Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 13 (11.5.1892)
- Date
- 1892-05-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. scheint mir fest zu stehen. Weder in Ercbin 18 a und b, noch in Rainbam Hilcboth Kele Hamikdascb 8,4, wo der Musikinstrumente im Tempel zu Jerusalem Erwähnung gethan wird, ist von der Magrapha irgend eine Spur zu erblicken. Es entsteht nun folgende Frage: In Tamid 5, 6 wird erörtert, wozu die Magrapha in Anwendung kam, warum wird daselbst in Mischnah 8, 8 von ihr geschwiegen? Muß man nicht annehmen, dass hier wie dort ein und dasselbe Instrument gemeint ist? Im Gottesdienste wurde die Magrepha nicht verwendet, und was war der Gebrauch von der im Abschnitte 3, 8 erwähnten? In Erehin 10 b und 11a lernen wir von Rab Mathnah, der im Namen Samuels sagt: eine Magrepha war im Heiligthume, die 10 Oeffnungen hatte, davon jede 10 verschiedene Töne von sich gab; und von der Mitheita entnehmen wir, dass diese Magrepha eine Elle lang, eine Elle hoch oder dick war und eine Handhabe hatte, in welcher die 10 Höhlen angebracht worden sind. (Siehe Aruch Gamacl, wo ausdrücklich gesagt wird: zehn Höhlungen waren in der Handhabe, denn sie war hohl). Nehmen wir nun an, die im Tamid 5, 6 erwähnte Magrepha hat nicht durch den verursachten Schlag des Metalles auf das Pflaster im Heiligthume ein so unwiderstehliches Geräusch von sich gegeben, dass in Jerusalem einer mit dem anderen nicht vernehmlich conversiren konnte, dies wäre in der That undenkbar, sondern durch den Fall der Magrepha wurde eine Vibration hervorgebracht, welche die Höhlen in der Handhabe so in Bewegung setzte, dass 100 Töne auf einmal gehört worden sind, so finden wir den gewaltigen Eindruck begreiflich. Und während in Jemsalem in der Nähe des Tempels das Geräusch überwältigend war, hat man in Jericho nur geringe Spuren davon vernommen. Da die Magrepha nach angeführter Stelle eine Elle dick war, konnte am oberen Ende die Handhabe angebracht sein, so dass bei ihrem Falle letztere nicht beschädigt werden musste. Es scheint uns somit evident zu sein, dass die Magrepha in Tamid 5, 6 dieselbe ist wie in 3, 8. Wenn wir ausführlich sein wollten, so könnten wir den Einwand Josefath Erihu 100 gegen Raschi beheben, mit welchem auch Aruch und Lechem Mischnah übereinstimmen. הלכות תמידין ומותפין פ־ ו ד, ה Allenfalls glauben wir mit Recht zu behaupten, dass die Magrepha, oder die vermeintliche Orgel bei dem Gottesdienste im Tempel zu Jerusalem keine Anwendung fand. —m—r—s. Blasphemie. Von Ignaz Baum, Religionsleiter in Leitomischl. Ein längst bewährter Erfahrungssatz lautet: ״Wie der Mensch, so seiir Gott". Aber nicht minder bewährt hat sich im Leben der Menschen auch der umgekehrte Satz: ״Wie der Gott, so sein Mensch." Denn wahrlich, wie der Mensch sich läutert und in seiner Denk- und Handlungsweise sich würdig zeigt, ebenso klären sich und werden iit ihm immer würdiger seine Vorstellungen ulld Begriffe von Gott. Die Gottesanschauung bildet daher gewissermaßen dell Maßstab für die bessere Seite des Menschen, den jeder von uns in sich trägt. Diesen beiden Sätzen gemäß findet man es begreiflich, dass es im heidnischen Alterthum historische Schriftsteller gegeben, die es als eine ihrer Liebesarbeiten betrachteten, mit ihrem Geschichtsgriffel das heilige Buch der Bibel zu bekritzeln undden erhabenen Inhalt desselben Seite 3. herabzuwürdigen. ״Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist ja nur ein Schritt." Zu diesen Historikern, welche ihren edlen Berus so missbrauchten, gehören: S t r a b o n, L i s i m a ch o s, M a n e t h o, Trogus Po mp ejus, Diodor u. v. a. Einer ist oft der Nachbeter des Anderen, indem er dieselben Fehler, dieselben Jrrthümer der leichtgläubigen Mitwelt auftischt. Um aber in seinem Bereich doch als originell zu erscheinen, trachtet Einer den 'Anderen an Entstellung und Verunglinipfung des heiligen Tertes zu überbieten und den nacherzählten Schmähungen noch einige selbsterzeugte hinzuzufügen. Als Erster von allen aber verdient Tacitus angeführt zu werden; denn er hat die schönsten Proben dieser Art geliefert. Seine Darstellungen könnten in gewisser Beziehung sogar als anmaßende, kecke Gotteslästemng betrachtet werden, wenn das Wesen der Gottheir nicht zu erhaben wäre, um von einem niedrigen Menschenwurme in seiner Heiligkeit verletzt werden zu können. Ihm hat die Nachwelt wohl in erster Reihe das alberne Märchen von dem alttestamentarischen ״Rachegott" zu verdanken. Die von Tacitus, Diodor u. a. alterthümlichen Geschichtsschreibern angeführten Lästerreden stammen ihrem wesentlichen Inhalte nach von einem abyssinischen Sclaven, namens Helikon, der sich nach seiner Freilassung durch nichts Anderes wichtig zu machen verstand. Er stellte sich nämlich an die Spitze eines müßigen, zusammengelaufenen Pöbelhausens zu Alexandria!, der seine Schmähungen und Lästerungen nicht nur Beifall zollte, sondern ihm auch dafür den Lebensunterhalt gewährte. Solche Lehren sind die verderblichsten Miasmen, welche den Volksgeist verpesten und die Zeit, aus der sie stanimen und aus welche sie einwirken, verderben. . Wie aber alles in der Welt Anhänger und jede Anschauung — und wäre sie noch so schlecht und verwerflich — ihre Vertreter findet, so hat auch jene Irrlehre von dem alttestamentarischen ״Gotte der Rache" Anhänger und Freunde gesunden. Wir finden solche nicht nur unter den Zeitgenossen jener Historiker, sondern sogar unter unseren eigenen. Ja, nicht nur aufgeklärte Lehrer des Ehristenthuins, sogar treuvergessene Anhänger und Bekenner — zuweilen auch gar Vertreter (?) — des alten Testamentes selbst verbreiten mit einer gewissen Vorliebe diese verwerfliche Lehre, um sich dadurch dem großen Haufen mundgerecht anzubequemen und sich in gewissen Kreisen einen 'Namen zu schaffen. In ganz irriger und ungerechrfettigter Weise angewendet, bekamen wir so auch in der Jetztzeit in verschiedenen Schriften von einem testamentarischen Gott der Rache in vergangenen Zeiten zu lesen, wo diesem Gotte, der wohl die Waage der Gerechtigkeit in Händen hielt, kein Funken von Humanität zuerkannr wird. Was da von Peinigungen und Grausamkeiten, die man sich in früheren oder späteren finsteren Zeiten den Verbrechern und Verurtheilten gegenüber erlaubte und sich dabei noch belustigte, das steht aber mit dem alttestamentarischen Gotte und dessen Willen in gar keiner Verbindung; im Gegentheil sind diese dem finstern Heidenthum entsprungenen, in späterer Zeit noch nachgeahmten Grausamkeiten diesem Gotte ein Gräuel. Durch derartige Anspielungen und Andeutungen, durch die Verbreitung solch irriger Anschauungen wird aber auch dem Ehristenthume kein würdiger Dienst geleistet, indem es dadurch seinem Urspmnge und eigentlichen Wesen entfremdet wird. Es ist daher ein gemeinsamer Feind der Mutter- und Tochterreligion, den wir zu bekämpfen haben, und die Klärung jedes tiefdeutigen Wortes, das wir ins rechte Licht zu stellen vermögen, ist gleicher Gewinn für beide. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung.