Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 27 (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Kleine Chronik. Wien. In der jüngsten Nummer der ״Oesterreichischen Wochenschrift" wird über die seltene Feier der goldenen Hochzeit und das 30jährige Amtsjubiläum des Herrn Obercantor Simon Nußbaum in Holleschau berichtet und zum Schlüsse der Notiz dem Befremden Ausdruck gegeben, dass der österreichisch-ungarische Cantoren-Verein, zu dessen ältesten Mitgliedern der goldene Hochzeiter gehört, zu diesem Doppelseste weder in telegraphischer noch in brieflicher Weise Stellung genommen hat. Wir bedauern aufrichtig, erst jetzt von dem Jubeltage unseres geschätzten Collegen Kenntnis erhalten zu haben und können hiebei die Bemerkung nicht unterlassen, dass es wohl Sache der dem Jubilar nahesichenden Kreise gewesen wäre, den Cantoren-Verein oder die ״Cantoren-Zeitung" rechtzeitig von dem bevorstehenden Feste zu verständigen, in welchem Falle die Betheiligung von dieser Seite sicher nicht ausgeblieben wäre. Wien. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde hat beschlossen, den Gottesdienst am Freitag Abend im israelitischen Tenipel in der Seitenstettengasse mit einer größeren Feierlichkeit auszugestalten. Nicht blos der gesangliche Theil soll eine erhöhte Ausbildung und Ausweitung erfahren; es werden auch bei diesem Gottesdienste Erhörten, Vorträge über die Mssion und Geschichte des Judenthums abgchalten werden. Der Präses der israel. Cultusgemeinde, Herr Wilhelm Ritter von Guttmann unternimmt eine Propaganda, um die Damen der besten Kreise aus der jüdischen Gesellschaft zu bestimmen, am Freitag Abend nicht Bälle und Theater, sondern den Gottesdienst zu besuchen, und hofft es zu erreichen, dass auch die Chefs der großen Handlungshäuser ihren Angestellten am Freitag Abend die freie Zeit gewähren, den Gottesdienst zu besuchen. Wien. Am 8. d. M. fand unter großer Betheiligung der türkisch-sephardischen Gemeinde das Leichenbegängnis der leider zu früh Heimgegangenen biederen und frommen Frau Nina Papo, Gattin des Herrn Chacham Michael Papo statt, welche im 48. Lebensjahre einer Lungenentzündung erlegen ist. Die Trauerrede des Chacham Moses D. A l k a l a y, sowie die Abschiedsworte des untröstlichen Gatten, riefen bei der zahlreichen Trauerversanunlung einen tiefen Eindruck hervor. ת'נצ'ב'ה Wien. Der hier verstorbene, allgemein beliebte Schauspieler Hallenstein war der Sohn des ebenso beliebten großen Frankfurter Schauspielers und von jüdischer Abstammung. Der ursprüngliche Familienname war Halle. Hallenstein schrieb mehrere Lustspiele im Dialect und unter anderem auch eine Parodie auf Scribes .,Le verre d’.eau“, betitelt ״Ein Glas Eppelwein". Er war Gründer der ״Schlaraffia?, welcher Verein in Prag entstand und bald eine große Ausbreitung über ganz Deutschland und Oesterreich gewann. Die ״Schlaraffia" widmete ihm auch einen rührenden Nachruf. Wien, 10. November. Eine Deputation der Preßburger Judenschaft erschien heute, einem alten Brauche gemäß, in der Hofburg, um daselbst die Martinigänse für den Allerhöchsten Hof Zu übergeben. 4 Gänse find für die Tafel des Kaisers, 2 für die Kaiserin, und 2 für die Kronprinzessin-Wittwe bestimmt. Wien. Der Großherzog von Sachsen-Weimar hat an Dr. Ludwig August Frankl folgenden eigenhändig geschriebenen Brief gerichtet: ״Mein lieber Herr v. Frankl! Wenngleich Ihr poetischer Glückwunsch zu unserem goldenen Ehejubiläum schon vor mehreren Tagen durch mein Telegramm erwidert worden ist, so möchte ich dennoch nicht unterlassen, Ihnen jetzt, wo ich Ihr Festgedicht nochmals in Ruhe gelesen habe, meinen freudigen Dank dafür auch brieflich, zum Ausdruck zu bringen. Dieser Dank gilt zunächst der reizenden Dichtung selbst, die Ihr Talent im besten Lichte zeigt und der Großherzogin ebenso wie mir aufrichtige Freude bereitet hat; er gilt aber auch nicht minder der Pietät für Weimars große Vergangenheit, die sich in Ihrer Huldigung kundgibt. Dass Sie, lieber Herr v. Frankl, sich diese schon so oft bethätigte edle Empfindung auch fernerhin bewahren werden, davon bin ich fest überzeugt und zum Segen Ihres Vaterlandes hoffe ich auch, dass es nie gelingen werde, das geistige Band, das Nr. 27. seit den Tagen Grillparzers zwischen Deutsch-Oesterreich und Weimar besteht, wieder zu lösen. Weimar, den 24. October 1892. Karl Alexander." Olmüh. Der Domherr und fürsterzbischöfliche Consistorialkanzler Dr. Theodor Kohn ist zum Fürsterzbischof von Olmütz gewählt worden. Das Wahlresultat wurde mit umso größerer Ueberraschung ausgenommen, als Dr. Kohn bis zum letzten Momente nicht als Candidat norminirt war und zudem noch — jüdischer Abstammung ist. Der neue Fürsterzbischvf wird als ein einfacher und schlichter Mann geschildert, der der streng kirchlichen Richtung angehört. Brünn. Das Musterstatut für die Cultusgemeiuden in Mähren ist nunmehr zur endgiltigen Berathung und Rcdaction an die einzelnen Gemeinden versendet worden, und man hofft, dasselbe noch im heurigen Jahre der hohen k. k. Statthallerei zur Genehmigung vorlegen zu können. Auf einzelne, die Leser dieses Blattes besonders interessirende Punkte wollen wir in der nächsten Nummer der ״Cantoren-Zeitung" Hinweisen. — Die kaiserliche Ernennung des Ritter v. Gomperz zum Herrenhausmitgliede ist, man kann dies ohne auf Widerspruch zu stoßen, behaupten, von allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung mit allgemeiner Befriedigung begrüßt worden. Gleich nachdem dieselbe bekannt geworden, sind dem neuen Pair nicht nur von hier, sondern aus ganz Mähren und Oesterreich Tausende von Beglückwünschungen zugekommen. Insbesondere fühlt sich durch die Auszeichnung des Ritter von Gomperz die mährische Judenschaft und speciell die Brunner Cultusgemeinde, deren Vorstandsmitglied er ist. hoch geehrt. Neben Baron Königswarter wird Herr v. Gomperz ein würdiger Vertreter der Judenschaft im Herrenhause sein. Budapest. Am 24. d. M. hat die Pester isr. Neligionss gemeinde das von ihr zum ewigen, ehrenden Andenken ihres uttt vergesslichen Obercantors weili Moritz Friedmann an dessen Grabe errichtete Denkmal in feierlicher Weise der Oeffentlichkeit übergeben- Ein distinguirtes Publikum hat sich am Grabe Friedmanns, das ein imposanter hoher Obelisk aus weißem Granit ziert, eingefunden. Es waren da die Vertreter der Cultusgemeinde, die Beamtenkörper derselben, Rabbiner Dr. Kayserliug und Pollak, Vertreter und Zöglinge des Nabbiuner-Seminars, des isr. Lehrkörpers und viele angesehene Mitglieder der Gemeinde sowie Verwandte und Verehrer des Verewigten anwesend. Die Grabschrift, welche Dr. Kohn verfasste, würdigt in klassisch hebräischen Worten und mit voller Anerkennung die Verdienste des im Grabe Ruhenden. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Obercantor Lazarus eröffnete die Trauer-Ceremonie mit der Absingung eines von Friedmann componirtcn Chorals אל מלא דרסים unter Begleitung des vollzähligen Tempelchors. Hierauf hielt Dr. Julius Weißburg, Hilfsprediger der Pester isr. Neligionsgemeinde, in Vers tretung des Dr. Kohn, welcher als Cohen die Grabstätte nicht betreten darf, in einer schwungvollen Rede dem Verblichenen einen Nachruf, in welchem er Friedmü in als Vater, als Gatten, als Verwandten, als treuen Diener seiner Gemeinde, als warms fühlenden Collegen und als Patrioten würdigte. Die' Absingung eines zweiten Friedmann'schen Chorals bildete den Abschluß der pietätvollen Trauerfeier. — Die Inschrift des Grabsteines hat in deutscher Uebeisetzung folgenden Wortlaut: Hier ruhet der große, gefeierte Sänger der Gesänge Israels, der vollkommene hochgeehrte Herr Mose Josef, Friedmann. Er war ausgezeichnet durch Fähigkeiten und reich an Kenntnißen. Sein Name gekannt in Israel. Der Obercantor unserer Gemeinde, einem Löwen gleich erhob er seine Stimme, da erbebten die Säulen der Pfosten' vor der Stimme des Rufenden. Mit seinem Munde pflegte er seine Nation. Sein Gebet, mit Verständnis trug er es vor und mit heiliger Andacht. Sein Gesang glich dem neuen Kruge voll alten Weines. Tiefgerührt war jeder, der ihn hörte. Er starb am Sabbath, 26. Ab 5601, sechsundsechzig Jahre alt. Dieses Denkmal errichteten ihm die Häupter unserer Gemeinde, damit es bezeuge, dass dreiunddreißig Jahre er gestanden im Dienste seiner Brüder. Wehe, dass wir ihn verloren. Arad. Der Csanäder Bischof Alexander Dessewffy weilte jüngst drei Tage in Arad. Bei einem Bankett, welches der Mi- Oesterreichisch-unHarische Santoren-Zeitung.