Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 17 (21.6.1892)
- Date
- 1892-06-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Nr. 17. biedere, kenntnisreiche Männer kannst Du entsenden, und zwar kol nosi hohem lauter angesehene Persönlichkeiten. Hätte nun Moses selbstständig nach eigenem Ermessen gewählt, würde gewiss eine Deputation ernannt worden sein, die würdig gewesen wäre, als die Repräsentanz des israelitischen Volkes zu siguriren; allein Moses, der bei jeder Gelegenheit, trotz seiner Uneigennützigkeit und Opferwilligkeit verkannt, verdächtigt und mit schnödem Undanke belohnt wurde, durfte es nicht wagen, selbstständig zu wählen, es sei denn, er hätte sich der Gefahr aussetzen wollen, vom Volke der Parteilichkichkeit geziehen zu werden. Er musste daher dem allgemeinen Wahlrecht fteien Spielraum gewähren. Das damalige Israel aber hatte auch einen großen Pöbel in seiner Mitte, Tvegam erew raw 010 itom, der von dem allgemeinen Wahlrecht den ausgiebigsten Gebrauch machte, obwohl er weder Herz noch Sinn für das Heil und Wohl, wie überhaupt für die Zukunft des Judenthums hatte, daher kam es, dass außer Kaleb und Josua, die zweifelsohne vom ersten Wahlkörper gewählr wurden, lauter Männer zweideutigen Charakters zu Abgeordneten gewählt worden sind. Als nun Moses das höchst ungünstige Resultat dieser mißglückten Wahl erkannte, erschrak er sehr. Wohl war Moses der bescheidenste Mensch aus Erden, allein seine Bescheidenheit hatte ihre Grenzen. Wenn er persönlich angegriffen, gekränkt oder beleidigt worden, war er der sanftmüthigste, versöhnlichste Mensch der Welt, so es aber galt, die Religion zu schützen, die Autorität des Vorgesetzten zu wahren, seinem hohen und heiligen Amte die ihm gebührende Achmng zu verschaffen, da wusste er auch seiner Bescheidenheit ein Ziel zu stecken und von der Macht der Strenge Gebrauch zu machen. Josua aber wusste seiner Bescheidenheit und Muthlosigkeit keine Grenzen zu setzen. ״Josuü und Kaleb zerissen ihre Kleider." Beim Jammem, Weinen und Verzweifeln war. er der erste, wo es aber galt, den Auskundschaftern, den Verleumdern entschieden entgegenzutreten, verlor er den Muth, Kaleb musste hervortreten und das Volk beschwichtigen. W&jahas Kolew es 1100m. Als nun Moses die allzugroße, an Selbstverleugnung grenzende Bescheidenheit Josuas bemerke, kad cbasje Mosche inwesumisau schel Jehoschna, rief er aus: ״Gott möge Dir beistehen, joh jausehiacho meazas meraglim. Die Wahl war nun getroffen und Moses musste die Deputirten entsenden. Er trug ihnen auf: ״Bereiset hier den Süden und besichtiget das Land, ob das Klima ein gesundes ist und einen günstigen Einfluss auf die körperliche und geistige Entwickelung des Menschen hat oder nicht, was Ihr wohl an den Bewohnetn derselben erkennen werdet". ״Schaut Euch die Leute an, ob sie stark oder schwach, gering oder zahlreich sind. Jesch erez megadeles giborim wejesch erez megadeles cbaloschim. ״Ferner wie die Städte beschaffen sind, in welchen sie wohnen, ob in offenen oder in festen Orten", das heißt, ob die Leute muthige Helden oder Feiglinge sind. Wehischasaktem, erkühnet Euch, nicht als geheimnisvoll hemmschleichende Spione, sondern frei als feste, charaktervolle Männer; nehmet von der Frucht des Landes, um Euch und dem Volke von der Fruchtbarkeit jenes Landes, das sie einst besitzen werden, Ueberzeugung verschaffen zu können. Die Auskundschafter, mit Ausnahme von Kaleb und Josua, jedoch, die mit dem Vorsatz abgiengen, bei ihrer Rückkunft das Volk aufzuwiegeln, zu verhetzen, die niedrigen Leidenschaften desselben wachzumfen, um dem edlen Führer Moses Unannehmlichkeiten bereiten zu können, spielten bei ihrer Heimkehr eine drollige Rolle. Anfangs berichteten sie im Sinne Moses'. ״Wir sind gekommen in das Land, dahin Du uns sandtest, es ist ein treffliches Land, das von Milch und Honig fließt, und dieses ist seine Frucht; jedoch efes, das Volk welches darin wohnt, ist mächtig, stark und kräftig, Riesengestalten haben wir dort gesehen". Moses mochte wohl von diesem ersten Theile des Berichtes vollkommen befriedigt gewesen sein, allein das Volk, das den eigentlichen Zweck der Sendung nicht kannte, war von dem verhängnisvollen zweideutigen Nachsatze efes ki 08 hoom nicht sehr erbaut, es glaubte, aus demselben, wie es wohl die Auskundschafter beabsichtigten, entnehmen zu müssen, dass dieses Land der Riesengestalten wegen, die darin wohnen, unbesiegbar sein werde, daher diese große Verzweiflung. Als der wackere Kaleb die Aufregung im Volke merkte, beruhigte er dasselbe gegen Moses, ־״wajahas Kaleb es hoom 61 Mosche״, indem er der lärmenden Menge den eigentlichen Zweck, den Moses durch die Entsendung der Auskundschafter zu erreichen beabsichtigte, klar und deutlich dargelegt und nachgewiesen, dass gerade das, was sie für einen Nachtheil halten, der größte Vortheil sei, denn in einer ungesunden Gegend sindet man keine Riesen-, sondern verkrüppelte, krankhafte und verkümmerte Gestalten. ״Olau naale. Wir können immerhin hinaufziehen, ohne Furcht und ohne Schrecken dürfen wir es wagen, das uns von Gott verheißene Land in Besitz zu nehmen, wir werden uns dessen schon bemächtigen." Als nun die schlauen Auskundschafter merkten, dass ihre diplomatischen Kunstgriffe, wie ihre zweideutige Sprache von Kaleb und Josua durchblickt und sie selbst daher entlarvt wurden, mussten sie Farbe bekennen und sich in ihrer wahren scheußlichen Gestalt zeigen. Sie nahmen nämlich zur Lüge und Verleumdung ihre Zuflucht. Jetzt erst heißt es wajauziu dibas hoorez, sie überbrachten falsche, sich widersprechende Nachrichten von dem Lande, das sie erkundeten. Bald sagten sie ״das Klima jenes Landes ist ein höchst ungesundes, ein schädliches, erez ocheles jauschweho hi, es verzehrt und vernichtet seine Bewohner, denn wir.haben lauter krankhafte Gestalten und Todtengräber gesehen", bald sagten sie wieder: ״Alle Leute, die wir dort gesehen, sind von großer Statur". Durch dieses freche, lügenhafte Benehmen haben sie sich selbst gerichtet, daher sie für ewige Zeitenals Verleumder, Aufwiegler und Rebellen gebrandmarkt wurden.. Kieme Chronik. Wien. Dienstag den 14. d. M. ist Frau Josefine L ö w y, die Mutter des Redacteurs der ״Cantoren-Zeitung", Dr. Löwy, und Schwiegermutter des Herausgebers Obercantor Bauer, nach kurzem, schweren Leiden im 71. Lebensjahre gestorben. Die Verblichene, mit allen Tugenden einer Escheth chajil ausgestattet, erfreute sich in Freundes- und Verwandten kreisen außerordentlicher Beliebtheit und demgemäß war auch die Theilnahme am Leichenbegängniße eine sehr zahlreiche. 1 Unter den Trauergästen bemerkte man den . Präses der türkischen Gemeinde, Herrn Marcus M. Russo, den ersten Vorsteher, Herrn Lico Adutt, Herrn Obercantor Singer u. Ä. m. Die Trauerfunction im Hause und am Friedhofe versah Herr Cantor M. Blatt in wahrhaft ergreifender und erschütternder Weise. Das Quartett des türkischen Tempels unter Leitung des Chordirigenten Löwit brachte an der Bahre der Verblichenen den üblichen Trauer- Psalm zu höchst wirksanrem Vortrage. ת״ניצ׳ב״ה Nerrbidschow, 13. Juni. In hiesiger Stadt hat gestern ein Jubelfest stattgefunden, wie ein solches wohl selten in einer Stadt mit nationaler Strömung vorgekommen ist. Der allgemein hochgeachtete Humanist und Wohlthäter, der Cultusvorsteher und Fabriksbesitzer, Herr I. Bergmann, feierte gestern. Triumphe und erhielt Ovationen, die nicht so bald einem Israeliten weder auf dem Lande noch in der Stadt zu Theil werden. Die großen Verdienste, die Herr Bergman um das Armenwesen der hiesigen Stadt