Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1892)
- Date
- 1892-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26 zur Rede. Hatte ich Recht, sprach er, auch das Junge des Wolfes nicht zu schonen? (Jalk. 5 M. 923). Wenden wir uns nun zu den späteren nachtalmudischen Fabeldichtem, deren es wohl mehrere gab, von denen wir jedoch vorläufig nur einen aus älterer Zeit vorführen wollen: Berachja ben Natronai. Hanakdan. Er florirte beiläufig in der Mitte des dreizehnten Jahrhunders in Frankreich. Er verfasste das Büchlein: Mischle Schualim, Fuchsfabeln, einundneunzig an der Zahl, in gelungener hebräischer Sprache; aber der Inhalt entspricht der Aufschrift nicht ganz. Es kommen in diesem Werke, das uns vorliegt, auch Fabeln aus dem Pflanzenreiche und anderen Thiergattungen vor. Unter allen diesen Fabeldichtungen sind nur einige eigener Production, die meisten find Uebersetzungen aus anderen Sprachen, ins Hebräische übertragen. Er gibt auch solche Fabeln zum Besten, die in Talmud und Midrasch bereits vorkommen aber umgearbeitet in poetischer Hülle. Berachja wollte damit seinen Zeitgenossen einen Spiegel Vorhalten, welche die Lüge und ihre Truggenossen darin erblicken sollen. Der Werth seiner Dichtungen, die in losen Neimen gehalten sind, bestehet auch darin, dass sie in gelungener Nachahmung des biblischen Stylö und in der geschickten Anwendung von Bibelversen gehalten sind. Seine Sprache ist witzig, allziehend und pikant. Aus der längeren Borrede des Verfassers entnehmen wir nur einige Zeilen: ״Als ich über die Uebel nachgedacht — Hab' ich schlaflose Nächte zugebracht die Gedanken und Worte mir entflossen — und mich entschlossen — in meinem Buche niederzulegen Andern zum Segen —; deilN wer dieses Buch zu lesen wird kommen — hat, wenn er's in sich ausgenommen— gesunde Nahrung bekommen.— Klage Niemand mich an, thkricht zu handeln — der Kluge weiß schon seinen Weg zu wandeln. — Ich wählte Wesen für meine Vergleiche — aus dem Thier- und Bogelreiche — um die Tugendschwachen — kräftig zu machen. — Die Würmer, die kriechen auf Erden — sollen Sinnbilder der Menschen werden — und der Löwe, der öffne den Neigen, weil er herrscht überGroß und Klein. Der krankeLöwe und die andern Thiere. ״Der Reiche hat gar viele Freunde — so lang das Glück ihm bleibt gewogen — sie werden aber seine Feinde — sobald von ihm es fortgezogen". (Spr. 14, 30).*) Ein alter Leu, der S. Monatsblätter 889, S. 226. welche alle bezeugten, dass es für die Süuberhaltung der Ringe durchaus nicht nothwendig sei, dass sie mit dem ihnen Verderben bringenden Element in Berührung kämen, dass man dieselben auch auf andere Weise sehr gut, ja noch viel besser putzen könne, es hals alles nichts; Nhamadan trat die Verordnung in Kraft. Da versuchten die Inhaber der kostbaren Ringe einen letzten Schritt, sie ließen eine große kostbare Schatulle anfertigen, legten sämmtliche Ringe in dieselben und begaben sich mit der Schatulle in der Hand zu dem Khalifen Ein ehrwürdiger Greis mit schneeweißem Bart und lang herabwallendem Haupthaar trat vor den Herrscher und redete ihn also an: ״Wisse, o Herr, seit vielen tausend Jahren leben diese Deine Diener glücklich und zufrieden in diesem Lande, dessen Wohl sie in den langen Jahren ihres Aufenthaltes stets auf das eifrigste förderten. Befehle, dass in den Büchern Deiner Chronik nachgeschlagen werde und Du wirst die Wahrheit meiner Wotte bestätigt finden. Seit Kurzem aber ist schweres Leid über Deine Diener hereingebrochen. Die Ringe, die uns von unseren Uhrahnen als heiliges Vermächtnis überliefert wurden und die uns, wenn wir sie frei von aller Feuchtigkeit Halten, vor Krankheit und frühzeitigem Tod bewahren, Seite 5. krank sich fühlte — dessen Inneres Brand durchwühlte — verzweifelt in seiner Seele — weil er nicht wusste, was ihm fehle — noch ob er leben oder sterben werde. — Da kamen aus allen Winkeln der Erde— zu t.hauen des Löwen Fall —die Thiere all. — Manche mit Freundschaft im Herzen — Manche zu seh'n seine Schmerzen. — Die Einen hoffen die Krone — nach erledigtem Throne — die andern aus Verlangen — zu erfahren wer empfangen — werde die Herrschermacht — wenn den Löwen umschlossen die Todesnacht. — Dieser erkrankte jetzt so sehr — dass er selbst nicht wusste mehr — ob er noch Leben habe — oder schon ruhe im Grabe. — Da trat der Ochse heran — und stieß mit dem Horn ihn an — um zu prüfen, ob schon erschlafft — des Löwen ganze Kraft. — Das Kalb trat ihn mit Füßen — der Fuchs verletzt sein Ohr mit Bissen — das Schaf spielte auch nicht faul — ihm mit dem Schwänze um's Maul — sprechend: möchte er doch sterben — und sein )kamen verderben — und es pickte ihn auch der Hahn — die Augen aus und das Fleisch vom Zahn —; doch als des Löwen Geist sich wieder stärkte — und er bemerkte — seiner Feinde freudiges Walten — entströmt die Klage dem Alten —: Weh dem Tag, da meine Vertrauten — Mit Verachtung aus mich schauten — da meinen Krallen — die Kraft entfallen — und sich wandelte meine Pracht in Nacht. —- Jetzt üben meine früheren Knechte — an mir Herrscherrechte — und zeigen jetzt nur Feindesmienen — die mir ehemals Freunde schienen. — Die Moral: Dies ist das Gleichnis für den Erdensohn — auf des Neichthums und der Ehre Thron. — Alle, die mit ihm verkehren — wollen ihn bedienen, ehren — doch kommen für ihn Unglückstage — wird die Armuth seine Plage — seh't, wie sie rennen, sich rasch von ihm trennen — selbst seine Tugend wird verachtet — sie schmäh'n, den sie geachtet — statt der Ehre Heil — wird ihm Schmach zu Theil. — Wenn verarmt, wer reich — wird er Freunden, Feinden gleich. — Und als ich, Berachja, diesen Wechsel erwogen — und in Betracht gezogen — wie sie von Zorn befangen — mit dem Edlen umgegangen — klagte ich in meinem Liede bang — indem ich sang —: Vor der Sklavin jetzt die Herrin schweiget — steht beschämt die Wahrheit, tief gebeugt.' W . . . . . r. (Fortsetzung folgt.) sollen auf Befehl Deines Großveciers von jetzt ab jeden Morgen in Wasser getaucht werden, so dass ffie ihrer wunderbaren Kraft verlustig gehen werden. Wir haben deshalb großmächliger Herr, beschlossen, die Ringe von jetzt ab nicht mehr zu tragen, wir legen sie Dir Füßen, thue damit, was Du in Deinen Augen für gut hältst". Damit legte er die Schatulle an dem Throne des Khalifen nieder. Dieser hatte den Worten des Greises mit gespannter Aufmerksamkeit gelauscht und als der letztere geendet, sprach der Herrscher: ״Nicht also, mein Freund, nicht kann es mein Wunsch sein, dass über so treue Unterthanen, wie Ihr seid, so schweres Mißgeschick komme. Ich glaube, die Verordnung sei der Reinlichkeit zum Schutz, ich wusste nicht, dass sie Euch zur Trotz erlassen wurde. Zieh't in Frieden nach Hause, ich will sofort Befehl ertheilen, dass Eure Ringe von keinem meiner Beamten in Zukunft berührt werden dürfen; diejenigen aber, die mich über die Eigenschaft Eurer Ringe falsch berichteten, sollen der verdienten Strafe nicht entgehen". Glücklich zogen die Leute wieder nach Hause und lobten ihren weisen und gerechten Herrn, dem sie nunmehr mit noch größerem Eifer wie früher dienten. .>!. kn Oesterreichisch ungarische (Lantorrn-Zeitung.