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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-04-15 · Heft 11 (15.4.1892) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 11 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Gesterreichisch-ungarische Eantoren-Zeitung. Seite 7. f^aris. Auf Antrag des Eentralconsistoriums verfügte der Kriegsminister, dass die jüdischen Soldaten vom 11. bis zum 20. April ihr Osterfest feiern können. Auch der Minister der Marine erließ eine gleiche Verfügung. London. Ueber den Generaldireetor der jüdischen Colonien in Argentinien, Oberstlieutenant Goldsmid, schreibt ein Vertreter des ״Daily Graphic": ״Es würde schwer fallen, einen Mann zu finden, welcher besser für den schwierigen Posten des Generaldireetors der jüdischen Colonien in Argentinien geeignet wäre. Befähigen ihn einerseitS seine militärische Erziehung und besonders seine Erfahrungen als Vice-Generalquartiermeister der englischen Armee in hervorragendem Maße, die Lösung großer Transport-, Organisatious- und Eolonisationsprobleme in die Hand zu nehmen, so sind anderseits in seinem ausgeprägt jüdischen Geiste jene Eigenschaften, Mitgefühl für den Nächsten und edle Begeisterung in der Verfolgung seiner Pläne, vereinigt, welche die Grundbedingung jedes Erfolges bilden. Oberst Goldsmid steht jetzt in seinem 40. Lebensjahre. Ein liebenswürdiger, genialer und energischer Mann von Welt, erinnert er durch seine Verbindung von heiterer Kamaradie mit starkem religiösen undRace- Gefühl sehr an Lawrence Oliphant. Er entstammt einem Geschlecht von Soldaten und einer der ersten Familien irr Israel. Die Tradition führt deit Ursprung der Familie Goldsmid ans die Makkabäer zurück, eüt Glaube, welcher auch in dem Wappen der Familie zum Ausdruck gelangt. Wie dem auch sein mag, so haben doch die Vorfahren des Obersten die militärischeit Gaben des Geschlechtes in glänzender Weise bethätigt. Seinem Großonkel, General Goldsmid, wurde bei Waterloo ein Pferd unter dem Leibe erschossen, sein Großvater hinterließ ein ausgezeichnetes Andenken im 19. Dragonerregiment, und fast alle seine männlichen Anverwandten haben sich in der Armee mit Ruhm bedeckt. Einer seiner hervorragendsten Vorfahren von mütterlicher Seite war Oberst David Franks, welcher während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Washington als Adjutant zur Seite stand. Einen großen Theil seiner freien Zeit hat Oberst Goldsmid den Interessen der jüdischen Gemeinde gewidmet, zu deren eifrigsten Mitgliedern er zählt. Besonderen Anthell nahm er an der Colonisation Palästinas uild an der Förderung der Idee eines neuen jüdischen Reiches. Im Jahre 1683 besuchte er Palästina und hielt sich bei Lawrence Oliphant aus dem Berge Earmel aus. Eine reizende Erinneruilg an jenen Besilch lebt er in seiner kleineli Tochter Earmel fort, welcher aus dem heiligen Berge zuerä das Licht der Welt erblickte." Port Said. In Ergänzung der in voriger Nummer bereit« gemeldeten Ausschreitungen gegen die Jttdett wird von Augenzcugen berichtet: Am 15. v. M., Nachmittags ljt2 Uhr, spielten in Port Said Kinder in herkömmlicher Weise^miteinander, wie sie öfter vorher gethan, und zwar waren es diesmal ein Griechen- und ein Judenkind. In der Achtlosigkeit des Vergnügtseins waren sie in ein nach der Straße gelegenes Gelass eines Hauses gedrungen, in welchem die Großeltern des Judenkindes wohnen und in dem, verhängnisvoller Weise, in einem nach hinten hinaus gehenden 'Raume auch der Betsaal der Israeliten Port Saids — es sind deren etwa 15 Familien — sich befindet. Das vorerwähnte Gelass war mit einern nur von außen zu öffnenden alten Schnappschlosse versehen, und die Kinder hatten, in der Hast des Spieles, die Thür geräuschvoll hinter sich zugeworfen; als sich beide gefangen sahen, begannen sie laut zu klopfen. Den Vorgang hatten im gegenüber gelegenen Kafseehause beim Spiele sitzende und müßig umherlungerude Griechen, die unterste Hefe der Hafenstadt, bemerkt, und mit entsetzlicher Schnelle durchzuckte das Hirn der entmenschten Horde die wahnwitzige Eombination vom Osterfest, der Synagoge und dem rituellen Morde. Gedacht, gethan, stürmt die Menge über die Straße, dringt in's Haus und pocht an das Thor des Betsaals, in welchem gerade des Judenkindes Großvater, der 85 Jahre alte und erblindete Kaufman Earmoua, seine Andacht verrichtete. Die im nämlichen Hause wohnende Frau desselben, der griechischen Sprache mächtig, vernimmt das anschwellende Toben des Mobs und dessen Verwünschungen; nichts Gutes ahnend, reißt sie die Fenster auf, vergeblich um Hilfe rufend, und sie eilt durch einen anderen Eingang zu ihrem bedrohten Manne, fliegenden Athems ihm den Hergang erzählend und ihn anseuemd, die Kinder aus dem Gelass zu holen, die unversehrte kleine Griechin der tumultirenden Masse zu zeigen und damit die Grundlosigkeit der Verdächtigung darzuthun. Es war zu spät! Der zitternde Greis öffnet die Thür, sinkt aber auch schon im nämlichen Augenblick, von den Knitteln seiner Angreifer zu Boden geschlagen, nieder. Wie die Autopsie ergab, hatten die griechischen Helden dem alten Manne sieben Rippen gebrochen, beide Beine total zerschmettert, und vom zertrümmerten Hirnschädel fand sich fast keine Substanz mehr vor. Schon todt, lud man ihn auf einen Karren, um den Leichnam in's Hospital zu fahren. Die Raubthiere mit dem gottesähnlichen Antlitz ließen es sich aber am Geschehenen noch nicht genügen, denn als das erbarmungswürdige Gefährt au seinem Ziele antraf, war der Ermordete noch über uud über niic großen Feldsteinen bedeckt. Seit der Zeit durchschwirten beständig Allarmgerücht die Stadt, der Polizeichef war derzeit abwesend, und der Gouverneur er klärt, gegenüber allen Bitteu um Schutz, in bündiger Weise, mit seinem geringen Militärcontingent wider die 5000 Griechen Port Saids machtios zu sein, Selbst bei dem Begräbnis des Erschlagenen mussten 20 Mann mit geladenem Gewehr zur Verhütung von Er-;essen den Leichenconduct bis zum Friedhose geleiten. Das sonst hier stationirte englische Kanonenboot ist wegen der zur Zeit stattsiudendeu Hebungen nicht am Orte. Unter diesen Ulnständen müsste mau be grüildeter Weise dem vor der Thür stehendeu Osterfest der Judeu mit Besorgnis entgegensehen, wenn nicht die Erwartung gerechtfertigt wäre, dass die eindringlichen Vorstellungen einflussreicher Personen in Kairo, das tolerante Egypten möge in Dingen der Menschlichkeit nicht aus das ׳Niveau Rußlands herabsinken, die Negierung zu geeigneten Gegenmaßregeln bewegen wird. Gingelendel. Geehrter Herr Redacteur! Anknüpfend an die geistreichen Essays des Herrn Dr. Grünwald und dessen Ausführungen vollauf würdigend, erlaube ich mir, den Leser auf den Perusch zum 150. Psalm aufmerksam zu machen, wo bei der Stelle beminim weugow — minim ausdrücklich mit ״Orgel" bezeichnet ist. Dies ist um so beachteitswerther und berechtigt, als eben die Orgel jenes Instrument ist, welches mir den verschiedenartigstell Pseiseil voin tiefsten dröhnenden Bass bis hinauf zum höchsten Discant versehen ist, und der königliche Sänger, der in den meisten Instrumenten wohl versirt war, ohne Zweifel auch die Orgel zum Lobe und zur Ehre Gottes ertönt wissen wollte. Rosenseld — Pise k. Au öie Kiiglieöer öes öjt.-Mg. HaräorenMeremes. Die P. T. Mitglieder werden höflichst ersucht, sich an der Donnerstag den 21. d. Dt. stattsindenden Vorstandswahl zahlreich zil betheiligen und die ausgesüllten Stimmzettel mit Benützung der beigelegten gelben Eouverte rechtzeitig einzusenden. Wien, am 15. April 1892. Der Vorstand des öst.-ung. Eantoren-Vereines. Aviso. Um den geehrten Herren Abonnenten und auch uns die Kosten der Einhebung pr. jDostauftrag zu ersparen, bitten wir um um־ gehende Einsendung des Abonllenientsbetrages für das zweite Quartal. Die Redaction. Der Frirriagr wegen erscheint die nächste Nummer am 1. N)ai

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