Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 28 (21.11.1892)
- Date
- 1892-11-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. Nr. 28 Wenn wir das Facit des ersten Geselligkeitsabends ziehen, so müssen zwei Momente besonders betont werden. Zunächst war es eine aufrichtige Freude, die wahrhaft collegiale Stimmung, die an demselben zum Ausdruck kam, zu beobachten, und weiters muß mit Genugthunng constatirt werden, dass das Reinerträgnis gleich am nächsten Tage zur Unterstützung eines wirklich nothleidenden Collegen verwendet werden konnte. Figlio. Weder den Krauch des Hnljneropfers vor dem Rersöhrmngstage. Unter den verschiedensten Bräuchen, die mit dem Versöhnungstage Zusammenhängen, ist keiner so wei verbreitet wie der, dass vor demselben am 9. Tischri morgens ein Hahn für jede männliche und eine Henne für jede weibliche Person als Nersthnungsopfer dargebracht wird. Fragt man nach der Quelle dieses unter den Namen ״Xaporss-Umschlagen" bekannten Brauches, so muß zunächst hervorgehoben werden, dass derselbe selbstverständlich weder in der Bibel noch im Talmud erwähnt wird. Erst die Gaonim kennen denselben und Ascheri: über denselben befragt, gibt folgende Auskunft, (Vergl. M. Brück, Rabbinische Ceremonialgebräucheu. s. w.) ״In einigen Oertern wird am Morgen vor dem Versöhnungtage ein Hahn zur Versöhnung geschlachtet, welcher Brauch in den Schriften der Gaonim zu finden ist." Ihr fragt nun nach der Ursache dieser Ceremonie; wenn etwa der Hahn unsere Stelle Vertreten sollte, warum wählte man gerade dieses Thier? Darauf antwortete R. Ascher: ihr fragt zwar richtig, allein es gibt folgende zwei Ursachen: 1) weil die Hühner die gewöhnlichsten Hausthiere sind (wodurch es Jedermann möglich wird, ein solches Opfer zu schlachten); und wirklich schlachten manche Reichen einen Widder, weil auch Fischel, wurde zum Verhöre beigezogen. Landesgerichtsrath Peschek im Beisein des Staatsanwalts von Rapp führte das Untersuchungsverhör. Als der Londoner Advocat; Dr. John Brown vorgeführt wurde, sagte er dem Landesgerichtsraih: ״krosim Vy jste pan rada?" Ueberrascht fragte der Untersuchunnörichter, ob er denn Böhmisch verstände? ״Ich heiße Jakob Austerlltz und bin ein Prager!" Noch größere Überraschung. Der Angeklagte legte nun ein umfassendes Geständnis ab. Auf scinö Bitte wurde die von ihm entführte Emma Jackson, welche als unschuldig auf freiem Fuße belassen war. zu seiner Mutter gebracht. Zu der Schlußver- Handlung war ' A-imenes aus Dresden erschienen, der für Austerlitz und seine Geliebte 100 Gulden hinterlegte. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten einfachen Kerkers verurtheilt. Austerlitz trat sofort die Strafe an. Emma durfte ihn jeden Sonntag besuchen. ״Ich will getauft sein", äußerte er eines Tages zum Jnspectionsbeamten. Senat und Consistorium entschieden nach tem Willen des Sträflings. Caplan Pater Nowotny ertheilte ihm Religionsunterricht und nach überstandener Strafzeit wurde der Taufact in der Kirche zum heiligen Geist vollzogen. 'Niemand Geringerer als Cardinal Fürst-Erzbischof Schwarzenberg fungirte als Pathe. Der Täufling wählte den Namen Edmund und mit Bewilligung der Statthalterei nahm Austerlitz den Familiennamen Howard an. Bald darauf folgte bei St. Castallus die Trauung des Edmund Howard mit Emma Jackson. Der Handelskammer- Beamte Antosch war Trauungszeuge. Howard trat als Sprachlehrer bei dem Maschinenfabrikanten Evans ein. Die Mutter der Emma besuchte ihre Tochter und unterstützte sie heimlich, da der Vater noch immer grollte. Howard übersiedelte mit seiner Familie nach Oedenburg, wo er die Concession zur Errichtung eines Musik- Institutes erhielt. Nach einiger Zeit reiste Howard nach London, Abraham einen Widder statt Jsak opferte; das Hühneropfer ist demnach nicht absolut nothwendig. 2) behaupten manche Gelehrte, dass der Hahn darum vorzuziehen sei, weil in der hebräischen Sprache das Wort ״Gsbsr" sowohl einen Mann als auch einen Hahn bezeichnet; daher soll ״Geber" der Hahn für ״Geber" den Mann sterben." ״Die Ceremonie wird auf folgende Art ausgeübt. Der die Ceremonie verrichtet, nimmt den Hahn, auf dessen Kopf er seine Hand legt; dann wird die Hand auf den Kopf des Opfernden gelegt, wobei er die Worte ausspricht: Dieser sei für jenen, dieser erlöse jenen." Dann wird auf den zu Versöhnenden abermals die Hand gelegt und werden dabei die Sätze aus den Psalmen (K. 107, V. 10, 14, 17, 18, 19, 20 21) dreimal wiederholt. Es wird dann die Hand auf das Opfertier gelegt, wie es ehedem beim Opfern Sitte war und man schlachtet es sogleich und schenkt es einem Armen, um dadurch versöhnt zu werden. Dass wir aber bte Eingeweide hiervon auf's Dach werfen, geschieht, um auch die Vögel davon genießen zu lassen. Manche behaupten, letzteres geschieht darum, weil die Hühner gewöhnlich ihre Nahrung ans den Straßen (mithin fremdes Eigenthum) aufsuchcn. Ferner, weil sie Würmer und Jnsecten (also Unreines) freffen." Dieser Brauch wurde allgemein eingeführt und geschieht seiner Erwähnung im ״Dur Orack Chaim" in ״Täschbaz" und ״Schelah". Wenn wir jedoch der Sache tiefer auf den Grund gehen, fo finden wir, dass ursprünglich das Opfer nicht aus dem Thier-, sondern aus dem Pflanzenzeiche genommen, und nur für Kinder dargebracht wurde. Raschi (Tract. Sabbath Fol. 81) schreibt: ״In den Responsen der Gaonim habe ich gefunden, dass man Körbe aus Palmzweigen flicht, die dann mit Erde und Dünger gefüllt werden, und 22 oder 15 Tage vor Neujahr wird für jeden Knaben und für jedes Mädchen ein solcher Korb bestimmt, um eine Versöhnung mit dem Schwiegervater herbeizuführen, was aber nicht gelang; er gerieth vielmehr mit seinem Schwager, dem jungen Jackson, in Streit. Es kam zu einem Duell, in welchem Jackson verwundet wurde. Howard kam nicht mehr nach Oedenburg zurück. Emma erhielt einen Brief mit den wenigen Worten: ״Ich will Geistlicher werden." Seitdem war er für sie verschollen. Frau Howard, die ihre zwei Kinder durch den Tod verloren haü,., wurde in einer vornehmen Familie in Wien Gesellschafterin. Inzwischen war Howard in ein Jefuitenkloster als Laienbruder getreten. Pater Beckx, welcher den eifrigen Mann lieb gewann, verhalf ihm, nachdem er binnen drei Jahren die Maturitätsprüfung abgelegt, in das Jesuiten-Seminär nach Nom. Durch seine Sprachkenntniße und seine Rednergabe bald bekannt, wurde ihm Cardinal Antonelli Freund und Beschützer. Howard bekam die höheren Weihen und wurde Adlatus im Sekretariate am päpstlichen Hofe. Nach dem Tode des Bischofs von Ankona fragte eines Tages Cardinal Antonelli: ״Warum reicht Howard nicht ein?" — ״Endlich ist hier das Gesuch, auf welches ich warte," sagte er nach einigen Tagen. Und bei der Besetzung des Bischofsstuhles von Ankona und Caesare erhielt Howard in der That die Würde eines Bischofs in partibus und erfolgte zugleich dessen Ernennung zum Cardinal. Im Hocksemmer 1880 erhielt Cardinal Howard eine Mission seitens des Conelave an den Kaiser von Oesterreich. Ehe Howard nach Ischl reiste, verständigte er seine Frau, von deren Aufenthalt als Gouvernante in einem fürstlichen Hause in Wien er Kenntnis hattte, dass er nach Ischl komme, und schlug ihr eine Zusammenkunft vor. Sie kam. Nach mehr als achtjähriger Trennung sah er sie wieder, die immer noch sehr stattliche Frau. Er legte sein geistliches Gewand ab, gieng mit seiner Frau nach London und ward — Journalist. So weit dis ״Bohemia".