Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 18 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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SSSäS£33ü££S&g Nr. 18 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Ueber die Wäschersabeln sind verschiedene Ansichten vecbreitet, hier sei über dieselben nur bemerkt, dass in neuerer Zeit die Hypothese aufgestellt worden, die Fabeln des Kybisos oder Kibysos, von welcher ein griechischer Fabulist') berichtet, seien nichts anderes als eine griechische Transscription des Titels ״Nisobls Kobesim". Die Fuchsfabeln anlangend, waren diese ohne Zweifel eine Sammlung von Thierfabeln, die nach den! Fuchse genannt wurde, weil der Fuchs der vorzüglichste Träger, die lustige Person der Fabel ist. Diese Fuchsfabeln hatte Nabbi Jochanan den Sakkaj durch seinen Lehrer Hillel kennen gelernt. Sie müssen indessen bereits vor demselben bekannt gewesen sein und durch die Schüler des erwähnten R. Jochanan bis auf Rabbi Meir, der um die Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. lebte, sich fortgeerbt haben.׳) Von diesem Rabbi berichtet nämlich Rabbi Jochanan bar Napcha׳'), er habe 300 Mischle sclraalim, Fuchsfabeln besessen, die aber bis auf drei bereits der Vergessenheit anheim gefallen wären. Trotz der angeführten Aeußerung darf jedoch nicht angenommen werden, dass die alten Thierfabeln schon nach so kurzer Zeit bis auf einen so geringen Rest verschwunden waren. Durch jenen Bericht soll vielmehr erhellen, dass blos drei in ihrer Anwendung auf Bibelverse bekannt waren. Dies bezeuget unter Anderem schon der Umstand, dass R. Jochanan anstatt, wie zu erwarten war, drei Fabeln, nur drei Bibelverse citiett, die R. Meir durch Fabeln erklärt hattet Die Talmudlehrer nahmen nämlich die Fabel in den Dienst der Synagoge und beuteten sie.zu exegetischen Zwecken aus, um die Aussprüche der heiligen Schrift der ungebildeten Masse auf anziehende Weise verständlich zu machen. Damm pflegte R. Meir seine gottesdienstlichen Vorträge so zu disponiren, dass der dritte ') Babrios in seinem Proömium zu den Fabeln. -) Siehe Fabeln des Sophos S. XXII. ף Lebte 170—279. Seite 5. Theil jeder Predigt aus Fabeln bestand.') D!e ' Verse wurden da den Fabeln vorausgeschickt und l''. e ״ die Epimythien oder Nutzanwendungen derselben. ׳ . yan- Wendungen nun, wie sie durch Fabeln von c. läutert worden, lebten, nach R. Jochanans Berichre.;י fc m Zeit nur noch drei in der Erinnerung der Gelehrten. Die drei Bibelverse, welche als die noch bekannten Trag- Pfeiler der R. Meir'schen Fuchsfabeln angeführt werden, sind: ״Die Väter essen saure Trauben und den Kindern werden die Zähne stumpf", Hesekiel 18, 2, ferner: ״Richtige Wage und richtiges Gewicht", Leviticus 19, 36, und endlich: ״Ter Gerechte wird aus der Noth gerettet und der Frevler kommt an dessen Stelle", Spr. Sal. 11, 8. — Obgleich aber die zu diesen Versen gehörigen Fabeln itn Talmud nicht mitgetheilt worden, so scheinen sie sich doch bei den nachtalmudischen Rabbinen traditionell erhalten zu haben. Rabbi Salomon Jsaki, abbreviert Raschi genannt, der berühmte Bibel- und Talmuderklärer des 11. Jahrhunders, erzählt sie in folgender Weises: Der Fuchs beredete einst den Wolf am Rüsttage des Sabbat in ein jüdisches Haus zu treten, um bei der Zubereitung der Sabbatspeisen behilflich zu sein, indem er ihm in Aussicht stellte, dass er sodann am Sabbat an der Mahlzeit selbst werde theil. nehmen dürfen. Kaum war jedoch der Wolf in das Haus getreten, als die Bewohner desselben mit Stöcken über ihn herfielen und ihn in ein Flucht schlugen. Erbittert suchte nun der Wolf den Fuchs auf und wollte ihn- Lödten; dieser besänftigte ihn indess mit den Worten: ״Man vertrieb dich aus jenem Hause nur um deines Vaters willen, der einst zu demselben Zwecke hinein kam und während seiner Hilfeleistung jeden fetten Bissen wegschpappte." — ״Wie", sprach der ') Synhedrin 386., wo das Wort ׳תילתא nicht -^= ׳תלתא drei, sondern ״Drittel" zu übersetzen ist. ׳) Synhedrin 393. z. St. ״Crescendo" und behauptet, unser Ton wäre — ich weiß selbst nicht wie? Schon im 17. Jahrhunderte wurde durch sogenannte ״Dächer, Thüren, Jalousien" ein Anschwellen und Abnehmen des Tones erzeugt. Der ״Schweller", welcher durch allmähliges Oeffnen und Schließen den Luftzutritt zu den Pfeifen regulirt, ist vor etwa 100 Jahren vom Abbs Vogler erfunden worden. 1830 erfand der französische Orgelbauer Erard eine Vorrichtung, Um mittelst Tastendruck das Crescendo zu erzielen. Das Bedeutendste hat aber circa 1840 Badegast, geb. 30. August 1818 zu Hochhermsdorf bei Leipzig, geschaffen. Mittelst des von ihm erfundenen ״Crescendo- Zuges" und der Eintheilung der Register nach ״Stationen", ist der Organist in der Lage, mit Hilfe eines Fußhebels das Werk in beliebiger Stärke und Modulation erklingen zu lassen. Ein ״Zeiger" gibt dem Organisten an, wie weit er im Crescendo und Decrescendo sich befinde, so dass er das ganze Werk nach Belieben beherrschen kann, Auch wird auf ähnliche Weise mittelst der ״Collectiv-Züge" ein genaues Verbinden von Stimmen erzielt. Nun, und vielleicht hört der Herr Orgelfeind einmal eine eine electrische Orgel und wird eines Bessern belehrt. Mit Hilfe der electrischeN Tractur wird die wunderbarste Nachahmung eines Stimmenchors, der in der Ferne singt, erzielt. Der müsste, selbst ein Her; von Papier und Tinte haben, der ungerührt bliebe durch den Ton, der gleichsam vom Himmel herab mit Engelsstimmen zu uns spricht. Die Erfindung stammt von einem Ungar und wurde von Weigel und Walcker ausgenützt. H8 6 7 stand auf der Pariser Weltausstellung die erste electrische Orgel, und wer 1872 die Wiener Weltausstellung besuchte und sich für Musik interessirte, der konnte sich über das Wesen der electrischen Orgel am Ausstellungsobject Aufklärung verschaffen. In Nr. 2, Jahrg. 34 der ״Urania" S. 19—23 finden wir die Beschreibung und Disposition der Noosevelt'schen Orgel in Philadelphia. Diese enthält: 1. Große Orgel, 2. Schwell-Orgel, 3. Solo-Orgel, 4. electr. Echo-Orgel (Menschenstimmen), 5. electr. schwebende Orgel, 6. Pedal-Orgel." Ob diese Orgel ״starr" ist, ob sie sich für Solovortrag eignet, oder nur gehaltene Accorde entfalten kann, kann der brave Herr aus den folgenden Registerzügen ersehen: Schwellungen bis Groß, Solo bis Groß, Solo zur großen Octave, Solo zur großen Unteroctave, Solo zum Pedal, Schwellung zum Pedal, Großes Orgelforte, Großes Orgelmezzo, Großes O r g e l p i a n o, Schwellendes Qrgelforte, Schwellendes Orgelpiano, Solo Orgelforte." Aber wir brauchen nicht über den Ocean zu schiffen, um Verbesserungen an Orgeln zu suchen. Unser braver Meister Tu< ek würde herzlich lachen, wenn ihm fein Bericht vor Augen käme, und ihn ruhig einladen, seine Crescendo- und Schwell-Werke einmal gründlich durchstudieren zu wollen." Das genügt wohl zur Richtigstellung des unbiegsamen Tones; und wenn der Verfasser behauptet, die Orgel könne nur in langen Accorden oder figurirt gespielt werden, so ist das geradeso, als ob einer sagen wollte: Mit den Füßen kann man nur langsam oder schnell gehen! Verlangt denn sein Tadelmeier, ich solle ihm während des Gottesdienstes Purzelbäume schlagen?" (Fortsetzung folgt.) I;! f J