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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-08-15 · Heft 21 (15.8.1892) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 21 (15.8.1892)
Date
1892-08-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. O das Geschlecht der Mäuse? unverzagt — zerstört's die Mauer — die thurmhoch ragt. — Mchr als 200 Nester haben — sie in mir sich schon gegraben. — Vor ihnen kann ich nicht bestehn — und solche Frau willst Du Dir ausersehn? Als nun der Junggeselle gefunden, -— dass seine Hoffnung geschwunden, — ist er zu seiner Familie gekommen — und hat sich aus ihr ein Weib genommen, — zur Frau eine Maus erkoren — in der Nachbarschaft geboren, — die ihm immerdar — eine treue Gehilfin war. Dies Gleichnis zeigt, wie Ehr' und Macht ergreifen schnell die Flucht — vor Dem, der sie zu Haschen sucht. — Wer Hohem sich beigesellt, — sieht sich beschämt zurückgestellt. — Jedweder wird dahin geführt — der Ehrwürdige zu den Seinen, — der Gemeine zu Gemeinen. Mein Gedicht — das spricht: — Geneigt das Haupt, gebeugt den Sinn, — gesenkt den Blick, so schreit dahin. — Sieh' Feuer sinkt zur Erde nieder, — nachdem es wollte hoch empor, — und Wasser stehend endlich wieder — wenn's auch geflossen stolz zuvor. Diese Fabel stammt aus dem indischen Fabelbuche Pantschatantra, in welchem aber nicht eine Mauer, sondern ein Berg zuletzt zur Ehe gefordert wird, den der Wind als stärker bezeichnet, weil er die freie Strömung des Windes hindert. Im Indischen tritt aber überhaupt nicht die Maus als Freier auf, sondern ein Bramine, der im Bade eine Maus fängt, welche auf sein Gebet von Brahma in ein schönes Mädchen verwandelt wird. Für dieses Mädchen nun sucht der Adoptivvater einen mächtigen oder vielmehr den machtigst en Gatten. Da der Berg die Maus als mächtiger anerkennt, weil sie ihn unterwühlt und das Mädchen darein willigt, eine Maus zu heirathen, wird es auf des Vaters Gebet wieder in eine Maus verwandelt. Im Talmud Baba bathra 10 a wird eine Parallele zu dieser indischen Fabel gefunden. Vergl. Fabeln des Sophos, Nr. 21.. Lin ff — Marie de FraNce, Fab. LXIV hat ebenfalls eine männliche Maus als Freier, der aber um die Tochter der Sonne, der Wolke, des Windes und zuletzt um die Tochter eines steinernen Thurmes wirbt. Barachja hat vielleicht deshalb für den . Thurm die Mauer gewählt, weil diese im hebräischen weiblichen Geschlechtes ist. Fab. 80. Erzählung von dem Weibe, ihrem Manne, de m Ritter und dem Minister. .. Nur Wenige bleiben stets treu ergeben Den Tobten, die sie geliebt in: Leben. Traurig ringt das Weib die Hände — Thräne folgt der Thräu' behende — seht das Leid sie einsam tragen — und vor Schmer; die Brust sich schlagen, — weil ihr Gatte sank ins Grab. — Schauet jetzt die Trift hinab! — Dort hängt ein Ritter tobt am Pfahl, — denn, wie der König es befahl, — durch den י Minister und treuen Rath — an jedem Ort in jeder Stadt, — niemand sollt vom Galgen schneiden, — wollt' er nicht selbst erleiden — den Tod durch Henkers Hand — und endlich werden noch verbrannt. Doch, als des Ritters Bruder sah — ihn, weil gehenkt, der Straße nah — der Verachtung preisgegeben, — fühlte er sein Herz erbeben; — denn beide hatten ja fürwühr — dasselbe Elternpaar. — Kein Maß für seinen Zorn kennt er — drum des Nachts vom Galgen trennt er — den todteN Leib waghalsig loS: — und senkt ihn in der Erde Schoß. Doch sehr ist ihm das Herz beklommell — aus Furcht Ms Leben selbst zu kommen, — weil er des Königs Wort verletzt;!— vor Angst sträubt sich das Haar ihm jetzt. — Er sioh daher und barg sich — im Hause jener Frau, die arg sich —. grämt und weint um ihren Mann. Er spricht zu ihr, so gut er kann — tröstliche Worte mit seinem Munde — als Balsam für ihre Herzens- Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. ״I« der schöne», Me« Maiennacht." Eine wahrhafte und erbauliche Gcistcrgeschichte. Von Ernst Rübenstein. (Schluss). ״Ich hätte bald dasselbe im negativen Sinne gesagt, was der Herr Verfasser als richtig aufgestellt. Eines zum Trost: Solange es Juden und jüdischen Gottesdienst, ob mit oder ohne Orgel, geben wird, ist und bleibt, wie mir bekannt, der Vorbeter der Hauptfactor des Gottesdienstes. Wenn wir, nämlich der Cantor und die Orgel, einander verstehen, dann haben wir ja erst recht unsere Freude aneinander, zur Ehre Gottes,- zur Erbauung des Volkes. Wie schön sagte Luther: ״Gott regiere auch alle Künstler und Musikverständige, dass sie ihre Musik zum Preise und Lobe Gottes mögen amvenden und ein Jeder mit Freuden sagen möge: Durch Gottes Gnadentrieb soll meine Orgel klingen rc." ״Es können nur jene Cantoren uns feindlich gesinnt sein, die es verabsäumen, unsere nähere Bekanntschaft zu machen. Das eben ist der Fluch der bösen That, dass sie fottzeugend Böses muß gebären! S-elbst musikalisch passiv, trachten sie auch andere in den Sumpf der Trivialität hinabzuziehen und finden bei der großen Menge Gleichgestimmter dankbaren Anhang. Es wird noch ziemlich lange dauern. ehe Sein Publikum reif sein wird, seine alten Weisen würdig zu erfassen und einem edleren Streben als dem jetzigen, Verständnis entgegenbrinbt!" ״Der Verfasser memt aber, dass uns die Orgel keine Vortheile eingebracht habe, dass wir die Christen noch immer nicht für uns gewinnen können, dass wir durch dieselben noch immer nicht zu ausgedehnteren bürgerlichen Rechten gelangten?" ״Still? Kein Wort mehr!" donnerte mich hier die Königin an, indem sie sich in voller Majestät aufrichtete und ihre von innerer Erregung leuchtenden Augen zornblitzend auf mich richtete; ״Entartetes Geschlecht! Ich soll Euch aufspielen zum Tanz un! Euer goldenes Kalb? Meine Krone aufsetzen den Schächern? Mit meinem Purpur bedecken Schmutz und Niedtigkeit? Ein Beethoven hat in übermenschlicher Selbstverleugnung, unbekümmert um den Beifall der Menge seine ״Neunte" gedichtet, König David lag in bescheidenster Erhabenheit im Staube vor Gott — und ich, die Königin, soll marktschreierisch für Euch Recläme machen? Beklaget Euch nicht darüber, dass Ihr verachtet und gehasst werdet! Wer solche Ansichten verbreitet, für solche Aeußeruttgen ein Ohr hat, der hat allen Anspruch auf Achtung verscherzt. Nicht zur Ehre des Höchsten soll ich meine Stimme erheben; ich soll ein Werkzeug sein in den Händen der Geldpropaganda? Verblendete! Der Jude kann sich nur Achtung erwerben, wenn er wegwirft die falschen Götzen, das Buhlen um die Gunst dss Christen; wenn er zurückkehrt zu seinem Gotte und ihm dient auf würdige Weise an würdiger Stätte, das hat mit der Orgel nichts zu schaffen. Lasset Euere Weiber ihren Putz zur Schau tragen, wir aber sind und bleiben getreu unserer Bestimmung: Singen und Jubeln zum Lobe des Höchsten. Und nun ״Fort mit Dir!" Ich sah nur noch, wie eine riesige 32' Posaunen-Pfeife schmetternd auf mich niedersauste. Ein furchtbarer Krach! — und ich lag neben meinem Bette auf der Erde. Als ich Mittags mit meinenr Freunde zusammentraf, meinte dieser: ״Sie haben uns gestern einen schönen ״Pahöl" gemacht! Sie können halt das ״Pilsner" nicht vertragen!"

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