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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-07-15 · Heft 19 (15.7.1892) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 19 (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Oesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Seite bestraft zu werden? Ist es nicht vielmehr lobens- und anerkennenswerth, wenn ein reich begüterter, intelligenter Mann, wie Korach, sich um ein Mandat in der Gemeinde bewirbt, auf dass ihm Gelegenheit geboten werde, sich um die Förderung des allgemeinen Wohles Verdienste erwerben zu können? Würden wir ihn nicht, so er es unter seiner Würde halten möchte, ein Amt in der Gemeinde zu bekleiden, entschieden verurtheilen und tadeln? Diese Fragen wollen wir eben zu lösen versuchen. Wenn Korach mit seiner Mandatsbewerbung nichts anderes beabsichtigt hätte, als seine Kraft und seine Fähigkeiten gleich Moses und Ahron dem Gemeindewohle in edler und uneigennütziger Weise zu widmen, wahrlich da würde Moses nicht sein erbitterter Gegner, sondern sein größter Freund und Verehrer gewesen sein. Moses, der einmal dem Josua zugerufen: Hamekane atto li ״Bist du etwa für mich eifersüchtig? ich wünschte, dass das ganze Volk des Ewigen lauter Propheten würden, dass der Ewige nämlich seinen Geist auf sie legte", würde ohne Zweifel seinem Wunsche bereitwilligst entsprochen und seine Candidatur kräftigst unterstützt haben; allein Korach's Streben war dahin gerichtet, die Religionsgemeinde in ihren Grundfesten vollends zu zertrümmern, daher er an die Spitze derselben treten wollte. Korach war ein Gottesleugner, ein Epikuräer. Er glaubte nicht an das Dasein eines höheren, überirdischen Wesens, daher er es entschieden in Abrede stellte, dass Moses einer göttlichen Offenbarung gewürdigt wurde. ״Ihr maßet euch zu viel an", rief er Moses und Ahron zu, ״denn die ganze Gemeinde, ohne Ausnahme, besteht aus lauter Heiligen ubotaucbau adonai in ihnen, nicht aber außer ihnen, lebt eine Gottheit umadua ti8va86u al kehal und wagt ihr es über die Gemeide zu erheben adonai die Gottheit?"*) •*) Auch Spinoza behauptet: ״Gott sei die innewohnende, nicht aber die von Außen einwirkende Ursache aller Dinge." Ethik I, propo- Als Moses diese Gotteslästerung hörte, fiel er vor Aufregung auf sein Angesicht und sprach dann zu Korach: ״Morgen wird Gott selbst entscheiden, wer ihm angehört und wer eigentlich heilig ist." Die ganze Gemeinde besteht nicht aus lauter Heiligen. Heilig verdient nur der genannt zu werden, den Gott einer Offenbarung würdigt. ״Wen Gott besonders auszeichnen wird, der ist der Heilige" ״wehojo hoisch. ascher jiwchar adonai hu hakodausch." Dann fuhr er sanftmüthig fort: Ist es euch zu wenig, dass der Gott Israels euch besonders bevorzugt, indem er euch eine geachtete Stellung eingeräumt und euch gestattet hatte, den Dienst bei der Wohnung des Ewigen zu versehen und vor die Gemeinde zu treten, um sie zu bedienen? Dich und alle deine Brüder, die Söhne Lewi's, hat er berufen, vor ihn zu kommen, und ihr strebt nun gar nach dem Lehramte, um das Volk zu verleiten? Wahrlich ihr empört euch nur gegen die Gottheit atto ־wechol ados’cho hanatiodim al adonai! Nun wollte Moses noch immer es versuchen, die Angelegenheit aus friedlichem Wege auszutragen, daher er um Datan und Awiram, die Haupfaufwiegler und Rädelsführer geschickt; diese aber antworteten frech: kau naaleh ״Wir kommen nicht hinaus; ist es nicht genug, dass du uns aus dem schönen, herrlichen Egypten herausgelockt u. s. w. Du willst nur den Leuten die. Augen ausstechen, willst alle täuschen, blenden, durch's Licht führen." Jetzt erst gerieth Moses in Ertase, er sah sich veranlasst, den Untergang dieser Bösewichte, diese Gottesleugner und Volks- Verführer vom Himmel zu erflehen. Zum Volke aber sprach Moses: ״Daran sollt ihr erkennen, dass mich Gott der Herr gesandt hat, sitio 18. (Gr. Gesch-, 11. B., S. 183.) Korach war mit einem Worte ein Materialist, der der ״Kraft? und Stoff-Theorie" huldigt und daher nicht begreifen konnte, dass es ein höheres, überirdisches Wesen, einen erhabenen, unsichtbaren, weltregierenden Gott gibt, der sich dem Moses offenbarte. Das ״roin al kol gaujim adonai" ״Gott ist erhaben über j die Menschheit", konnte er nicht erfassen. und ob im jüdischen Gotteshause heute die Orgel am Platz ist, darüber entscheidet doch einzig der gute Geschmack. Vielleicht wird ein Gleichnis an einem praktischen Beispiel dies besser erläutem. Einer der tüchtigsten Theoretiker der Gegenwart*), Professor der ersten Prager Musiklehranstalt, pflegt zu seinen Schülern zu sagen: ״Wenn Sie componiren, so lassen Sie das Gehör entscheiden. Eine Composition, welche regelrecht geschrieben, unschön klingt, hat keinen Werth. Dagegen können oft Quinten schön klingen!" ״Das ist das gesunde Urtheil eines maßgebenden Musikers. Wenn ein solcher Ausspruch im Allgemeinen für die Musik Geltung hat, warum soll die Tempelmusik abhängig gemacht werden von der Willkür einer Clique, die dem krassesten Egoismus huldigend, jeglichen Schönheitssinnes entbehrt. Die Königin der Instrumente soll rivalisiren müssen mit dem wilden Singsakg eines fahrenden Sängers? Der menschlichen Stimme zunächst verwandt, ist sie im Stande, alle Schattirungen und Grade der Töne zu charakterisiren -— und doch gebührt das höchste Verdienst dem Joel Dovidl!!!. ״In Nr. 12 spricht der Verfasser Bedenken aus gegen die Verwendung von Nichtisraeliten als Organisten im Tempel und stellt die Forderung, dass dafür gesorgt werde, israelitische Organisten zu erhalten. .; ״Die Bedenken gegen die Anstellung von Nichtisraeliten" meinte das Harmoniüm, ״finde ich ganz berechtigt. Was gab's bei uns nicht für fortwährende und peinlich störende Confusionen, trotzdem der Organist bereits einige Jahre den Tempelchor leitete. Der Mann war als" Christ mit der Liturgie nicht vertraut. Aber dem Nebel wäre abzuhelsen gewesen,׳ wenn ein Grmeindemitglied *) F. Z. Skuberöky, Ditcetor bei׳ Oi'gamstenschule zu Prag. bei den Proben anwesend gewesen wäre und den Organisten beim Gottesdienst auf rechtzeitiges Einfallen aufmerksam gemacht hätte. Ein zweiter Uebelstand war der, dass der Organist zugleich Regenschori der Kirche war. Traf es sich nun, dass die israelitischen Festtage mit den katholischen zusammenfielen, so musste der jüdische Eultus den Katholiken weichen, was zu großen Unannehmlichkeiten Veranlassung gab. Am meisten hatte unter solchen Uebelständen die unschuldige Ursache derselben, der Herr Obercantor, zu leiden. Er hatte, ohne die Folgen zu bedenken, die Neuerung protegirt und befand sich nun in der Lage des ״Zauberlehrlings" rufend: ״Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los!" ״Es wäre unbedingt besser, jüdische Organisten zu ( besitzen, nur verstehe ich den Passus nicht: ״Warum sorgen wir nicht dafür, eigene, aus unserem Volke selbst hervorgehende, tüchtige Organisten zu erhalten." ״Das soll wohl ein Apell an das Judenthum als Corporation sein? Ich kann mir nicht recht vorstellen, wie sich jener Herr diese Forderung realisirt denkt. Um Organist zu sein, muß man iahrelange ernste Studien hinter sich haben nnd meines Wissens ist die Stellung eines Gemeindesunctionärs überhaupt selten eine allzu verlockende. Wenige derselben haben den Berus ״von Picke aus" erwählt. Und nun soll jemand Dtusik studieren, um sodann für 200 fl. jährlicher Remuneration Sclave der Gemeinde, des artigen Chores und schließlich des ״musikalisch gebildeten" Herrn Obercantors zu sein. Dazu kommt noch der Urnstand der christlichen ״Autorität"; der tüchtige christliche Organist ist auf seiner Orgelbank Souverain, wogegen der Jude bei aller Tüchtigkeit stets nur Diener vieler Herren bleibt. Der Christ darf sich so manches erlauben, was der Jude dem Juden nicht durchgehen lässt." (Schluss folgt-)

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