Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 21 (15.8.1892)
- Date
- 1892-08-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 8. Nr. 21 Mesterreichisch-ungarische Santoren-Zeitung. Und nun kommt der ״Osservatore Cattolico" in seiner Nmnmer vom 25./26. Juli und stellt eine Liste aus, in der kein einziger Name der von mir als unerlässlich bezeichneten Bedingung entspricht!! Von Rohling habe ich schon gesprochen. Und dessen Aufnahme in das Nichtercollegium bezeichnet der ״Osservatore" als conditio sine qna non. Zweitens: Bibliothekar Franz Weißbach in Leipzig, vermuthlich ein Correspondent, jedenfalls ein Gesinnungsgenosse des ״Osservatore", und daher von ihm als ״sehr bekannter Orientalist" bezeichnet, der aber in wissenschaftlichen Kreisen keinen Namen hat. Auch dessen Aufnahme wird zur Bedingung gemacht. Drittens: Professor Jacob Eckert (?) in Trier. Dieser Mann hat eine Schrift ״Judenspiegel im Lichte der Wahrheit" unter seinem Namen veröffentlicht, zu welcher den Hauptstoff der erst evangelisch getaufte, dann katholisch gewordene Ahron Briman geliefert hat, und welche außerdem zahlreiche Beweise von der Unwissenheit und Unehrlichkeit Eckert's enthalte. Prof. Wahrmund in Wien kennt das Arabische, Persische und Türkische wohl recht gut, hat aber die wenigen Talmudcitate in feinen Büchern, wie er selbst sagt, aus Rohling und anderen Schriften, nicht aus der Quelle entnommen! Dr. Erich Bischof in Görlitz ist zweifelsohne ein wackerer Mann, wird aber überrascht darüber sein, dass der Osserv. Catt." ihn für einen Kenner hält, da er von der jüdischen Litteratur gar nichts weiß. Theotakis, früher Syndicus in Corfll! Was weiß der Mann von jüdischer Litteratur und jüdischem Ritus?! — Außerdem will der ״Osserv. Catt." noch einige italienische ״Kapacitäten" namhaft machen, aus betten ich ,wählen soll. Welcher Art diese sein werden, kann der Unbefangene Leser nach dein hier Bemerkten sich leicht vvrstellen. Dass ich auf ein derartig parteiisch zusammengesetztes Schiedsrichter-Collegium iuich nicht einlasse, ist selbstverständlich. Damit aber der ״Osserv. Catt." nicht weiß machen könne, Prof. Strack fürchte sich, will ich hier mittheilen, dass im August eine Neubearbeitung meiner im vorigere Jahre erschienenen Schrift über den Blutaberglauben zum Druck gelangt. Sie wird den Titel führen: ״Der Blutaberglaube in der Menschheit, Blutmvrde und Blutritus." (München, C. H. Beck.) In dieser Schrift werde ich auch auf die ״Beweise" des ״Osserv. Catt." eingehen. In ihr wird auch klar gemacht werden, was ״Blutmvrde" sind. Der ״Osserv. Catt. mag seine 10.000 Lire (wenn er über- Haupt über einen solchen Betrag verfügen kann) für sich behalten. Ich werde ihm meinerseits eine angemessene Belohnung zahlen, wenn er drei an Universitäten des Deutschen Reichen wirkende Gelehrte findet, welche seine Darlegungen für beweisend erklären. G r o ß - L i ch t e r f e l d e bei Berlin. Dr. theol. Hermann L. Strack, außerord. Prof. d. Theol. Weber die Fadel der den Juden nebst einigen Uebersetzimgen der Nisollls Schualim, Fabeln der Füchse des Rabbi Berachja bar Natrony Hanakdan. Von A. Stein, Taus. (Schluss.) Fab. 28. Fabel von der Maus, der Sonne, den Wolken, dem Winde und der Mauer. Ehr' und Macht ergreifen schnell die Flucht Vor dem, der sie zu Haschen sucht. י Einst dachte ein Weiberknecht, — ein Junggeselle vom Mäusegeschlecht — was für Heil — wird.dem unbeweibten Mann zu Theil? — Doch unter den Wesen von Fleisch und Blut — fand ich noch keines zum Freien gut. — Er fühlte nun inniges Verlangen — ein Weib, ein schönes zu umfangen — das gut, das weiß und roth dabei — und ohne Nahrung zu erhallen sei, — das als Gattin ihn begleite — auf allen Wegen, die er schreite. Obwohl er aber mit ganzer Seele — sann auf ein Weib ohne Fehle — fand er's, wie er sich's ausgemalt, — nur in der Sonne glanzumstrahlt. — Er sprach: Wenn die Erde umnachtet — in Finsternißen schmachtet, — ist's die holde Sonne leichtbeschwingt, — die ihr dann Heilung bringt'). — Und als er die aufgehende Sonne erblickte — und sie sein Auge entzückte, — sprach er zu ihr: Ich liebe Dich — ewiglich; — meine Huld soll bewahrt Dir sein׳), — Dich will ich als Gattin frei'n; — will Gatten Recht und Pflicht zu übernehmen — bei Dir mich wohl bequemen. — Die Sonne erwiderte mit List: — Wie thöricht Du doch bist — zu wählen ein Licht, — dem Nachts der Strahl gebricht! — Ist der Sonne Glanz schön anzusehn, — so muß sie doch auch untergehn; — sie schwindet rasch in einem Nu, — die Wolke decket stets sie zu. — Sieh', ich bin der Wolke Sklavin nur, — die willkürlich tilget meine Spur; — wolltest Du zur Wolk' Dein Aug' erheben, — würde sie sich sicher Dir ergeben. Der Freier beschloß nun ohne Weilen — zur Wolke hinzueilen. —Gelangt zu ihr —sprach er: Viel Mühe gab ich mir; — o hätt' ich doch bei Dir das Ziel erreicht — die Liebste, der an Kraft wohl Niemand gleicht. — Die Sonne rieths ich wähle Dich — als Gattin für mich; — sei Du mein für immer — ich verlass Dich nimmer. Die Wolke aber sagte — und klagte: — Der geordnet die Stufen der Macht — hat lnich dienstbar der Windsbraut gemacht: — sie kann mich jagen — nach eigenem Behagen — nach Norden, Süden, Osten Westen — mit ihrem Arm, dem starken festen. —- Wolltest Du mich zum Weibe wählen — würde stets Unruh' Dich quälen. — Verlass die Magd und nimm die Herrin an, — der Windsbraut bin ich unterthan; — mit ihr nur geh' die Ehe ein, — red ihr zu, sie willigt drein. Da gieng zur Windsbraut die Maus — in die Wüste hinaus — und sprach: Komm', sei nicht bange — mit mir von des Berges Hange: — von den Frauen, die für mich passen, — will ich Dich allein umfassen. — Kein andres Weib noch neben Dir — nehme ich jemals mir; — sei Du mein — und ich bin Dein. Die Windsbraut aber sprach — wüsstest Du, wie ich so schwach, —- würdest Du sicherlich — nicht werben um mich. — Hab' ich doch nicht Kraft und Stärke — zu brechen Mauerwerke, —■ ob aus Stein geschichtet — ob aus Erd' errichtet. — Gib auf den Bund mit mir, — die stärkere Mauer wähle Dir; — wenn sie Dir wohl gefällt — und sich als Weib Dir zugesellt,so findest Du vor der Zeiten Trutz — bei ihr stets Schirm und Schutz. Zur Mauer gieng jetzt die Maus geschwind — und sagte: Sonne, Wolke, Wind — riethen mir nach Deinem Wohl zu fragen — und Herz und Hand Dir anzutragen. — Doch jene erwiderte voll Grimm: — Zu meiner Schmach und Schand vernimm, — sandten sie Dich mir zu; — denn von meiner Schwäche zeugest Du. — Sie spotten, weil sie können sich bewegen — und ich mich nicht vermag zu regen — ja, weil ich völlig machtlos, — denn die Maus durchwühtt mich achtlos. — sie locker meinen Grund, — bahnt sich darauf Wege mit Fuß und Mund. — ') Maleachi 8. 20. *) Jeramiaa 31 3.