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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-10-02 · Heft 24 (2.10.1892) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 24 (2.10.1892)
Date
1892-10-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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S eite 2 Oesterreichisch-unzarische (Lantoren-Zeitung. Nr. 24. würdigem Gifer für das Aufblühen dieses Vereines unablässig thätig ist, was ihm gewiss nur zur größten Ehre gereicht. Die zweite Gemeinde, die ich besuchte, ist G r. - K a n i z s a. Von dieser hochintelligententen Gemeinde Lobendes zu sagen, hieße Eulen nach Athen tragen, und es ist genug, wenn man weiß, dass der große Gelehrte Dr. Neumann Oberrabbiner, der sehr berühmte Sänger Katschmaross Obercantor, und der gelehrte, charakter- und gemüthvolle Goldmann zweiter Cantor ist. Wo drei so seltenbegabte Personen sungiren, da ist gewiss ein Gottesdienst, der Israel zur Zierde gereicht. Die sehr opferwillige Gemeinde hat in neuerer Zeit ihre weitberühmten Lehrschulen, die sich allgemeinen Lobes erfreuen, mit einer Handelsakademie vermehrt. Möchten nur die Gemeinden, die dazu die Mittel haben, dieser hervorragenden Gemeinde Nachfolgen und consessionelle Mittel- und Handelsfc^ulen errichten, damit die hebräische Sprache und der jüdische Geist mehr bei der Jugend gepflegt werde. Bei den Gebeten ist das Geigerische Gebetbuch eingeführt, täglich wird im Sommer gesagt Maschiw horuach umorid hathal, so wie die Sesardim und früher die Italiener es sagten. Dem cuique suum zufolge will ich erwähnen, dass der geistreiche Herr Oberrabbiner Neumann ein Mann ist, der sehr consequent und zielbewusst bei seinen Reformen handelt, er schwankt und wankt nicht und bleibt bei seinen Ueberzeugungcn sehr stand- Haft; er ist der einzige Rabbiner in Ungarn, welcher die Chaliza, nach dem Synodalbeschluss in Augsburg eliminirte; um aber dabei seine Uneigennützigkeit zu beweisen, lässt er diese Neuerung nur für die Einwohner in Gr.-Kanizsa gelten; sehr Diele aus der Fremde, die sich an ihn diesbezüglich wandten, wurden trotz des angebotenen hohen Honorars zurückgcwiesen. Die dritte Gemeinde war Szigetvär. Diese Gemeinde nimmt zwar numerisch ab, aber das durch ersprießliche Wirken des tüchtigen und gelehrten Rabbiners, des Herrn Armin Kohn, eines jnngen Mannes, welcher ein Priester in der edelsten Bedeutung des Wortes ist, gedeihen die Institutionen der Gemeinde doch vorzüglich. Besonders verdient hervorgehoben zu werden dass die drei wackeren Lehrer von der Gemeinde gut^honorirt werden, trotzdem die Gemeinde nicht reich ist; mögen die anderen Gemeinden vielem schönen Beispiele folgen. Endlich besuchte ich die Cultusgemeinde zu Fünfkirchen; diese Gemeinde nimmt mehr zu an Mitgliedern und schreitet stets in intellektueller und eultureller Beziehung vor. Der Gottesdienst unter Leitung des stimmbegabten ObercantvrS Karmiol ist ein sehr kostspieliger und großartiger, er entspricht in musikalischer Beziehung allen Anforderungen der Neuzeit. Die Gemeinde hat ausgezeichnete Schulen, welche von dem bewahrten Pädagogen Herrn Klingeberg meisterhaft dirigirt werden. In der würdevollen Person des Herrn Gabor Weiß besitzt die Gemeinde einen gelehrten und tüchtigen Notar, welcher nebst seinen vielen Agenden, die er zur allgemeinen Zufriedenheit ausübt, auch Religionsuntericht ertheilt. Weachron chöwiw ist der hochgelehrte, geistreiche Herr Oberrabbiner Dr. Perles, welcher durch seine erhabenen und erhebenden Predigtm sowohl in der ungarischen als in ׳der deutschen Sprache die Zuhörer erfreut und entzückt. Seit seinem ersprießlichen Wirken in dieser Gemeinde findet das hebräische Wissen Pflege; er kreirte einen Talmud-Thora-Verein, welcher heerlich prosperirt, und wirkte dahin, dass sich die Worte des Propheten erfüUeu sollen. Chol ‘iö.riaieh liiiiyJö sdvnm.- Wir schließen unser Referat mit dem Wunsche, dass die israelitischen Gemeinden in Ungarn immer vorwärts in Gottesfurcht, in Gotteserkenntnis und in echter und rechter Bildung schreiten mögen. Siklos im September 1892. Aron Roth, Bezirks-Rabbiner. Tempeleinweihmtg in Gra;. Graz, am 16. September 1892. Unter zahlreicher Theilnahme der Landes- und Localbehörden und sonstiger Notabilitäten der steirischen Hauptstadt hat gestern die feierliche Einweihung der neuen jüdischen Synagoge stattgefunden. Der Hos zwischen Tempel und Gemeindehaus war als Festraum prachtvoll decorirt und den Mittelpunkt desselben nahm eine Estrade mit einem Baldachin ein, unter welchem die Bilder des Kaisers und der Kaiserin angebracht waren. Um diese Estrade versammelten sich die Festgäste. Es waren erschienen: Statthalter Freiherr v. Kübek, Corpscommandant Feldmarschall-Lieutenant Fux, Landesausschußmitglied Graf Attems, Landtagsabgeordneter Dr. Karl Bayer, Bürgermeister Dr. Portugall, Vicebürgermeister Dr. Franz Bayer, Amtsdirektor Dr. Feil, Handelskammerpräsident Schreiner, Curator der evangelischen Gemeinde Professor Dr. Wil- Helm, Regierungsrath Professor Wastler, Präsident der Frachtbörse, Harter, Polizeirath Hölzl, die Gemeinderäthe Spiller und Streit- Hofer, Vertreter auswärtiger Cultusgemeinden, der gesammte Vor״ stand und ein Kranz reizender Damen. Um 10 Uhr Vormittags erössnete Herr Architekt Maximilian Kätscher die Feierlichkeit, indem er die Schlüssel des Gottes- Hauses dem Präses der Cultusgemeinde, Herrn Fürst überreichte. Hieraus begrüßte der Präses-Stellvertreter, Herr Samuel N e i s n e r, im Namen der Cultusgemeinde die Festgäste, darunter die Vertreter kr Cultusgemeinde in Steinamanger. Das neue Gotteshaus — sagte er — werde einen Markstein bilden in der Geschichte der Israeliten in Steiermark, denn es sei seit Jahrhunderten wieder das erste in diesem Kronlande. Unter unsäglichen Opfern und Mühen sei es erbaut worden, und von dem Gefühle der Dankbarkeit sei die Gemeinde erfüllt für den Kaiser, welcher der Gemeinde seinen mächtigen Schutz gewährt und für den Tempel״ bau eine steuerfreie Lotterie bewilligte, deren Ergebnis säst d'e Hälfte der Baukosten gedeckt habe. Der Redner dankte weiter kn übrigen Behörden, dem Architekten Maximilian Kätscher und dem Baumeister Karl Heller und schloss mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser. Unter den! Vortritte weißgekleideter Mädchen erfolgte hierauf der Einzug in. die Synagoge, deren Architektur und Ausstattung einen sehr würdigen, stimmungsvollen Eindruck machte. Nach einem Präludium und einem erhebenden Choräle trat Herr Oberrabbiner Güdemann aus Wien auf den Platz des Predigers und hielt die Festrede. Er sprach über den Abschnitt aus dem Buche Moses ״Wir stehen Alle vor Gott". Nicht immer, sagte der Redner, stehen wir vor Gott, sondern nur im Zustande der Sammlung und in weihevoller Stimmung. Eine besondere Veranlassung hiezu gebe die heutige Feier. Sie erlange durch die besonderen zeitlichen und örtlichen Verhältniße eine geschichtliche Bedeutung. Denn 400 Jahre seien es her, dass die jüdischen Glaubensgenossen aus Steiermark und Kärnten vertrieben worden seien. Seit damals habe es hierzulande für die Bekennt!׳ dieses Glaubens kein Gotteshaus gegeben, daß׳

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