Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 18 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/1304829-3453241-3453259--3499-3457861- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6. Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Wolf, ״meines Vaters wegen soll ich leiden?" — ״Siehe", entgegnete ihm der Fuchs, ״die Väter essen saure Trauben und den Kindern werden die Zähne stumpf; aber komme, ich werde dich an . einen Ort bringen, wo dudeinen Hunger wirst stillen können." Hierauf führte er ihn an einen Brunnen, auf dessen Rande sich ein Balken mit zwei daran befestigten Schöpfeimern befand. Der Fuchs stieg in den einen Eimer und ließ sich in den Brunnen hinab, wodurch sich natürlich der andere Eimer in die Höhe schwang, und erwiderte dem Wolf auf die Frage, was er denn eigentlich da unten mache, es lägen im Brunnen Fleisch und Käse in großer Fülle. Als Beweis hierfür zeigte er ihm gleichzeitig den Widerschein der Mondscheibe auf -der Oberfläche des Wassers, mit dem Bemerken, diese runde Figur sei ein großer Käse. Auf die Anweisung des Fuchses setzte sich sodann der hungrige Wolf' eiligst in den anderen Eimer und ließ sich in die Tiefe hinab, wodurch der Eimer, in welchem sich der Fuchs befand, wieder aufwärts stieg. Als jetzt aber der Wolf schrie: ״Wie komme ich hinauf?" entgegegnete ihm der Fuchs: ״Der Gerechte wird aus der Noth gerettet und der Frevler kommt an seine Stelle und richtige Wage, richtiges Gewicht."') (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wie«. (Die Musik als Heilmittel.) Sie brachten kürzlich die Mitteilung, dass Professor Tarchanoff in Petersburg die Musik als Heilmittel erkläre und die Ueberzeugung ausspreche, ״dass eine Zeit kommen wird, wo die Musik in den Händen wissenschaftlich gebildeter Aerzte als ein.׳mächtiges Mittel im Kampfe mit dM Leiden der Menschheit dienen, wird." Man könnte sich eigentlich darüber verwundern, dass dies bis dahin nicht in höherem Masie der Fall'war, da man ja die Heilkraft der Musik schon vor dreitausend Jahren kannte. Laut 1. Buch Sam. Cap. 16, wurde, wie allgemein bekannt,, dem schwermüthigen Saul gerathen, einen Mann zu suchen, der auf der Harfe wohl spielen könne und es wurde in David ein solcher gefunden. Wenn dieser nun vor^Saul spielte, so erquickte sich Saul, und es wurde besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm. Wie«. Der Religionslehrer Dr. Jonathan Wolf, der schon viele Jahre hindurch die Function eines Predigers beim Festgottesdienste an dm Festtagen im Stadttempel, sowie beim Gottesdienste im Musikvereinssaale an den hohen Feiertagm versieht, wurde nunmehr vom Cultusvorstande definüiv zum Gemeinderabbiner bestellt. Die in Aussicht genommene Anstellung eines Hilfspredigers ist bis zum Herbst vertagt wordm, zu welcher Zeit neuerdigs Probepredigten abgchattm werdm. Wie«. Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar hat dem Dichter Dr. Ludwig August Frankl, welcher kürzlich anlässüch der Generalversamlung der Deutschen Schiller-Stiftung in Weimar verweilte, durch den Staatsminister Freiherm v. Groß die Jnsignim vom Commandeurkreuz des Falken-Ordens zusenden lassen. Der Staatsminister hat bei diesem Anlasse ein ehrendes Schreiben an Frankl gerichtet, das, die litterarischen Verdienste des Dichters in schmeichelhafter Weise würdigend, noch folgende Schlussstelle enthält: ״Se. königliche Hoheit trug mir auf, Euer Hochwohlgeboren dabei kundzugeben, dass der Großherzog Ihnen dies Zeichen höchstseiner Anerkennung umsomehr mit Freuden smde, als dies in einem Zeitpunkte geschehe, in der die Verbindung zwischen Oesterreich und Weimar sich durch die Weimar'sche Ausstellung in Wien vielfach enger gestaltet." Der Großherzog hat Herrn Dr. Frankl wiederholl in Weimar zum Diner zugezogm und bei diesem Anlasse seiner י) Vrgl. Disciplina clericalis XXIV des Neophyten Petrus Alphonsus, gest. 1106, der diese Fabel in die romanische Litteratur übertrug. Np. 18. Freude über die Wiener Musik- und Theater-Ausstellung,׳ welche er als eine der schönsten und interessantesten Veranstaltungen erkläte, Ausdruck gegeben. Wie«. Sonntag den 19. Juni fand die Jahresprüfung und Schlussfeier an der türkisch-israelitischen Volks- und Religionsschule unter der bewährten Leitung des Herrn Director E. Groag statt. Die Zöglinge beantworteten die an sie gerichteten Fragen mit vieler Präcision und wurde dem Herrn Director, sowie dem Chacham Alkalay für die schönen Unterrichtserfolge die vollste Anerkennung von Seiten des Vorstandes und der Mitglieder zu theil. Nach der Prüfung brachte die Schuljugend unter Leitung des Gesanglehrers I. Löwit einige hübsche Lieder sehr correct zum Vortrage. Mit Absingung der Volkshymne schloß die schöne Feier. , Brütt«. Anlässlich der jüngsten Kaisertage haben die Vorstände der auf Grund des neuen Gemeindegesetzes neuconstituirten Cultusgemeinden von Mähren über Anregung des Herrn Hamburger, Cultusvorsteher in Olmütz, die Gelegenheit genommen, die Dankbarkeit ihrer Gemeinden vor Sr. Majestät auszusprechen. Mitglieder der Deputation waren: für Olmütz Vorsteher H. Hamburger, für Ung.-Hradisch Vorsteher Dr. Mannaberg, für Wischau Cultusrath A. Freund, für Wal.-Meseritsch Cultusrath Dr. Lazarus, für Auspitz Vorsteher I. Redlich, für Neutitschein Cultusrath Grünberger, für Zwittau Vorsteher Josef Stein. Von der Brunner Cultusgemeinde waren Vicepräses kais. Rath Mandl, die Vorsteher Wohlmuth, Dr. Ehrenstein, A. Müller, Fabrikant Bloch und Pisko. Sprecher der Deputation war Landesrabbiner Dr. Placzek, rechts von ihm im Halbkreise die Vertreter der Brünner, links die sieben Aelegirten der neuen Gemeinden. Nachdem Sprecher Sr. Majestät die Huldigung und Treue der gesammten Juden Mährens in warmen Worten vorbrachte, sprach er zunächst den innigsten Dank der neuerstandenen sieben Cultusgemeinden für deren Ernennung auf Grund der Gesetzes vom 21. März 1890 und bemerkte, dass vor Regierungsantritt Sr. Majestät in dett meisten dieser Städte keine Hder wenig Juden sich aufhalten durften. Der Landesräbbiner erbat sich die Erlaubnis, bedeckten Hauptes den vorgeschriebenen uralten Segensspruch hebräisch und in deutscher Sprache ertheilen zu dürfen. Der Monarch gestattete dies, woraus Dr. Placzek den Segen spendete, der in einer Huldigung für den Monarchen ausklaNg. Hierauf wurden durch längere Ansprachen folgende Herren ausgezeichnet: kais. Rath Mandl, Brünn, Vorstehern Hamburger von .Olmütz, Dr. Mannaberg aus Hradisch, mit dem er angesichts seiner Decoration über seine Militärzeit sprach, Redlich aus Auspitz, Dr. Lazarus aus Meseritsch, Grünberger aus Neutitschein," Freund aus Wischau, endlich sprach Se. Majestät mit dem Zwittauer Vorsteher Josef Stein über die dortige Industrie und den letzten Arbeiterstrike. In huldvollster Weise war die Audienz beendet. Handelskammer- Präsident und Reichsrathsabgeordneter Rittter von Gomperz und Landesrabbiner Dr. Placzek wurden zur Hoftafel zugezogen und erhielten die Einladung zu der Soirse beim Landeshauptmann Grafen Vetter. Kopreirlih, 2.4. Juni. Der Cultusvorstand hat zu beschließen befunden, zweien seiner Beamten, Cantor und Lehrer, die seit zehn Jahren mit aufopfernder Berufstreue der Gemeinde dienen, per October a. c. zu kündigen und den Coneurs zur Neu-. besetzung der Stellen auszuschreiben. Eine bedeutende Anzahl/ hervorragender Gemeinde-Mitglieder hat nun in gerechter. Würdigung des Umstandes, dass die Beiden durch diese Verfügung unverdienter Weise brodlos werden, gegen diesen Beschluss Stellung genommen und eine Eingabe behufs Rückgängigmachung desselben an den Vorstand gerichtet. Dieselbe wurde, angeblich eines Form-. fehlers wegen, zurückgewiesen. Die wackem Kämpen ׳ für Recht und Gerechtigkeit ließen sich jedoch hiedurch nicht abschrecken und emeuetten das Ansuchen. Man hofft, dass die Entscheidung zu Gunsten der armen, unschuldigen, mit Entlassung bedrohten Beamten ausfallen werde. Nikolsburg. Herr Dr. D. Feuchtwang, welcher in Wien die erste Probepredigt abgehalten hat, wurde von der Gemeinde Nikolsburg als Rabbiner berufen. Der officielle Amtsantritt findet am 18. August statt. -