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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-10-17 · Heft 25 (17.10.1892) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 25 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 wölmlichen Zeit, zum Segen deS Herrscherhauses, zum Segen der mit dem glorreichen Szepter der HabSburgeiDverbundenm Völker, und dass sich erfülle der Wahlspruch Karl Vl. Austria Erit In Orbe Ultima! Und so vor Kaiser's Majestät uns erhellend, lassen Sie die Bitte der unvergänglichen Treue, der Huldigung für unseren geliebten Kaiser Ausdruck geben in dem Rufe: Gott erballe Seine kaiserliche und königliche Majestät unseren geliebten Kaiser und Herrn Franz Josef I. Hoch, Hoch, Hoch!" Nach einem stimmungsvollen Choräle, welchen der unter der Leitung des Obercamor Adolf K e st e n b e r g stehende gemischte Synagogenchor aus Neichenberg trefflich zu Gehör brachte, verlas der Synagogenvorsteher, Herr E. Lederer, die kunstvoll ausgeführte Schlußsteinurkunde. Hierauf besprach der Obmann des Bauausschusses, Herr S. Lustig, in poetischer Weise den Tempelbau, dankte den Schöpfern des Werkes, dem Architekten und k. k. Baurathe, Herrn Wilhelm Stiaßny aus Wien, sowie dem Stadtbaumeister Herrn Franz Kaudela aus Gablonz und bat den Ersteren, den Schlußstein einzusügen. Nachdem dies geschehen war, hielt Herr Baurath Stiaßny folgende Ansprache: ״Nach altehrwürdiger, durch das Herkonlmen und den Jahr- Hunderte alten Brauch geheiligter Weise ist nunmehr der letzte Stein dem Gemäuer dieses Baues eingefügt worden. Nachdenr der hiesige israelitische Cultusverein beschlossen hatte, ein Haus zur Andacht ׳und zur Verehrung Gottes zu erbauen, hat er zur Ausführung Urses Beschlusses mich, meine Gehilfen, einen wackeren Baumeister Und eine Schaar von tüchtigen Bauleuten berufen. Wir Alle waren bestrebt, den Bau nach unserem besten Wissen und Können zu ersinnen unb denselben würoig seiner heiligen Bestimmung zu gejtaltem A!t diesem Baue haben Künstler und Handwerker ohne unterschied der Nationalität und Confession in Eintracht zusammengewirkt, und diesem Umstande ist es auch zu verdanken, dass unsere Arbeit zu gedeihlichem Abschlüsse gebracht worden. Und dieses Hans! Mögender allmächtige Baumeister aller Welten, der Ehrwürdige aller Zeiten es in seinen erhabenen Schutz nehmen, es schirmen und erhalten, auf dass es noch in später Zeit den frommen Sinn seiner Begründer verkünde. Bevor wir nun den Bau seiner zukünftigen Bestimmung übergeben, richte ich Namens der Werknieister lmö Werkleute an Sie, meine Herren, die Bitte, das Werk der drei Hammerschläge zu vollbringen. Ich richte zuerst diese Bitte an Sie, hochverehrter Herr Bezirkshauptmann, den Vertreter dcr staatlichen Autorität, der mit Weisheit und staatomännischem Sinne im Geiste unseres allergnädigsten Monarchen die Eintracht und den Frieden in der Bevölkerung erhalten hat. Sodann an Sie, hochverehrter Herr Bürgernreister, den ersten und vornehmsten Bürger dieser schönen Stadt, derer! Bewohner durch ihre NechtschaffeuheiL, durch ihren Arbeitsfleiß und ihr hervorragendes industrielles Streben in allen Landen gekannt und geachtet sind: an Sie, Herr Bürgerrneister, dessen unermüdliches, von Erfolg gekröntes Wirken um den Fortschritt und das Aufblühen dieser Stadt ein ehrenvolles Andenken in dem goldenen Buche derselben bilden wird. Ferner an Sie, hochverehrter Herr Präses des israelitischen CnltusvereineS, dessen tastlosen Bemühungen es gelungen ist, die Glaubensbrüder zur werkthätigen Förderung dieses edlen Unternehmens zu begeistern und dasselbe im Sinne des kaiserlichen Wahlspruches: ״Mit vereinten Kräften", zu vellcuden. Und endlich an Sie, hochverehrter Herr Obmann des- Baukomits's, der mit bewunderuugswürdiger Aufopferung und Hingebung, mit der Sachkenntnis des erfahrenen Technikers und dem haushälterischen Sinne des prakuschm Kaufinannes diesen Bau in so kurzer Frist und ohne Fehl zum Abschlüsse gebracht bat. Indem Sie, meine Herren, das Werk der drei Hammerschläge leisten, werden Sie die Vollendung dieses Baues feierlich verkünden und demselben die volle Weihe verleihen. Durch diese symbolische Arbeit werden sie aber auch der Arbeit jeneu Tribut . der Ehre zollen, welchen ihr niemand im Staate versagen darf. Denn das Mauern gilt seit altersher als eine königliche Kunst, und Fürsten und Herrscher haben sich mit Stolz zu ihren Jüngern bekannt, Ss auch unser erhabener Kaiser und Herr, durch dessen Seite 5. Initiative seit mehr als einem Menschenalter die Baukunst in Oesterreich zu hoher Blüthe ud zu großem Ansehen gelaugt ist. Und so möge sich von Neuem die Wahrheit und die Würde des uralten Meisterspruches erweisen, den ich zu dem meinigen erwählt habe: ״Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, Muß den Stein mit eigner Hand behauen." Bei den üblichen Hammerschlägen, welche von sämniilichen Honoratioren ausgesührt wurden, sprach Herr Bürgermrisier P'osselt einige treffende Worte. Das Anzünden des ewigen Lichtes leitete der Rabbiner und k. k. Feldprediger Dr. Kisch (Prag) mit einer packenden Predigt ein, in welcher die symbolische Bedeutung des Lichtes zur Erleuchtung und Erwärmung der Menschheit erläutert wilrde. Dann erfolgte der Einzug der Thorarollen vonr Eingänge des Tempels aus. Unter dem von jungen Gemeindemitgliedern getragenen Baldachin schritten bei dem feierlichen Lobgesange (Psalm 150) mehrere ältere Herren mit den Gesetzesrollen סי. in silbernen Behältern. Bor dem Altäre nahmen die Rabbiner und Cantoren die Thorarollen in Empfang und hielten den Umzug damit. Tie Thora wurde ausgerollt, emporgehoben und nach wiederholtern Umzug in die Bundeslade hinter dem Altar gehoben. Bei den Einweihungsgesängen kam die schöne Baritonstrmme imb der kunstgerechte Vortrag des Obereantors Kestenberg aus Neichenberg zu besonderer Geltung. Das Weihegebet sprach der neue Gablonzer Rabbiner, Herr Dr. H. Baueth, welcher auch mit der gedankenreichen Festpredigt .,Das Gotteshaus ein Hans der Liebe" einen schönen Beweis seiner rhetorischen Begabung lieferte. Nachdem hierauf der Neichenberger Rabbiner- Herr Dr. Emil Ho ff mann, das Kaisergebet seht wirkungsvoll gesprochen hatte, stimmten alle Anwesenden die erste und vierte Strophe der Volkshymne an, womit die religiöse Feier einen patriotischen-Abschluss fand. Am Abende versammelten sich die Herren und Damen des Cultusvereines, sowie die geladenen auswärtigen Gäste zu einem Festbankette, bei welchem die gehobene Slimmnng in zahlreichen gelungenen Toasten zum Ausdrucke gelangte. Wien. Die frivolen Verdächtigungen, die der antisemitische Abgeordnete Schneider im niederösterreichischen Landtage den jüdischen Aerzten entgegen schleuderte, sowie dessen schamloser Angriff auf jüdische Frauenehre haben, wie bereits bekannt, von Allerhöchster Stelle aus die entschiedenste Mißbilligung gesunden/ indem Se. Majestät der Kaiser beim Empfange der Delegationen in Pest in markigen, nicht mißzuverstehenden Worten seiner tiefsten Empörung über diesen Vorfall Ausdruck gegeben hat. Nunmehr liegt aber auch aus den weitesten Kreisen der Wiener Intelligenz eine Kundgebung vor, dienichr nur über den Abgeordneten Schneider, sondern über den ganzen Antisemitismus ein v-erdammenswerlbes Urtheil abgibt. Unter imposanter Beth-eiligung der Bürgerschaft fand nämlich am 13. October Abends im Wahlbezirke des Abg. Schneider in Fünshaus die vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus veranstaltete Protestversammlung statt, um gegen die bekannten antisemitischen Ausschreitungen im niecevc[tcne:cbifcl>cn Landtage Verwahrung einzulegen. Der große Saal des ״Hotel Wimmer" vermochte kaum die Zahl der Erschienenen zu fassen, unter welchen sich erfreulicherweise auch sehr viele Wähler aus dem Schneiderschm Wahlbezirke und aus den übrigen Vororten befanden. Der Versammlung wohnten der Ehrenpräsident des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus, Hofrath Dr. Nothnagel, Neichsraths-Abgeordnetsr Dr. Kronaweitcr, Landtags-Abgeordneter Noske, viele Gemeinderäthe und Bezirksausschüsse, Hofschauspieler Lewinsky, sowie Männer aus allen Gesellschaftskreisen bei: auch einige Damen waren anwesend. Die einzelnen Reden wurden mit stürmischer Zustimmung aufgenomlnm und die beantragte Protest-Resolution Oesterreichisch-ungarische (Lantorm-Zeitung.

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