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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-11-21 · Heft 28 (21.11.1892) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 28 (21.11.1892)
Date
1892-11-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. Wieg. Der Vorsteher der türk.-sephardischen Gemeinde in Wien, Herr Licco L. A d u t t, ist von Sr. Majestät dem Sultan zum Officier des. Medjidje-Ordens ernannt worden. Diese hohe Auszeichnung darf mit vollstem Rechte als eine besondere Anerkennung der außerordentlichen Verdienste betrachtet werden, die sich Herr Licco L. Adutt um die genannte Gemeinde erworben hat. Schon seit langer Zeit durch seine humanitäre Wirksamkeit als Armenvater und Vorsteher der türk, israel. Chewra-Kadischa eine populäre Persönlichkeit, wurde er vor ca. 2 Jahren an die Seite des hochverehrten Präses, Herrn Marcus M. Russo, als erster Gemeindevorsteher in den Vorstand berufen. Es war dies eine ernste und schwierige Zeit für die türkische Gemeinde; Herr Licco E. Adutt widmete ihr mit außerordentlicher Hingebung seine unermüdliche Arbeitskraft und nahm an der Regelung des durch den neuen Tempelbau belasteten Gemeindebudgets, sowie an den infolge des neuen Culusgesetzes mit der Wiener Cultusgemeinde durchgeführten Berathungen hervorragenden und erfolgreichen Antheil. Herr Licco L. Adutt ist der Bruder der durch ihren Wolthätigkeitssinn in den weitesten Kreisen bekannten Frau Hannica Benven i st.i und entstammt einer der ältesten und angesehensten türkischen Familien. Auch sein.seliger Vater, Herr J ehuda Adutt, übte Wolthatigkeit in schönstem Sinne, und viele fremde Chachamim fanden während ihres Aufenthaltes in Wien bei ihm die gastfreundlichste Aufnahme. Vor vielen Jahren starb im Hause dieses Biedermannes ein fremder, durchreisender Chacham, und die Pietät für, den verstorbenen Gelehrten wird in der Familie so hoch gehalten, dass Herr Licco L. Adutt noch heute am Sterbetage das übliche Jahrzeit abhält und das Kaddischgebet verrichtet. Bei solch ausgezeichneten Eigenschaften und so vielfach bethätigter gemeinnütziger Wirksamkeit ist es wol selbstverständlich, dass die erwähnte Decoration des Herrn Licco L. Adutt sowohl in der türkischen Gemeinde von Seiten der Mitglieder und Beamten als auch im ausgedehnten Kreise der Freunde und Bekannten freudige Genug- Lhuung hervorgerufen hat. Wien. Die Tochter des Herrenhausmitgliedes Baron Königswarter, Baronesse Josephine, hat sich mit dem Banquierssohn Schiff verlobt. Vor der Verlobung wurde die Braut vor dem competenten Gerichte großjährig gesprochen. Wien. (Verifizirte Stimmgabeln.) Behufs Durchführung. der vom Ministerium für Cultus und; Unterricht angeordneten Maßregeln zur Einführung der musikalischen Normalstimmung ist unter Anderem auch eine eigene Stimmgabel-Verisicationsstelle beim physikalischen Cabinette der Wiener Universität eingerichtet worden. Diese unter der unmittelbaren Leitung, und Aufsicht des Professors Hofrathes Dr. Viktor v. Lang stehende Verificationsstelle hat seit der Zeit ihres Bestandes, das ist seit Beginn des Jahres 1891, die überraschend große Anzahl von 5200 Stimmgabeln amtlich geprüft und beglaubigt. Aus dieser Ziffer spricht genugsam die weite Verbreitung, welche die Normalstimmung bis jetzt gefunden hat. Die Prüfung der Gabeln erfolgt nach einem von Hofrath v. Lang und zwei seiner Assistenten neu verbesserten Methode. Bei Anwendung derselben wird hinsichtlich der gewöhnlichen Gebrauchsgabeln und der für Controlszwecke bestimmten Präzisionsgabeln ein Unterschied gemacht, indem für erstere die zulässige Fehlergrenze mit einer einfachen Schwingung unter oder über dem Sollwerthe des Normaltones, bei letzterer diese Fehlergrenze mit 02־ einer einfachen Schwingung, mehr oder weniger, festgesetzt ist. Für die Verification wird eine Taxe nicht eingehoben. Nectificationen fehlerhafter Gabeln werden grundsätzlich nicht vorgenommen. Pifek. Mittwoch den 23. d. M. 2 Uhr Nachmittags, findet im Hotel Stein in Prag die Trauung des Fräulein Regina Friedländer, Tochter unseres allverehrten Herrn Rabbiners, mit Herrn Heinrich Neumann aus Chodau statt. Neichenberg. Von dort erhalten wir folgende Zus^rift: ״Geehrter Herr Redacteur! Unter höflicher Bezugnahme auf den in Ihrem geschätzten Blatte vom 1. November enthaltenen Bericht über.die. Tempeleinweihung in Gablonz gestatte ich mir richtig -Zustellen, dass der Tempelchor der hiesigen israelitischen׳. Cultusgemeinde, welcher,nebenbei gesagt, ein freiwilliger und' nicht ein bezahlter ist, nicht unter der ausschließlichen Leitung des Herrn Obercantors Kestenberg steht; das Studium und die Leitung der Chöre besorgt vielmehr Herr Julius FischFr und in dessen Verhinderung Herr Gustav Straschmann. Auch sei zur Ergänzung des Berichtes über die erwähnte Feier nachgetragen, dass nachfolgende Soli, und zwar Hymne von Gerhardt tFrl. Olga Deuts ch) Seu scheorim (Frl. Emilie Kra us) Adon olam (Herr Jgn. Hersch) zum Vortrage gelangten. Dr. Wilh. He rsch, Obmann des Tempelchores." Amsterdam. Ein seltsamer Vorfall, welcher an die in den Fünfziger-Jahren vorgekommene berühmte Entführung und gewaltsame Taufe des Judenknaben Mortara im ehemaligen Kirchenstaate erinnert, erregt gegenwärtig in der niederländischen Hauptstadt große Sensation. Hier lebt nämlich eine allgemein geachtete israelitische Familie Namens Santkroos. Vor etwa drei Wochen veeschwand Plötzlich der sechzehnjährige Abraham Santkroos spurlos. Die besorgten Eltern, welche fürchteten, ihr Sohn sei das Opfer ein Unfalles oder Verbrechens geworden, wandten sich an die Polizei, die erst nach langem Suchen den Aufenthalt des jungen Santkroos entdeckte. Der Knabe war von einer Missionärin der Secte der Protelyten, einer orthodox-protestantischen Religionsgenossenschaft, durch allerlei Versprechungen zum Verlassen des elterlichen Hauses und zum Glaubenswechsel verleitet worden und wurde in einem Missionöhause, deren Leiterin die Missionärin ist, untergebracht. Natürlich musste das Oherhaupt der orthodoxen Gemeinde den vom Amsterdamer Oberrabbiner begleiteten Eltern den Knaben sofort herausgeben. Der Letztere erzählte ausführlich, auf welche Weise der Religionswechsel bei ihm vollzogen wurde/ und erklärte, dass er jetzt zu seiner früheren Religion nicht zurückkehren wolle. Kaum war Abraham Santkroos ins väterliche Haus zurückgekehrt, so lief er wieder davon. Der Vater, in der richtigen Vormuthung, dass sein Sohn wieder im Missionshause sei, begab sich dorthin und erhielt die Versicherung, dass der Knabe Abends nach Hause kommen werde. Die Eltern warteten auf dessen Eintreffen bis spät in die Nacht, allein vergebens. Am anderen Tage wurde dem Vater erklärt, dass er den Knaben nur nach Ausstellung eines Reverses zurückerhalte, worin er sich verpflichte, ihn bezüglich des Neligionswechsels nicht zu beeinflussen. Der Vater rief hierauf die Hilfe der Behörde an, als jedoch die Polizisten ins Missionshaus kamen, war der Knabe verschwunden uNd konnte bis jetzt nicht aufgefunden werden. Die gerichtliche Untersuchung ist im Zuge. HuNKatwrre« Wrr.׳««Kar. Kantors«-Hemnes. Verzeichnis -er Mitgliedsnnd Pflichtbeiträge. Den Pflichtbeitrag für die Wittwe Popper, K o l j an o w i tz haben eingesendet: Löwy, Neumark; Schönfeld, Tab; Nähnadl, Pardubitz; Haas, L.-St.-Miklos; Kohn, Rakonitz; Fleck, Wien; Baßl, Wien; Beinkeles; Tuschkau; Schlcsmger, Wien; Neumann, Ob.-Hollabrunn; Guttmann, Prag; Weiß, Neusohl; Pekarnik, Wien; Pimsenstein, Prag; Kraus, Veröcze. Den Pflichtbeitrag für die Wittwe Körner, Smichow haben eingesendet: D. L. R o t t e r, Wien; Saller, Breitenbrunn; Klein, Budweis; Büßgang, Zwittau; Stein, Postelberg; Neumann, St.-Pölten; Kohn, Kobersdorf; Götz, Puklitz; Reiser, Neuem; Hahn, Teschen; Gruschka, Kromau; Lederer, Tetschen: Rosenfeld, Pisek; Löwy, Neunkirchen; Schischa, Wilhelmöburg; Singer, Neubidschow; Kohn, Tucap; Kraus, Prag; Herz, Prerau; Grünberger, Prerau; Haas, L.-Szt.-Miklos; Tcltsch, Stockerau; Popper, Eger; Lederer, Ege'r; Rosenberger, Komotau; Blum, Schlan; Grünhut, Gran; Freisinger, Pilsen; Schlesinger, Wien; Rotter, Polna; Blatt, Wien; Lemberger, Kuttenplan; Brunner, Jglau; Rosenfeld, Güssing; Bauer, Wien; Hirsch, Wien; Kornitzer, Wien; Singer, Wien: Pekarnik, Wien; Schiller Wim; Weiß, Tobitschau; Butter, Neuötting; Grünfeld, Wien; Pimsenstein, Prag; Kraus, Veröcze; Schönfeld, Tab. Wird in nächster Nummer fortgesetzt. M. Blatt, Cassier,

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