Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 17 (21.6.1892)
- Date
- 1892-06-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453241-3453258--3487-3457848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17 Gcsterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 3. »nächtig das möglichst Beste anstrebend, in alle Theile der Welt verzweigt, die ganze Judenschaft zu einem unauflöslichem Bunde vereinigend. Wenn sein Wirken im Aufbaue solch' wichtiger Bauten auch nicht officiell anerkannt wurde — außer in den Grabreden letzten Sonntag — so war doch sein Name nicht ganz aus dem Geschäftsleben der Alliance ausgeschlossen. Er erschien hin und wieder in Verbindung mit einer mehr als mühevollen Abhandlung, die im jährlichen ״Bulletin" veröffentlicht wurde, wie der Artikel über die Chaluca, welcher im ersten halbjährigen Bericht für 1880 erschien, oder die erschöpfende Schrift über ״L’Espagne et les Juifs, veröffentlicht im Jahresberichte für 1887. Doch diese Beiträge gewähren keinen genügenden Ueberblick seiner ausgebreiteten litterarischen Thätigkeit während seines Amtes. Neben der Ausgabe und mühevollen Bearbeitung der monatlichen und halbjährigen Bulletins, sammelte er stets, ordnete und schlichtete die Statistik und Begebenheiten in Bezug auf die jeweiligen Zustände der Juden in der ganzen Welt. Diese Sammlungen verschafften der Alliance ein Intelligenz-Bureau von größtem Nutzen. Um ihren Werth zu erhöhen, widmete er unermüdlich Fleiß und Geduld der Vereinsbibliothek, die vom sel. Mr. L. M. Rothschild gegründet wurde, und die jetzt, was praktische Zwecke betrifft, eine der besten jüdischen Bibliotheken der Welt ist. Diese Sammlungen wurden stark benutzt zum Werke, das er auf Wunsch der Gesellschaft 1877 Über ״La Situation des Israelites en Turquie en 8erdie et en Romaine" veröffentlichte, welches das claffische Werk für die orientalischen Juden ist. Das letzte Jahr bereitete er ein anderes Werk über die Juden Rußlands vor, doch trägt das Titelblatt unerklärlicher Weise nicht seinen Namen. Es ist merkwürdig, wie er, eine so schwere Bürde, die ihm das Secretariat in der Rue de Trevix auferlegte, tragend, noch Muße zu anderen Unternehmungen finden konnte. Doch der geschäftigste Man»» hat irmner die »neiste Muße, und Isidor Loeb war der lebhafteste Beleg für diesen Grundsatz. Er war Professor der jüdischen Geschichte am Seininar, und zur Zeit, da er starb, Vorsitzender der Societe des Etudes Juives. Er war auch einer von den Hauptförderem der neu aufblühenden Interessen an jüdischer Forschung, die das letzte Viertel des Jahrhunderts kennzeichneten, und seine geschichtlichen und wissenschaftlichen Forschungen waren ein wichtiger Beitrag zur zeitgenössischen jüdischen Litteratur. Wäre er am Leben geblieben, er würde wahrscheinlich ein bedeutendes Werk' verfasst haben, das seinen Namen unter die clasfischen jüdischen Schriftsteller eingereiht hätte. Seine selbstständigen Werke enthalten eine erstaunlich gelehrte Sammlung von Tabellen zur Berechnung der Uebereinstimmung jüdischer und christlicher Daten, nebst einer Einleitung, und französischen, deutschen und hebräischen Anmerkungen; eine herrliche Biographie des Philanthropen Albert Cohn (Paris 1878), einen romantischen Bericht .über ״En proces dans 1a famille des Ibu Tibbon" (Paris 1886), der zwei Auflagen erlebte und in der St. Jame's Gazette lobend besprochen wurde, uud eine geistreiche Flugschrift über ״Le jiiif d’liistore et 16 juif de la Legende" (Paris 1890). Seine werthvollste Arbeit jedoch ist in Encyclopädien und Magazinen begraben. Einiges davon wurde ausgegraben und neu gedruckt,׳ zu privater Verbreitung. Unter diesen Papieren sind die Artikel ״Juifs", geschrieben für Vivien de Saint-Martin’s, ״Dictionnah e Universel de Geographie", der meisterhafteste Berichtder bisher über Modems Juden geschrieben und von Dr. Grünwald ins Deuffche übersetzt wurde; ״La chaine de la Tradition dans le Premier Chapitre des Pirke Abot", ein Beitrag der religiösen wissenschaftlichen Section der ״Bibliotheque des Hautes Etudes" und ״La Controverse Religieuse entre les Chretiens et les Juifs au Moyen Age", welches ursprünglich in der Revue de l'Histoire des Religions erschien. Er war ein unermüdlicher Mitarbeiter der Revue des Etudes Juives. Außerdem besprach er beinahe alle neuen Bücher, die jedes Quartal in einer unschätzbaren Bibliographie angekündigt wurden, er schrieb zahlreiche geschichtliche Artikel, Hauptsächlich aus der spanisch-jüdischen Geschichte, an der er besonderes Interesse fand. Es ist zu wünschen, dass eine Sammlung dieser Artikel neu aufgelegt wurde. Sie werden eine schätzenswerche Bereichemng jeder jüdischen Bibliothek bilden. Mr. Loeb unternahm in Angelegenheiten der Alliance oft Reisen. Er begab sich zu den Schulen im Orient und besuchte zweimal England. Seine Gelehrsamkeit und Liebenswürdigkeit sicherten ihm überall einen herzlichen Empfang und in inanchen Ländern erwarb er sich die Freundschaft vieler hervorragender Männer. Das Begräbnis fand Sonntag unter zahlreicher Betheiligung statt. Dabei wurden einige Reden gehalten, eine vom Oberrabbiner Zadoc Kahn, eine von M. Leven im Namen der Alliance Israelite, eine dritte von M. Theodor Reinach für die Societe des Etudes Juives und eine vierte vom Oberrabbiner Lehmann im Namen des israelitischen Seminars.*) Urber dir Fabel bei de« Jude« nebst einigen Uebersetzungen der Nisollls Schualim, Fabeln der Füchse, des Rabbi Berachja bar Natrony Hanakdan. Von A. Stein, Taus. Je weiser Koheleth war, je mehr lehrte er Erkenntnis und erwog und forffchte: er v erfertigte viele Meschalim. Kohel. 12, 9. In diesem Verse ist der Schlußsatz nicht mit dem vorhergehenden Texte durch ״und" verbunden und soll die Art und Weise des Unterrichtes, die Methode angeben, deren sich Koheleth bediente, um das Volk zu belehren. Die vielen Meschalim die er verfertigte, werden hier als Canal bezeichnet, durch welchen Koheleth die Erkenntnis und das, was er erwogen und erforscht hatte, dem Volksgeiste zuzuführen bemüht war. Von welcher Beschaffenheit waren aber diese Meschalim? Koheleth nennt sich Sohn Davids, König in Jemsalem; sogleich ertheilt zunächst die Spruchsammlung, die den Namen Salomos, des Sohnes Davids, Königs von Israel an der Stirn trägt, Antwort auf diese Frage. Die Mischle Schlomoh, die Proverbien, die geschrieben wurden, ״um Weisheit und Zucht zu erkennen, die Aussprüche der Vernunft zu verstehen" u. s. w. sind ein integrirender Theil jener vielen Meschalim Koheleths; sie lehren in Gegensätzen, Vergleichungen und Bildem oft spielend und räthselnd eine erfahrungsmäßige Lebensklugheit und erfüllen den Geist mit Gedanken einer lauteren, lebendigen Sittenlehre. Eine weitere Lösung jener Frage finden wir in Könige o, 13, wo von Salomo berichtet wird: ״Er redete über die Bäume von der Ceder auf dem Libanon bis zum Mop, der aus der Mauer wächst, er redete über die Thiere und die Vögel *) Aus dem ״Jewish World" übersetzt von S> Glase r, Jungbunzlau.