Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Prris. FiirCantoren n.Cilltusbeamte i» Oesterreich-Ungarn Ganzjährig.% 4.— Halbjährig.fl- 2.— FnrCantorenn.Cnltnsbeamte in» Ansland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig ^=י eilung. Central-Organ für die Interessen der Cantorrn und Cnltusbramten. Gr sch eint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Wedaction und Administration Wien II. Novaragaste Nr. 27. Inserate werde» billigst berechnet. Man:׳scripte werden nicht retournirt. Abonnementsn. Jnsertionsbetröge sind in Wien zahlbar. Wien» 1. Februar 1893. 13. Jahrgang. Zur Orgelfrage» (Fortsetzung.) Was dm Hinweis auf die ״Autorität" des christlichen Organistcn betrifft, so beweist derselbe nur, dass leider auch viele Juden von antisenlitischer Tendenz gar zu sehr angekränkelt sind und selbst bei gleicher Fähigkeit und Kenntnis dem Christen mehr Bertrauen entgegenbringen als dem Juden, aber das entschuldigt keineswegs unser diesbezügliches ungerechtfertigtes Verhalten. Uebrigens ""51 ersordLrt.7-.die.^echnische. Kunstfertigkeit für den^synagogalen Gebrauch ־ keine allzu große Meisterschaft, dass nicht ein einfacher Lehrer, der mit der Orgel unrzugehen weiß und ein kleinwenig spielen kann, dies nicht gut bewerkstelligen und die Organistenfunction zur Genüge versehen konnte. Nur ist hiebei der eine Umstand von großem Nachtheile, dass man nämlich an jüdischen Lehrerseminaren so viel wie gar keine Musik lehrt, und es müsste für diesen Fall allerdings eine große Umwandlung und Ergänzung des Lehrplanes eintreten. Aus all den angeführten Momenten geht jedoch deutlich hervor, dass die Bezeichnung der Orgel als ״christliches Jnstrument" — sie mag sich dagegen noch so sehr sträuben — in doppelter Hinsicht eine berechtigte ist. Erstens deshalb, weil sie, wie ich ausführlich nachgewiesen habe, nur in den christlichen Gottesdienst hineinpasst und dort allein nur, ihrem ganzen Wesen nach, F^die rechte Würdigung und vollständige Verwendung findet, und ferner — weil sie auch als ״jüdische" Orgel ausschließlich von Christen bedient wird. Die darauffolgenden Auslassungen will ich ihrer Bedeutungslosigkeit wegen gänzlich übergehen und mich nunmehr den Aeußerungen über unseren verewigten Altmeister Sulzer zuwenden. Das Harmonium hatte.; in seinm.,Glanzperiode, als es noch in der berüchtigten Synagoge actio w)^? gute Gelegenheit, zuweilen in die Sulzer'schen Gesänge zu gucken und hat da 3 Punkte herausgefunden, die alle für die Orgel sprechen. Erstens: Im ^Zcllir zion II." hat die: obligate- Orgel Sitz und Stimme. Zweitens: Wenn Sulzer prinzipiell gegen die Einführung der Orgel gewesen wäre, so hätte er sie nicht derart protegiren können. Drittens: Auch die Gesänge aus dem ״Schir zion I״ können die Chöre der Landsynagogen ohne: Begleitung nur mangelhast vortragen. Darauf antwortete ich: ad I. Bei den jüdischen Compo-' nisten braucht die Bezeichnung ״obligatorisch" nicht gar streng genommen zu werden, indem sie die Orgelbegleitung ״keckomor bejad hajozer" behandeln. Bald benennen sie sie ״obligatorisch", bald heißt sie ״ad libitum", in Wirklichkeit aber ist sie für die Welt obligat, für sie selbst ad libitum, sie nämlich nach Belieben zu benennen. Den zweiten Punkt betreffend, glaube ich recht gerne, dass PSulzer prinzipiell nicht gegen die Einführung der Orgel war, und zwar nur aus dem Grunde'g taube ich das, weil er sie derart protegirt hat. Was geht mich aber Sulzers Protection an? Bin ich denn verpflichtet, Sulzer in Allem nachzubeten und seine Unfehlbarkeit als Dogma hinzustellcn? Ich habe meine Gedanken und Ansichten für mich und bin daher ein sehr schlechter Autoritätsgläubiger. Ich erkenne die Künstlerschaft Sulzers vollkommen an, dass er ein unvergleichlicher, zielbewusster Cantor, ein mustergiltiger jüdischer Coniponist und dass er überhaupt im jüdischen Cantorenthuni für seine Zeit und Verhältniße wirklich bahnbrechend war; aber trotzdem bin ich mit seiner Befürwortung der Orgel durchaus nicht einverstanden. Und gerade seine bevorzugte Stellung und hervorragende Persönlichkeit gibt den sichersten Anhaltspunkt für die Annahme, dass er sich hierin vollständig im Jrrthum befand und damit nur gegen den Bestand des jüdischen Gottesdienstes und gegen die Selbstständigkeit seiner Collegen hinarbeitete. Denn dem wird doch jeder Unbefangene beistimmen müssen, dass Sulzer nie und nimmer zu dieser Bedeutung und Größe gelangt wäre, wenn er — um mit dem Harmonium zu sprechen — ״von Picke auf" mit der Orgel angefangen hätte und ihm vorher nicht Zeit und Gelegenheit geboten worden wäre, sich erst persönlich hervorznthun und durch sich selbst zu jener Höhe sich hinaufzuschwingen, von wo aus ihm selbst die Orgel nicht mehr schaden und ihn in seinem Ruhme beeinträchtigen konnte. Bei der Orgel wäre ihm selbst die Möglichkeit gänzlich benommen worden, seine Stimme in ihrem ganzen Glanze und ihrer vollen Schönheit zu offenbaren und geltend zu machen, seine Individualität als Cantor und Rezitator zu entwickeln und zu vervollkommen, seinen Gesang zu einem so mächtig ergreifenden und bewunderungswürdigen zu gestalten und auszuprägen. Er wäre in seinem Wachsthume und in seiner