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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-01-11 · Heft 2 (11.1.1893) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 2 (11.1.1893)
Date
1893-01-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Vesterreichifch-ungarische Lantoren-Zeikung. Nr. L. Trinkwasser und einen fruchtbaren Boden. Bisher sind 180,000 j Acres von den Colonisten urbar gemacht worden. Diese selbst werden denjenigen Emigranten entnommen, die schon im Heimathlande Ackerbau betrieben. Sie werden zu Gruppen zusammengeschlossen und erhalten eine Organisation, welche ihnen später die Selbstverwaltung ermöglicht. Die russische Regierung hat die Vereinigung autoristrt, in Rußland Ausschüsse zwecks Auslese des besten Menschenmaterials einzurichten und überhaupt die Auswanderung methodisch zu betreiben. Obwohl auch in Kanada eine Colome von mehr als 100 Familien sich, befindet, so ist doch vor Allem Argentinien für den erwähnten Zweck in Aussicht genommen. Wenn gegen die Colonisationspläne eingewendet werde, dass das vorhandene Capital bei weitem nicht der Aufgabe entspreche, so ist zu erwähnen, dass das Land nicht verschenkt, sondern gegen jährliche Ratenabzahlungen, zu denen die Anfiedlungs- und Verwaltungskosten procentualiter hinzukomnken, vergeben wird, so dass nach Ablauf einer bestimmten Reihe von Jahren das Betriebscapita! wieder frei und seiner Bestimmung zurückgegeben wird. Wien. Am 5. d. M. veranstaltete der bestbekannte Compositeur und Clavierprofessor, Herr Ladislaus Ungar, im Prachtsaale des Stefanie-Hotels ein Concert unter Mitwirkung seiner Schüler und anderer Kunstkräfte. Die einzelnen Leistungen der Zöglinge wurden mit großem Beifalle ausgenommen. Am Schluffe überreichte Herr Leo Korn — unter welchem Pseudonym der Sohn unseres Collegen Adolf Kornitzer sich birgt — dem Concertgeber unter brausenden! Beifalle des zahlreich anwesenden Auditoriums einen prachtvollen Lorbeerkranz. Unter den Vortragenden zeichneten sich aus als Pianisten: Frl. Mary Hecht, Alice Goldberg, Helene Morawitz und die Herren Emil' Friedberger, Robert Lazarsfeld, Leo Korn. Letzterer sang in Gemeinschaft mit Frl. Gisela Morawitz ein Duett, das lebhaften Beifall fand. Derselbe wiederholte sich, als Herr Korn eine Composition des Concertgebers, ״Trinklied", noch als Zugabe sang. Großer Beifall wurde auch den Mädchenchören zu Theil. Das Concert wurde zu Gunsten des ״Leopoldstädter Kinderschutzverein" veranstaltet. Lleobis. Wien. Der Verein ״Safah berurah" ersuchtuns um Veröffentlichung nachstehenden Aufrufes: ״Der neu gegründete und von der Regierung bereits genehmigte Sprach- und Sprechverein ״Safah berurah" bezweckt die Psiege und Verbreitung der hebräischen Sprache und hebräischen Conversation. Er soll eine Psiegestätte echt jüdiscyen Geistes sein und soll es jeden! ermöglichen, durch regelmäßige Sprachcurse die herrliche Sprache unserer Propheten nicht nur zu verstehen, sondern auch in Wort und Schrift zu gebrauchen. Dass wir auf die Sympathien aller Edlen im Judenthume rechnen können, dessen sind wir sicher; aber wir brauchen auch Förderung und Unterstützung. Es müssen die entsprechenden Lehrmittel, Bibliothek, Zeitschriften angeschafft werden, und der junge, doch schon beinahe 50 lernbegierige Mitglieder zählende Verein hat nicht die entsprechenden Mittel. Wir wenden uns demnach an alle Herausgeber hebräischer Zeitschriften, Schriftsteller, Besitzer großer Bibliotheken mit der höflichen Bitte, dass sie durch Uebersendung von Gratis-Nummern, neu herausgegebenen Werken oder auch in ihrem Besitz befindlichen alten Werken, die ihnen jedoch entbehrlich sind, den Zweck unseres Vereines unterstützen mögen. Postsendungen wolle man gefälligst an den Caffier des Vereines, Herrn Josef Sachs, Wien, 9. Bez., D'Orsaygasse Nr. 7 richten. Für den Vorstand: Dr. Nathan Birnbaum, Präsident; Moses Salz, Secretär. Pketzburg. Das treffliche Ensemble, welches die hiesige Theaterdirection im vergangenen Herbste für die Oper zu vereinigen verstand, ermöglichte es ihr, fast allwöchentlich eine oder zwei Novitäten zur Aufführung zu bringen und so dem Repertoire eine Reichhaltigkeit zu geben, wie es hier schon lange nicht der Fall war. Unter den Sängern erfreut sich der Barytonist Herr Szengery, bekanntlich ein Sohn des Herrn Obeccantor I. Singer in Wien, der besonderen Gunst des Publikums. Auch die Kritik steht dem jungen Künstler, dessen edles Spiel allgemein anerkannt wird, sympathisch gegenüber und nahm anlässlich der letzten Aufführungen von ״Maskenball" und ״Undine" Gelegenheit, die musikalische und dramatische Leistung Szeugery's als abgerundet und vollendet hinzustellen. Ja, sogar der ״Weftungarische Grenzbote", der infolge seiner antisemitischen Gesinnung dem Künstler nicht gar freundlich gegenüberstand, sieht sich jetzt zu umso gerechterem Lob'und zu verdienter Anerkennung gezwungen. Anlässlich der hundertjährigen Jubiläumsfeier des Vereines ׳&שכיל אל ד?*״ und "דרך■ ישרה ' fand Montag, den 26. December v. I., um halb 4 Uhr Nachmittags in der Klaussynagoge ein Festgottesdiettst statt, welcher in der hiesigen israel. Gemeinde wegen seines sensationellen Erfolges einen unauslöschlichen Eindruck hinterlqssen bat. Durch ein vom Synagogen-Chore effectvoll vorgetragenes טח טבל von W e l tsch, wurde die Feier eingeleitet. Nachdem Her Obeccantor B. Singer unter Assistenz des gesammten Chores das übliche N-Gebet andachtsvoll celebrirt hatte, brachte das durch Theaterkräfte verstärkte Chorpersonal, unter Leitung des bewährten Chormeisters H. Wahl!, absolvirter Conservatorist und Inhaber einer concessionirten Musikschule,den Psalm ״Ehre Gottes" von Beethoven in wirkungsvoller Weise zum Vortrage, worauf Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenselb die Kanzel bestieg und mit begeisterten Worten die Bedeutung der Feier, den schönen, harmonischen Entwicklungsgang des Vereines schilderte. In der Einleitung seiner Rede wies Se. Ehrwürden auf die Worte unseres erhabenen Patriarchen Jacob, auf die Worte האספל und הקבצו hu!, die unser Stammvater kurz vor seinem Scheiden aus dem irdischen Dasein seinen Söhnen einprägte, die Bildung von Vereinen andeutend und ahnend die Bedrückungen und Verfolgungen, welche unter dein Schleier dee Zukunkt ihrer erwarten. Sodann trug der gut einstudirte Chor das מזמלר לתידה von Goldstein mit besonderem Erfolge vor, worauf ein der Feier angemessenes Kaisergebet vom Herrn Oberrabbiner bei offener Bundeslade würdevoll gesprochen wurde. Die erhebende Feier, welche den Arrangeuren, wie der ganzen Ge-!neinde zur hohen Ehre gereicht, fand mit Absingung der Volks- Hymne ihren Abschluss. Die dem Herrn Wahl! seitens aller Anwesenden zu Theil gewordenen Beglückwünschungen geben Zeugnis seiner meisterhaften Leistungen. ...6.n- Wodrnarr, 29. December. . (Zur Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der Judengemeinden.) Wie bekannt, wurde das Gesetz zur Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der israelitischen Cultusgemeinden längst promulgirt, und die Vollzugsclausel bestimmt, dass dasselbe binnen drei Jahren, d. i. bis 21. März 1893, durchgeführt sein müsse. Dies ist bei den meisten CultuSgemeinden der in! Reichsrathe vertretenen Länder bereits geschehen, mit Ausnahme von Böhmen, wo das Operat schon seit fünf Vierteljahren beim Ministerium für Cultus und Unterricht unerledigt liegt. Welches Chaos diese Verzögernng in den Cultusgemeinden Böhmens dadurch Hervorrufen wird, lässt sich leicht erklären. Hie und da lehnen sich selbst vermögende Mitglieder der Cultusgemeinden gegen Cultusabgaben aus und zahlen diese Beträge nicht; die Vorstände der Gemeinden appelliren in allen Instanzen und gehen mit ihrem Anliegen bis an den Verwaltungsgerichtshof, der von dem sanctionirten Gesetze vom 21. März 1890 keine Notiz nimmt und die säumigen, respective renitenten Zahler in ihrem Vorhaben bekräftigt. Diese traurigen Verhältniße äußern ihre Nückwirknng aber am meisten auf die Funktionäre der Cultusgemeinden, da sie materiell und social darunter leiden. Und noch inimer wartet man auf die Erledigung der Angelegenheit durch das Unterrichtsministerium. Holics. In unserer Stadt wurde durch den hier beliebten Obercantor, Herrn M. Balogh, ein Gesangsverein ins Leben gerufen. Bei der am 23. December v. I. stattgehabten General- Versammlung, in welcher viele Beamte des hiesigen kaiserlichen Schlosses ihrenBeitritt zum Gesangsvereine anmeldeten, wurde Herr Balogh einstimmig zum Obmann gewählt. Auch die israelitische Gemeinderepräsentanz hat dem Vereine die wärmste Unterstützung zugesagt. Troppair. Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht hat in Ausführung der §§ 3 und 4 des Gesetzes vom 21. März 1890 betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der israelitischen Cultusgemeinden eine Verordnung erlassen, behufs Feststellung und Abgrenzung der israelitischen

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