Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1893)
- Date
- 1893-01-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gsstercelchisch ungarische Lantoren Zritung. Seite 4. Venn? Bekommt 'man denn nicht das hiezu nötige Synagogenpersonal, wie man es wünscht und braucht, und dazu noch um ein billiges Geld, aus Polen und von fremden Confessionen; wozu denn sich selbst plagen und lernen und vielleicht sich gar noch den lohnenderen Preis der besser auszunützenden Zeit unb Arbeit dadurch entgehen lassen? So sprechen Viele und denken Alle. Allein diese billige und mühelose Aushilfe mit fremdgläubigem Synagozenpersonal erinnert lebhaft an die fromme Jnstitution des ״Schabbes-Goj", der für ein Stückchen Larches und ein paar Groschen Geld alle Wochenarbeiten verrichtet, die wir am Schabbes selbst nicht thun dürfen oder — wollen. Und es sitzt sich am Schabbes gar so wollig und warm beim Ofen, und der Schalet schmeckt noch einmal so gut, wenn die nöthige Hausarbeit durch Andere gethan wird und — was die Hauptsache ist ' — es kostet nicht so viel. Der christliche Organist ist somit nichs weiter, als der Schabbes-Goj, der uns an den Ruhe- und Rast- ' tagen, wo wir nichts Besseres zu thun haben, in der Synagoge unterhält und bei dessen Spiel die Zeit im Tempel gar nicht lang wird. Und kostet das denn gar so viel? Ganze 200 fl. per Jahr, wahrhaftig ein Spottgeld, kaum der Rede werth! Aber merkt man denn nicht den Kobold, der aus allen Lücken hier herausschaut und uns boshaft neckt, und die Ironie, die diesem unserem Gebühren innewohnt und uns mit schalkhaftem Lächeln überallhin verfolgt? Wir sprechen und fabeln immer vom ״Lobe Gottes", wie wir ihn im Gotteshause durch Gesang und Spiel lobpreisen und verherrlichen. Ist diese Verherrlichung G ottes wirklich unser? Was thun wir dazu, dass sie unser heißen soll? Nichts! Nicht wir sind es, die wir Gott in Chören lobsingen und im. Saitenspiel lobpreisen. Nicht durch unsere eigene Kehlen dringt das Lob Gottes gegen den Himmel, und nicht durchunsere Finger bildet sich das harmanische Gewebe zum schönen Kleide für unsere Gebete, sondern die christlichen Choristen und Choristinnen sowie der christliche Organist sind es, die cs für uns thun und anstatt unser den Allerhöchsten loben und preisen. Wir haben nur die aufmerksamen Zuhörer dabei zu spielen und hernach unser Nrtheil darüber abzugeben, ob es uns gefällt und ob wir mit dieser Leistung für das dafür verausgabte Geld auch zufrieden sind oder nicht. Wahrlich ein sehr billiges und leichtes ״Lob Gottes^ (Fortsetzung folgt.). Gin Kild des israelitischen Staates vor dessen Auslösung. Nach talmudischen Quellen bearbeitet von Dr. Abraham L ö w y, Rabbiner und Prediger in 'Neu - Bidschow (Böhmen). (Fortsetzung.) ' Nabbi Akiba beschleunigte die Revolution gegen Nom, weil er es verstand, das national-religiöse Gefühl im Volkskörper zu wecken und lebendig zu erhalten, Noch in seinem Greisenalter sodcrte in seinem Innern das Feuer der Begeisterung für die selbstständige, nationale Cvolution seines Volkes, wofür er jederzeit sein Leben in die Schanze zu schlagen bereit war. Wenn-die Römer cs daraus absahcn, ihn für sich zu gewinnen, indem sie ihm Weihrauch streuten und ihn durch schmeichelnde Worte fasciniren wollten, schenkte er ihnen kein aufmerksames Ohr. Hervorragende Führer Noms stellten ihm folgenden Antrag und sprachen zu 'ihm und .,zu seinen Parteigenossen: Ihr seid wohlgestaltete yeldenmüthige Männer, amalgamirt Euch mit uns, nehmet unsere Nr. 3 Sitten, unsere Gebräuche und unseren Cultus an,. dafür wollen wir Euch mit Ehrenstellen und zeitlichen Glücksgütern überhäufen. Diese Sirenenstimme fand bei ihm und seinem Anhänge kein Echo und verhallte spurlos. Andere hochgestellte Römer wollten wieder .in listiger Weise Nabbi Akiba und seine Partei für sich gewinnen, indem sie sprachen: Wir wollen Hand in Hand mit Euch gehen, wollen sogar uns öffentlich zu Eurem Glauben bekennen, wenn Ihr nur zu Nom haltet, der römischen Oberherrschüft treu und ergeben bleibet und den Aufstand unterdrücket.. Darauf erwiderte Nabbi Akiba mit den Worten des hohen Liedes: ״Ani Ledaudi wedaudi li" ״Ich gehöre meinem Freunde und mein Freund mir", . Ihr aber habet keinen Antheil am Gotte Israels. (Mechilta Schira. Kp.;3). Wohl kollidirten mit ihm viele zeitgenössische Gelehrte, indem sie die Meinung vertraten, dass seitdem Jerusalem gefallen ist, jede Hoffnung auf Rettung, sei es durch das Volk selbst oder durch irgend einen Helden völlig ausgeschlossen erscheint; denn seit der Zerstreuung der Bewohner Palästinasgleicht das Gemeinwesen Israels einer Witwe, die ihres Gatten unb ihres Beschützers beraubt, trauernd, gesenkten Hauptes den Nest ihres Daseins vsrlebt. Nichtsdestoweniger ließ sich Nabbi Akiba in seinem eigenen, selbstständigen Denken und Fühlen bezüglich der politischen Wolfahrt Israels nicht beirren, indem er stets darauf hinwies, dass mit dem Sturze Jerusalems die hervorragenden, geistigen- Kräfte des Volkes nicht erstorben sind, diese niögen mir immer neuerdings gestärkt, unterhalten und unterstützt werden, und gepaart mit feinem festen, unbeugsamen Willen, könne die nationale Unabhängigkeit wieder erreicht werden. Dessen ungeachtet blieben seine gelehrten Collegen in Ansehung der Verwüstung der heiligen ..Stadt und seines Heiligthums, in dumpfer Verzweiflung - und .sie fanden nur Thränen, das Verlorene zu beklagen, Nabbi Akiba hingegen verharrte unbeugsam, felsenfest, hoffnungsselig in seiner optimistischen Anschauung, sie aufmunternd und ihnen tröstend zurusend: ״Wie die Prophezeiung der Propheten bezüglich der Einäscherung Jerusalems und des Heiligthums sich bewährte, so werden sich auch ihre Tröstungen und Versicherungen, dass Jerusalem und das Heiligthum wieder erbaut werden/bestätigen. (Makoth 24.) Diese Ansicht fasste bei ihm immer mehr Wurzel,- erhielt immer mehr Nahrung und mit Hilfe seiner Phantasie malte er - sich sie so schön aus, dass er stets zur Bekräftigung derselben das rechte Wort und die rechte Zeit fand, so dass dieselbe in seinem Greisenalter zur Reife gedieh und öffentlich das große Wort zur Auflehnung gegen Hadrian führte, welches ihm- - und - seinem Volke so verhängnisvoll geworden. Denn in diesem ver- - zweifelten Kampfe siel er selbst und mit ihm viele Hunderttausendc seiner Glaubensbrüder.- So ward der letzte Versuch, die staatliche Selbstständigkeit wieder zu erringen, zu Schanden, und mit dessen Scheiternwurden auch die 'Reihen der Kannoim, der Hauptträger der eben besprochenen Idee Nabbi Akibas, gelichtet. Wol büßten Nabbi Akkiba und die Kannoim ihren Feuereifer für Volk und Glauben mit dem Tode, aber mit dem Tode dieser glaubensmuthigen Helden ward ihre Idee, für welche sie ihr Leben einsetzten, nicht zu Grabe getragen. Noch immer glimmte der Funke für Freiheit und Selbstständigkeit im Schoße des Volkes, welcher sich zuweilen auch entzündete, wenn auch der Gedanke unrealisirbar geworden. Seitdem das Volk aber durch die verschiedenen Kriege ihrer Unterdrückervon keinem Reich ins andere zu wandern gezwungen wurde, dann erst wurde auch die Idee der Kannoim zu' Grabe getragen. Nunmehr dachte Niemand mehr daran, sich gegen die politische Macht ihrer Zwing -