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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-06-21 · Heft 17 (21.6.1892) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 17 (21.6.1892)
Date
1892-06-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M Nr. 17 00)terroid)t) d)־uu^artfd)e Cantoren^dtun^. ©eite und der israelitischen Gemeinde seit vielen Jahren sich im stillen, selbstlosen Wirken erworben, sind beispiellos. Als Cultusvorsteher der hiesigen Gemeinde, die ziemlich zusammengeschmolzen war und in deroutem Zustande sich befand, hat er dieselbe durch sein eminentes Organisations-Talent und seine strenge Ordnungsliebe, mit Hilfe seines Adlatus, Fabriksdirector und Ingenieur Herr Fr. Lurie, in sicheres Fahrwasser geleitet. Für die hiesige Stadt hat Herr Bergmann Großes geleistet. Er hat alljährlich viele Hunderte unter den Armen vertheilt und eine Menge christlicher und jüdischer Waisenkinder bekleidet und verpflegt, und sich das größte Verdienst um die Gemeinde durch die Errichtung eines großartigen Waisen- Hauses erworben, das an Größe und zweckmäßiger innerer Einrichtung wenig seines Gleichen finden wird. Diese hohen und bedeutenden Verdienste um die Stadt würdigte der hiesige Stadtrath durch die Verleihung des Ehren-Bürgerrechtes an den edlen Mann. Ein dreifaches Fest wurde somit am 12. d. M. begangen. Der 50jährige Bestand des Fabriks-Etablissements Bergmann, die Überreichung des Ehrenbürgerrechtes und die Weihe des Waisen- Hauses. Die Glückwünsche und Ovationen der Behörden, des Stadtrathes, der Vereine und Corporationen, des Cultusvorstandes unter Führung des Rabbiners Dr. Löwi, wurden im Fabrikslocale dargebracht, woselbst auch Fabriksdirector Lurie eine böhmische Rede hielt. Von da bewegte sich der großartige Zug in das neue Waisen- Haus. In dem großen Saale, woselbst aus einer Estrade ein Kaiserbild aufgestellt war, nahm der Stadt-Dechant die Weihe des Hauses vor und feierte Herrn Bergmann 'als den hochherzigsten Gönner der Stadt, den edelsten Wohlthäter der Armen, den redlichsten Freund und Ernährer seiner nach Hunderten zählenden Arbeiter. Er betonte, welchen Dank Herr Bergmann von allen den Betheiligten sich erworben; warnte nachdrücklichst vor jedem Vorurtheil, vor jedem ungerechten Hass gegen das altehrwürdige Israel und ermahnte die Jugend, welcher die Wohlthaten des Hauses zu Theil werden, tagtäglich für das Wohl des Hauses Bergmann zu beten. Vom Bischof aus Königgrätz, von allen hiesigen Aemtertt und vom Stadtrathe kamen noch besondere Dankschreiben an Herrn Bergmann. Nachmittags, fetirte Herr B. seine Arbeiter im Gasthause Kopecek und sämmtliche Beamten dinirten im Hotel ״zum Löwen." Alle diese Handlungen und Ehrenbezeugungen, man mag urtheilen wie immer, müssen als kidusch haschem und als Damm gegen den Antisemitismus betrachtet werden. Es ist unzweifelhaft, dass Herr Bergmann auch ferner für die hiesige israel. Gemeinde manches gute Werk stiften wird. Der Himmel erhalte und beschütze das Haus Bergmann und seinen würdigen Ehef noch viele, viele Jahre! 8—r. Chlnrneh. Die k. k. Statthalterei hat im Namen des Ministers für Cultus und Unterricht den Neligionsweiser des hiesigen israelitischen Cultusvereines, Herrn Ignaz Popper, auf Grund der Ministerialverordnung vom 27. December 1891 zum Rabbiner in Böhmen ernannt. Derselbe erfreut sich während seiner zweijährigen hierortigen Thätigkeit des besten Rufes und wurde allseits aufs Wärmste zu diesem heiligen Amte beglückwünscht. ©?. Kanisza. Die Tochter des Herrn Oberbercantor Kartschmaroff, Fräulein Olga Kartschmarosf, hat sich mit Herrn Simon Duschak verlobt. Siklos, 13. Juni. Am 8. d. M. wurde hier aus Anlass des 25. jährigen Krönungsjubiläums unseres erhabenen Monarchen ein Herz- und gemütherhebender Festgottesdienst in Anwesenheit eines distinguicten Püblicums, wie der Honorationen und Geistlichkeit von hier abgehalten, bei welcher Gelegenheit unser allgemein hochgeachteter Herr Obercantor Schorr großen Beifall erntete. Er erecutirte mit einem von ihm musterhaft geschulten gemischten Chor mehrere in ungarische Sprache übertragene Psalmen, die sehr entzückend und erbauend wirkten; während der kurzen Zeit seines ersprießlichen Wirkens hier hat sich Herr Schorr die Herzen Aller erworben und die allgemeine Hochachtung errungen, weil er stets einen streng religiös-sittlichen Lebenswandel bethätigt, einen friedfertigen Charakter bekundet, genau und pünktlich seine Berufspflichten erfüllt. A. Roth, Bez.-Rabbiner. Breslau. Urser Opemtenor C e r i n i wurde jüngst, nachdem er am zweiten Tage des Wochenfestes die probeweise Leitung des Festgottesdienstes übernommen und durch seine Vortragsweise nicht minder wie durch seine blendenden Stimmmittel die Bewunderung der außerordentlich zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder erregt, zum Cantor an der neuen Synagoge, an Stelle des vor einigen Monaten Hingeschiedenen langjährigen Obercantors Moritz Deutsch, gewählt. Da Cerini Ausländer ist, so bleibt zunächst noch die Naturalisation desselben durch die Regierung abzuwarten. Dresden. (Der sächsische Geigenbau.) Unter den im sächsischen Erzgebirge und in! Vogtlande zur hohen Blüthe gelangten und meistens hausindustriell betriebenen Großgewerben ist die Herstellung von Musikwerken eines der ältesten und ausgedehntesten. Schon um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts sollen böhmische Erulanten den Geigenbau nach Markneunkirchen eingefübrt haben. Gegenwärtig werden, wie die ״Köln. ZtgO schreibt, aus dem Vogtland und Erzgebirge ungefähr 250,000 Stück Geigen im Werthe von etwa fünf Millionen Mark jährlich versandt. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter niag in diesem Erwerbszweige vielleicht 4000 betragen. Ob schon meistens billige Waare hergestellt wird, so werden doch auch Werke gearbeitet, die den Erzeugnissen allitalienischer Geigenbaukunst nicht viel nachstehen sollen. Wie die bereits gleichfalls im vorigen Jahrhundert in Sachsen blühende Fabrikation von Flöten und Klarinetten, so arbeitet auch der sächsische Geigenbau für den Weltmarkt. Auch seine Rohstoffe muß er seit der Lichtung der erzgebirgifchen Wälder vom Auslände׳ beziehen. In jedem Jahre werden tüchtige Arbeiter nach der Bukowina, Siebenbürgen, Tirol und dem Böhmerwalde gesandt, die dort die passenden Hölzer für die Geigenbauer aussuchen; ebenso gehen sächsische Geigenbauarbeiter nach Rußland zum Zubereiten der Därme für ihre Heimat. Für dieses im Erzgebirge und im Vogtlande tausende von Personen ernährende Großgewerbe befürchtet man jetzt eine ernste Gefahr. Seit einiger Zeit ist es in Oesterreich gelungen, gepresste Geigen, Violen und einzelne Theile zu denselben herzustellen. Hierdurch ist der österreichische Mitbewerb in die Lage gebracht, derartige Musikwerke und Theile zu denselben so wohlfeil und zugleich vortrefflich herzustellen, dass man fürchtet, der meist auf Handarbeit angewiesene sächsische Geigenbau werde hiedurch sehr stark zurückgedrängt. In den bedrohten Erwerbskreisen hat man daher jüngst Schritte zur Abwendung dieser Gefahr berathen. Man beabsichtigt zunächst einen Verband der betreffenden sächsischen Instrumentenniacher ins Leben Ztl rufen, uni durch diesen die Preise in angemessener Höhe zu erhalten, sodann will man an die sächsische Negierung ausführlich über die drohende Gefahr berichten. Es sollen die gleichen Maschinen wie in Oesterreich angeschafft werden und man hofft, die Regierung werde dazu ihre thatkrästige Hilfe nicht versagen. Landsrr. (Ein pharaonischer Liebesbrief.) In der orientalischen Abtheilung des Museums in London ist jetzt ein kleines, acht Zoll langes und vier Zoll breites Täfelchen mit ungefähr 98 Zeilen in sehr feiner Keilschrift entziffert worden. Das Täfelchen ist aus Nilschlamm hergestellt. Die Inschrift enthält den — Heiratsantrag, welchen ein Pharao der Tochter eines Königs von Babylon gemacht hat. Ohne Zweifel bittet sie das Duplikat eines etwa um 1530 v. Ehr. geschriebenen Briefes.׳ Washington, 12. Juni. Wangan, Teputirter von Ohio, hat gestern in der Kammer einen Vorschlag gemacht, welcher verlangt, dass die diplomatischen Beziehungen mit Rußland so lange unterbrochen werden sollten, als diese Großmacht fortfahre, die rtlsfischeu Juden Ausnahmsgesetzen zu unterwerfen. Der Vorschlag wurde au die Commission für auswärtige Angelegenbeiten überwiesen. Jaroslan. Chasan, musikalisch gebildet. 1000 fl. fammt Meschorerim. Neusohl. Cantor, Schochet. 650 fl., freie Wohnung. An- Meldung Ende Juni, Besetzung 1. September. Sarvar. Vorbeter, Schocher bis 15. August. 500 fl., Wohnung, Schechita-Erträgnis, Emolumente.

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