Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 18 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I—-W1^T.TT■■ 5rBfflKHW sm Nr. 18 Breslau. (Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen.) Am ö. Juni, Abends 7'/, Uhr, versammelten sich über 50 Lehrer aus unserer und der Nachbar- Provinz im kleinen Saale der neuen Börse. Auch mehrere Gaste waren anwesend. Nach Erstattung des Rechenschäftsberichtes wurde zur Wahl des Vorstundes geschritten und Dr. Samuelsohn, Breslau, als Vorsitzender gewählt. Hierauf lieferte Adanl-Schroda ein Referat über ״Allgemeinen Lehrplan". Am anderen Tage wurde die Sitzung um 11 Uhr eröffnet. Des Hinscheidens zweier Mitglieder wird ehrend gedacht, alsdann Tintner-Bunzlau das Wort ertheilt zu seinem Vortrage: ״Ein Blick in das Erziehungswesen der alten Culturvölker." Der Vortrag hat trotz seiner Länge viel Beifall gefunden, doch wird die Aufstellung von Thesen vermisst, an deren Hand eine Debatte sich regelrechter führen ließe. — Den zweiten Vortrag hält Dr. L. Neustadt-Breslau über Jugend-Gottesdienste. Er klagt, dass die Ueberschätzung der allgemeinen Culturbildung zur Unterschätzung der religiösen Interessen und zur Zurücksetzung des Judenthums im eigenen Herzen geführt habe. Als einziges Rettungsmittel erkennt erdie Einführung der Jugend-Gottesdienste in der Art, dass die Knaben sich selbstthätig hierbei zeigen. Meiningen. (Der Herzog von Meiningen gegen den Antisemitismus.) Aus Meiningen wird berichtet: Die israelitische Gemeinde Bauerbach richtete anlässlicy der Einweihung einer Synagoge ein Huldigungstelegramm an den Herzog von Äteiningen, worauf folgende Antwort-Depesche einlangte: ״Cadenabbiä, 18. Juni. Herzlichen Dank für freundliches Gedenken. Angesichts der Versuche, der Verirrung des Antisemitismus auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Israeliten Meiningens auf mich zählen. Georg." Paris, 25. Juni. Sämmtliche Blätter beschäftigen sich mit dem Duelle zwischen dem jüdischen Capitän Mayer und dem Marquis de Morss, welchem der Erstere zum Opfer fiel. Die Veranlassung des Duells, düs der französischen Armee einen ihrer trefflichsten Officiere und der polytechnischen Schule einen ihrer ausgezeichnetesten Professoren raubte, ist so nichtig als möglich. Capitän'Mayer war in einem kürzlich stattgefundenen Zweikampfe zwischen dem Capitän Cremieu-Foa und dem Redacteur der ״Libre Parole", M. de Lamase, Zeuge gewesen. Den Grund zu dem Duell hatte ein Artikel gebildet, welchen Lamase unter den! Titel ״Die Juden in der Armee" verösfentlicht und in welchem er mehrere jüdische Officiere auf das Schimpflichste angegriffen hatte. Auf Seiten des M. de Lamase war der Marquis de Mores als Zeuge Lhätig. Es war ausgemacht worden, dass die Protocolle dieses Duells nicht veröffentlicht werden sollten. Als sie aber trotzdem in den Journalen erschienen, verlangte Marquis de Mores Erklärungen -von dem Capitän Mayer über die begangene Jndiscretion. Dieser verweigerte jede Erklämng und Teste 7. stellte sich denr Marquis zur Disposition. Die beidersestigen Zeugen berathschlagten, und obwohl die Zeugen des Marquis sich klar darüber wurden, dass der Capitän Mayer unschuldig an der Veröffentlichung sei, welche vielmehr durch den Wortbruch eines Dritten ermöglicht worden; war, scheiterten alle Ausgleichsversuche, da der Capitän Mayer sich weigerte, den Namen dieses Dritten zu nennen. Der Zweikampf fand statt, und schon beim zweiten Gange erhielt der Capitän den tödtlichen Stoß. Paris, 26. Juni. Das Leichenbegängnis des im Duelle gefallenen Capitän Mayer fand heute in Anwesenheit zahlreicher Notabilitäten, Officiere und einer großen Volksmenge statt. Auf dem Kirchhofe hielt der Großrabbiner von Frankreich, Zadvc Khan, die Trauerrede, in welcher er dem Wunsche Ausdruck lieh, dass der Geist der Duldung, der gegenseitigen Achtung und der )Nächstenliebe triumphire, und dass die Schriftsteller, welche auf die öffentliche Meinung einen Einfluss ausüben, die Eintracht und nicht den Hass der Bürger verkünden sollen, zum Ruhme und zur Größe des Vaterlandes. Paris, 27. Juni. An dem Leichenbegängniße des Capitän Mayer haben über 30,000 Personen theilgenommen. Als der Zug die Boulevards passirte, wurden vielfache Rufe laut: ,.Vive l’armee“ und ״ä bas Mores״) ״Nieder mit Mores'"). General Bonus, der jetzige Chef der ״Maison militaire״ des Präsidenten der Republik, hielt als bisheriger Leiter der polytechnischen Schule nach der Rede des Groß-Rabbiners am offeriert Grabe eine Ansprache. Der General rühmte die militärische Tüchtigkeit des Verstorbenen und erklärte, dass er denselben autorisirt hatte, die OfficierSehre im Duell zu vertheidigen. — Drumont's Journal protestirt gegen die fortdauemde Hast des Marquis de Mores, der nach einer achttägigen Krankheit Rekonvaleszent sei. Loitdvlt. Neben dem umfassenden Project des Baron Hirsch, die russischen Juden in der argentinischen Republik anzusiedeln, taucht jetzt unter der vermöglichen Judenschast unserer mittleren Grafschaften, namentlich zu Manchester, der Plan auf, nach Palästina möglichst viele Laufende jener Unglücklichen zu senden. Die Gesellschaft ״Das Zelt der Anhänger von Zion" hat bereits große Strecken Landes in Giload angekauft und der erste Schub von hundert Familien erfolgt dieser Tage. Andererseits ist ein Schisma unter der Judenschaft, namentlich in London, ausgebrochen über eine reformatorische AenderUng des Ritus. Die Gegner der Reform, altconservativ, haben sich unter die Führung eines Schweizers, Dr. Ehrmann, gestellt und ihnen hat sich die Mehrheit der 10,000 Juden angeschlossen, die aus Rußland hieher gekommen. Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitunz. Concurs. In der Israel. Cultusgemeinde 2u Kaposvär ist die Väcant gewordene Obercantor-Stelle sofort neu zu besetzen. Gehalt: I. Ein jährliches Fixum Von 1000 fl., Welche Summe mit der Zeit und bei besonderen Verdiensten auf 1200 fl. erhöht wird; II. freie Naturalwohnung; Hl. die vom Vorstande stipulirten Neben-Emolumente. Reflectanten wollen ihre Gesuche mit Leischluss von Originalien oder legalisirten Copien über Fachkenntniss gründliche musikalische Bildung, klangvolle Stimme, sittlich-religiöses Leben; die Fähigkeit einen Chor einzustudiren und den Gottesdienst mit Chor- und Orgelbegleitung zu versehen and in der Gemeindeschule die Schüler im Gesänge gründlich zu unterrichten, bis 28. Juni 1. J. an das gefertigte Gemeindepräsidium einsenden. Zu Probevorträgen werden nur die Berufenen zugelassen, und die Reisespesen werden nur dem Acceptirten ersetzt. Kaposvar, am 12. Juni 1892. 8. Büchler, Bakonyi, Secretär. Präses. Concurs. In der Israel. Cultusgemeinde Wodnian (Böhmen) ist die Stelle eines geprüften Lehrers, Cantors und Koreh. der beider Landessprachen mächtig ist, zu besetzen. Gehalt 600 fl., freie Wohnung und übliche Emolumente. Bewerber wollen sich über bisherige Thätigkeit, Leistungsfähigkeit und Atter durch Zeugnisse ausweisen, worauf sie zum Probevortrag eingeladen werden. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Israel. Cultusgemeinde Wodnian im Juni 1892. Der Vorsteher: Wilhelm Brok. Concurs. Ein Schächter, Vorbeter und geprüfter Religionslehrer wird mit einem fixen Jahresgehalte von 450 fl. und den üblichen Emolumenten vom Tempel vereine in Laa a. d. Thaya (Nieder- Oesterr.) vorläufig auf ein Jahr sofort aufgenommen. Reisespesen werden nur dem Aufgenommenen vergütet. Der Vorstand, I j ן ן 3