Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 16 (11.6.1892)
- Date
- 1892-06-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453241-3453257--3480-3457840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 16 Vesterreichisch-ungarischc (Lantoren-Zeittcng. Seite 5. die Bescheidenheit mit besonderem Nachdrucke hervorzuheben wehoiseh Mosche onov meod? Warum also erschrak Moses gar so sehr, als er Josuas Bescheidenheit bemerkte? Und wenn die Auskundschafter solch' gemeine Charaktere, erbärmliche Individuen gewesen, warum hatte Moses gerade sie gewählt? Es lag doch in seiner Macht, sich die Männer nach seinem Gutdünken auszusuchen. ״Schlach leeho‘*' lautete ja der göttliche Nuf an ihn: ״Du kannst nach Deinem Belieben Männer absenden, nur kaul Nosi hohem müssen es lauter angesehene, ehrenwerthe, achtbare Persönlichkeiten sein. Und worin bestand denn das große Verbrechen der Auskundschafter, dass sie auf ewige Zeiten gebrandmarkt wurden? Etwa darin, dass sie den Muth gehabt, ihren Wahrnehmungen und Ueberzeugungen unerschrocken Ausdruck zu verleihen? Sind sie denn nicht Niesen, stattlichen Figuren, kräftigen Menschen in Kanaan begegnet? Haben sie keine Festungen dort gesehen? Haben sie nicht die günstigsten Nachrichten über die Fruchtbarkeit des Bodens, wie über die treffliche Prosperität der Vegetation überbracht? Diese Fragen näher zu beleuchten soll die Aufgabe des Nachfolgenden sein. Wenn wir den eigentlichen Zweck, der durch die Auskundschastung erreicht werden sollte, näher ins Auge fassen, so gewinnen wir die Ueberzeugung, dass es ein edler, erhabener und echt humaner gewesen ist. — Man würde sich einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn man der Ansicht Raum geben möchte, dass die Auskundschafter abgeschickt wurden, um Spionage zu treiben, um die Schwächen und Mängel jenes Landes und Volkes keimen zu lernen und zu erkunden, von welcher Seite dieses Land am leichtesten angegriffen werden kann. Das hieße ja gegen alle Völkerrechte handeln. Nicht nur in unserer aufgeklärten, cultivirten Zeit, sondem auch in grauer Vorzeit war jede Art Spionage verpönt. Spione galten selbst im Alterthume als die verächtlichsten, gefährlichsten und schädlichsten Menschen. Als Josef von seinen Brüdern in Egypten besucht, aber nicht erkannt wurde, fand ec für den ersten Monienr kein drastischeres Mittel ihnen, die ihn schonungslos dem Vaterherzen entrissen, Schrecken einzuflößen, als indem er sie für ״Auskundschafter", ״Meraglim“ hielt. ״Ihr seid Spione, Ihr seid ins Land gekommen, um die Schwächen desselben kennen zu lernen". Sie aber, die weit entfernt waren Spionage zu treiben, antworteten mit Muth und Entschlossenheit: ״Wir sind ehrliche und redliche Menschen, die sich nie im Leben mit dem schändlichen Gewerbe der Spionage befasst haben." — (Schluss folgt.) Kleine Chronik. Wien. Bei seinem jüngsten Rundgange in der Ausstellung, widmete Se. Majestät der Kaiser den in der historischen Abtheilung ausgestellten hebräischen Musik-Alterthümern besondere Aufmerksamkeit. In der Eolleetion des Obercantor Birnbaum, Königsberg, sind auch zwei Schofar enthalten. Se. Majestär fragte nun, ob diese rituellen Instrumente auch authentisch seien, was von Herrn Professor Adler bejaht werden konnte. In derselben Abtheilung befinden sich auch die Manuscripte der sephardischen Synagogengesänge von Ober-Cantor Bauer und Chordirigent Löwit in Wien, die auf Veranlassung des Herrn Professor Adler der Ausstellung einverleibt wurden. Wien. (Neue Cultusgemeinden). Laut Erlasses der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei vom 2. Mai 1892 Z. 26884 hat der provisorische Cultusgemeinde-Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Mödling mit 1. Mai 1892 seine Amtswirksamkeit begonnen. Hievon geschieht zu Folge der Note des löblichen Magistrates der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien vom 26. Mai 1892 G. Z. 90523/III. die Verlautbarung. — Die provisorischen Cultusgemeinde-Vorstände der israelitischen Cultusgemeinden Waidhofen an der Thaya und Neunkirchen haben ihre Amtswirksamkeir am 20. März resp. am 8. April d. I. begonnen. Hievon geschieht zu Folge Erlasses der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei vom 14. April 1892 Z. 24336 die Verlautbarung. — Der provisorische Cultusgemeinde- ׳ Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Tulln hat seine Amts- ״Wie — was?" — ״Na, halt verrückt. Anfängen thuts mit dem hartverminderteu Dreiklang auf der siebenten Stufe, gleich darauf ein Sextaceord auf derselben Stufe mit großer Sext — dös gibt's not!" ״Hm — ja — ich verstehe, wie Sie das meinen — ja — die große und die harte Sext — ja, ja — ich weiß; aber das hier ist unsere Synagogenmusik!"— und als Illustration sang er eine höchst einfache Melodie vor." Der Organist capirte sofort und begleitete den Sänger nach dem Gehör. Dieser rief eifrig: ״Nun das ist's ja, so steht's geschrieben!" ״Nee, so steht's nöt. Aber ich versteh' jetzt die G'schichte: Sie wollten von F nach E transponiren und haben halt die ursprünglichen Versetzungszeichen steh'n lassen, weils halt nöt g'wusst hab'n —" ״Was Hab' ich nicht gewusst? Wie dürfen Sie mir sagen, ich versteh' keine Musik? Ich habe das Conservatorium absolvirt! Wissen Sie's, Sie —!" Da der Spieler nichts kannte, so versuchte man es mit einem zweiten. Um aber einen günstigeren Erfolg zu erzielen, beschloß der Herr Obercantor jenen vorerst genau zu instruiren. Er gieng deshalb mit ihm ״selband" in die Synagoge. Die Enthüllungen, welche ich da zu hören bekam, waren durchaus nicht angethan, meine Achtung vor dem ״musikalisch gebildeten" Obercantor zu erhöhen — Schwamm b ■rüber! Genug: Dieser ließ den Organisten schalten und walten nach Belieben. Er musste es stillschweigend geschehn lassen, dass der ״Augiasstall" (so nannte der Mann das Chor) gereinigt und das Chorpersonale decimirt wurde. Unter den Gemaßregelten befand sich auch die bisherige Solistin, des Herrn Vorstehers Töchterlein; sie rrmsste einem zweigestrichenen h im bescheidenen Kleide Platz machen. Der Mann verstand seine Sache; aber der ״Frau Vorsteherin" gefiel sein Spiel nicht. ״Was er nur immer so melancholische Lieder spielt? Wahrscheinlich kann er nichts aus ״Troubadur" oder einer anderen klassischen Operette!" Haranguirt und intriguirt, empfahl sich der ungeschickte Musikus, um einem Nachfolger Platz zu machen, der sich mit dem Hochzeitsmarsch aus dem ״Sommernachtstraum" einführte. Fräulein Vorsteher wurde vollständig rehabilitirt: Zur Primadonna ernannt, sang sie wiederum ihre ״Soli", und da ihr Organ für derartige Kunstleistungen nicht eingerichtet war, so mussten die bezüglichen Pieren dm sanglichen Fähigkeiten sich bequemen. Da wurde so lange tranponirt und punctirt bis zur vollkommenen Unkenntlichkeit des Originals. Bei all' dem Jammer befand sich das Publikum ganz ״mollig" in seinem Element. Wenn die gottesdienstlichen Walzerrhythmen vom Stappel gelassen wurden, wiegte sich die korpulentliche Frau Vorsteher entzückt vom Gesäuge ihres Töchterchens hin und her. Der Herr Vorsteher äugte wie ein verzückter Karpfen von seinem Ebrensitze empor zur theueren Sarah. Infolge ״höherer Inspiration" wogte auch er hin und her; die Bewegung pflanzte sich wellenförmig fort, und bald wackelte die fromme Gemeinde einmüthig im flotten 3jJLatte. Am höchsten stiegen die Wogen der Begeisterung an Festtagen, wo regelmäßig ein lustiger Marsch ״aufdrah't" wurde. Fräulein Vorsteher brachte es stets bei dieser Gelegenheit bis zum hohen ״Mäh". Schade, dass mir der Name des Componisten entfallen. Er gemahnt an ein Städtchen, bekannt aus den Husittenkriegen. Wie heißt es denn gleich im Volksliede: Die Hussitten zogen vor —" ״Naumburg" platzte ich heraus. (Fortsetzung folgt.)