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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-05-11 · Heft 13 (11.5.1892) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 13 (11.5.1892)
Date
1892-05-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 im zweiten Capitel über das bescheidene junge Minchen des Nachbars Kaufmann, dieser bekanntlich nicht heirathet, also aus: -״Es prägte Jener Verdruß sich so tief bei mir ein, ich möchte fürwahr nicht Sie am Klaviere mehr sehen und ihr Liedchen vernehmen." In unseren litterarischen Neminiscenzen wurden wir sofort durch die Anrede eines zweiten Utechts beflissenen gestört, welcher während des Vortrages seines College» zu uns getreten war. Der Ankömmling, als starrer Individualist und leidenschaftlicher Bekämpfet׳ der Ueberschätzung der Wirksamkeit öffentlicher Gewalten, eine seltene Erscheinung unter den jüngeren Juristen, wollte von einer Thätigkeit der öfsentlichen Verfolgungsorgane in dieser Angelegenheit nichts wissen und setzte auseinander: es handle sich bei der Abwehr des schädlichen Nebermaßes von Clavierspiel um Schutz der EigenthumSgrenze, um ein Privatrecht, blos um eure Civilklage. Wenn er Eigenthümer eines Hauses aus der Zeile in Frankfurt a. M. wäre Gr wollte, fügte er hinzu, er wäre es), so habe er doch, da der über seinem Grund und Boden befindliche Luftraum unter Ausschluß fremder Lesugniße ihm gehöre, das zweifellose Recht, dem Nachbarn Störungen seines Gebiets zu untersagen, z. B. Herübersenden von lästigen Käsegerüchen — schon im römischen Rechte entschieden — Hereindringen von Splittern, Gasen oder auch betäubenden Schallwellen, welche irgendwie, z. B. durch kunstlose Bearbeitung von Klaviertasten, erzeugt werden. Man werde ihm zwar entgegnen, der Schutz gegen die Klimperei der Mitbewohner des Hauses sei weit wichtiger, als diese Abwehr der Belästigung durch nachbarliche Töne. Richtig sei dies, aber gerade hier habe die Reform einzusetzen: es sei die Neugestaltung der H aus ordnung. In die Hausordnung, die als Lheil des Miethvertrages erscheinen müsse, sei aufzunehmen, wie es mit dem Clavier gehalten werden solle. ״Nichts," rief er aus, ״ist absonderlicher, als dass man bei den so vielfachen Erörterungen der Claviersrage aus diesen wichtigsten Seite 5. Punkt der Sache nicht zu sprechen kam. Bon der Havel bis zur Fils verbieitet der deutsche Hauseigenthümer in seiner seitherigen Haus ordnung, aus deren Verletzung er jedes Recht für sich, sogar die Berechtigung zur sofortigen Austreibung ableitet, das Halten von Hunden oder Gänsen, wenn ihm dies beliebt. Kein Thier soll das Haus dulden müssen, aber fünf Elaviere. Das ist doch verkehrt! Aber die Hausbesitzer hat man zu lange ohne kräftigen Einspruch gewähren lassen; sie und sich hat man zu sehr daran gewöhnt, die Hausordnung als einseitig dietirtes Gesetz des Grunoeigenrhümers zu betrachten. Das ist sie nicht; die Hausordnung bilde die Grundlage, Jedem gleichen Antheil und Genuß an dem Frieden des Hauses zu gewähren. Sie ist ein freiwillig e i n g e g a n g e n e r Bert r a g der gesammten Hausgen ossenscha fl, und daher bestimme sie nach dem Willen der Mehrzahl der Hausbewohner, dass und ob überhaupt, und wenn ja, wie lange täglich und zu welchen Stunden, Clavierübungen dürfen abgehalteit werden!" Nun geriethen die Juristen aneinander. Erster Redner: ״Wenn aber der Eigenthümer, der Bourgeois, nicht will, aus sein vermeintliches Vorrecht sich steift, die Hausordnung als absoluter Monarch zu erlassen? Wollen wir, die Lohenüenö des Dachstocks und die Junggesellen des Parterre, gegen die Bellstage Krieg führen und die Sperre über den Vermiether verhängen, welcher Clavierlärm duldet?" Darauf versetzte der zweite Redner in komischer Haltung: ״Sprechen Sie es aus, mein Herr! Zichen Sie Ihren Schluß! Hier wie überall, glauben Sie, kann nur die Verstaatlichung von Grund und Boden helfen! Meine Herren, so sind wir denn glücklich da angelangt, wo man bei der Erörterung eines Themas in der Gegenwart immer anlangr: Die Claviersrage ist also ein Theil der sozialen Frage."-- * Der Leser, welcher so freundlich war, mir eine Schilderung der Uebelstände zu gestatten, welche die nächste Veranlassung zu der G österreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Höhe in der Geruchsskala bezeichnet, wie Jedermann an den Fingem avzaylen kann a, b, c, d." Krummholz: ״Das bleibt sich gleich." Kvrnblüh Gin junger Branntweiner, ganz modern gekleidet, war bis jetzt seitlich gestanden, in den Kreis einoringend): ״Meine Herren! trntfchuldigen Sie, wenn ich Ihnen aufklärend zu Hilfe romme; dramanfch ist unstreitig der!/tarne einer Krankheit und ist verwanot nnt rheumatisch. Offenbar hat der Herr Rabbiner auf den Krankheitszustand Hiobs hingewiesen. Die Sache hat aber eine andere Lene. Was hat ein 'Rabbiner von rheumatischen Schmerzen von der Kanzel herab zu sprechen? Was soll sich der gebildete Christ von uns denren? Wenn zum Beispiele der Herr Adjunct vom k. k. Bezirksgericht — und das ist doch ein so lieber Herr — gestern ist er nur scherzweise auf das Hühnerauge getreten, ich hab's meiner b׳rau erzählt — die hat ihnen herzlich gelacht — wenn also zum Beispiel der Herr Adzunct in den Tempel kommt und solche Aussuhrungen von der Kanzel herab anhört, was wird er sich vom' gaiizen ^udentume denken? Was geheit uns und ihil die rheuma- Nscyeii Schmerzen Hiobs an V Ist das in der Ordnung? Ist das aristandig?" Talisgold: ״Ich lasse dem Herrn Rabbiner kein Haar krümmen, wenn er sich nicht gesträubt hätte, wäre das Almemor längst nicht mehr in der Mitte des Tempels, für diesen Sieg allein verdient er volle Anerkennung." — Kornblüh: ״Ich muß Ihnen aufrichtig bekennen, dass an diesem Umstande wenig zu liegen scheint, zumal die größeren Gemeinden überall das Almemor in der Mitte nicht mehr dulden." Talisgold: ״Das möchte ich bezweifeln."! Seligmann: ״Darüber brauchen wir nicht zu streiten; soeben nähert sich der junge Studiosus Lustig, der die Ferien in unserer Mitte zubringen will, der junge Mann wird uns aufklären, wie sich die Herren in der Kreishauptstadt B., wo er das Obergymnasium besucht, beim Baue des neuen Tempels, rücksichtlich des Almemors benommen haben. Wozu also streiten, wo man sich sofort überzeugen kann. Ah! Grüß Gott Herr Lustig! Wie gehts? Sie werden uns gewiss auslachen, wenn wir Sie in einer Frage um Aufklärung bitten, die Sie vielleicht wenig interessirt. Wie haben sich die Herren in B. beim Baue des neuen Tempels, rücksichtlich des Almemors denommen? Ich hörte, dass eine Partei sich sehr gegen die Verbindung des Almemors mit dem Aron gewehrt hat? Wie wurde die Sache ausgetragen?" Lustig: ״Ich bin in der angenehmen Lage, hinreichende Aufklärungen zu geben: Die Herren in B., des langen Haders müde, kamen überein, sich in dieser Frage, an einen der größten juridischen Gelehrten der Jetztzeit zu wenden, dessen Urtheile beide Parteien sich unbedingt zu unterwerfen versprachen. Man entschied sich für das schriftliche Verfahren durch die Post und begleitete die Altfrage mit entsprechender Freigebigkeit. Aber wie groß war das Staunen der Herren, als statt der Antwort ein bedrucktes Blatt Papier erschien, das, bei näherer Betrachtung, aus einem Btlche herausgerissen war, welches Bonaparte's Feldzug nach Egypten behandelte. Da hieß es: Zur wissenschaftlichen Ausbeutung Egyptens nahm Bonapatte eine große Anzahl Gelehrter mit, deren Bücher, Schriften und Reguiftten auf Eseln fottgeschafst wurden. So oft aber die Araber, in altgewohnter Kampsesweise auf blitzschnellen Rossen zum Angriffe heranstürmten, lautete das Eommando: ״Gelehrte und Esel in die Mitte! Ouarrse!" Ich Hab' die Ehre-" abexuat.

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