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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-05-11 · Heft 13 (11.5.1892) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 13 (11.5.1892)
Date
1892-05-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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0cite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 13. Der Stifter des Christentums selbst hat nirgends dem Gotteseiner Väter die väterliche Liebe, Güte, Milde und Barmherzigkeit streitig gemacht. Im Gegencheil sprach er nur über Gottes Barmherzigkeit, Liebe, Nachsicht und Milde, die er gegen alle Menschen, ob gut ob schlecht, übt, und leitete zu dessen ׳Nachahmung an, wie es ihm nach seiner Väter Lehre zu Gemüth und Bewusstsein geführt ward. So lehrte er: ״Seid barmherzig, wie Euer himmlischer Vater barmherzig ist" (Luk. b. 36). ״Dass Ihr Kinder Eures Vaters im Himmel seid, der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Bose und regnen lässt über Fromme und Lasterhafte" (Llabh. 5, 45). ״Seid also vollkommen, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist!" (Math. 5. 48). Der reine Cultus, dm er ursprünglich begründen wollte, beruhte ja eigentlich nur auf der Nachahnmng Gottes, sowie auf dem unmittelbaren Verhältniße des menschlichen Gewissens zu dem himmlischen Vater. Dies sind in Kürze die hohen Vorstellungen, welche der Stifter des Christenchums von Gott und dessen wohlwollenden Beziehungen zum Menschen sich machte. Er fasst diese in ein Gebet zusammen, das beginnt mit der schönen, zutraulichen Ansprache eines wahrhaft kindlichen Gemüthes: ״Vater unser". Wenn nun jeder, der Gute wie der Böse, der Gerechte wie der Ungerechte^ der Schuldlose wie der Verbrecher mittels dieses Gebetes diesen ״Vater Aller" um das tägliche Brot, unr Vergebung der Sünden, um die Erlösung vom Bösen anrufen und auf Erhörung und Gewährung hoffen darf, wahrlich, dann ist der alttestamentarische Gott wohl kein ״Rachegott". Schaum wir uns übrigms einige einschlägige alttestamentarische Lehren über Gott und sein Verhältnis zum Menschen, sowie zur Welt überhaupt, aus dmm der Stifter des Christmthums seine Vorstellungm und Anschauungm schöpfte, näher an, um dadurch die Anklage des alttestamemarischm Gottes der Rache ins rechte Licht zu stellm. Die uraüe heidnische Weltanschauung erkannte wohl schon die schaffmde und erhaltende Gewalt im großen Reiche der Dinge und bildete daraus zwei mächtige gute Gottheiten, denen hohe Verehrung gezollt wurde. Da ־ aber auch in der Natur dem Leben feindselige, vernichtende und zerstörende Kräfte walten, so schuf die heidnische Götterlehre daraus eine dritte furchtbare gewaltige Gottheit, den allerschrecklichen Zerstörer. Daraus entstand jene Dreieinigkeit der alten Inder, dargestellt durch einen Körper mit drei Köpfen. Schiwa hieß dieser schreckliche Gott, dessen Name schon Entsetzen erregt und in dessen Darstellung sich alles Grauen vereinigt, welches die Einbildungskraft zu erfinden vermochte. In seinem Dienste aber stehen das Laster und die Unzucht in allen ihren Formen und geben sich ohne jede Scheu kund; denn sie sind die Gehilfen des Vernichters, die wirksamsten Förderer der Zerstörung. Brahma als Schöpfer und Wisch un als Erhalter konnten nichts Böses stiften; aber der Zerstörer Schiwa war allseits höchst gefürchtet. Man bauete ihm deswegen die zahlreichsten Tempel und Andachtsstätten, um ihn zu versöhnen und zu besänftigen. So ist Indien, diese Wiege unseres Geschlechtes, diese Heimat der reinsten und würdigsten heidnischen Neligionsbegriffe, zugleich auch die Heimat der irrigsten religiösen Anschauungen. (Schluss folgt.) Die Klavirrübungen rntit das Recht. Musikalisch-juristische Plauderei. Von Dr. Hugo Elsas (Cannstatt). (Schluss.) lll. Finale. Die Wahrheit dieser Sentenz, die ich mit vergnügten Sinnen vernahm, wollte ich durch ein Rassisches Citat nicht abschwächen, sondern blos erhärten. Den Redner srug ich, ob er sich nicht einer gewissen, oft illustrirtm Episode aus Goethe's ״Hermann nnd Dorothea" erinnere. Mit tiefem Groll lässt sich der bescheidene junge Hermann Das RKdel. Ein Ghetto-Bild aus halbvergangener Zeit. Von Sam. Jellinek. Die Sabbathjause ist beendet. Kaltsisch und Braten bildeten dm culinarischm Schlußact der gefeierten Seelenerweiterung. Die junge Welt schreitet in lässigem Tempo dem Stadtpark zu, um zu scheu und geschen zu werden; doch der Familienvater weiß die Zeit bis zum Abendgebete nicht würdiger auszusüllen, als einer jener Gruppen vor dem Tempel sich anzuschließen, die der Volksmund mit Rücksicht auf die Kreissorm mit dem Worte ״Rädel" bezeichnet. Die wilde Roßkastanie vor dem Gotteshause spendet Schatten und Symbol zugleich des hier lauschig weilenden Ideenaustausches: Dem wilden Rosse gleich raset die Logik der Theillrehmer in ungezügellem Sprunge von einem Felde auf das andere, und jeder Einzelne hält die auf dem gemeinsamen Altäre der Unterhaltung geopferten Spenden seines Geistes und Witzes für Südftucht und Kastanie. Philosophie, Juristerei, Medicin, Theologie, Politik und Stadtklaffch, — ja nachdem vorbeiziehende Vögel und Menschen den Anlass bieten, — verleihen der Conversatian eine buntwürfelige Färbung: Soeben demonstrirt Trödler Rumpel, dassSchlittschuh den aristokratischen Gegensatz von Unschlittschuh darsteüe, als der philosophische Schneidermeister Gumpel die Einheit des Gesprächsstoffes nicht anders zu erhalten weiß als durch die Aufstellung des altbewährten Erfahrungssatzes: Sechs Pfund Fleisch geben eine gute Rindsuppe. Sofort nimmt sich der Fleischer Krummholz der modemm Schule an, bedauett, dass das seinen Namen bezeichnende Object keine nähere Bekanntschaft mehr mit gewissen Körpertheilen der Schüler mache, als ein junger Mann, seines Zeichens ein halbmodemisirter Rabbinatscandidat, Herr Talisgold, unschuldigerweise und ohne Ahnung des Zusammenhangs — fo ferne und doch so nahe — sein jüngstes Product aus dem Gebiete der Toraforschung der Gesellschaft zum besten gibt: ״Ich begreife nicht, wozu Moses beim Auszuge aus Egypten den Juden empfohlen hat, sich mit Geld und Gold zu versehen. War das doch die Quelle aller Verlegenheitm, die er mit dem Volke hatte. Denn ein Jude, der ein par. Groschen erworben hat, glaubt schon alles zu verstehen!" Plötzlich theilt sich die Mittte, um Herrn Seligmann, einen silberhaarigen Schriftgelehrten und bürgerlichen Essigfabrikanten aufzunehmen, der im Vollgefühle seiner Ueberlegenheit sofort die Gesellschaft beherrscht: Seligmann: ״Nein! wie heute der Epicuräismus um sich greift — das ist nicht zu beschreiben. Stellt sich heute der Herr Rabbiner den kühnen Satz auf: Hiob ist das einzige dramatische Werk, das wir Hebraeer besitzen!" ״Was," rief ich mit gerechter Entrüstung aus, ״was sagen Sie? Dramatisch? Und Thilim ist etwa zu wenig dramatisch? Und Jsaias ist etwa zuwenig dramattsch? (mit gesteigerter Entrüstung) Und, und, und, und die ganze Thora ist zu wenig dramatisch? Nein! Von diesem Mann hätte ich mich eines so epicuräischen Ausspruches am wenigsten versehen!"- Rumpel: ״Ich bist' schön, was ist das ״dramatisch"?" Talisgold: ״Dramatisch ist schön, erhaben, erhaben, schön, verstehen Sie? dramattsch ist dramattsch." Krummholz: ״Dramatisch ist der Name eines Geruchs aus dem ״d", ähnlich wie in der Tonskala; denn wenn ich eine gute Cigarre rauche, so sage ich, sie ist aromatisch, also die Cigarre hat dm Geruch aus dem a — am Anfänge des Wortes — setze | ich für das a ein d so habe ich dramatisch,, was also die vierte

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