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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-06-01 · Heft 15 (1.6.1892) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 15 (1.6.1892)
Date
1892-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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. Seite 2 Während nun die Priester das Weinopfer auf dm Altar gossen, stimmten die Leviten dm Wettgesang der Psalmen an, begleitet von dreierlei musikalischm Instrumenten, den Harfen, Nablien und einem Paare rauschender Handbecken. Mit diesem Handbeckm gab der Chorführer מנצח das Zeichen zum Beginn des Gesanges und der musikalischen Begleitung. An dm Hauptfestm, sowie am Passah-Norabend mischte noch die Flöte ihre schmelzmden Tone in den Gesang.') Um Harmonie von hohm und tiefen Tönm zu erzielen, wurden Levitenknabm herangezogm. ') Jeder Psalm wurde in drei Absätzen mit Pausm (Perek) gesungen, bei jeder Pause ließen 2 Priester Posaunm schmettern und die anwesmde Bolksmmge warf sich anbetmd nieder. (Tamid 7, 3 Succak. 5, 2). In welcher Weise nun die Psalmm gesungen wurden, erhellt aus dem Worte ענה das dem syrischen unita entspricht und in beidm Sprachm ״einstimmen in den Gesang", ״antworten" im ursprünglichm Sinne des griech. änti ״mtgegmreden" bedeutet. Im Talmud babyl. sota 20 b. wird berichtet, dass das Lied am rochen Meere wie das hallel (das Loblied par excellence) gesprochen ward, dass nämlich nach jedem Satze der Chor mit dem Hauptanfange des Liedes einsiel. (Vergl. Bickell: Responsorium a choro post singulas strophas canendum expresse commemoratur in loc. Exod. 15, 20, 21, ille ipse radice designatum, e qua Syri pro eadem re suum efferunt terminum technicum ״unita", quod sensum cum veteri graecorum chrirtianorum hypakoä identicum. Ipse textus interdum addit responsorium recurrens vel in omnibus strophis (Ps. 46) vel alternis (Ps. 42—43) vel sattem pluribus (Ps. 80, 99, 144). Frequentius semel tantum in initio vel fine psalmi, vel utrobique notatur nec tum partem textus constituit in der Abhandlung Ars metrica apud Hebraeos et äpud Syros et Byzantinos cum gramgrammatico coincidit). Die Stelle, die wichttg genug ist, um auf die zahtteichm Hallelujas in der christlichen Liturgie ein Helles Licht zu werfm, lautet wie folgt: k'godaul hamikroh es hahallel w’hen aunin achrov rösche perokim; Mosche omer oschiroh la’adonoj w’hen omrim oschiro la’adonoj; Mosche omer ki goauh gooh oschiroh la’adonoj. Die Tosifta daselbst sagt: Mosche omer osi w’simros joh, w’hen omru oschiru l’adonoj; Mosche omer adonoj isch milchomo, w’jiszroel omer oschiroh l’adonoj. Moses sang im Liede beim rothm Meere: ״Sinken will ich dem Ewigm" und Israel stimmte ein mit dmselbm Worten: ״Singm will ich dem Ewigm"; Atoses fuhr fort: ״Dmn hocherhabm ist er", und Israel wiederholte als Refrain: ״Singen will ich dem Ewigen". Die Tosifta daselbst sagt: ״Moses fuhr sott: Mein Sieg und Sang ist jah (Gott) und Israel stimmte an (den Reftain) : ״Singen will ich dem Ewigen;" Moses fuhr fort: ״Der Ewige ist ein Mann des Krieges" und Israel wiederholte den Refrain: ״Singen will ich dem Ewigen". Nach Succah 501. 38 b wurde nach jeden! kurzen Verstheile der Hallelpsalmen 113—117 das Halleluja-Chorale gesprochen, während von Psalm 118 angefangen baS■ Choräle 'המיל לה lautete?) (Fortsetzung folgt). ') Lgl. Talm. babyl. Erackin ±01. 10 a, ±f. und ßosclikasckanak 31 a. Es geschieht dies zwötftnat im Jahre. Mischnak Eracliin (II. Perek). ' ־) Erackin 11 a. ל Vgl. Joel Müllers Massecket Soferim p. 222 ff. Nr. 15. . Der Sinai. Eine Schewuot-Betrachtung ׳ Von Dr. M. H. Friedländer. Das wichtigste Ereignis in den Annalen des Judenthums ist unstreitig die Befreiung Israels aus egyptischer Knechtschaft; denn durch die errungene Freiheit wurde der Weg zum Sinai gebahnt. Ohne Freiheit hatte es keinen Sinai, ohne Sinai keine Thora gegeben, und ohne die Thora hätte die Welt, die sittlich moralische Welt mit nichten jene Säulen, Trag- und Stützpfeiler erhalten, denen sie heute noch ihren Bestand, ihre Existenz, ihr Dasein zu verdanken hat. ״Welche kühne Behauptung! Welche Anmaßung!" so hören wir die Gegner Israels entrüstet ausrufen. ״Wie! ist denn die Welt wirklich schon judaisirt? Beherrscht thatsächlich der jüdische Geist die Völker und Nationen der Erde? Bildet nicht vielmehr Israel, dieses kleinste aller Völker, heute noch den Gegenstand des Hasses, der Verachtung und Verfolgung? Und dieses viel verlästerte, verachtete Völkchen erkühnr sich zu behaupten: Es sei die Säule der Welt? Welche׳ maßlose Arroganz, welche Ueberhebung!" Es ist allerdings eine unleugbare Thatsache, dass kein Volk auf Erden je mehr bedrückt, verfolgt, gepeinigt, gemartert, geächtet und geknechtet wurde als Israel, allein der Umstand, dass dieses kleine, winzige-Völkchen trotz der grausamen Verfolgungen, denen es seit Jahrtausenden preisgegeben war, heute noch aufrecht unter den Völkern dasteht, zeigt doch klar und deutlich, dass diesem Volke eine höhere, unüberwindliche, unzerstörbare und unbesiegbare Kraft innewohnt, und diese höhere, unbesiegbare Kraft ist es, der nicht nur das Judenthum, sondern die ganze civilisirte Welt ihren Bestand, ihre Existenz zu. verdanken hat. Dieses näher zu beweisen, soll die Aufgabe nachfolgender Betrachtung sein: ״Ohne Sinai keine Thora, ohne Thora keine Welt; kein Leben!" Diese Behauptung, die unsere Gegner als kühne Anmaßung, als eine leere, hohle Phrase bezeichnen, hat kein geringerer als der gottbegnadete, redegewaltige Prophet Jesaias ausgesprochen: ״Wie deine Gesetze zur Erde kamen, lernten Gerechtigkeit die Bewohner der Welt" (des. 26.9); nicht Israel allein sondern, joschwe Tewel, sämmtliche Bewohner der Welt, lernten gerecht, tugendhaft und sittlich sein. ״Ja wohl, es ist wahr", entgegnen uns unsere Feinde, ״dass die schönen, herrlichen, menschmbeglückenden Ideen der Thora, die Moses Euch gebracht, auf sämmtliche Bewohner der Welt einen wohlthuenden Eindruck gemacht, heilsame Institutionen ins Leben gerufen und Cultur und Bildung verbreitet hat, allein wem hatte Moses diese herrlichen Lehren zu verdanken? Wenn Ihr glaubt, dass er sie am Sinai erhalten, so täuscht Ihr Euch gewaltig. Moses wurde in Egypten am königlichen Hofe erzogen; die berühintesten Gelehrten und Bilderschriftkundigen Egyptens waren seine Lehrer, ihnen allein hatte er seine ungewöhnlich große Gelehrsamkeit, sein eminentes Wissen, seine vielseitigen Kenntniße zu verdanken, daher nicht Ihr, sondern die Egypter Ursache haben, auf Eure Thora stolz zu sein." Welche Fälschung und Verdrehung! Welche Verlogenheit! Welche Thorheit! Wenn die Thora nicht ein Product des göttlichen, sondern des menschlichen Geistes, und zwar des Geistes der egyptischen Gelehrten war, warum sah es vor der Offenbarung so traurig und so düster in der Welt, besonders in der culturreichen egyptischen Welt aus? Warum drohte die Erde und Alles, was auf ihr lebte, Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung.

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