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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-06-11 · Heft 16 (11.6.1892) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 16 (11.6.1892)
Date
1892-06-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 16. Rabbiner Amnon, der das herrliche und ergreifende ונתנה תוקף verfasst haben soll, poetisch bearbeitet. In dem jüngsten Hefte der Monatsschrift Osvefca*) (Aufklärung) veröffentlichte er ein beherzigenswerthes Gedicht unter dem Titel: Na sfcare zidovskem rbiitove (Auf dem alten jüdischen Friedhof). Natürlich ist der Prager Friedhof damit gemeint. Wir veröffentlichen das vollständige Gedicht in Dr. A. Brüll's populär-wissenschaftlichen Monatsblättern, können uns aber nicht versagen, zum Schlüsse 3 Strophen herauszuhebm (9., 10. und 11. Strophe). 9. Der Kampf ums Dasein! O Staub Israels**) noch heut' Auch du hast Ruhe bei den Tobten nur allein, Gehetzt von neuem wie in wahnbethörter Zeit An des zwanzigsten Jahrhunderts Schwelle Schon wieder inischen Galle in den Becher dir hinein, Schon wieder bist du gemeinen Hasses Gefälle, Dass ei ne Schmach ist, zu heißen der Menschen Geselle. 10. Es konnte unsere Zeit vergessen Welch' großes Licht, wie eine Gottessäule Du allen in der Zeiten Sturm bist gewesen, Glauben nicht, die Sucht nach Gold und Lust Schlägt heute Wundm dir, speit morgen Galle, Treibt dich zurück in Zeiten, wo im heißen Wust Für Pharao Obelisken bauen du-gemusst. 11. Die Zeit, die unsre, an Scham und Liebe leer, Die alles tritt mit Füßen gar erbärmlich, In hohl System bringt und in falsche Lehr' Dass du athmen willst, leben Menschen gleich, Als Schuld dir rechnet's an — o Schuld, wie menschlich —־ Du verfielst durch sie und wohin mein Blick auch reich', Im Friedhof nur sehich ein gleich Geschick für Euch. In einer Aufforderung, zur reinen Menschlichkeit zurück-;ukehren, klingt das herrliche Gedicht aus, das aus 22 Strophen, entsprechend den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets, bestebt und auf welches in haggadischer Weise das Bibelwort ״ — (***בך בגימטריא כ״ב - אך בך אלIn d i r ist Gott״ angewendet werden darf. Womrt's letzter Airfeuttzalt i« Frankfurt. Von Dr. H. Henkel (Frankfurt). Ueber einen Tonmeister wie Mozart, der in der Geschichte der Musik einen so hervorragenden Ehrenplatz einnimmt, ist jede Mittheilung von berechtigter Wichtigkeit. Die Mozartforscher ließen es sich darum auch recht angelegen sein, jede Quelle aufzusuchen, welche über des Meisters Leben im weitesten Umfang Aufschluß geben könnte. Der emsigste, gewissenhafteste und bedeutendste unter ihnen ist wohl Otto Jahn; ihm steht in liebevoller Darstellung über den herrlichen Tonschöpfer Ludwig Meinardus am nächsten in seinem vor einigen Jahren erschienenen Buch: ״Mozart, ein Künstlerleben." Wenn in den Werken der beiden Genannten eine oder die *) Juniheft der in Prag erscheinenden Monatsschrift, Seite 513—517. •*) Auch hier vergleiche man Bileam's מי מנה עפ י" יעקב (IV. Buch Mosis, 23, Vers 10) ״Wer zählet den Sumo Jakobs V“ ***) Die 2 Buchstaben ב״ד haben den Zahlenwerth 22. andere Frage noch in Zweifel gestellt oder unbeantwortet bleiben musste, so lag dies lediglich an dem Mangel sicherer Beweise für die Wahrheit der Thatsachen. Otto Jahn unterdrückt nicht sein Bedauern, dass über den Aufenthalt Mozarts in Frankfurt zur Zeit der Kaiserkrönung Leopolds II. im October 1790 nichts Näheres bekannt sei. Das Begehen des hundertjährigen Todestages des Meisters hat nun erfreulicherweise über diesen Aufenthalt Einiges zu Tage gefördert, das wir nicht säumen wollen, zur Oeffentlichkeit zu bringen. Man weiß, dass Mozart mit seinem Schwager Hofer auf eigene Rechnung sich zur Krönung nach Frankfurt begab, Hauptsächlich in der Hoffnung, daselbst eine gute Einnahme durch Concerte u. s. w. zu erzielen, andererseits aber auch der ihm gewordenen Zurücksetzung zum Trotz, dass man ihn nicht aufgefordert hatte, sich den Musikem anzuschließen, welche als zum Gefolge des Kaisers gehörig, alle Vorzüge des unmittelbaren kaiserlichen Schutzes in Frankfurt genossen. Die beiden Reisenden kamen nach einer sechstägigen Fahrt von Wien aus in einem eigenen Miethwagen glücklich am 29. September Mittags 1 Uhr in Frankfurt an, oder richtiger gesagt in Sachsenhausen, wo sie, wie Mozart noch am selben Tage an seine Frau schreibt ״zu Tode froh waren, in einem Gasthaus dieser Vorstadt noch ein Zimmer erwischt zu haben." Dieses Gasthaus können wir unseren Lesem verrathen, es ist dasjenige ״zu den drei Rindem" und noch gegenwärtig in der Brückenstraße Nr. 26 gelegen. Mozart fährt in seinem Brief weiter fort: ״nun wissen wir noch nicht, ob wir beisammen bleiben oder getrennt werden; bekomme ich kein Zimmer irgendwo umsonst und finde ich die Gasthöse nicht zu theuer, so bleibe ich gewiss." Aber schon des anderen Tages, am 30. September schreibt Mozart an seine Frau: ״wo glaubst Du, dass ich wohne? bei Böhm im nämlichen Hause, Hofer auch. Wir zahlen 30 ft. den Monat, und das ist noch außerordentlich wenig, wir gehen auch zu ihnen in die Kost." Wer aber war Böhm und welches seine Wohnung? Ueber beides schweigt Otto Jahn. Johann Böhm war der Director der sog. ״Kurtrierischen Gesellschaft", wie die Böhm'sche Truppe hieß, und spielte mit derselben seit 1780 iii Frankfurt. Während der Kaiserkrönung 1790 gab Böhm in seinem aus Brettern erbauten Theater auf dem Paradeplatz, den! jetzigen Schillerplatz, Vorstellungen. Böhm war von Mozart ein Bekannter aus alter Zeit und mvchE wohl von ihm gleich aufgesucht worden sein. Böhm hatte Familie und deshalb eine geräumige Wohnung' inne, auch war er nicht unvermögend. Wo aber wohnte Böhm? Das sagt uns nun endlich ein in jüngster Zeit aufgefundener alter Concertzettel, nämlich der-!eilige, durch welchen Mozart zu seinem im neu erbauten Stadt- Schauspielhause stattfindenden Concert einladet. Es war für Mozart eine besondere Auszeichnung, dass ein hohdr Senat ״dem kaiserlichen Concert-Meister ohne Consequenz^auf andere Fälle gestattete", im Schauspielhaus sein Concert geben zu dürfen. Am Fuße des Zettels ist zu lesen: ״Billets find bei Herrn Mozart, wohnhaft, in der Kahlbechergasse Nr. 167 vom Donnerstag Nachmittags, und Freitags Frühe bei Herrn Cassirer Scheidweiler und an der Casse zu haben. Die Person zahlt in den Logen und Parquet 2 ft. 45 Kr., auf der Gallerie 24 Kr." Einen schlagenderen Beweis über die Wohnung Mozarts int October 1790 in Frankfurt lässt sich wohl nicht aufstellen, als es dieser Zettel schwarz auf weiß thut. Hieraus erklärt sich auch die traditionelle Annahme,' dass Mozart in der Bibergasse gewohnt habe, welche Straße ja der Kalbächergasse zunächst liegt- Ebenso

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