Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte 2 Gesterrekchisch-ungarische (Lantoren-Aeitung. Nr. 4. Entwicklung überall und auf allen Seiten gebunden und gehemmt gewesen und auf immer dort stehen geblieben, wo. er zu Anfang war, ohne auch einen Schritt weiter zu kommen. Und mit ihm wäre auch der Wiener Gottesdienst, der jetzt, gegründet auf Tradition und Herkommen, auf Hoch- und Heilighaltung unserer Geschichte und Sprache, wohl würdig einer solchen Gemeinde, einer wahren ״Stadt und Mutter in Israel", und würdig seines ursprünglichen Leiters und Vollführers dasteht, verkümmert und yerstümmelt zu einer Farce herabaewürdigt worden. Noch Eines will ich bei dieser Gelegenheit hervorheben, was wir uns wohl zu merken haben. Nicht der ״Lckir Zion II", sondern der ״Schir Zion I" hat Sulzers Ruf und Ruhm begründet und befestigt. Der dritte Punkt zerfällt in Nichts, wenn man bedenkt, dass der ״Schir Zion I" überhaupt nicht für Landsynagogen im Sinne des Harmoniums geschrieben ist; dieser Theil erfordert nur Sänger von Beruf, Nichtsänger aber Hilst es nicht, wenn selbst die Orgel ihnen hiebei unter die Arme greift und sie ins Schlepptau nimmt. An dieser Stelle will das Harmonium gleichzeitig sein ״Häufchen Groll" ganz ausschütten und dadurch sich das mit Hass gefüllte Herz erleichtern. Weil ich es gewagt habe, Sulzer als nachahmenswertshes Vorbild für unsere Collegenschaft darzustellen, hält es uns Jndeu gar den ״Götzendienst" vor und behauptet: ״Wir Juden können den Götzendienst ebensowenig lassen, als unsere Vorfahren. Der Götze der heutigen Juden ist — Sulzer." Hat man je einen solch' grenzenlosen Unsinn und einen solchen abgeschmackten Einrmd Ausfall gehört? Wenn wir einen der vortrefflichsten und verdienstvollsten Männer unter uns hochschätzen und verehren und ihm nachzustreben uns bemühen wollen, soll das ein Götzendienst sein? Eher ist doch wohl der Orgelcultus als wirklicher Götzendienst zu betrachten, der von einem andern, uns völlig fremden Cult zu uns herübergenommen wurde und von dem man nicht mehr lassen will. (Fortsetzung folgt.). Jahresbericht des sstrrreichisch-ungarische« Ca«toren-Rereiues. Bei Erstattung des Berichtes über das abgelaufene Vereinsjahr muß in erster Reihe darauf hingewiesen werden, dass der Cantoren-Verein Heuer seiner statutarischen Bestimmung, welche auf Förderung der materiellen Interessen der Mitglieder, resp. deren Hinterbliebener abzielt, in erhöhtem Maße gerecht geworden ist, und diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, dass der UeberschusS der Jahresrechnung als ein ganz minimaler sich darstellt. Aber nichtsdestowenige können wir eine ganz bedeutende Erhöhung des Vermögensstandes von nahezu 600 fl. constatiren, welche Hauptsächlich auf die Werthsteigerung der das Vereinsvermögen bildenden Anlagepapiere zurückzuführen ist. Ein Blick auf den Rechnungs-Ausweis zeigt uns, dass die Mitgliederbeiträge fast die gleiche Summe wie im Vorjahre ergaben, da der Stand der Mitglieder sich nur wenig verändert hat. Wir müssen sagen leider, denn noch immer steht ein großer Theil der Berufsgenossen unseren gemeinnützigen Bestrebungen theilnahmslos gegenüber, und an diese richten wir-den eindringlichen Apell, dem Cantoren-Vereine beizutreten und mit uns für das Wol unseres Standes thätig zu sein. Bezüglich der Einzahlung der Mitglieder und Pflichtbeiträge würden wir eine größere Pünktlichkeit wünschen, wodurch die zahlreichen Mahnungen überflüssig wären und dem Vereine unfrnchtbare Arbeiten und unnöthige Auslagen erspart würden. Nächst den Mitgliederbeiträgen ergeben die Zinsen des Vereinsvermögens den größten Einnahmsposten, deren gradueller Aufstieg von Jahr zu Jahr die sicherste Gewähr für die materielle Kräfrigung des österreichisch-ungarischen Cantoren-Ver eines bietet. Die Spenden hahen sich auch Heuer auf einem sehr niedrigen Niveau, bewegt und nur die löbliche Cultusgemeinde Strakonitz ist uns treu geblieben. Ihr, sowie dem dort amtirenden Collegen, der alljährlich die Einsendung der von den einzelnen Spendern gezeichneten Beiträge veranlasst, sei hiermit öffentlicher Dank ausgesprochen.. Unendlich viel ließe sich erreichen, wenn alle Vereinsmitglieder das gleiche Interesse für die Vereinscasse betätigten. Von vielen Gemeinden und Privaten wurden uns Jahresbeiträge zugesagt, und nur der Lässigkeit der geehrten Herren Collegen, die es unterließen, diese Beiträge einzusammelu, ist es zuzuschreiben, dass es bei bloßen Versprechungen geblieben ist. Vielleicht hat die heutige Mahnung einigen Erfolg. Zu dem Ausgabsconto übergehend, Heben wir in erster Linie die Gewährung zweier Witwenbeiträge hervor. Die Collegen I. Popper in Koljanowitz und I. Körner in Smichow sind im abgelaufenen Jahre gestorben, und da die beiden Todesfälle in kurzer Aufeinanderfolge eintraten, konnte der Vereinsvorstand, mit Rücksicht auf den damaligen prekären Cassastand, nur je 200 fl. als Witwenbeitrag bewilligen. Es ist dies wol keine genügende Summe zur Sicherung einer durch das Ableben des Familienoberhauptes arg bedrohten Familieuexistenz, aber immerhin ein Betrag, der namentlich in kleineren Verhälinißen schon schwer in die Waagschale fällt. Auch an anderweitigen Unterstützungen haben wir im abgelaufenen Jahre eine Mehrausgabe zu verzeichnen, indem wir bestrebt waren, soweit es unsere Mittel und die Bestimmungen der Statuten erlaubten, die traurige Lage solcher Vereinsmitglieder zn mildern, 1 die von Krankheit und sonstigem Unglück heimgesucht wurden. Wol konnten wir nicht alle an uns herangetretenen Ansprüche befriedigen, aber jederzeit war unser Bestreben dahin gerichtet, dem collegialen Humanitätsprincip, auf welchem der österr.-uugar. Cantoren-Verein basirt ist, gerecht zu werden. Die beiden Posten ״Kanzleiregie" und ״Verwaltungsspesen" weisen gegen das Vorjahr eine bedeutende Verringerung auf, aber trotzdem ist in der letzten Vorstandssitzung, welche sich mit der Prüfung des Nechnungsausweises befasste, der lebhafte Wunsch zum Ausdruck gelangt, im nächsten Jahre eine noch größere Sparsamkeit walten zu lassen, was natürlich die thunlichste Berücksichtigung sinden wird. Als alljährlich wiederkehrenden Ausgabsposten finden wir noch die statutarisch bedingte Snbvention an das Vereinsorgan. Bei unserem kleinen Budget ist dies wol ein nicht unbedeutender Betrag, aber wir müssen anerkenneud hervorheben, dass die ״österr.- ungar. Cantoren-Zeitung" bei den vom Vereine mit großem Erfolge zur Förderung der socialen Interessen des Cantorenstandes durchgeführten Schritten sich als unentbehrlicher Factor erwiesen hat und uns gewiss auch bei weiteren, in Vorbereitung befindlichen Actionen noch große Dienste leisten wird. Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben führt uns auch zu dem mühevollen Walten unseres verehrten Vereinscassiers, dem wir für seine aufopfernde und ersprießliche Thätigkeit hiemit öffentlichen Dank aussprechen. Im Hinblick, auf die im abgelaufenen Jahre stattgehabte Vorstandswahl nehmen wir Anlass, den verehrten Mitgliedern für das Vertrauen, welches sie durch unsere Wiederwahl documentirten, unfern Dank abzustatten. Mögen sie überzerzeugt sein, dass der