Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 23 (15.9.1892)
- Date
- 1892-09-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 23 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Grunde legt, ich denke an seine 6 lnoll-Symphonie, verleugnet sich nie sein liebenswürdiges, lebensfrohes Temparament. Welcher Gegensatz zu Beethovens Humor, der sich in seinen letzten Werken findet. Es sind nur plötzliche Funken, die das Gemüth blitzartig durchzucken, aber dem Sonnenstrahle gleich, der die gewitterschwere Natur auf Augenblicke ckit magischem Lichte beleuchtet. Ein höherer Affect als das Heitere ist das Majestätische, das Erhabene. Es lässt sich schwer etwas Weihevolleres Denken, als die Einleitung der Beethovenschen Ouvertüre op. 124 ״Zur Weihe des Hauses", schwer etwas Großartigeres, als das Allegro in Beethovens dritter Leonoren-Ouvertüre. Wenn sich der Ausdruck der Liebe mit dem des Weihevollen paart, so finden wir darin die Stimmung, welche den langsameren Mittelsatz des Scherzos der Beethovenschen 7. Symphonie durchweht. Eine so erhabene, ideale Empfindung könnte nur dem Herzett eines Beethoven entspringen. Es würde zu weit führen, weitere Beispiele verwandter Stimmungen zu charakterisiren; nur eines noch mag seiner Eigenart wegen hier Platz finden. Es ist dies der Walzer (3/4 Tact) der Volkmanschen F dur Serenade für Streichorchester. Wohl ist dies Tanzmusik, aber solche für das Herz. Ein Walzer von Strauß kann die Tanzlust des Körpers entflammen; wie aber auch die Seele in jubelnder Freude ihre Fesseln durchbrechen möchte und hell aufjauchzt, das fühlen wir in Volkmanns genanntem Walzer. Wir׳ sprachen bisher von allgemeinen Stimmungen, welche die Musik zum Ausdruck bringen kann/ Vermag sie auch speeielle' Empfindungen, wie ״Heitere Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande" anzudeüten, wie Beethoven es versuchte? DuLchüUS Nicht. Es widerspricht dies ihrer Natur, zunächst auf das Gemüth zu wirken. Das Gemüthkann Gefühle nachempfinden, Bilder aber wie obiges in sich aufnehmen, ist Sache der von der Dichtkunst beeinflussten Phantasie. Wohl kann man eine Stimmung, wie die genannte, in dem ersten Satze der 6. Symphonie Beethovens wiederfinden, aber umgekehrt, wenn jene Andeutung fehlt, könnte man nur eine allgemeinere, die ruhiger Heiterkeit darin wahrnehmen. Und wenn Raff eine Symphonie illustriert mit den Worten: ״Gelebt, gestrebt, gelitten", so find dies ebenfalls Gedanken, die man aus dem Werke selbst wohl erkennen kann, welche aber nur Specifikationen jener allgemeinen Empfindungen sind, die das Werk ohne jene Überschriften Hervorrufen würde. Und darin ist nur ein Vorzug der Musik vor der Poesie zu sehen. Der Dichter malt nur ein bestimmtes Gefühl, der Tondichter geht weiter, er lässt den weiteren Umfang' jenes Gefühls empfinden und schlägt so unfehlbar wenigstens einige Saiten des menschlichen Herzens an, die dann wiederklingen in beseligendem, erhebendem Gefühle, wie es nur die Macht der Töne vermag. Das Moschol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in den biblischen und nachbiblischen Schriften. XXVII. Nach der Niederlage des Lar Kochba, der sich als Messias ausgab, untersagte der römische Kaiser Hadrian den jüdischen Gelehrten unter Todesstrafe religiöse Vorträge zu halten. Aber Rabbi Akiba achtete nicht daraus und trug im Geheimen seinen Schülern die Lehre Gotes vor. Sein Freund Pappüs machte ihm darüber ׳ Vorwürfe, wie er sich denn einer solchen Gefahr bei den römischen Spähern aussetzen kann. Darauf antwortete Rabbi Akiba mit folgender Fabel: Seile 3. Der Fuchs und die Fische. Der Fuchs gieng am Ufer eines Flusses spazieren und bemerkte, wie die Fische scheu und geängstigt von einem Orte zum anderen sprangen. Was fürchtet ihr?, rief ihnen der Fuchs zu. Die Netze der Menschen, lautete die Antwort. Ich will euch einen guten Rath. ertheilen, sprach der Schlaue, kommt aufs trockene Land mit mir in den Wald und wir wollen in Freundschaft zusammen leben, wie einst unsere Ahnen. Mit Unrecht, entgegneten die Fische, nennt man dich das klügste der Thiere, denn dein Rathschlag zeigt von großer Thorheit. Wenn wir in unserem Lebenselemente, im Wasser, nicht sicher sind, wie sollen wir dahin gehen, wo schon der Aufenthalt uns den Tod bringt. Akiba machte nun die Anwendung dieser Fabel. Wenn wir, sprach er, bei der Beschäftigung mit der Gotteslehre, die doch unser Lebenselement ist, nicht sicher sind, wie gienge es uns erst, wenn wir dieser Lehre untreu werden? (Lerach. 61). Von Rabbi Msir erzählt sein Schüler Rabbi Jochanan (Sanhedr. 38), dass der drittte Theil seiner zahllosen Vorträge aus Meschalim, worunter man auch die Fabel versteht, bestand. Er soll dreihundert Fuchsfabeln gedichtet haben, von denen nur drei sich erhalten haben, und diese werden nur angebeutet im Talmud, aber nicht erzählt. Der berühmte Kommentar, Rabbi Salamon Zizchaki, Raschi genannt, theilt uns davon zwei mit (Sanhedr. 39): Der Fuchs und der Wolf. Einst beredete der.Fuchs den Wolf, am Rüsttage des Sabbats in ein jüdisches Haus zu treten, um da bei der Speisenbereitung behilflich zu sein, wofür er am Saöbath bei der reichlichen Mahlzeit theilnehmen werde. Aber kaum war dieser in das Haus getreten, als schon die Bewohner M Stöcken über ihn herfielen und ihn in die Flucht schlugen. Mit tiefem Groll stürzte der Wolf auf den Fuchs und wollte ihn tödtett. Aber dieser 'suchte ihn zu beruhigen, mit den Worten: Deines Vaters wegen trieb man Dich aus dem Hause, der sich ebenfalls zur Hilfeleistung einmal anbot, aber dann jeden fetten Bissen selbst verschluckte. Wie, entgegnete der Wolf, sollte ich meines Vaters wegen seine Sünden büßen? So ist es, antwortete der Fuchs: ״Die Väter essen saure Trauben und den Kindern werden die Zähne stumpf" (Ezechiel 10, 2). Er führte dann den Wolf zu einem Brunnen, an dessen Rand sich ein Balken mir zwei an ihm befestigten Schöpfeimern befand. Rasch sprang der Fuchs in einen'Eimer und ließ sich in den Brunnen hinab,. wodurch der andere Eimer sich in die Höhe schwang. Was hast du unten? fragte ihn neugierig der Wolf. In großer Menge Fleisch und Käse antwortete der schlaue Fuchs. Er zeigte ihm als Beweis den Widerschein der vollen Mondesscheibe im Wasser, die wie ein großer Käse aussah. Der hungrige Wolf setzte sich sogleich in den anderen Eimer und ließ sich in die Tiefe hinab, wodurch der Eimer, in welchem der Fuchs saß, wieder nach oben kam. Der Wolf schrie getäuscht: Wie komme ich wieder hinauf? Aber der Fuchs antwortete: ״Der Gerechte entkommt der Noth und der Frevler tritt an seine Stelle" (Spr. 11, 8). Rabbi Josua ben Lewi wollte feine Zeitgenossen belehren, bei der Wahl der Richter und Vorsteher nicht auf Ansehen und äußere Vorzüge, sondern auf gediegenen Charakter, auf Wahr- Hastigkeit und Gottesfurcht besonders ihr Augenmerk zu richten und dazu trug er ihnen folgende Fabel vor:.,- Der Kopf und der Schweift Der Schweif der Schlange sprach einmal zu ihrem Kopfe: Wie lange wirst du mit dem Kopse voran beim Gehen dich brüsten Und ich dir dienstfertig nachschleifeil?