Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-06-11 · Heft 16 (11.6.1892) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 16 (11.6.1892)
Date
1892-06-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/1304829-3453241-3453257--3478-3457838
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'Nr. 16 Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeituntz. Seite 3 wird man nicht irre gehen, in der Vermuthung, dass Böhm seine - -Wohnung aus practischen Gründen nahe an seinem Theaterlokal gewählt habe. Auch die einst veröffentlichte Mittheilung, dass Mozart in einem Dachstübchen der früheren Adlerapotheke, Ecke der Tönges- und Hasengasse, gewohnt habe, wird hierdurch hinfällig. Diese als verbürgt erklärte Nachricht reducirt sich wohl nur darauf, dass einer der Musiker der Wiener Capelle daselbst gewohnt hatte und von Mozart besucht worden war. Mozart war also wohl in dem Dachstübchen gewesen, aber er und sein Schwager konnten, so bescheiden sie auch dachten, in einem so engen und hochgelegenen Zimmerchen nicht drei Wochen lang ausgehalten haben. Das Haus in der Kalbächergasse ehemals E 167 hat jetzt die neue Nummer 10 und ist die wohlbekannte Bäckerei der Firma Joh. Friedr. Schwarz. Zu Mozart's Zeit hieß das Haus ״Backhaus" und der Eigenthümer desselben auch schon Schwartz. Sollte es für die Mozartverehrer nicht eine schöne Aufgabe sein, dieses genannte Haus niit einer entsprechenden Gedenktafel zu versehen und so die Erinnerung an des herrlichen Meisters letzten Aufenthalt dahier zu erhalten? Das Mosthai. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. XXV. 76. ״Ehre den Gelehrten, wenn er auch in Folge seines Alters sein Wissen vergessen hat." (Berach. 8.) Man ehrt gewohnlich einen Gelehrten, so lange er im Amte thätig, so lange er leistungsfähig ist; wird er aber durch Alter und Gebrechlichkeit zu leisten unfähig, so vergisst man seiner, Niemand schenkt ihm Aufmerksamkeit, er ist ein lebendig todter Mann, was höchst unreligiös und auch undankbar ist. Dieses wird damit begründet, dass auch die Bruchstücke der von Moses zerbrochenen Bundestafeln in der Bundeslade aufbewahrt wurden. 77. ״Bier Dinge können das über den Menschen verhängte Unglück abhalten: Wohlthätigkeit, Gebet, Aenderung des Namens und Aenderung der Handlungsweise." (!Rösch. haschana 16.) Aenderung des Namens bedeutet, sich einen besseren Namen erwerben. Als Symbol der öffentlichen Neue mochte wohl die wirkliche Namensänderung gelten; daher die frühere Sitte bei den Juden, schwer Erkrankten einen neuen Vornamen dem früher geführten beizulegcn. 78. ״Es wird der Mensch niemals einer schlechten That verdächtigt, wenn er sie nicht ganz oder theilweise verübt hat." (Moed katan 18.) Man beschuldigt eines Vergehens selten einen Menschen ganz ohne Grund. ״Vox populi, vox dei." Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes, lautet ein bekannter Spruch. ״Span dran", lautet ein jüdisch-deutsches Sprichwort. 79. ״Wer den Tod eines frommen Mannes beweint, den! werden seine Sünden verziehen". (Lad. 105). In der Trauer liegt eine Anerkennung der Tugend, auch die Absicht der Besserung, dem frommen Manne ähnlich zu werden, ihn als Muster und Vorbild anzuerkennen. - 80. ״Wer Gerstenbrot essen kann und Weizenbrot isst; wer Bier trinken kann und Wein trinkt, macht sich der Uebertretung des Gebotes ״der unnützen Zerstörung von Sachen" dal taschchis schuldig." (Sabat 140.) Dieser Spruch deutet wohl auf Genügsamkeit, Sparsamkeit und Anspruchslosigkeit hin, das sind gewiss schätzbare Tugenden, nur dürfen sie nicht in Geiz ausarteu, und darf dadurch die körperliche Gesundheit nicht gefährdet werden. Für unser Zeitalter, in dem wir leben, ist dieser Spruch nicht anwendbar. Andere Zeiten, andere Sitten. 81. ״Wenn die Jungen dir sagen: baue auf! und die Alten dir rathen: reiße nieder! so folge den Alten; denn das Aufbauen der Jungen ist zerstörend, und das Einreißen der Alten ist Aufbau." (Nedarim 40.) Die Jugend ist leichtsinnig, unerfahren, unüberlegt, das Alter ist das Gegentheil, daher dessen Nath und Urtheil eher zu befolgen ist. Als Beispiel wird angeführt der König Rechabeam, welcher den Nath der Alten verließ und auf seine Jugendfreunde hörte, was zu seinem Unglücke führte. (1. Kön. 12.) 82. ״Liebe geht über das Maß hinaus, auch Hass geht über das Maß hinaus." (Sanhedr. 105.) Liebe und Hass sind entgegengesetzte Eigenschaften, und diese beiden Extreme berühren sich darin, dass sie beide das Maß überschreiten und von der goldenen Mittelstraße ablenken. So lehrt auch der weise Salomon: ״Liebe bemäntelt alle Vergehungen" (Spr. 10, 12.) Die Liebe macht blind, eben so der Hass. 83. ״Der Mensch sündigt nicht, wenn ihn nicht ein Irrwahn bethört." (8ota 3.) Die Sünde ist nicht blos eine Verirrung des Herzens, sondem auch der Vernunft, denn nur was gut ist, ist vernünftig; daher jedem moralischen Fehltritt eine geistige Verirrung Vorgehen müsse. 84. ״Man soll nicht rasch in die Wohnung des Nachbars emtreten." (Pesaeh. 112." Das Anklopfen an der Thüre vor dem Eintritt in die Wohnung eines Andern ist eine alte Sitte, die ihre volle Berechtigung hat. Die Hausleute können durch die Ueberraschung leicht in die größte Verlegenheit gebracht werden. Man soll aber auch die Antwort ״Herein!" abwarten. 85. ״Wer auf den Verdienst seiner Frau warten muß, sieht kein Zeichen des Segens aus der Welt". (Pesaeh. 50.) Da ist das Weib nicht nur Frau, sondern auch Herr im Hause. Was ist dann der Mann? Nichts, eine Nulle, da herrscht nur Unfriede, Zank und Streit, und auch die Erziehung der Kinder leidet dabei. Das Weib im Haus, der Mann drauß'. 86. ״Willst Du Dich aufhängen, so hänge Dich an einen großen Baum". (Pesaeh. 112.) Man könnte wohl glauben, dass dieser Spruch zutreffend ist, dem ist aber nicht so. Unsere Schriftgelehrten haben gern in Bildern gesprochen, es ist das eine orientalische Methode. Der Sinn dieses Spruches ist folgender: Willst Du, dass Deine Ansicht gut und mit Beifall ausgenommen werde, so berufe Dich auf einen großen Namen, auf eine anerkannte Persönlichkett, auf eine Autorität. 87. ״Die Gemeinde wähle einen Vorsteher, dem ein Korb voll eckelhaften Geschmeißes vom Rücken herunterhängt". (Joma 22.) Der früher viele Fehltritte gemacht hat, nun aber durch seine Bekehrung würdig und mackellos dasteht. Ein solcher übt Nachsicht gegen die Fehler Anderer; auch kann man ihn an sein Vorleben erinnern, wenn er gar zu stolz thut. So lautet ein altjüdisches Sprichwort: Eher kann einer kein Moebiarh sein, bis er nicht alles Böse angestellt hat; er geht dann mit Vorsicht und Nachsicht zu Werke. 88. ״Siehest Du einen Schüler, dem das Lernen schwer fällt wie Eisen, so trägt auch der Vortrag des Lehrers daran Schuld". (Taams 8.) Es kommt viel auf den Umgang des Lehrers mir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.