Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-05-21 · Heft 14 (21.5.1892) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 14 (21.5.1892)
Date
1892-05-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453241-3453255--3463-3457821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6. Gesterreichisch-ungarische (Läntoren-Zeitung. Nr.-14. ״״Und nun wollen wir ertränken Unser tiefstes Weh bei Dreher, Um zur Stunde zu vergessen Diesen Hymnen-Makkabäer.- ״ ״Diesen Makkabäer-Häuptling, Der die Hymne umgedichtet, Den dafür im ״Vaterland" ich Hab' gehörig zugerichtet."" ״Lass' die Juden und den Haydn," Spricht der Ritter mit Empfindnug, Und er führt ihn in den Kiosk, Lächelnd, doch mit Ueberwindung. Stille ist es und man hört nur, Wie beim Abendsonnensinken Beide aus geaichten Krügen Bruderschaft mitsammen trinken. Und man hört nur' das Geflüster Dekolletirter Korsodamen, Deren Väter trock'nen Fußes Durch das Rothe Meer entkamen. Aber Plötzlich schallt ein Brummbaß Durch die riesengroße Runoe Und Don Gregorig erinnert An die schwere Abschiedsstunde. ״״Doch bevor wir scheiden, Freundchen, Bei dem Schall vom Nebelhorne, Nenne Deinen lieben Namen Den Du hinten trägst und vorne."" Jener spricht: ״Beim ״Vaterlande" Bin ich erster Mitarbeiter, Sobn des vielbelobten großen Hofraths Hermann und so weiter." Und dann seufzt er nock zum Himmel, Wo der Mond wird gelb und gelber: ״Ich, Don Gregorig, Dein Bruder, Bin der Hymnen-Dichter selber!" Kleine Chronik. Wien. Sonntag dm 15. d. M. לג בעומד feierte Herr Licco Leon Adutt, Vorsteher der türkischen Jsraeliten-Gemeinde in Wien, mit seiner Gattin Ernestine, geb. Russo, das Fest der silbernen Hochzeit. Schon Tags vorher wurde auf Anregung des Präses,'Herrn Marcus M. Russo, der Tempel in vollsten Glanz gestellt und ein feierlicher Sabbat-Gottesdienst zu Ehren des verdimstvollen und beliebten Vorstehers abgehalten. An! Festtage selbst war die Wohnung des Jubelpaares in einen Blumengarten umgewandelt, so zahlreich waren die Blumenspenden, die demselben nebst vielen Gratulationen und werthvollen, sinnigen Geschmken aus allen Kreisen der Genwinde zukamen. Um 12 Uhr Mittag eröffnete der Gemeindevorstand, bestehend aus dem Präses Marcus M. Russo und den Vorstehern, Gabr. H. Adut, S. Asriel, Ras. Mazliach, den Neigen der Deputationen. Nach einer kurzen Ansprache überreichte der Präses eine kunstvoll ausgestattete Adresse in Fornr einer Megila, die Sekretär Dr. Thaler zur Verlesung brachte. Auch die anderen Vereine, Chewra Kadischa, Armenverein rc, sandten Deputationen zur Beglückwünschung. An die Vereine schloß sich der Beamtenkörper der Gemeinde, bestehend aus den Chachamim Papo und Alkalay, Obercantor Bauer, Schuldirector Groag, Chordirigent Löwit sammt den Qnartettsängern, Feldmann, Zelnik und Ehre, und den Herren M. BonuoVentura und M. Semo. Chacham Papo richtete einige Worte an das Jubelpaar und trug hierauf eine in spanischer Sprache verfasste Ketubah vor. Dem folgte die Ueberreichung und Verlesung der prachtvoll ausgeführten Adresse der Beamten durch Schuldirector Groag und eine tiefempfundene Ansprache des Chacham Alkalay, der im Namen der Talmud Thora gratulirte. Hieraus brachte Obercantor Bauer einen zu liefern Feste von ihm bem Jubelpaare gewidmeten Mischeberach recht wirksam zrun Vortrag und Chordirigent Löwit übermittelte die Glückwünsche des Chorpersonales. Der nun folgende Vortrag des 2״s6ns.-IIr6113." durch vier Chorknaben, die im Ornate erschienen waren, machte sowohl auf das Jubelpaar, als auch auf die gesammte zahlreiche Gesellschaft einen ergreifenden Eindruck. Herr Vorsteher Adutt dankte jedem Einzelnen in herzlichen Worten für die ihm dargebrachten Ovationen und versicherte den Beamtenkörper seines ferneren Wohlwollens. Möge es dem verehrten Paare gegönnt sein, in vollster Kraft und Gesundheit auch die goldene Hochzeit unter solch' allgemeiner, inniger und aufrichtiger Theilnahme dereinst zu feiern. ׳1 .... Budapest, 17- Mai. In einer Conferenz der liberalen Partei kam heute die Wegtaufen-Angelegenheit und hiebei auch die theilweisc Einführung der staatlichen Matrikel zur -Berathung. Dr. Franz Chorin nahm dies zum Anlass, um die Aufmerksamkeit des Cultusministers auf die baldige Durchführung der Reception der jüdischen Confessivn zu lenken. Das Gesetz vom Jahre 1868, sagte der Redner, sei in der Voraussetzung geschaffen worden, dass es nur ein provisorisches bleiben und dass demselben die volle Gleichberechtigung auf Grund der Gegenseitigkeit aller Confessionen folgen werde. Wenn Aussicht vorhanden wäre, dass die Gleichberechtigung auf dieser Grundlage albald eintreten werde, so wäre dies allerdings das Heilsamste; nachdem aber eine solche Aussicht vorläufig nicht winkt, stellt sich Redner auf den Stand- Punkt, den die Regierung im Jahre 1890 eingenommen hat, und demgemäß die Gravamina einzelner Confessionen, wenn solche vor- Händen sind, beseitigt werden müssen. Die Rechtsverhältniße der jüdischen Confessivn beruhen ausschließlich auf Regierungsverordnungen; es kann mit Recht gefordert werden, dass dieser ohnehin sehr bescheidene Nechtszustand gesetzlich sichergestellt werde. In einem solchen Gesetze wären Verfügungen nothwendig hinsichtlich des Uebertrittes zu einer anderen Confessivn, bezüglich der gewaltsamen Taufen, ferner in Bezug auf die staatsrechtliche Stellung der jüdischen Confessivn, damit es nicht bei feierlicheil Empfängen vorkomme, wie dies neulich geschah, dass die Juden nicht in der Reihe der Confessionen, sondern nach den Corporationen vor dein gekrönten König erscheinen, was verletzend und erniedrigend ist. Ferner müsse auch die Frage der Zugehörigkeit zu den Religionsgemeinden geregelt werden, - welche Frage bis in die letzte Zeit hinein geradezu in der Luft liegt. Nach all dem überreicht Redner einen Beschlussantrag, in welchem die Regierung angewiesen wird, einen Gesetzentwurf zu unterbreiten, durch welchen die jüdischen 'Confessivn in die Reihe der gesetzlich recipirten Kirchen Ungarns ausgenommen wird. Cultusminister Graf C s a k y: Wenn nur davon die Rede ist dass die jüdische Confessivn gesetzlich recipirt werde, so ist dies eine Forderung, welche unmöglich verweigert werden kann. Das ist an sich jedoch nicht genug, es muß gleichzeitig auch das Verhältnis der Confessivn zu dem Staate und zu beit anderen Confessionen geregelt werden. Das Vcrhälttlis zum Staate findet seinen prägnanten Ausdruck in dem autonomen Wirkungskreise, hinsichtlich dessen aber unter den jüdischen Mitbürgern selbst keine Uebereinstimmung herrscht, was ja auch durch die Spaltung in Neologen und Orthodoxe erwiesen ist. Die Frage des Verhältnißes zu den übrigen Confessionen wird beherrscht durch die Frage des Uebertrittes und der Ehe. Die Frage der Ehe kann in keinem jüdischen confessionellen Specialgesetze, sondern nur im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuche geregelt werden. Die Frage des Uebertrittes allerdings muß schon im Recetionsgesetze auf Grund der Gegenseitigkeit ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.