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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-11-21 · Heft 28 (21.11.1892) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 28 (21.11.1892)
Date
1892-11-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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©eite 6. Nr. 28. Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. in welchem entweder Bohnen oder Erbsen gesäet werden. Am Tage vor Neujahr nimmt jedes Kind den für ihn bestimmten Korb, drehet sich diesen sieben Mal um den Kopf, wobei es sagt: ״Dieser sei an meiner Stelle, dieser vertrete mich, und wirft ihn sodann in einen Fluß." Dieser Brauch scheint aber von nicht langer Dauer gewesen zu sein, da das Hühneropfer auch schon in den Schriften der Gaonim vorkommt, und man setzte Thiere an die Stelle der Pflanzen. Später erlaubte man, dafür auch Gänse, Enten (aber keine Tauben), Fische und sogar gelöcherte Gartentöpfe zu gebrauchen. Die Kabbalisten wollen, dass man einen weißen Hahn schlachte. Auch fanden diese für billig, dass man bei Ausübung dieser Ceremonie die Worte: Chalipathi T’murati Chaparalhi sage, weil deren Ansangsbuckstaben Chatach sind, welche der Name des Engels ist, der die Lebensdauer der Menschen bestimmt, Chatach welches zerschneiden heißt, ist dann zu vergleichen mit der Parze Atropvs, von der der Lebensfaden abgeschnitten wird. So sehr aber auch dieses Opfer mit der Zeit geheiligt wurde, so eiferten doch drei ausgezeichnete Talmudisten: N. Moses ben Nachman, N. Salomo ben Adereth und R. Joseph Karo, dagegen. Der erste sagt: Es sei dieser Brauch als heidnisch eine Sünde. Der zweite meint: In Betreff der Kaporotb, die man für die Jugend — es war also bei den Erwachsenen' damals noch,nicht gebräuchlich — bringt, so ist dieser Gebrauch in unserer Stadt, allgemein eingeführt. Obgleich ich aber von vornehmen Männern Deutschlands vernommen habe, dass die dortigen Rabbinen für diesen־.: Brauch stimmen, habe ich ihn dennoch in unserer Stadt aufgehdben. Endlich will auch der. dritte R, Josef Karo (Hilchot rösch haschana sect. 605) diesen heidnischen Gebrauch' beseitigt wissen. Dass dieser Brauch heidnischen Ursprungs ist, ersieht man auch - daraus, dass bei den Griechen und Römern bei Genesung Kranker dem /^ssculap ein weißer Hahn geopfert wurde. Es ist ferner zu bedenken, dass ursprünglich dieser Brauch Nur für die Jugend eingeführt wurde, und das Opfer aus Pflanzen bestand. Bei den Griechen war der Palmbäum den Musen geheiligt. Es mochten daher die damals dem Heidenthume ergebenen Jsraeliten die Palmzweige als Opfer , für ihre Kinder gewählt haben. Um aber nicht das Heidnische im Originale aufzunehmen, verarbeiten sie die Palmzweige zu Körben, pflanzten schnellwachsende Vegetabilien hinein, um dadurch dem Opfer ein äußeres Ansehen zu geben. In späterer ׳Zeit verwarfen sie die Anbetung der Musen und mussten daher auch die früher gebräuchlichen Opfer geändert und durch solche, die der Minerva geheiligt waren, ersetzt werden. Nun waren bei den Griechen und Römern die Eule unb der Hahn der Minerva geweiht und als Attribut beigesetzt. Die Israeliten wählten den Hahn, weil dieser nach mosaischer Verordnung ein reines, die Eulehingegen ein unreines Thier ist. Nach einigen Jahrhunderten wurde die Grundursache dieses Brauches vergessen, und man meinte, dass diese Opfer, sowie der Asasel, die menschlichen Sünden auf sich lade, und es wollten also auch die Erwachsenen auf diese Art ihrer Sünden ledig werden. Es musste nun die allgemeine Einführung dieses Gebrauches erfolgen. Daher auch die späteren, oben erwähnten kabbalistischen Zusätze, da man diese Thiere als wirkliche Sühnopfer betrachtete. Dass aber dieser Gebrauch den im Orient und in den meisten italienischen Ländern wohnenden Israeliten ganz fremd ist, bestätigt Leo Mantinensis (de Ceremon. hodie, Judaeorum Part. III. c. 7). Im Ceremonienbuch Colbo (S. 68) wird sogar besohlen, dieses priesterliche Amt entweder von einem Alten oder von einem Chasid ausüben zu lassen, und sodann soll dieses Opferthier an Arme verschenkt werden, welches Letztere aber vom Mahril aus dem Grunde nicht angenommen wird, weil es für den Beschenkten eine Beleidigung wäre, ein mit Sünden belastetes Thier genießen zu müssen. Es soll daher, meint der Mahril, der Werth dieses Opfers den Armen gegeben werden.?. W. M. Kleine Chronik. Wien. (Nlois Kulka als Jubilar.) Der verantwörtliche Redacteur unseres Blattes, Herr Alois Kulka, feierte kürzlich mit seiner Gemalin Bertha, geb. Schwarz, das Fest der silbernen Hochzeit. Trotz des innigen Contactes mit der Publicistik, namentlich mit den großen Wiener Tageöblättern, deren langjähriger Correspondent Kulka ist, lehnte er es in seiner bekannten Bescheidenheit ab, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf dieses Fest zu lenken. Nichtsdestoweniger erhielt der' Jubilar an diesem Tage zahlreiche sinnige Aufmerksamkeiten und Glückwünsche, die um so höher anzuschlagen sind, als sie aus den besten Kreisen der Gesellschaft kamen. Auch wir haben es, in Uebereinstimmung mit den Intentionen Kulka's, bisher unterlassen, in unserem Blatte ' aus seine mannigfachen Verdienste hinzuweisen, doch sei bei dieser Gelgenheit constatirt, dass Kulka sich an der Gründung der Can- Loren-Zeitung und des Cantoren-Vereines in Hervorragender Weise LethWgt und darum gewiss die vollste, wenn auch stille Anerkennung der gesammten Collegenschaar gefunden hat. In Vertritung. derselben wollen wir dem wackeren Manne heute öffentlich ׳ . unsere..herzlichsten Glückwünsche zu seinem Jubeltage'darbringett! Als Erster der Gratulanten stellte sich der bekannte Schriftsteller Weil mit einem Gedichte und seinem Bilde eiM Der Bild- - Hauer׳'Professör Tilgner übersandte eine von ihm selbst verfertigte, große Kaiserbüste und ein in warmen Worten abgefasstes Glück- ׳ wunschschreiben. Der Uditore der päpstlichen Nuntiatur in- Wien, Msgr. Franz Tarnassi überbrachte persönlich seine Glückwünsche - und übergab Herrn Kulka eine italienische Neisebeschreibung in Prachtband mit einer sinnigen Widmung. Der Director der deutschen Botschaft in Wien, Hofrath Wuchert, richtete an'das Jubelpaar ein längeres, schmeichelhaftes Glückwunschschreiben. Die Directoren der Tiroler Glasmalerei in Innsbruck und Wien, kaiserl. Rath Dr. Albert Jele und Gold stellten sich mit einem antiken, silbernen Schreibzeug, einen Gallapfel mit Blättern darstellend, und einem silbernen Briefmarkenbehälter nebst einem humo-' ristisch abgefassten Glückwünsche ein. Die bekannten Juweliere V. Mayers Söhne in Wien sandten eine Caffette mit Silberlöffeln, die große Blnmenhändlnng Floh im Opernhause einen ' prachtvollen Korb erotischer Pflanzen. Der Brüder der Jubelbraut, ׳,' Herr Moriz Schwarz, Bau- und Kunstschlosser in Wien, überraschte seine Schwester und deren Gatten mit einem kostbaren silbernen Tafelaufsatz. Die Hofschauspieler Adolf Ritter v. Sonnenthal, Baumeister, ar t in a n n und Gabillon beglückwünschten . das Jubelpaar in der herzlichsten Weise, ebenso OberlaUdesgerichtSrath Dr. G iaunelia, Hof-Pianoforte Fabrikant, Commercialräth Ludwig Bösendorfer und Juwelier Zirner in Wien. Außerdem kamen noch zahlreiche briefliche und telegrafische Glückwünsche, so u. A. von Obercantor Birnbaum in Königsberg, Obercantor Lazarus in Budapest, von vielen Künstlern, Journalisten und Freunden. Schließlich sei noch das Chorpersonale vom großen Musikvereinssaale erwähnt, woselbst der Jubilar an den hohen Festtagen in dem von der Wiener Cultusgemeinde arrangirtm Gottesdienste schon seit Jahren als erster Functionär wirkt, Eine Deputation derselben überreichte einen prächtigen, mit weiß-rother Schleife geschmückten Lorbeerkranz. —- Möge es nun dem wackeren Jubilare gegönnt sein, noch viele Jahre an der Seite seiner treuen Gattin in ungetrübtem Wolsein zu leben und für feinen Beruf mit gleiches Erfolgen wie blshep zu wirken.׳

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