Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 25 (17.10.1892)
- Date
- 1892-10-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. ist beispielsweise im städtischen Schlachthause zu Elberfeld ein derartiger Apparat im Gebrauch. Derselbe besteht im Großen und Ganzen aus einer circa!'/,/Meter langen Zange. Der Kopf des Thieres wird zwischen den Zaugenschenkeln mittelst einer Schraubenspindel stxirt und der Apparat, sowie der darin festsitzende Kopf durch einen Gehilfen mittelst einer an dem anderen Ende des Apparates befindlichcn Handhabe beim Schachten in der gewünschten Lage erhalten. Ein ähnlicher, demselben Zwecke dienender Apparat ist in den städtischen Schlachthäusern zu Krefeld und M. Gladbach im Gebrauch. Derselbe besteht aus einer einfachen, circa VJ2 Meter langen, an dem einen Ende sich gabelförmig theilenden Eisenstange. Die Enden der Gabeläste sind hackenförmig gebogen. An dem anderen Ende der Eisenstange befindet sich eine Handhabe zum Festhalten des Apparates beim Schächten. Ferner ist an der Stange ein verschiebbarer eiserner Ring angebracht, welcher durch eine Schraube au der Stange festgestellt werden kann. Der Apparat wird in der Weise angewendet, dass mittelst der hackenförmig umgebogenen Gabeläste die Hörner des Schlachtthieres von oben umfasst werden. Die Gabclarme kommen also auf die Stirne des Thieres zu liegen. Hierauf wird der an der Stange beweglich angebrachte Ring von unten über Maul und Nase geschoben und durch Andrehen der Schraube an der Eiseustange befestigt. Der Kopf des Thieres ist dadurch vollständig am Apparat fixkrt. Durch einen Gehifen an der Handhabe wird der Apparat mit dem daran befestigten Kopfe durch Umwenden des Apparates in die erforderliche Läge gebracht und darin festgehalten. Da die 1'/, Meter lange Eisenstange hierbei wie ein Hebel wirkt, so ist eS niit Verhältnismäßig geringem Kraftaufwand möglich, auch den Kopf starker Ochsen und Stiere mit Sicherheit festzuhalten. Von Vortheil ist es aber dabei, dass die Handhade möglichst tief gehalten, oder ganz zur Erde gedrückt wird. Die mit diesem Apparate in den erwähnten Schlachthäusern zu Crefeld und M. Gladbach angestellteu Versuche haben ein befriedigendes Resultat ergeben, nur hat sich das Bedürfnis herausgestellt, für jedes Schlachthaus den Apparat in zwei verschiedenen Größen anfcrtigen zu lassen, je nachdem derselbe zum Schächten der Ochsen und Stiere einerseits, oder der Kühe andererseits dienen soll. Im Interesse der Humanität und um unnöthige Thierquälerei beim Schächten besser vermeiden zu können, scheint es wünschenswerth, dass mit fraglichen Apparaten auch in weiteren Kreisen Versuche angestellt würden. Es dürfte sich dieses umso leichter erreichen lassen, als die Herstellung des Apparates nur mit geringem Kostenaufwand verknüpft ist, und der Apparat von den meisten Schlossern und Schmieden dürfte angefertigt werden können. Tempeleirrrrrrihnng in Gabio«;. Der glaubent-freudigen Opferwilligkeit der hiesigen Gemeinde- Mitglieder ist es endlich gelungen, dem Gottesdienste ein ebenso schönes als würdiges Heim zu schaffen. Die neue Synagoge ist nach den Plänen und unter der Leitung des Baurathes SLiaßny in Wien in reinstem maurischen Stile erbaut worden. Mit der nordwestlichen Hauptfront gegen die Goethegasse gelegen, von welcher sie durch einen mittelst zierlicher eiserner Gitter abgefriedeten Vorgarten getrennt ist, kehrt sie ihre südöstliche rückwärtige Front gegen das Neissethal, durch welchen Umstand das Gebäude die tiefer gelegenen Stadtlheile überragend, schon von großer Entfernung sichtbar wird. Tie drei an der Hauptfront gelegenen Portale Nr. 25. führen, und zwar das mittlere in ein geräumiges Vestibüle,, die zu beiden Seiten gelegenen zu Treppenhäusern, welche den Aufgang zur Galerie sowie zum Sitzungssaale vermitteln. Durch das Vestibüle gelangt der Beschauer in die dreischiffige Halle, den eigentlichen Betraum, dessen Decken durch schlanke eiserne Säulen und reich verzierte Bögen getragen sind'. Das Mittelschiff überragt mittelst einer Zwerggalerie die beiden Seitenschiffe, deren Ein- Poren die Sitze für Frauen, dann den Chor und den Raum für die Orgel enthalten. Während im Parterre 200 Sitze für Männer angebracht sind, enthalten die Galerien 130 Frauensitze. Der durch einen kräftigen arcus triumphalte gegen die Halle abgeschlossene Altarraum enthält Sitzplätze für Prediger und Cantor sowie für den Gemeindevorstand. Die Risalite der Haupt- und der beiden Seitenfronten, werden durch Kuppeln gekrönt, welch letztere mit schuppenförmigen, verkupferten Platten gedeckt sind und je eine aus dem gleichen Materiale hergestellt, von vergoldetem Davidschilde überragte Laterne tragen. Die Hauptfacade sowie die Risalite der beiden Seitenfacaden sind dem Baustile entsprechend, mit reicher Bemalung und Vergoldung geschmückt. Das Innere des Tempels — vorerst nur in weißer Farbe bemalt — wird hoffentlich in kurzer Zeit mit der durch den Stil gebotenen- Polychromirung versehen werden. Fenster und Oberlichten sind jedes mit dem Namen des Spenders geziert, in farbigem Kathedralglas und Verbleiung ausgeführt. Für Ventilation ist in reichen! Maße vorgesorgt. Alle Räume sind mit elektrischem Lichte in würdiget, effektvoller Weise beleuchtet-. Die feierliche Schlußsteinlegung und EmwöihuUg des Prachtvollen Hauses vollzog sich Mittwoch den 28. September, Nachmittags 4 Uhr in äußerst solenNer und würdiger Weise. Es wäret! die Vertreter der staatlichen Behörden, der Bürgerschaft üud Vereine, des Bezirks-Ausschusses, der evangelischen Gemeinde-und der Schulen, ferner Vertreter der israelitischen Cultusvereine aus Reicyenberg, Turnau, Jungbunzlau und Prag, sowie viele andere geladene Gäste erschienen. Zur .programmmäßgen Zeit wurde die Feier durch eine Ansprache des ,Obmannes des Cultusvereines, Herrn Daniel Men dl, eröffnet. Er begrüßth die Vertreter der staatlichen und communalen Behörden, sowie der israelitischen Gemeinden, dankte allen jenen Factoren, die an der Förderung des heiligen Werkes Antheil hatten und schloss seine wirkungsvolle Rede init einem Hinweis auf die erhabene Person unseres Monarchen in folgender Weise: ״Wenn wir in dem Feste das Gelingen, die Harmonie des Ganzen preisen, so richtet sich dankerfüllten Herzens unser Blick nach der Metropole des- Reiches, nach jener hohen und erhabenen Warte, an deren Thoren in lapidarer Schrift: ״Justitia Fundamentum Regnorum“ als Devise prangt, ^die Richtung angegeben ist, nach welcher die Herrscher Oesterreichs die Völker regieren, nach jenen! fixen Punkte, welcher die Achse bildet, mm die Völkerwohl und Völkergeschick sich kreiset. Mit beseligendem heiligen Vertrauen blickt der Oesterreicher nach dem Throne, der uner- 'schütterlichen Säule der Verfassung, nach seinem erlauchten, erhabenen Kaiser, dem gleich dem Stifter der Dynastie des Volkes Treue der festeste Wall, dessen Liebe höchstes Gut ist; dankerfüllten Herzens blicken mit uns auf die Millionen zu dem sieggekrönten Friedensfürsten, der in seiner geheiligten Person den Frieden des Welttheiles trägt, zu ihm, dem huldvollen Herrscher, an dessen Thrones Stufen wie in unverbrüchlicher. Treue und Liebe das Knie beugen. Und so wie wir unsere ersten Schritte in das Gottesbaus lenkten, um dem Himmel für seine Gnade zu danken, so sei die erste Bitte, dass der liebe Gott Seine Majestät, unseren Herrn und Kaiser, in voller Frische erhalte weit ׳-über das Maß der ges