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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-05-21 · Heft 14 (21.5.1892) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 14 (21.5.1892)
Date
1892-05-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. es nur eine einzige Antwort: Sei gerecht! Prüfe! lasse in einem Einzelnfalle von Schuld den Schuldigen die ganze Strenge des Gesetzes treffen, aber verallgemeinere nicht! Du versündigst dich sonst gegen das Herrlichste, was das Sittengesetz kennt, gegen-die Nächstenliebe! — Von der Warte der historischen Betrachtungen gesehen und psychologisch analystrt, ist die Erscheinung des Antisemitismus einer der schwersten Vorwürfe gegen das menschliche Herz. ״״In dem Schattenspiel-Theater Sitzen lauter Israeliten, Jedes Wirthshaus ist vermauschelt, Die Portionen sind beschnitten. ״״Doch als höchste jüd'sche Frechheit Ist der Umstand zu berichten, Dass ein Tintenjude wagte. Unsre Hymne umzudichten! Do« Gregorig?) In den! abendlichen Garten Gregorig, der Große wandelt. Der mit judenreiner Wäsche Und mit Unterhosen handelt. Lästig werden ihm die Blätter Sammt dem jüdischen Gesindel; Sendet ihnen ״Szeps-Kravatten" Als famoses Angebinde!. Ueberlästig sind ihm alle Klug erdachten Judenstreiche, Und so gleicht er eines Tages Einer rituellen Leiche. Einer Leiche, die als Opfer Meuchlerischer Judenknechte Auf dem Tandelmarkt im Prater Nicht begraben liegen möchte! Und so schimpft er mit Bewusstsein Und mit Leichenbittermiene Auf die glanzumstrahlte Schöpfung Der verjudeten Pauline. Wie er stand und seine Augen Aus dem Angesicht voll Sorgen, Muthverkündend, leuchtend schossen, Glich er wahrlich Sanct Georgen. ״״Die Rotunde,"" also spricht er,' ״״Ist ein großes Mauscholeum, Und das Tonhaus ist ein Kohnhaus, Und ein Kadosch das Tedeum. ״״Das Theater ist verjudet, Und das Panorama detto, Und das Nebelhorn ein Schofar, Und der Hohe Markt ein Ghetto. ״״Unsre altersgraue Hymne, Gleich beliebt bei Volk und Hofe; Gott erhalte unsre Hymne Judenrein in jeder Strophe!"" Also häuft der große Pfaidler Auf die Juden Spott und Schande, Und dann schimpft er schriftlich weittr Im feudalen ״Vaterlande". Wie er eben donnerwettert, Wildbewegt, satyrisch-bitter, Steht vor ihm ein herrlich schöner, Aber unbekannter Ritter. Händedrückend, liebeflüsternd Wandeln sie im Mondenscheine Und vom Zephir sanft umschmeichelt Wird der And're wie der Eine. Märchenartig grüßen Rosen, Winken schlanke, weiße Lilien, Schimmern nationale Blätter Und gefälschte Wahl-Stampiglien. ״Sage mir in aller Eile," Also spricht der edle Fremde, ״Warum Du so plötzlich bleich wirft. Wie ein frischgeputztes Hemde?" ״״Ach, ich denke an die Hymne, Die ein Frechling umgedichtet, So ein langenasges Jüngel, Das mich noch zu Grunde richtet."" ״Lass' die Juden und die Hymne," Spricht der Ritter emst nnd trocken, ״Siehe, von den Mandelbäumen Fallen tausend weiße Flocken." ״״Selbst der Wind ist judenfeindlich, Daran lässt sich nimmer deuteln, Wo er einen Mandelbaum sieht. Gleich versucht er's, ihn zu beuteln. *) Wir reproduziren im Vorstehenden nach dem ״Wiener Tagblatt" ein Gedicht aus der Feder des geistvollen und scharfzüngigen Satyrikers Julius Bauer, welches vor einigen Tagen in einem Salon vorgelesen wurde und einen wahren Beifallsjubel in der litterarischen Gesellschaft jenes Salons hervorrief. Jede Pointe des geistvollen Autors wurde mit lauter Heiterkeit aufgenommeu. Das Gedicht behandelt die Rede des Wiener Wäschehändlers Gr eg orig über den ״jüdischen Tandelmarkt" in der Rotunde und den Lapsus, welcher dem Herrn Greg orig und der Redaction des ״Vaterland" passirte, indem Greg orig in diesem Blatte selbst den Musikreferenten des ״Vaterland" als Juden erklärte und ihm im ״Vaterland" selbst vorwarf, er habe die alte Volkshymne in schändlicher Weise verballhornt. Durch eine Notiz des ״Wr. Tagbl." hat wohl das ״Vaterland" erst erfahren, dass es seinen eigenen Mitarbeüer von Herrn Greg orig angreifen ließ. ״״Denn verhasst selbst der Natur ist Dieses Volk von faulen Neidern, Die selbst unsre Mohrenwäsche Unterem Einkaufspreis verschleudern."" ״Lass die Mohren und die Juden," Spricht der ritterliche Tändler, Und galant ein Rosenzweigchen Bricht er für den Wäschehändler. ״״Dass Du Solches nimmer thuest Mußt Du, Freundchen, mir versprechen; Wenn ich einen Rosenzweig sch', Fang' ich selber an zu brechen.

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