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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-09-01 · Heft 22 (1.9.1892) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 22 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite >4. Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Nr. 22. Beständigkeit das Gegebene erhalten, so dass die Gesänge in der Gemeindeheimisch geworden waren. Ganz besonders waren durch ste die Schüler der Bildungsanstalt gewissermaßen Schüler Selig's geworden, welche die Gesänge der Gemeinde Hannover in ihren Gemeinden verpflanzten und so den Gottesdienst von Hannover zu einem Vorbilde der kleinen Gemeinden, .machten. Nun aber schied Herr Selig freiwillig nach 24jähriger Thätigkeit aus seinem Dienste; eine neue Synagoge war erbaut, in welcher schon aus räumlichen Gründen nicht mehr wie früher auf freiwillige Chorsänger zu rechnen war. Neue weitgehende Wünsche machten sich in der Gemeinde geltend, und die Anforderung, die man an den gottesdienstlichen Gesang stellte, war erhöht. Dazu kam, dass ein neuer-Vorbeter angestellt wurde, Herr-Obercantor Berggrün, der ein musikalisch hervorragender Mann, ein Meister der Töne war und einen Chor wünschte, der seinen Gesang würdig begleiten. könne. Es gelang dem verewigten Landrabbiner Dr. S. Meyer unter Mitwirkung der Besten׳ inder Gemeinde die Einheit der Gemeinde zu erhalten und dahin zu wirken, dass auch der Chor so eingerichtet wurde, dass er den Ansprüchen der Gemeinde an eine würdevolle Gestaltung des Gottesdienstes Genüge leistete und von weitgehenden Wünschen Abstand genommen wurde. Zu dem Zwecke wurde ein Chor aus angestellten Sängern gebildet;.durch eine Verständigung mit den Leitem der Bildungsanstalt und der M. M. David'schen Freischule wurde, dafür gesorgt, dass die erforderliche Anzahl stimmbegabter Knaben und Jünglinge aus beiden Anstalten gegen angemessene, mit den Jahren und nach dm Leistungen sich steigernde Besoldung ׳ dem (5hor . sicher zugeführt wurde; auch Männerstimmen wurdest auf-diese Weise beschafft. Eine neue, aus 2 Vorstandsmitgliedern,'' -den Cantoren und dem Chorleiter zusammengesetzte Chorcommission' wurde gebildet, die dem Chore zum Schutze und zur Stütze dienen : sollte.-Der Obercantor Berggrün, selbst ein vollendeter Künstler im : Gesänge, sorgte für künstlerische Auswahl und Durchführung der Gesänge,, teils richtete er selbst neue ein. Die Chorproben wurden vermehrt, strenger, beaufsichttgt. und für die Beschaffung tüchtiger Kräfte rechtzeitig gesorgt. - .. •.־־ .So hegann für den Chor eine neue Zeit; beide Vorbeter, Berggrün. und. .Herr Secretär Hoffmann - beteten mit dem Chore vor, und-ihre gemeinsame. Aufgabe war es, der Gemeinde das : Gotteshaus, lieb-und werth zu. machen. Aber der Chor wurde auch dieser neuen schweren .Aufgabe gerecht.. Er verdankte dies zunächst -seiner Commission, in welcher sich die Herren M. A. Behrens, I. Meyerhof, I. Kauffmann, Benfey I, aber in ganz besonderer Weise der. langjährige Vorsitzende, Herr Geh. Commerzienrath L. E- Meyer um den Chor, verdient machten. Besonders der letztere Herrhatte seine -ganze Liebe dem Chore zugewandt. Et versammelte die Commission in feinem Hause, nahm sie in liebenswürdigster Weise auf, zog die. Leiter der obengedachten Anstalten zü den Berathungen.hinzu -und wachte ׳stets und ständig darüber, dass der Chor in . seiner Leistungsfähigkeit erhalten bleibe. Aber auch der , Chorleiter , fft in dankbarer Erinnerung zu gedenken. Nach Herrn Fr. Bünte übernahm 1878 Herr Molck die Leitung. Er war Organist der Marktkirche, mit ׳dem - Kirchengesange voll vertraut und brachte -die Gesänge des Chores . zu trefflicher Ausführung. Ihm folgte der noch jetzt thätige Herr Alfred Nose, ein Schüler Hillers, -im Jahre 1883. Leider hatte aber auch in dieser neuen : Periode 4>er Chor einen schweren Verlust zu beklagen, als ihm am Ende des Jahres 1889 Herr Obercantor Berggrün plötzlich durch den Tod entrissen wurde, Sein Andmken bleibe unvergessen,' und mögen auch diese Zeilen ihm ein ehrendes Denkmal sein. Umsomehr ist es mit Freuden zu begrüßen, dass von den freiwilligen ersten Mitgliedern des Chores noch einige am Leben sind: Louis E. Meyer, S. Berend, Georg Kugelmann, I. Löwenheim und die einst als Knaben mitsangen, D. Fridberg und A. Seckendorf. Es ist freudig anzuerkennen, dass der Chor bis heute eine beliebte und unentbehrlich gewordene Einrichtung des Gottesdienstes geblieben ist, dem nicht zum kleinsten Theile die Einheit der Gemeinde zu danken ist. So möge er weiter in unserer Gemeinde unter der Leitung des Chordirigenten A. Nose und des Chorinspectors E. Speyer mit' den Vorbetern Obercantor Linhardt, Secretär Hoffmann zusammen wirken, so dass jedes Gemeinde- Mitglied und jeder Fremde unserem Gotteshause die Worte zuruse . שמחתי כאובדים לי בית. ה' נלד Das Moschol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in den biblischen und nachbiblischen Schriften. XXVI. 92. ״Der Sohn kann den Vater zu Ehren bringen, nicht aber der Vater den Sohn." (Sanliedr. 104.) Man vergisst an die ׳ Fehler des Vaters, wenn der Sohn brav ist, man schließt da auch ׳ auf eine gute Erziehung und Bildung von väterlicher Seite; hingegen wird der ungerathene Sohn verachtet, mag der Vater noch so würdig und ehrenhaft gewesen sein. 93. ״Der Mann bekömmt das Weib, das er verdient." ׳ (Sota 2.) Man urtheilt eben, auf welche Eigenschaften der Mann bei der Wahl; eines Weibes sieht> der sich durch . Schönheit, und materiellen Vortheil verblenden lässt, ohne sich von dem Charakter zu überzeugen und deren Eigenschaften zu prüfen. Man sagt dann: Gleich und gleich gesellt sich gern. 94. ״Der Gefangene kann sich nicht allein von dem Kerker befreien." (Berach. 5.) In der eigenen Noth kann der Mensch sich elbst nicht helfen, da müssen ihm Andere beistehen, ihn zu befreien. In der Noth erkennt man den Freund, den Menschenfreund, und wer ein solcher ist, wird sich des Bedrängten annehmen. Wie oft ist schon bei einer Gerichtsverhandlung durch einen tüchtigen Vertheidiger so Mancher selbst vom Tode befreit worden. Das ist aber auch eine Mahnung für einen Kranken, dass er es ja nicht unterlassen soll, einen Arzt zu Rathe zu ziehen, und nicht dem Zufalle oder der Natur die Heilung zu überlassen. Das scheint auch "der Hauptsinn dieses Spruches zu sein. 95. ״Wenn Katze und Wiesel sich verbinden, werden sie bald einen Unhold zur Welt bringen." (Sauttsdr. 105.) Wenn die Bösen sich vereinen, ist nichts Gutes zu ermatten. Midjan und Mvab waren feindselig gegeneinander, sie verbanden sich aber, um Israel zu vernichten. (S. Raschi 4. M. 22, 4.) Die Antisemiten liefern den Beweis dafür. 96. ״In Gegenwatt eines Proselyten darfst Du bis ins zehnte. Geschlecht keinen Heiden beschimpfen." (SaiLhedr. 94.) Der Proselyt behält immer etwas Sympathie für seine früheren Glaubensgenossen. Wir erkennen aus diesem Spruche wieder, wie human der von unseren Feinden so oft verlästerte Talmud gegen andere Glaubensbekenner denkt und lehrt, welche Menschenliebe aus allen ihren Lehren athmet! 97. ״Geht der Wein herein, geht das Geheimnis hinaus." (SauLsdr- 38.) Im Rausche wird der Mensch unzurechnungsfähig

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