jüd. Bl.), welche für Eingeweihte eines komischen Beigeschmackes nicht entbehrt, ist von Anfang bis zu Ende erlogen. Budapest. Als Nachfolger Moriz W a h r m a n n's ist das bisherige AuSfchußmitglied Herr Sigmund Kohn er zum Präsidenten der Pester israelitischen Neligionsgcmeinde erwählt worden. — Der Gesetzentwurf über die ״Jnartikulirung (gesetzliche An-