Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/1304829-3453273-3453277--3653-3458031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sekte 4. Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Nr. 4 mir — sieh an mein Haus und meine Leute dir. — Und er beredet ihn auf solche Weise — zu kommen in seine Kreise — Und sich zu laben an seiner Speise. — Nun lief der Fuchs, um Fleisch zu bringen — in ein Volk von Hühnern einzudringen — griff eine Henne aus dem Haufen dicht — Diese schloss ihr Aug im Sonnenlicht — schrie in ihrer Noth — breitete die Flügel aus und war todt. — Die Speise hat er dann zurecht gemacht — und mit seiner Schlauheit sich bedacht — so sprach im Herzen er — thöricht wär ich doch gar sehr — wollt ich die Mittel zu meinem Leben — ihm als Nahrung geben. — Der Storch wird auf einmal verschlingen — Alles was ich werde bringen — und die Speise, die so süß dem Gaumen schmeckt — hält' ich bann nur angeleckt. — Nun rieth ihm die bekannte List — die ja seine Verwandte ist — die Speise zu zerreiben dünn und fein und sie auszubreiten schlau — auf den Tisch in seinem Bau. — Als er dies gethan, — rief er zum Essen den Storch heran, — dess' Schnabel aber nicht zu greifen vermag, — die so fein und zerstreut da lag, — weil der Storch so zu essen nicht gewohnt — des Fuchses Auge aber sein nicht schont — und gar bald hat er leer den Tisch gegessen — wie die Ochsen das Feld abfressen. — Müde, matt, grimmig und den Magen leer — gieng der Storch nach Haus nunmehr — ohne dem Fuchs ein freundlich Wort zu sagen — oder auch ihn anzuklagen; — doch in seinem Innern war er wüthend — und über Rache brütend. — Und als er sich zu Haus befand — berieth er sich mit seinem Verstand — und dieser lenkt ihm schlau den Sinn — auf einen Baum voll Löcher hin. — Diese füllt er aus — mit Nahrung zum Schmaus — die bereitete Speise steckt er jedoch — so tief in jedes Loch — dass es Niemand konnte gelingen — sie herauszubringen —. seinem Schnabel allein — sollte dies Vorbehalten sein. — Dann rief er den Fuchs herbei ■— bat ihn schelmisch, dass sein Gast er sei — sprach, iss was dir gefällt — das deinige ist vor dich gestellt — doch vergebens war des Fuchses Bemühen — die Speise mit der Zunge auszuziehen — umsonst streckte er sie hervor — durch der Zähne Thor — Nichts erreicht er durch seiner Zunge Regung — Nichts durch seiner Füße Bewegung. — Der Storch, der sich freut dessen — verschlingt nun gierig vor dem Fuchs das Essen — da sein Schnabel, der lang — in alle Tiefen drang. So vergalt dem Fuchse er sein Gebahren — er lohnt ihm durch gleiches Verfahren. Die Moral: Diese Fabel geißelt den, der auf Ränke sinnt — allerlei Täuschungen spinnt seinen Nächsten zu betrügen — welcher redlich und fern von Lügen — bei ihm weilt voll Zuversicht — und seinem Thun mißtraut w'ck-7 — den Weg, den jener ihm gezeigt — wird auch dieser bald geneigt. — Die Geistesmächtigen werden berückt — ihr Herz wird dumm, wie vom Fett erstickt. — Wer Unrecht schmiedet zu des Nächsten Jammer — der schwingt der eigenen Zerstörung Hammer. Das Wildschwein, der Hirsch und andere Thiere. ״Eine widerspenstige, befleckte Seele, Wird so leicht nicht wieder ohne Fehle.״ Im Straßenkoth wühlt — ein Wildschwein und fühlt — sich froh bewegt — im Schlamm, den es aufgeregt — und wie es im Wald — so freudig schallt — da ist ein Gelage festlich — die Speisen der Gäste sind köstlich; — denn der Hirsch freuet seine Verwandte — und zur Hochzeit kommen alle Bekannte — von den Thieren — welche geh'n auf Vieren. Jedes sättigt sich bei Tisch — an Brod, Fleisch und Fisch — fröhlich schmausen sie bei der Feier — mit der Braut und ihrem Freier — mit diesen zähret im Verein —während sieben Tage Groß und Klein. Wohl hört das Schwein — das Lärmen und Schrein — doch es richtet nicht seinen Sinn — auf dieses Alles hin — Ein Hirsch erblickt das Schwein, das schmutzige jetzt — wie es am Kothe sich wetzt — mit dem Rüssel fressend gewühlt hat — bis es sich gefressen satt. — Da sprach es zu ihm alsbald — komm doch in den festlichen Wald — dort weilt fröhlich der ganze Schwarm — sonder falsch und Harm, — was deine Augen begehren — kannst du verzehren — und nicht in kärglicher Weise genießest du dort die Speise. — Auch ist jedem Thiere freigegeben — nach eigener Art zu leben. — Blos dass es zum Schmuck ihm sei — trägt dort der Hirsch sein Geweih — und welch' freudige Gefühle sein Herz durchdringeu — kann jeder Vogel die Kunde bringen. — Die Gerichte sind dort mannigfaltig — selbst die Gefäße vielgestaltig. — Und wie die Hindin durch ihren Anblick entzückt, — die für den Hirsch sich schön geschmückt, — denn was herrlich auch sein mag — am herrlichsten ist der Hochzeitstag. — Da erwidert das Schwein geschwind, — wenn dort alle Speisen sind — wird da auch Kleie gereicht — in warmem Wasser geweicht? — oder habt ihr zu essen bekammen — Koth von der Straße genommen? — Denn wie diese ist nichts Leckeres vorhanden — in allen Landen. — Muß ich die beiden dort missen — mundet mir kein anderer Leckerbissen.— Diesen Gleiches Hab ich nie genossen — bessere Speise ist mir nie zugeflossen. Diese Fabel geißelt den, der dem Frevel sich hingegeben — dass Gier nicht weicht von seinem Leben — bis schmutzig seine Seele — und voller Fehle. — Nicht wird er für seine Sünden — leicht Heilung finden. — Was seinem Aug' erscheint begehrenswerth — das wird von seinem Herzen auch verwehrt — und er lässt davon nicht ab — selbst wenn er alt und nah' dem Grab. — Seine Nachbarn sind seine Verräther und Hasser — weil feine Füße trüben lebendiges Wasser. — Und sobald seine Freunde ihm sagen: — Wie hoch ist's doch anzuschlagen — wenn man in der Tugend sucht sein Heil — und nimmt an unschuldsvollem Leben Theil — welch' glücklich Loos — birgt für Frommen der Zukunft Schooß! — Fasse Muth — streb wie sie nach diesem Gut — spricht er: Lüg wähl' ich in meinem Hort — Trug zu meinem Port — es ist mein Willen — meine Begierde zu stillen. — Lieber ist mir eine Augenweide — meiner Sinne Freude — als die Hoffnung König zu werden — jenseits der Erden. — Ich bin zufrieden — kann ich hieniden — meines Herzens Trieben — leben nach Belieben. Der Hahn und der Edelstein.*) Ein Hahn, dev auf einen Düngerhaufen stieg, eifrig mit seinen Füßen scharrte, ein Würmchen aufzufinden, das ihm als Speise dienen sollte, statt dessen aber einen glänzenden Edelstein erblickte, da verlor er die Lust weiter zu suchen. Denn, sprach er, ich dachte durch meine Mühe einen Vortheil zu erzielen, eine Würmchen oder eine Fliege zu finden, das thäte mir wohl, ich könnte meinen Hunger stillen. Nun habe ich einen Edelstein gefunden, was nützt er mir, wenn ich ihn ansehe. Er strahlt wohl im lieblichen Glanze, und stolz würde ein Manu sein, wenn er ihn besäße, er würde ihn in Gold fassen lassen, wodurch er noch.höher im Werthe stünde; aber für mich ist er werthlos, ich schleudere ihn von mir, Hab meinen Wunsch, durch ihn nicht erreicht. Mir wäre lieber ein Körnchen oder nur ein halbes Würmchen, ich hun- *) Folgende Fabel ist vom Verfasser in Prosa dem Inhalte nach übersetzt.