Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 11 (15.4.1892)
- Date
- 1892-04-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453241-3453252--3436-3457791- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Nr. 11. Seile 6 Isaak insormirt war, sehr erregt. Sofort ließ sie den Jakob vor sich kommen, rheilre ihm da? Vorhaben Isaak's mit und trug ihn! zugleich auf, ihr zwei Ziegenbecklein zu bringen, damit sic sie schmackhaft bereite und er verkleidet als Esau sie dann dem Pater seinem Wunsche gemäß versetzen kenne; weil der Segen nunmchr nicht dem Esau sondern ihm, dem Jakob, gebühre. ״Aber was nützt und frommt mir mein Recht", entgegnete ihr Jakob, ״wenn der Vater bieoon keine Kennnns bat; er hält noch immer den Esau für seinen würdigen, frommen, erstgeborenen Sohn. Ich bin glatt, mein Bruder ist behaart, vielleicht wird der Vater mich betasten, und so würde ick inseinen Augen, wenn auch nicht in den Augen der Welt, als Betrüger erscheinen, wehajisi beenow kimsatea, was für mich sehr kränkend und von großeni ׳Nachtheile wäre." ״Fürchte nicht", beruhigte ihn die Mutter, ״der Fluch, den der Vater dir geden würde, komme auf mich! Gehorche nur meiner Stimme, und rbue, was ich dir empfehle." Jakob that so, wie ihm die Mutter aufgetragen und erhielt auf diese Weise den väterlichen Segen. Wie ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel traf den wirklichen Esau, der bald darauf nachhause kam, die Nachricht von dieser Segensertheilung. Jetzt erst sah er ein, dass er, der zu betrügen glaubte, sich selbst betrogen habe, dass er kein wahrer, sondern ein betrogener Betrüger fei. Er freute sich Anfangs, der Priefterwürde, die für ihn eine unerträgliche Last war, daher er sie mit Vergnügen den! Jakob gönnte, los geworden zu sein, vergaß aber, dass er durch diesen schwächlichen Act das Recht auf den dem Erstgebornen gebührenden väterlichen Segen verwirkt habe, wajakweni sek paaiuojim Jetzt erst merke ich, dass ich doppelt betrogen bin, dass der Idealismus nicht, wie ich früher glaubte, den Fluch, sondem den Segen zur Folge habe. — Obwohl er nicht ganz verkürzt wurde, da auch er vom Vater gesegnet wurde, war er doch aus ׳Neid über seinen Bruder Jakob, Len er gern als hungernden und darbenden Idealisten gesehen hätte, in solch hohem Maße erbittert, dass er ihm nach dem Leben getrachtet. Sein sehnlichster Herzensw u n f ch war nunmehr, dass der Vater׳ bald sterbe, damit er Jakob umbringen könnte. Als Rebeka hievon Kunde erhielt, ertheilte sie sofort dem Jakob den Auftrag, sich nach Charaii zu flüchten und dort längere Zeit zu verweilen. Auch Isaak ließ den Jakob zu sich kommen, rieth ihn! nach Cliaran zu reisen und segnete ihn nochmals: Der allmächtige Gott segne dich, mache dich groß, dass du zu einer Menge von Völkem werdest: er gebe dir Abrahams Segen, damit du als Träger der erhabenen Gottesidee groß und zum Segen der Menschheit werdest. Kleine Chronik. Wirn, 8. April. Der Nestor der israelitischen Cantoren in Deutschland, Herr Obercantor H. Goldberg in Braunschweig, begehr ani ersten Pessachtage ein Jubiläum, wie es selten Jemandem gegönnt ist, nämlich das Jubiläum 50jähriger Anrtsthätigkeit in ein und derselben Gemeinde. Zudiesem halben Säcnlum gesellen sich aber noch weitere dreizehn Amtsjahre, die der Jubilar in Holzminden in Seesen vordenr verlebte, so dass Obercantor Goldberg am 12. April aus nicht weniger denn 63 AmtSjahre zurückblicken darf. Der Jubilar ist lrotz seiner 85 Jahre von staunenswerther Frische und Rüstigkeit und gehört zu den bekanntesten und gefeiertster: CultuSbeamten in Deutschland. Aus dem Gebiete des Synagogengesanges war es ihm gegönnt,. reformirend zu wirken. Schon in: Jahre 1843 erschier: in: Verlage von Friedrich Vieweg & Sohn die erste Ausgabe seiner Synagogengesänge, die in und außerhalb Deutschlands Verbreitung und Anerkennung fand. Eine Jubelauögabe seiner Synagogengesänge verarrstaltete die Gemeinde Braunschweig zur Feier seines 86. Geburtstages. Im Jahre 1607, an: 12. Juni, ii: Wollsteir: (Posen) geboren, fand er vereus 1829 se:ne erste Anstellung als Eantor und Lehrer in Holzminden. Seit jenen: Tage ist er den: Herzogthurne Braunschweig en: durch seine zahlreicher: Verdier:ste, gar:z besonders auch auf hurnanitäreur Gebiete, hervorragender Bürger geworoerr, was durch den seligen Herzog Wilhelrn gelegentlich seines oOjährigen Arntsjubiläums in: Lande Braunschwelg durch Verleihung einer Ordensauszeichnung und durch huldreiche Gewährung einer besonderen Audienz öffentlich anerkannt wurde. Seit den: Jahre 1842 wirkt der würo:ge Jubilar, verehrt vor: der garrzen Bevölkerung, geliebt von seiner Gernernde, die fast bis aus der: ältesten Ar:gehörigen derselbe!: sein Schüler gewesen ist, in der Stadt Braunschweig selbst. Es dürfte nicht Viele geben, die gleich ihm durch nunrnehr 03 Arntsjahre hindurch in: schöner: hohen Alter von 85 Jahren noch mit gleicher Arbeitsfreudigkeit tyätig sind. Möge es dem subllirendeu Eollegen r:vch viele Jahre gegönnt sein, zun: Love Gottes, zur Freude seiner Gemeinde uno Angehörigen, sowie zur Zierde des Eantorenstandes in seinen: heiligen Berufe zu wirken! Wien. (Internationale Musik- und Theater-Ausstellung.) Die Eröffnung der internationalen Musik- und Theater-AuSstellur:g erfolgt desirütiv an: Samstag der: 7. Mai. Der feierliche Act wird sich in der großer: Tonhalle absptelen und mit einer rnusikallscher: Monslre- Aufführung eingeleitet werden. Au: Abend desselber: Tages rvird das Ausstellungs-Theater nrit einen: einactiger: Festspiel eröffnet, dessen Darstellung die Wiener Theater übernommen haben. Das Earl- Theater, das Deutsche Volkstheater, daö Josefstädter und das Theater an der Wien stellen ihr ganzes Personal m den Dienst des großen Unternehmens, und die Directionen haben beschlossen, an diesem Abende ihre Bühnen zu schließen. Mit Bewilligung der General-Jntendanz wird Frau Wolter eine der Hauptrollen des Stückes spielen. Wien. Die an Baron Maier von K e t s ch e n d o r f in Gotha verehelichte Tochter des Herrn David Ritter von Gutmann ist kürzlich glückliche Akttter eines Knaben geworden und fand die rituelle Beschneioung an: 21. v. M. auf Schloss Ketschendorf, wo daö freilherriche Paar wohnt, in Anwesenheit einer illustren Gesellschaft statt. Der Herzog von Coburg hatte telegraphisch seine Gratulation der Familie übermittelt und die Herzogin von Coburg, welche in Nizza weilt, ihren innigen Wünschen prachtvolle Blumenspenden beigeseür. Die Operatior: vollzog der bekanrtte Operateur Dr. Herzseld aus Wien, der von der glücklichen Mutter zun: Andenken an seinen Aufenthalt in Ketschendorf eine werthvolle Brillant-Busennadel erhielt. Erwähnt sei hier noch die gnädige Fürsorge des Herzogs Ernst für die jüdische Gemeinde in Gotha, die sich kürzlich erst dadurch dokuinentirte, dass der Herzog der Gemeinde, deren Bethaus zu klein wurde, ein Kirchengebäuoe schenkte, welches nach Vornahme der nöthigen Umänderungen gegenwärtig als Synagoge benützt wird. EropMU, o. April. Nach langem Suchen ist es endlich unserer Cullusgemeinde gelungen, einen geeigneten Platz für einen Ten:- pelbau auSsindig zu machen und wurde derselbe bereits von der Gemeinde käuflich erworben. Dem Baue eines neuen Tempels sieht die ganze Gemeinde mit Freuden entgegen, da der alte Tempel kaurn die Hälfte der hier wohnenden Gernemoernitglieder zu fassen vermag. Infolge dessen sind selbst an der: hohen Feiertagen sehr Viele vom Gottesdienste weggeblieben; theils aus Mangel an Raum, theils weil es Viele nicht vermögen, einige Stunden m den: engen, kleinen Raume auszuhalten! — Es war also die höchste Zeit, dass ein neuer, geräumiger Ternpel gebaut und daniit das religiöse Gefühl ein wenig geweckt werde. — Mit dem Tempelbau sollen auch zugleich neue Schul-Localitäten für die hiesige jüdische Volksschule gebaut und nach Beschluss des Vorstandes schon zürn nächsten Sernester-Beginn sertiggestellt werden. Warum mit dem Tempelbau nicht ebenso energisch begvnnm wird, wissen wir nicht, hoffen aber, dass unter der Leitung unseres verdienstvollen Präses, des Herrn Dr. jur. Sonnen!chein, auch dieser in kürzester Zeit in Angriff genommer: werden wird. 11. Darmstadt. Der junge Großherzog hat zu einer Deputation hessischer Schullehrer, welche von ihm kürzlich in Audienz empfangen wurde, die beherzigenswerthen Worte gesprochen, dass er die antisernitische Bewegung auf'S Tiefste bedaure und sie, gleich seinen: Onkel, dem hochseligen Kaiser Friedrich, als eine Schrnach unseres Jahrhunderts betrachte. So weit es in seiner Macht liege, würde er u: )einem Reiche entschieden Front gegen diese Hetze machen.