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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-10-17 · Heft 25 (17.10.1892) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 25 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 Oesterreichisch-ungarischo Scmtoron-Zciturig. €׳eüe 3. Nun ist es aber eine Thatsache, dass ein beträchtlicher Theil in der Wiener Cultusgemeinde, besonders unter der jungen Generation und unter den Frauen kein Genüge an den geltenden Formen des Wiener Cultus findet. Niete wollen einen Gottesdienst, der kürzer sei, einige deutsche Elemente enthalte und von der Orgel Gebrauch mache. Das ist einmal eine Thatsache, die sich nicht wegdisputiren lässt, und man darf nicht diesen Theil der Gemeinde abstoßen, weil er eine andere Eultusordnung verlangt. Denn, was die Orgelfrage betrifft, so hat sie eine theoretische und eine praktische Seite. Die theoretische oder religiöse ist längst gelöst, wofür eine zahlreiche Litteratnr spricht, die praktische hängt eben von den obwaltenden Lerhältnißen in den Gemeinden ab. Ich selbst schwärme nicht für eine Orgelbegleitnng in der Svnagoge. Diese langgestreckten Orgeltöne entsprechen nicht meinem Gefühle und meinem wissenschaftlichen Bewusstsein, dem Charakter des Judenthums. Die Erhabenheit desselben besteht in feiner Einfachheit, Schlichtheit, Geradheit, Klarheit, die von allen mystischen Nebeln frei ist! Das Wesen des Judenthums lässt sich durch drei Worte auödrücken: Gott, Mensch, Welt. Gott ist das Einfachste, das jeder menschlichen Ergründung sich entzieht uuö daher seine Anhänger vor dem Dämmerlichte mystischer Grübeleien behütet. Der Mensch soll sein göttliches Ebenbild entwickeln und vervollkommnen durch Liebe, Gerechtigkeit, Demuth und eifrige Wahrung seiner Menschenwürde. Die Welt ist kein Ausdruck des Bösen, sondern der Güte, Und sie erscheint auch gut, wenn man ihren Gang und ihre Einrichtungen nicht vorn kleinlichen Standpunkte des Einzelnen, sondern 8nb speci.e aeternitatis betrachtet, oder, wie die Schrift sagt.- Gott überschaute Lilles, was er geschaffen hatte, und siehe, es war sehr gut, d. h. man must die Gesammtheit der Erscheinungen überschauen tonnen, um sie in ihrer Totalität zu benrtheilen miD sehr gut zu finden. Ich persönlich also kann mich für eine Orgel in der Synagoge nicht erwärmen, räume aber ein, dass Tausende und Tausende unter meinen Glaubensgenossen ein heftiges, nicht abzuweisendes Verlangen nach ihr haben, wie dies die zahlreichen modernen Synagogen in Europa und Amerika beweisen. Die Wiener Cultusgemeinde muß daher einen neuen Tempel für diejenigen erbauen, weiche mit dem Ritus in den bestehenden beiden Tempeln nicht zufrieden sind und einen andern fordern, der durch Kürze, deutsche Bestandtheile und Orgelbegleitung sich ause ichne. Dieser zu erbauende neue Tempel wird die Einheit der Gemeinde nicht lockern und Tausenden Bekennern des Judenthums in der Residenz stärkende religiöse Nahrung. gewähren. Dies gilt besonders in Beziehung aus die Frauen, die das Judenthum nur aus Trau- und Trauerreden kennen lernen. Der selige Präses Dr. Ignaz Kuranda hatte intendiert, einen besonderen Gottesdienst für die Frauen einzuführen. Dieser Neuerung könnten wir nicht beistimmen. Männer und Frauen, Väter und Mütter, Brüder und Schwestern sollen au einem und deinselben Gottesdienst theilnehmen, der daher so geordnet werde, dass er die Andacht fördere, das Her-z erhebe und den Geist erleuchte." Mit diesem Vorschläge ist wohl die Orgelsrage im Allgemeinen nicht gelöst, denn nicht jede Gemeinde könnte sich die Erbauung eines besonderen Tempels für Orgelgottesdienst erlauben, aber speciell für die Wiener Verhältniße verdienen die gegebenen Anregungen die vollste Beachtung der maßgebenden Kreist. Bemerkenswerth ist es jedoch immerhin, dass ein so freisinniger und fortschrittlicher Lehrer des Judenthums für seine Person die Orgel in der Synagoge perhorreseirt. Die Gegner der Orgel haben hiemit einen nicht zu unterschätzenden Snccurs erhalten. Von Jakob Krefeld, cckacknb0s-Tbiorao;t. * 3 Bei dem Großvieh, (Stiere, Ochsen, Kübe) wird das Schächten gewöhnlich in der Weist ausgeführt, dass das betressende Tiner niedergeschnürt, an den Beinen gefesselt und auf die Seite gelegt wird. Kopf und Hais des Tbieres werden dann so gewendet, dass der obere Theil des Kopses mir den Hörnern nach unten und der untere Theil des Kopsen kommt. Hieraus werden folgende Schnitte die ׳ und Halses (Kcble) nach oben;!! Hegen durch einen oder!nehrere schneit auseinander- Weichtheiie des Halses (Haut,׳ Luftröhre, Schlund, die großen Blutgefäße, Nerveustänune und Muskulatur) bis auf die Wirbelknochen des Halses durchschnitten. Ter Kopf wird bei diesem Akte durch einen oder mehrere Gehilfen fest rur Erde gedrückt, und solange festgehalten, bis das Thier vollständig ausgeblutet ist. Bei schweren Ochsen und Stieren ist es jedoch häufig selbst mehreren Personen nicht möglich, den Kopf der Schlacht rhiers mit den Händen allein festzuhalteu. Bei der bedeutenden Kraft, die diese Thiere im Nacken besitzen, reißen sich dieselben öfters, sobald mit dem Halsschni begonnen wird, los, und schlendern den Kopf und den halbdurchschnittenen Hais ans das allen Seiten hin und her, wobei nicht fetten ein Hörner natckindet.-. Heftigste nach Aborechen der In andererer! Fäuen!ft cs ra möglich, den Halsstbnttt voll ständig ansznfübren. Ta aber erfahrungsgemäß beim Schächten der Tod langsam und unter heftigen Krämpfen erfolgt, so gelingt es den Thieren nicht feiten, den Kopf noch tiach dein Halsfchnirt den Händen des stsrhaltenden Gehilfen zu entreißen und bin und der zu schleudern. Wenn mau mm auch annimmt, was von den Vertheidigern des Schächtens gewöhnlich ausgeführt wird, dass nach der Durchschueidung der Blutgefäße am Halst, in Folge der unterbrochenen Blutzirkulation Betäubung eiutritt, so kann doch nicht geleugnet werden, dass diese angeführten, leider häufig genug vor kommenden Uebelftände nicht nur auf den Laren einen höchst abschreckeitderr Eindruck machen, sondern auch, namentlich in größeren Schlachthäusern, den Metzger, sowie das frisch ausgeschlachtete, in der Nähe hängende Fleisch, durch das beim Umherwersen des Kopfes nach allen Seiten umherspritzende Blut beschmutzt werden. In einigen Städten der Schweiz und Oesterreichs (Genf und Wien) ist in dieser Hinsicht dadurch Abhilfe geschaffen worden, dass von den dortigen Rabbinern der betäubende Deilschlag auf den Kopf unmittelbar nach dem Halsschnitt eingefüdrt ist, wodurch das erwähnte Umherschleudern des Kopfes verhindert wird. In den meistert Gegenden Deutschlands ist dieses, wenn das Fleisch vom Schächter für ״koscher" (rein) erklärt werden soll, nicht statthaft. Und um diesen angeführten Uebelständen auch b.׳ uns abzuhelfen, sind seit kurzer Zeit in den Schlachthäusern einiger Städte des Nheinlandes Apparate im Gebrauch, welche das Losreißen des Kopfes beim Akts des Schächtens und das Hin- und Herwerfen des Kopfes nach dem Schächten verhindern sollen. So *) Aus der Zeitschrift für Fleisch- und Milchhygietter, herausgrs geben von Prof- Med. Tveror O ft e r r a g.

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