Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 13 (11.5.1892)
- Date
- 1892-05-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 13. aufwartm, die folgend lautet: ״Die Musik stand gewiss bei einem Volke in hoher Achtung, welches die Aufführung der Gesänge der angesehensten Volkselasse, den Leviten, zutheilte und übertrug. Diese lagen dem Gesänge ob in dem erhabenen Hause zu seierlichen Zeiten; sie brauchteu nicht für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, da sie den Zehnten bekamen, und hatten weiter keine Beschäftigung als die Musik. Diese Kunst steht bei den Menschen in höchster Achtung, so lange sie nicht verschlechtert und gemißbraucht wird und das Volk die Vortrefflichkeit des Stammes und die Reinheit der Natur bewahrt, die ihm eigeil ist. Die Vorsteher dieser Kunst waren David und Samuel; glaubst Du wohl, dass sie die Musik nach ihreir Arten verstanden oder nicht?" (Ku־ sari II. 64). Und dass die Leviten ihre Kunst nicht etwa autodidactisch ausübtm, sondem bevor sie in den activen Dienst des Tempels eintraten, eine wirkliche Hochschule durchmachen mussten, wo die Lehrzeit fünf Jahre gedauert hatte — heute sind schon drei Jahre genügend — entnehmen wir aus Ckulin 24 a, wo es wörtlich heißt: ״Einmal ist gesagt: ״Von 25 Jahren an und weiter", und das anderemal wieder steht, ״von 30 Jahren an soll er in den Dienst treten", wie ist das nun zu vereinigen? Das ist aber so gemeint: Mit 25 Jahren tritt er in die Schule und mit 30 Jahren wird er erst dienstfähig." Auch in Lrokin 11, a wird angedeutet, dass der NLusikdimst im Tempel erst eines ernsten S!udiums bedurfte, wie es dort heißt: ״Rabbi Jochanan sagt: Welcher Tempeldienst ift's, der vorher noch eines fleißigen Lernens bedarf Das kann nur die Musik sein!" j Das sind lauter Momente, die daraus hindeuten, welche | Höhe die Musik in unserem Volke erreichte und rvelchen Rang sie | auch bei uns einnahnr und behauptete, und daher kann unjj sere heutige Synagogenmusik von Alters her gar nicht so übel | und so niedriger Art sein, wofür diese Herren Eollegm sie halten. | Z»r Klärung der Frage der tradittonellrn Tonarten. XXIV. (Schluss.) Dass die Herren Collegen Obercantor Deutsch-Breslau und Obercantor Goldstein-Wien mit ihrem Zeitaller so außerordentlich zuftiedeir sind und hiezu auch alle Ursache haben, ist wohl begreiflich, und wir können nichts dagegen haben. Aber wenn sie so schr von demselben eingenommen sind, dass sie es über alle Zeiten stellen und uns für musikalischer ausgeben, als je ein Geschlecht sich dessen rühmen könnte, so dass, wenn wir jetzt zum Alten und Ererbten halten wollten, wir uns damit nur eines unverzeihlichen Rückschrittes und eines Zurückgreifens zum alten Singsang zu Schulden kommen ließen (Nr. 17, Jahrg. 1886); damit sind wir keineswegs einverstanden und können dem unmöglich zustimmen. Auch wir wurzeln vollständig in unseren! Jahrhundert und gehören keinesfalls zu Denjenigm, die der ״guten, allen Zeit" das Wort sprechen und ihr alles Lob spenden, der Gegenwart aber kein gutes Haar gönnen wollen. Wir wissen recht gut, was unsere Zeit von uns fordert und was wir ihr schuldig sind. Wir wissen, dass wir in und.mit ihr lebm müssen und für sie so weit wie möglich zu wirken und zu streben haben, um auch unser Schärflem zu ihrer Besserung und Vervollkommnung beizutragen. Wir vermögen aber durchaus nicht, die unsere auf Kosten der allen Zeit zu erheben und jener Alles zuzuschreiben, dieser alles abzusprechen. Wir müssen die alle Zell schon darum hochschätzm und ihr alle Achtung zollen, da wir mit allem unserem Wissen und Können — wenn es wirklich größer und bedeutender ist — doch nur aus den Schultern unserer Altvordern stehm, wodurch eben unser Horizont ein weiterer und unser Ausblick ein größerer geworden ist. Wir haben auch die besten Beweise dafür, dass die Welt sich nicht in einem immerwährendem Vorschreiten bewegt, und wenn es auch einen Augenblick scheint, dass sie gerade in einem Fortschritte begriffen, ist, so ttiü plötzlich eine Reaction ein, die sie wieder auf Jahr- Hunderte lang zurückwirft. Da waren unsere Weisen in der Beurtheilung ihres Zeitallers und ihrer selbst schon viel bescheidener und anspruchsloser, indem sie das bekannte Sprichwort immer im Munde führten: Im risckaunim kemal’ochim omi kiwne odom, ־vv’im riscliaTiniin kiwne odom onu. — kaciiamanrnn ״Wenn unsere Vorfahren höhere Wesen waren, dann sind wir Menschen; sind sie aber Menschen gewesen, sind wir —' Esel!" 9hm, was die Musik im Judenthume anbetrifft, so wollen wir es dm Herrren Eollegm verrathen, dass in unserer wahrhaft heiügm, unübertroffmm Litteratur die Dhlsik schon schr früh, als man in der übrigm uncivilisirtm Wett noch keine Vorstellung von ihr hatte, als wirkliche Wissenschaft ׳חכמת המוזיקא״ genannt und unter den siebm Wissenschaftm, die im 2,erse von "׳'חצבה עמודיה שבעה enthalten sind, (nämlich: Algebra, Astronoime, Mathematik, Musik, Politik, Physik und Metraphysik) gleichberechtigt mllgezählt wurde. (Siehe die Vorrede des ״Okowoa halwowos" und ״Makarscko" zu Menockos 29, a. auf "מאי מכלות זהב")• Was das nun zu bedeutm hat, wird Jeder ermeffm komim, oem das Wort ״Wissmschaft" nicht fremd ist und der nill dm Wissmschaften irgmd Umgang pflegt. Wir wollm auch dm Herrm Eollegm mit der Aeußemng des ״jüdischen Meisters" gegm dm Kusarischm König aus dem 11. Jahrhundert Und nun sind wir auch am Ende aller unserer Auseinanderf setzungen angelangt und glauben unser Versprechen redlich gehalten | uno unsere Schuldigkeit,;0 weit wir vermochten und unsere Kennt? jj niße hinreichten, vollständig gethan zu haben. Jetzt erwarten wir j aber, dass auch Andere, Eollegm wie sonstige Fachmänner der f musikalischen Wissenschaft, sich an der Befestigung und Aufklärung L unseres Synagogmgesanges in allen seinen Theilen und Arten betheiligen werden. Es ist uns ganz gleichgiüig, ob man uns beistimmen oder widerlegen wird; nur einschlasen soll die Sache nicht , mehr und der urbare Boden soll weiter bearbellet werden. Vielleicht erleben wir aus ihm noch, bei fortgesetzter Arbeit, auch eine gute Ernte. Das gebe Gott! Gm Kettrag >z«r Geschichte der Magrepha. Bezugnehmend auf die trefflichen Auseinandersetzungen des Herrn Dr. Grünwald in seinem zweiten Artikel ״Gesang und Musik zur Zeit des Talmud" (Nr. 10 der österr.-ungar. Cantorm-Zeitung a. c.), sei es auch mir gestattet, meine Meinung über die ״Magrepha" im Tractate Tamid im Nachfolgenden kund zu geben: Dass die Magrepha nicht als Musikinstrument bei dem Gottesdienste im Tempel zu Jerusalem zur Anwendung kam,