Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 17 (21.6.1892)
- Date
- 1892-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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(Beite 4. Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 17 und über das Gewürme und über die Fische." Dieser Vers darf nämlich meines Dafürhaltens als Commentar zu dem vorhergehenden betrachtet werden, welcher erzählt: ״Salomo redete3000 Maschal", denn diese 3000 Mascha! ganz und gar mit den Proverbien zu identisiciren, verbietet schon die Zahl der letzteren, die sich nur auf 915 belaufen. Mögen aber immerhin diese unter den ersteren mitbegriffen sein, so bleiben doch noch mehr als 2000 Meschalim übrig, die, weil sie nicht in die Proverbien ausgenommen worden, in der Art von diesen verschieden gewesen sein müssen. Diese Verschiedenheit näher zu charakterisieren, muß nun der angezogene Vers dienen, indem er diese Gleichniße als solche bezeichnet, in welchen Pflanzen und Thiere eine Nolle spielten, und sie somit als Fabeln kenntlich macht. Doch selbst wenn der betreffende Vers nicht eine Erklärung des vorhergehenden Verses enthalten, sondern, wie viele Commentatoren ‘ behaupten, berichten sollte, dass Salomo über Pflanzen und Thiere im naturhistorischen Sinne geredet und ihre therapeutischen Eigenschäften klar gelegt habe, so ist man doch berechtigt, mit Bestimmtheit anzunehmen, dass sich unter den 3000 Mascha! auch Fabeln befunden haben. Die Berechtigung zu dieser Annahme gibt uns einerseits das Wort Mascha! selbst, das als Bezeichnung ,sowohl für Gleichnis, wie für dessen verschiedene Unterabtheilungen, Sentenz, Allegorie Parabel und Fabel gebraucht wird, andererseits aber der Umstand, dass die Fabel schon lange vor Salomo bei den Juden heimisch war. Ein Zeugnis dafür bietet die Fabel von den Bäumen, welche sich einen König wählen wollten, die ungefähr zwei Jahrhunderte vor Salomo, Gideons Sohn, Jotham, den Bürgern von Sichem erzählt.*) Bedenkt man ferner, dass die Fabel den Zweck hat und *) Richter 9, 8 ff. Ich habe hier nicht auch aus die Fabeln vom Dornbüsche hingewiesen, der für seinen Sohn um die Hand der Ceder bei deren Mutter wirbt (II. Kön. 14, 9), weil diese Fabel erst von ׳ Jehrasch, dem Könige Israels, also circa 160 Jahre nach Salomo ״In der schönen, stille« Maiennacht." Eine wahrhafte und erbauliche Geistergeschichte. Von Ernst Rübenstein: - (Fortsetzung), ״Ein Mensch! ein Jude!" heulte, schrie, zischte, brummte und pfiff es wild durch einander. Die antisemitische Gesellschaft, im Begriff sich auf mich zu stürzen, wurde durch einen gebieterischen Wink der Königin zurückgehalten. ״Mensch, Du hast es gewagt, in das Reich : der Geister einzudringen! Du musst sterben!" Ich wollte gegen solch' uncultivirtes summarisches Verfahren Einspruch erheben. Da fuhr mir ein ״Fuchsschwanz"*) unwirsch über den Dttind. Gleichzeitig begann der Höllenspectakel aufs Neue; es wurde hin und wider gestritten, auf welche Weise ich ins Jenseits zu befördern wäre. Ein alter Schöpfbalg schlug vor, mir die Luft auszupumpen, wogegen sein *) Der ״Fuchsschwanz" gehörte zu den Schnurpfeifereien an alten Orgeln. Er hätte den Zweck, neugierige Personen vom Orgelchor zu verscheuchen und bestand aus einem wirklichen Fuchsschwanz in einer Röhre. Kam eine missliebige Person in die ״Schusslinie", so zog der Organist ein bestimmtes Register. Der Fuchsschwanz, von den Calcantenjungen tüchttg mit Mehl eingepudert, fuhr mit Kraft hervor und jagte dem Gettoffenen einen gelinden Schrecken ein. Deiuxora mutantur! — Ein nettes Register war das ״Hummclchcn". War irgend ein Bäuerlein während der Predigten eingeschlafen und schnarchte melodisch, so zog der Organfft über einen Wink des Herrn Pastors, oder aus eigener Jnittattve das Register. Das enfftandene Geräusch weckte entweder den Schläfer oder machte dessen Nachbar aufmerksam. durch ihre anziehende Weise auch gar sehr dazu geeignet ist, eine gewisse Lebensklugheit zu verbreiten und allgemeine moralische Sätze dem Volke zur anschauenden Erkenntnis zu bringen, so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass sich unter Salomos 3000 Mascha! auch Fabeln befanden. Nachdem die Frage nach der Beschaffenheit der ׳vielen Meschalim des Koheleth, so weit diese mit der Fabel im Zusammenhange stand, beantwortet ist, sei hier angemerkt, dass Hitzig in seinem Commentar zu den Sprüchen Salomos, Zürich 1858, die Vermuthung äußert, es habe eine alte, Salomo zugeschriebene erzählt wird. Auch die Geschichte von dem armen Mann, der ein einziges Schäfchen, und dem Reichen, der viele Schafe und Rinder besaß, die der Prophet Nathan dem Könige David, also noch vor Salomo, erzählt, (Sam. II. 12, 1) konnte hier nicht als Zeugnis angeführt werden, weil diese Geschichte keine Fabel, sondern eine Parabel ist. Nach Lessings Definitton von der Fabel und Parabel wäre freilich auch diese Erzählung eine Fabel, wie er sie folgerichtig mit dem Beisatze ״eine menschliche", in der That auch nennt. Lessing ° schreibt nämlich ״Von dem Gebrauche der Thiere in der Fabel" das. ״von dem Wesen der Fabel": ״Wenn ivir einen allgemeinen moralischen Satz auf einen besonderen Fall zurückführen, diesem besonderen Falle die Wirlichkeit ertheilen und eine Geschichte daraus dichten, in welcher man, den allgemeinen Satz anschaüend, erkennt, so heißt diese Erdichtung eine Fabel." Ferner erklärt er-daselbst: Der einzelne Fall, aus welchem die Fabel besteht, muß als wirklich vorgestellt werden. Begnüge ich mich an der Möglichkeit derselben, so ist es ein Beispiel, eine Parabel. Herder unterscheidet die Parabel von der Fabel dadurch, dass in ihr Scenen aus dem Menschenleben vorgestellt werden, während die letztere ihren Stoff aus. der Thier- und Pflanzenwelt entlehne. Nach anderer Meinung besteht der Unterschied zwischen Fabel und Parabel nur in der Tendenz ״die Fabel will Unverstand und Jrrthum beschämen und ist daher von Haus aus satyrisch, vermöge welcher Anlage sie auch der Ausbildung zum Thierepos fähig war. Die Parabel will eine Wahrheit, und zwar meistens eine -recht wichtige Wahrheitaus der Sittenlehre veranschaulichen." (Babrios von Hartung, Leipzig.) Nachbar, ein riesiger Magazinbalg es als sein gutes Recht beanspruchte, mich mit comprimirter Lust zu sprengen. Löwe*), Bär, Adler, Kuckuck, Hummel, Nachtigall, auch der Bock brüllten und kreischten durcheinander, dazwischen krähte der Hahn*), lärmten Gewitter- und Donnerzüge und über allen schwebte als Dirigent des überirdischen Orchesters der ,/Engel mit dem Tactstock"*): Eine riesige 32füßige Prinzipalpfeife meinte kurzweg: ״Schlagt den Juden todt!" Die Königin klingelte mit einer Calcantenglocke und stellte die Ruhe wieder her. Ich erklärte meine unfreiwillige Anwesenheit. Meinen Rapport erstattete ich schlauerweise derart, dass er der allen Damen eigenen Eitelkeit schmeicheln musste. Ich berührte mit feiner Reserve, dass eben ihr Liebreiz mich verführt habe und machte sie auf diese Weise durch Umschreibung für meine missliche Lage verantwottlich. Etwas milder gestimmt durch mein kluges Manöver entgeguete sie: ״Eigentlich freut es mich, dass die Juden eine solch' musikliebende Nation sind; auch recht opferwillige Leute sind sie, da sie, wie Er berichtet, keine Kosten scheuen, um ihre Gotteshäuser zu würdigen Stätten des Gottesdienstes zu gestalten!" ״Der Kostenpunkt behufs Beistellung eines Instrumentes zum gottesdienlichen Gebrauche spielt auch wirklich keine so bedeutende Nolle. Zumeist stoßt die Einführung der Orgel auf den Widerstand der Orthodoxen, welchen dieses als ״christliches" Instrument ein Gräuel ist!" »Ja, ja", meinte die Orgel, ״alles wiederholt sich im Laufe der Zeiten. Als vor etwa 800 Jahren die Orgel in der Kirche Eingang finden sollte, erhob die orthodoxe Geistlichkeit gegen diese *) Alte ׳Registerzüge.