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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-06-01 · Heft 15 (1.6.1892) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 15 (1.6.1892)
Date
1892-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Mesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Nr. 15. Smeeten in Busch Plumps sä de Busch Js de Sapipe noch nicht good? der am Sinai stattgefundenen göttlichm Offenbarung hatte Moses jene weltbeglückenden Lehren zu verdanken, daher der Prophet Jesaias zu dem Ausrufe berechtigt war: ״Wie Deine Gesetze zur Erde kamen, lernten Gerechtigkeit die Bewohner der Welt!" Ohne Sinai keine Thora, ohne Thora keine Welt, kein Leben. Zappholt. Ein Eapitel volksrhümlicher Musikgeschichte. Von Richard v. Strele. .(Schluss.) Da die Weiden am Wasser wachsen, glaubt man sie unter den! Schutze von Wassergeistern sichend. Da wäre zuerst der rothftrumpsige Wassergeist Johann oder Hans, der, wenn man ihn mit der Pfeife lockt, Regen und anderes Unheil bringt. Grimm rheilt folgenden hierher gchörigen Spruch mit: Sa sa pipe, Upm Bcölendike Dar sit en Alan De heet Johann, De har dre rode Stöveln an. De ene Hörde mi to, De aner Hörde di to, De drudde hördem papen to. Aus einer Liedersibel bringt Rochholz den Spruch herbei: ״Zapf zapf Pfeife! Auf dem Mühlendeiche, da sicht ein Mann, der heißt Johann, der hat so röche Strümpfe an." Ein anderer Wassergeist ist der ״blinde Hesse", der namentlich in dm Ruhrgegenden angerufen wird. In dem schon oben zitirten Spruche, den Grimm mittheilt, heißt es weiter: Do kam de ole Hesse Mit enem blanken meste Sneit den Küken den Kop af, In einem andern kommt ״de voele Hesse al met de scharpe messe wold et ketjen et or afsnien!" Der blinde Hesse kommt in einem Spruche aus dem Biberthal im Arnsberg'schen vor, den Wolf's Zeitschrift für Mythologie bekannt machte. Die Kinder in der Ober-Saar rufen, wenn sie den Zweig mit dem Messer klopfen: ״Niklos, Niklos! Mach mer mine Piff los!" Sind sie soweit gekommenum es wagen zu dürfen, die Rinde abzuziehen, sagen sie: ״Hans, Hans! Loß mer min Piff ganz!" und beim weitern Herrichten endlich: ״Anne Gret! Mach daß min Piff geht!" Der Monient, in welchem die Rinde vom Holze sich löst, ist auch in der Wetterau der wichtigste: ״Dout main Paische 'n healle Krach!״ In den im Süden Deutschlands gebräuchlichen Reimen fehlen die Beziehungen zu Wassergeistern und Heiligen. Hier gilt der Satz ״und folgst du nicht willig, so brauch' ich Gewalt" und man singt dem Weidenzweige einige kräftige Drohungen vor. Der ״Pusterer Bui" schlägt mit seinem Taschenveitel dem ״Baxe" auf die Rinde und greint: Floite, Floite maj de, oder i daschnei' de, oder i daschnitz de, oder i dawichs de, wirf di anhin afs Hoechdach fällst du oahar in Bumpabach. dido, dido, zoich der Katz'n in Balk o! Das ״Durchschneiden", das ״affs Kösndach" werfen finden wir in Sprüchen aus Kärnthen, aus Tirol re. Bei Korneuburg droht der Knabe: ״Pfaifarl, Pfaifarl geh', sonst wirs i di in Schnee, sonst wirs i di in Schintagrabn, So fressen di alle Hund und Schaben!" Aehnlich lautet ein Klosterneuburger Spruch. In Regensbürg wird mit ״werfenüber'n Sei" re. gedroht. ״Zu der schöne«, Kille» Maieuuacht." Eine wahrhafte und erbauliche Geistergeschichte. Von Ernst Rübcnstein. Kuttenberg*) besitzt eine herrliche Kirche, welche an Schönheit der gothischen Bauart mit dem Prager St. Beitsdome rivalisirt. Es ist dies die altehrwürdige Kirche zu St. Barbara. Dieselbe hat eine alte Capelle, die zwecklos geworden, durch Kauf in den Besitz des Harmoniumfabrikanten I. Tusek kam und von ihm gegenwärtig als 9Niederlage für Harmoniums u. dgl. benützt wird. Im Lause der verflossenen Woche wurde ich von einem Freunde ersucht, ihm bei der Auswahl eines Jnstrunientes für seine Geuteinde behilflich zu sein, und wir begaben uns in die erwähnte Capelle. Der Besitzer machte mich besonders auf eine Orgel aufmerksam. Ich probirte das Instrument und. war von dessen Fülle und Wohllaut so überrascht, dass ich mich von demselben nicht trennen wollte. Deshalb verabschiedeten sich mein Freund und der Fabrikant von mir und gedachten, mich im Hotel zu erwarten. Ich musste längere Zeit so fortgespielt haben. Das Glockengeläute von der nahenKirche weckte mich endlich aus meinen ״Fantaseien", ich erinnerte mich an unser L,6uä62-vous und wollte gehen, aber *) Kuttenberg war bereits im Mittelalter berühmt durch seine Orgelbauten. Kuttenberger Orgeln und Kuttenberger Orgelbauer waren durch ganz Deutschland verbreitet. Die große Orgel der Stiftskirche zu St. Blasius in Braunschweig, 1499 erbaut von Heinrich Cranz, hatte folgende Inschrift: ״tzuis^uis opus spectat, Henricus Crantius, atque Grudenbergensis (״Der Küttenberger") Husso magister erat. die Ausgangsthüre war verschlossen. Die Localitäten wurden nämlich um 6 Uhr Abends gesperrt; ich mochte eben etwas allzusanft registrirt haben, so dass mein Spiel überhört ward. Eines mar gewiss: ich war Gefangener. Ich schrie und pochte, aber es war bereits später Abend und mein Lärmen vergebens, da zu so später Stunde Niemand auf den vereinsamten Platz, in die Nähe des kellerähnlichen Gewölbes kommt. Ich war wüthend über meine Un- Vorsichtigkeit und schimpfte die Orgel, die Urheberin meiner kläglichen Situation. Es hatte diese zu jener Stunde keinen berechtigteren Gegner als mich. Weinen hilft nichts; jetzt galt es, sich für die Nacht nach Thunlichkeit einrichten. Ich schob zwei Bänke zusammen und machte mir aus Pianodecken und Hobelspänen ein Lager zurecht. Lange konnte ich nicht zur Ruhe konimen. Endlich aber schlief ich vor Müdigkeit ein. — — — — — — — — — — Ich erwachte. Der Vollmond schien in das tburmähnliche Geniach und erleuchtete dasselbe mit Tageshelle. In scharfen Umrissen zeichneten sich die in demselben befindlichen Objecte ab. Fertige Instrumente, einzelne Bestandtheile derselben, altes unbrauchbares Orgelgerümpel rc. lag und stand höchst unmalerisch umher. Meine Situation erschien mir jetzt so drollig, dass ich laut auflachte. Mit dem Schlaf war es vorbei. Da fuhr mir ein närrischer Gedanke durch den Schädel: ״Bringst den Geistern ein Ständchen!" Ein Blick auf meine Uhr zeigte mir die 12. Stunde, die günstigste Zeit: also frisch ans Werk! Ich erhebe mich von meiner improvisirten Bettstätte— da trifft ein zarier Ton mein Ohr. Im leisesten Pianissimo erklang das

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